Bei ExpressLRS gibt es kein Update von nur einem Gerät. Sendemodul und Empfänger sprechen dasselbe Funkprotokoll, und dieses Protokoll ändert sich zwischen den Hauptversionen. Wer nur das Modul flasht, steht danach mit einer Drohne da, die kein Signal mehr bekommt. Der Ablauf ist trotzdem in zwanzig Minuten erledigt.
Das Wichtigste in Kürze
- Sender und Empfänger brauchen dieselbe Hauptversion, 3.x verbindet sich mit keinem 4.x.
- Aktuell ist ExpressLRS 4.1.0 vom 17. Juli 2026.
- Zwei Wege zum Flashen: ExpressLRS Configurator am Rechner oder direkt über das WLAN des Geräts.
- Die Binding Phrase muss zeichengenau auf beiden Seiten stehen, dann binden sich die Geräte von allein.
- In der EU wird LBT geflasht, mit einer Grenze von 100 mW Sendeleistung.
Warum beide Seiten zusammen geflasht werden

Die Hauptversion muss auf beiden Seiten übereinstimmen, die Unterversion darf abweichen.
Der Grund liegt im Protokoll. Zwischen zwei Hauptversionen ändern sich Paketaufbau und Kanalauflösung, in 4.0 etwa von 10 auf 12 Bit pro Kanal. Ein Empfänger, der ein anderes Paketformat erwartet, hört schlicht nichts. Innerhalb einer Hauptversion bleibt das Format stabil, deshalb arbeitet ein Modul auf 4.0.1 problemlos mit einem Empfänger auf 4.1.0.
Praktisch heißt das: Ein Update ist ein Nachmittag mit allen Drohnen auf dem Tisch, nicht ein schneller Klick zwischendurch.
Der Weg über den ExpressLRS Configurator
Der Configurator baut die Firmware für dein konkretes Gerät und schreibt sie anschließend. Fünf Angaben führen zum Ziel:
1. Version wählen. Unter “Releases” steht die aktuelle Stabilversion. Die Auswahl gilt für alle Geräte dieses Durchgangs.
2. Gerät wählen. Hersteller und Modell des Sendemoduls beziehungsweise des Empfängers. Die Bezeichnung steht auf dem Gerät oder in dessen Anleitung.
3. Regulatory Domain setzen. Für Deutschland und die EU die Variante mit LBT (Listen Before Talk). Sie prüft vor jedem Senden, ob der Kanal frei ist, und hält die Sendeleistung bei 100 mW.
4. Binding Phrase eintragen. Ein Text deiner Wahl, der auf allen Geräten identisch sein muss. Aus ihm berechnen beide Seiten dieselbe Kennung, und die Bindung entsteht danach ohne Knopfdruck.
5. Flash-Methode wählen. Bei Sendemodulen üblicherweise UART oder WLAN, bei Empfängern der Passthrough über den Flight Controller oder ebenfalls WLAN.
Danach startet “Build & Flash”. Der erste Durchlauf lädt die Werkzeugkette herunter und dauert einige Minuten, jeder weitere geht deutlich schneller.
Der Weg über WLAN
Für Empfänger, die bereits fest in einer Drohne stecken, ist der WLAN-Weg der bequemere. Beide Gerätetypen bringen dafür einen eigenen Zugangspunkt mit.
| Gerät | WLAN-Modus starten | Netzname | Adresse im Browser |
|---|---|---|---|
| Sendemodul | im Menü der Funke oder nach 60 s ohne Verbindung | ExpressLRS TX Module | 10.0.0.1 |
| Empfänger | dreimal kurz hintereinander ein- und ausschalten | ExpressLRS RX | 10.0.0.1 |
Das Passwort lautet in beiden Fällen expresslrs. Auf der Seite
lädst du die vorher im Configurator gebaute Firmware-Datei hoch und
wartest den Neustart ab.
Der Empfänger braucht dafür Strom aus dem Flugakku, USB allein reicht bei den meisten Boards nicht. Propeller bleiben dabei ab.
Die Reihenfolge, die Ärger spart
Ein Update ohne Reihenfolge endet schnell mit einer Drohne, die sich nicht mehr meldet, und der Frage, welche Seite jetzt welche Version hat. Diese Reihenfolge hat sich bewährt:
- Alle Binding Phrases notieren, bevor irgendetwas geflasht wird. Wer sie nur im Kopf hat, sucht später an der falschen Stelle.
- Zuerst einen Empfänger flashen, den einer Ersatzdrohne oder eines Modells, das gerade nicht gebraucht wird.
- Dann das Sendemodul. Ab hier ist die alte Flotte funkstumm.
- Mit dem einen Empfänger die Verbindung prüfen. Bindet er, stimmen Version, Phrase und Domain.
- Erst danach die restlichen Empfänger in Serie flashen.
Wer diesen Test überspringt und alle acht Empfänger auf einmal flasht, sucht bei einem Fehler in acht Geräten statt in einem.
Was der Sprung auf 4.x mitnimmt
Der Wechsel von 3.x auf 4.x ist mehr als eine höhere Zahl. Das interne Dateisystem der Module wechselt von SPIFFS auf LittleFS, und dieser Wechsel geht nur über eine vollständige Neubeschreibung.
Was dabei verloren geht:
- eigene Einträge auf der Hardware-Seite der Weboberfläche
- Einstellungen aus dem Options-Tab
- gerätespezifische Anpassungen an Pin-Belegungen
Was bleibt: die Binding Phrase als solche. Sie ist ein Text, kein gespeicherter Zustand, und ergibt nach dem Flashen wieder dieselbe Kennung.
Zwei Gerätegruppen bleiben vorerst außen vor. SPI-Empfänger, die direkt auf dem Flight Controller sitzen, laufen weiter auf 3.x-Code; sie stecken in vielen Tiny-Whoop-Modellen. Und ältere Module auf Basis des ESP8285 haben zu wenig Arbeitsspeicher für die neuen Funktionen. Wer solche Hardware fliegt, bleibt sinnvollerweise auf 3.x, bis sie ersetzt ist. Welche Rolle diese kleinen Modelle im FPV-Alltag spielen, steht im Ratgeber Tiny Whoop.
Wenn nach dem Flashen nichts bindet
Drei Ursachen decken fast alle Fälle ab, und sie lassen sich in dieser Reihenfolge prüfen:
| Prüfpunkt | Woran es scheitert | Kontrolle |
|---|---|---|
| Hauptversion | 3.x gegen 4.x | Versionsanzeige im Web-Interface beider Geräte |
| Binding Phrase | Tippfehler, Leerzeichen, Großschreibung | Phrase auf beiden Seiten neu setzen |
| Regulatory Domain | LBT gegen FCC | Firmware-Variante prüfen |
Erst wenn alle drei übereinstimmen, lohnt der Blick auf Hardware: lose Antenne, zu geringe Spannung am Empfänger, ein UART, der im Flight Controller nicht freigeschaltet ist. Wie diese Freischaltung läuft, steht im Ratgeber Betaflight Configurator.
Ein Empfänger, der gar nicht mehr reagiert, lässt sich fast immer über den WLAN-Modus retten, weil dieser unabhängig von der Konfiguration startet. Dreimal kurz ein und aus, dann steht das Netz.
Passthrough: flashen durch den Flight Controller
Empfänger, die per UART am Flight Controller hängen, lassen sich ohne Ausbau flashen. Der Configurator schickt die Firmware dabei durch das Board hindurch an den Empfänger.
Voraussetzung ist eine passende Betaflight-Version auf dem Board und ein per USB verbundener Flight Controller. Im Configurator wählst du als Flash-Methode “Betaflight Passthrough”, der Rest läuft automatisch. Wenn das Board selbst gerade ein Update braucht, steht der Ablauf im Ratgeber Betaflight Firmware-Update.
Der Flugakku bleibt bei diesem Weg ab, die Versorgung läuft über USB. Meldet der Empfänger sich trotzdem nicht, hat er einen eigenen Spannungsregler, der ohne Flugakku stumm bleibt; dann führt der WLAN-Weg zum Ziel.
Fazit: eine Version, eine Phrase, eine Domain
ExpressLRS ist im Betrieb unauffällig und beim Update anspruchsvoll, weil zwei Geräte zusammenpassen müssen. Drei Werte entscheiden: dieselbe Hauptversion, dieselbe Binding Phrase, dieselbe Regulatory Domain. Stimmen sie, bindet die Strecke innerhalb weniger Sekunden.
Für den Alltag lohnt eine kleine Textdatei mit Modell, Version und Phrase je Drohne. Sie kostet fünf Minuten und beantwortet jede spätere Frage in zehn Sekunden. Und weil das Sendemodul in der Funke steckt, lohnt es sich, deren Firmware im selben Durchgang mitzunehmen: Der Ablauf dafür steht im Ratgeber Radiomaster Firmware-Update.
Häufige Fragen
Müssen Sender und Empfänger bei ExpressLRS dieselbe Version haben?
Dieselbe Hauptversion ist Pflicht. Ein Sendemodul auf 4.x verbindet sich mit keinem Empfänger auf 3.x, und umgekehrt. Innerhalb einer Hauptversion ist die Kombination unkritisch, 4.0.1 arbeitet also problemlos mit 4.1.0 zusammen. Deshalb wird beim Versionssprung immer die komplette Flotte geflasht: Sendemodul und jeder Empfänger in jeder Drohne.
Welche ExpressLRS-Version ist aktuell?
Aktuell ist ExpressLRS 4.1.0, veröffentlicht am 17. Juli 2026. Die Hauptversion 4.0 erschien davor und brachte unter anderem 12-Bit-Kanalauflösung, ein freier wählbares Arm-Signal und doppelte Telemetriebandbreite im Gemini-Betrieb. Wer noch auf 3.x fliegt, kann dort bleiben, solange Sendemodul und alle Empfänger auf derselben Hauptversion stehen.
Wie flashe ich ExpressLRS über WLAN?
Das Sendemodul öffnet ein eigenes WLAN mit dem Namen "ExpressLRS TX Module", das Passwort lautet expresslrs. Nach dem Verbinden rufst du im Browser 10.0.0.1 auf und lädst dort die Firmware-Datei hoch. Beim Empfänger wird der WLAN-Modus ausgelöst, indem du die Drohne dreimal kurz hintereinander ein- und ausschaltest; danach erscheint das Netz "ExpressLRS RX" unter derselben Adresse.
Was ist die Binding Phrase und muss ich sie neu eingeben?
Die Binding Phrase ist ein frei gewählter Text, aus dem beide Seiten denselben Funkschlüssel berechnen. Stimmt sie auf Sender und Empfänger überein, binden sich die Geräte nach dem Flashen von allein. Sie wird beim Bauen der Firmware eingetragen oder nachträglich über die Weboberfläche gesetzt und muss zeichengenau gleich sein, Groß- und Kleinschreibung eingeschlossen.
Welche Regulatory Domain gilt in Deutschland?
In der EU wird die Variante mit LBT geflasht, also Listen Before Talk. Sie prüft vor dem Senden, ob der Kanal frei ist, und begrenzt die Sendeleistung auf 100 Milliwatt. Die FCC-Varianten mit höherer Leistung sind für den Betrieb in Deutschland nicht zulässig. Sender und Empfänger müssen dieselbe Domain nutzen, sonst kommt keine Verbindung zustande.
Was ändert sich beim Sprung von 3.x auf 4.x?
Das interne Dateisystem der Module wechselt von SPIFFS auf LittleFS, und dieser Wechsel lässt sich nicht im laufenden Betrieb migrieren. Eigene Einträge auf der Hardware-Seite der Weboberfläche und die Einstellungen im Options-Tab sind nach dem Update leer und werden neu gesetzt. Die Binding Phrase selbst bleibt gültig, sie muss nur auf beiden Seiten wieder dieselbe sein.
Kann ich einen SPI-Empfänger auf 4.x aktualisieren?
Empfänger, die direkt auf dem Flight Controller sitzen und über SPI angebunden sind, laufen weiter auf dem 3.x-Code und lassen sich nicht eigenständig auf 4.x heben. Wer solche Boards fliegt, etwa in vielen Tiny-Whoop-Modellen, bleibt mit dem Sendemodul auf 3.x oder braucht ein zweites Sendemodell für diese Modelle.
Mein Empfänger bindet nach dem Flashen nicht mehr. Woran liegt das?
Drei Ursachen decken fast alle Fälle ab: unterschiedliche Hauptversionen auf Sender und Empfänger, eine abweichende Binding Phrase (oft ein Tippfehler oder ein zusätzliches Leerzeichen) oder eine unterschiedliche Regulatory Domain. Prüfe in dieser Reihenfolge. Erst wenn alle drei übereinstimmen, lohnt der Blick auf Antenne und Stromversorgung.