Im Juni 2025 zeigte das chinesische Staatsfernsehen eine Drohne, die von einer Mücke kaum zu unterscheiden ist. Seitdem taucht eine Frage immer wieder auf: Wie klein können Drohnen heute wirklich sein, und fliegen solche Geräte schon unbemerkt durch Wohnzimmer? Dieser Überblick sortiert, was in Insektengröße existiert, wie diese Mini-Drohnen fliegen und woran sie bisher scheitern.
Das Wichtigste in Kürze
- Es gibt sie, im Labor: Einer der kleinsten Flugroboter, der RoboBee von Harvard, wiegt 0,08 g. Er flog 2013 zum ersten Mal, am Kabel.
- Energie ist die Grenze: Unter einem Gramm kommt die Energie bei allen Projekten mit veröffentlichten Daten von außen, per Kabel, Laser oder starker Lampe.
- Mit eigenem Akku ab etwa 3 g: Die DelFly Micro der TU Delft flog 2008 mit Kamera und Akku rund zwei bis drei Minuten.
- Einsatzreif ist heute die Black Hornet: Die militärische Nanodrohne wiegt 33 bis 70 g, etwa handgroß.
- Nicht käuflich: Insekten-Drohnen gibt es nicht im Handel. Die kleinsten zivilen Kameradrohnen wiegen 20 bis 60 g.
Was eine Insekten-Drohne ist
Unter dem Begriff laufen zwei Dinge, die oft zusammenfallen. Zum einen die Größe: Drohnen, die so klein und leicht sind wie ein Insekt, also im Bereich von Milligramm bis wenigen Gramm. Zum anderen das Flugprinzip: Schlagflügel, die sich Bienen, Fliegen oder Mücken zum Vorbild nehmen. In der Forschung heißen solche Geräte Flapping-Wing Micro Air Vehicles oder schlicht Mikroroboter.
Die meisten Projekte stammen aus Universitätslaboren. Harvard, das MIT, die University of Washington und die TU Delft arbeiten seit Jahren daran, dazu kommen Militärlabore wie die National University of Defense Technology (NUDT) in China. Ein Produkt für Endkunden ist aus keinem dieser Projekte entstanden.
Warum im Kleinen Flügel besser funktionieren als Propeller
Eine normale Drohne hebt mit Propellern ab. Das klappt ab einer gewissen Größe sehr gut, im Millimeterbereich aber immer schlechter. Je kleiner ein Flügel oder Propellerblatt ist, desto zäher verhält sich die Luft um ihn herum. Ein winziger Propeller verliert viel seiner Leistung an Reibung.
Insekten lösen das Problem mit schlagenden Flügeln. Bei jedem Schlag bildet sich an der Vorderkante des Flügels ein Wirbel, der den Auftrieb deutlich erhöht. Außerdem erlauben Schlagflügel abrupte Richtungswechsel, die ein Propellerantrieb in dieser Größe kaum schafft. Die DelFly Nimble der TU Delft ahmt mit 17 Flügelschlägen pro Sekunde sogar die Fluchtmanöver einer Fruchtfliege nach und fliegt dabei Überschläge und Rollen.
Angetrieben werden die Flügel der kleinsten Roboter meist mit piezoelektrischen Aktuatoren: dünnen Keramikstreifen, die sich unter Spannung ausdehnen und zusammenziehen wie ein Muskel. Beim RoboBee von Harvard schlagen die Flügel so rund 120 Mal pro Sekunde. Für die chinesische Mücken-Drohne nennen Berichte bis zu 500 Schläge pro Sekunde.
Die wichtigsten Projekte im Überblick
Die folgende Tabelle ordnet die bekannten Insekten- und Nanodrohnen nach Gewicht. Die Black Hornet ist als Referenz für die kleinste einsatzreife Klasse dabei.
| Gerät | Herkunft | Jahr | Gewicht | Energie |
|---|---|---|---|---|
| RoboBee | Harvard | 2013 | 0,08 g | Kabel |
| RoboFly | University of Washington | 2018 | 0,19 g | Laser auf Solarzelle |
| RoboBee X-Wing | Harvard | 2019 | 0,26 g | Solarzellen unter Lampen |
| Mücken-Drohne | NUDT, China | 2025 | ca. 0,3 g | keine Angaben |
| Insektenroboter | MIT | 2025 | unter 1 g | Kabel |
| DelFly Micro | TU Delft | 2008 | 3,07 g | Akku an Bord |
| Nano Hummingbird | AeroVironment | 2011 | 19 g | Akku an Bord |
| DelFly Nimble | TU Delft | 2018 | 29 g | Akku an Bord |
| Black Hornet 3 | Teledyne FLIR | bis 33 g | Akku an Bord | |
| Black Hornet 4 | Teledyne FLIR | 2023 | 70 g | Akku an Bord |
Das MIT nennt für seinen Roboter kein exaktes Gewicht, nur den Vergleich „leichter als eine Büroklammer”.

Oberhalb von einem Gramm tragen alle Geräte ihren Akku selbst, darunter kommt die Energie in allen belegten Fällen von außen.
Die kleinsten Flugroboter im Detail
RoboBee (Harvard, 2013). Mit weniger als 0,1 Gramm und der Größe einer halben Büroklammer schaffte der RoboBee im Mai 2013 den ersten gesteuerten Flug eines Roboters in Insektengröße: Start, Schweben und Richtungswechsel. Die Energie kam über ein dünnes Kabel. 2025 bekam eine Weiterentwicklung Beine nach dem Vorbild der Schnake, damit sie weich landen kann.
RoboFly (University of Washington, 2018). Mit 190 Milligramm war der RoboFly das leichteste Fluggerät, das ohne Kabel abhob. Ein Laserstrahl traf eine Solarzelle auf dem Rücken, eine Schaltung von unter 100 Milligramm wandelte die rund 7 Volt der Zelle in über 200 Volt für den Piezo-Antrieb um. Der erste Flug war nur ein kurzes Abheben.
RoboBee X-Wing (Harvard, 2019). Vier Flügel, 259 Milligramm inklusive Solarzellen und Elektronik, rund 120 Milliwatt Leistungsbedarf. Die X-Wing flog ohne Kabel, brauchte dafür aber Licht mit etwa dreifacher Sonnenstärke, erzeugt von Halogenlampen im Labor. Unter freiem Himmel reicht das Sonnenlicht nicht, außerdem fehlte eine Steuerung an Bord.
Insektenroboter des MIT (2025). Das Team um Kevin Chen ließ einen Roboter mit vier Flügeln mehr als 1.000 Sekunden schweben, knapp 17 Minuten, und flog dabei Doppel-Überschläge. Laut MIT ist das hundertmal länger als bisherige Flüge in diesem Feld. Der Roboter hing allerdings an einem Kabel. Für den freien Flug fehlen nach Angaben der Forscher noch winzige Akkus, Sensoren und Rechenleistung an Bord.
Warum die Energie die Grenze zieht
Alle Geräte unter einem Gramm in der Übersicht haben dasselbe Problem: Sie tragen ihre Energie nicht selbst. Dafür gibt es mehrere Gründe, die sich gegenseitig verstärken.
- Jeder Akku bringt Verpackung mit. Gehäuse, Kontakte und Schutzschaltung wiegen bei kleinen Zellen verhältnismäßig viel. Je kleiner der Akku, desto geringer der Anteil, der tatsächlich Energie speichert.
- Der Antrieb braucht Hochspannung. Piezo-Aktuatoren arbeiten mit über 200 Volt. Die Wandlerschaltung dafür wiegt selbst schon einen Teil des Budgets, wie das Beispiel RoboFly zeigt.
- Steuerung kostet Gewicht. Sensoren und ein Rechner an Bord brauchen Strom und Masse. Bei den Laborrobotern übernimmt beides meist ein Rechner außerhalb, der die Position per Kamerasystem erfasst.
- Mehr Last braucht mehr Leistung. Jedes zusätzliche Milligramm muss mitgetragen werden und erhöht den Energiebedarf, der wiederum mehr Akku verlangt.
Ab einigen Gramm geht die Rechnung auf. Die DelFly Micro der TU Delft wog 3,07 Gramm, trug eine Kamera mit Videoübertragung und flog damit zwei bis drei Minuten. 2009 stand sie deshalb im Guinness-Buch der Rekorde als kleinstes Flugzeug mit Kamera. Wer sich für die Rolle der Akkus bei kleinen Drohnen allgemein interessiert, findet die Grundlagen im Beitrag zum Mini-Drohnen-Akku.
Die Mücken-Drohne aus China
Am 20. Juni 2025 stellte der chinesische Militärsender CCTV-7 eine Mini-Drohne der National University of Defense Technology vor. Nach den Berichten ist sie 1 bis 2 Zentimeter lang, wiegt etwa 0,3 Gramm und hat zwei blattförmige Flügel sowie drei dünne Beine. Gezeigt wurde außerdem eine Variante mit vier Flügeln, die sich per Smartphone steuern lässt.
Was fehlt, sind überprüfbare Daten. Zur Energieversorgung, zur Flugzeit, zu einer Kamera und zur Reichweite gibt es keine veröffentlichten Angaben. Die Einordnung als Aufklärungsgerät stammt aus der Präsentation selbst. Gemessen an den dokumentierten Forschungsprojekten wäre eine Mücken-Drohne mit eigener Energie, Kamera und Funkstrecke ein großer Sprung. Ob sie ihn geschafft hat, lässt sich von außen nicht beurteilen.
Die einsatzreife Grenze: Black Hornet
Als kleinste Aufklärungsdrohne, die nachweislich in großer Stückzahl bei Streitkräften fliegt, gilt die Black Hornet von Teledyne FLIR. Die Generation 3 wiegt bis zu 33 Gramm, die Generation 4 70 Gramm, beide sind kleine Hubschrauber mit Kamera und Wärmebild. Sie fliegen 25 bis über 30 Minuten und funken zwei bis drei Kilometer weit.
Zwischen der Black Hornet und den Laborrobotern liegen also mehr als zwei Zehnerpotenzen beim Gewicht. Wie die Black Hornet aufgebaut ist, was sie kostet und wer sie einsetzt, steht im Beitrag zur Mini-Drohne Black Hornet.
Können Insekten-Drohnen dich ausspionieren?
Nach allem, was öffentlich bekannt ist, lautet die ehrliche Antwort: nicht mit der Technik aus den Laboren. Die Geräte in echter Insektengröße fliegen Sekunden bis Minuten, hängen an Kabel, Laser oder Lampe und übertragen in den dokumentierten Fällen kein Kamerabild. Kameradrohnen mit eigener Energie beginnen bei einigen Gramm und sind damit deutlich größer als eine Mücke.
Realistischer ist eine andere Situation: eine gewöhnliche Kameradrohne über dem eigenen Garten. Was du dann tun darfst und was nicht, beschreibt der Beitrag Wie kann man sich vor Drohnen schützen?, und wer dafür zuständig ist, klärt der Beitrag zum Melden einer Drohne bei der Polizei.
Wofür die Forschung Insekten-Drohnen baut
Die Überwachung ist eine von mehreren Anwendungen. In der zivilen Forschung stehen andere Ziele im Vordergrund:
- Bestäubung: Das MIT arbeitet ausdrücklich auf Roboter hin, die bei schwindenden Bienenbeständen Pflanzen bestäuben, etwa in Gewächshäusern. Das Ziel sind Flüge von über 10.000 Sekunden und Landungen in der Mitte einer Blüte.
- Such- und Rettungseinsätze: Winzige Flieger könnten in Trümmer eindringen, in die keine größere Drohne passt.
- Aufklärung: Militärlabore wie die NUDT sehen Einsätze in Gebäuden und engen Räumen, die für größere Drohnen unzugänglich sind.
Was du als Privatperson fliegen kannst
Eine Insekten-Drohne gibt es nicht zu kaufen. Die kleinsten Kameradrohnen im Handel sind Tiny Whoops mit 20 bis 60 Gramm und Propellerschutz, dazu einfache Spielzeug-Minidrohnen um 20 Gramm. Für Studium und Forschung gibt es offene Plattformen wie den Crazyflie 2.1 Brushless von Bitcraze: 34 Gramm mit Landebeinen, laut Hersteller rund 10 Minuten Flugzeit und frei programmierbar, allerdings mit vier Propellern.
Wer eine solche Mini-Drohne draußen fliegt, muss sich an dieselben Regeln halten wie bei jeder anderen Drohne. Mit Kamera ist die Registrierung als Betreiber Pflicht, egal wie leicht das Gerät ist. Welche Regeln ohne Kamera entfallen, erklärt der Beitrag zur Drohne unter 250 g ohne Kamera. Und wie du die Kleinen im Wohnzimmer übst, steht im Beitrag zur Mini-Drohne für zuhause.
Fazit: Energie ist der letzte fehlende Baustein
Drohnen in Insektengröße fliegen, und zwar seit über zehn Jahren. Der RoboBee wog 2013 weniger als ein Zehntelgramm, das MIT hielt 2025 einen Roboter fast 17 Minuten in der Luft. Den letzten Schritt in den freien Flug mit eigener Energie hat unter einem Gramm aber noch kein veröffentlichtes Projekt geschafft. Solange Akku, Spannungswandler und Steuerung nicht auf Milligramm schrumpfen, bleibt die handgroße Black Hornet die kleinste Aufklärungsdrohne im echten Einsatz.
Für dich als Pilot heißt das: Wenn dich die ganz kleinen Fluggeräte reizen, ist ein Tiny Whoop der Weg in diese Welt. Er wiegt so viel wie eine Black Hornet und lässt sich schon am ersten Abend in der Wohnung fliegen.
Häufige Fragen
Gibt es Drohnen so klein wie eine Mücke?
Als Forschungsgeräte ja. Die National University of Defense Technology in China zeigte im Juni 2025 im Staatsfernsehen eine Drohne von 1 bis 2 Zentimetern Länge und rund 0,3 Gramm, die einer Mücke nachempfunden ist. Harvard ließ schon 2013 den RoboBee mit weniger als 0,1 Gramm fliegen. Beide sind Labor- beziehungsweise Vorführgeräte. Eine einsatzreife Drohne in Mückengröße mit eigener Energieversorgung ist öffentlich nicht dokumentiert.
Kann man eine Insekten-Drohne kaufen?
Nein. Alle Geräte in Insektengröße sind Forschungsprojekte von Universitäten oder Militärlaboren und werden nicht verkauft. Die kleinsten Kameradrohnen im Handel sind Tiny Whoops mit 20 bis 60 Gramm. Für Forschung und Lehre gibt es offene Nano-Quadrokopter wie den Crazyflie 2.1 Brushless von Bitcraze mit 34 Gramm, der allerdings wie eine normale Drohne mit Propellern fliegt.
Wie lange fliegt eine Insekten-Drohne?
Das hängt davon ab, woher die Energie kommt. Am Kabel schaffte ein Insektenroboter des MIT 2025 mehr als 1.000 Sekunden Schwebeflug, also knapp 17 Minuten. Mit eigenem Akku fliegen nur größere Geräte länger: die DelFly Micro mit 3 Gramm etwa zwei bis drei Minuten, die DelFly Nimble mit 29 Gramm rund fünf Minuten. Unter einem Gramm ist in den bekannten Projekten kein Akku an Bord belegt.
Werden Insekten-Drohnen schon zur Überwachung eingesetzt?
Öffentlich belegt ist das nicht. Als kleinste Aufklärungsdrohne im nachgewiesenen militärischen Einsatz gilt die Black Hornet mit 33 bis 70 Gramm, etwa so groß wie eine Hand. Die Geräte in echter Insektengröße fliegen bisher im Labor, oft nur Sekunden bis Minuten und mit Energie von außen. Über die Einsatzfähigkeit der chinesischen Mücken-Drohne gibt es keine veröffentlichten Daten.
Warum schlagen Insekten-Drohnen mit Flügeln?
Weil Propeller im Millimeterbereich schlecht arbeiten. Je kleiner ein Flügel, desto zäher verhält sich die Luft um ihn herum, und ein winziger Propeller verliert viel Energie an Reibung. Schlagflügel nutzen einen Wirbel an der Flügelvorderkante, der zusätzlichen Auftrieb erzeugt, genau wie bei echten Insekten. Außerdem machen sie extrem wendige Manöver möglich, etwa die Fluchtbewegungen einer Fruchtfliege.
Wie werden die Flügel einer Insekten-Drohne angetrieben?
Meist mit piezoelektrischen Aktuatoren. Das sind dünne Keramikstreifen, die sich unter elektrischer Spannung ausdehnen und zusammenziehen, ähnlich einem Muskel. Beim RoboBee schlagen die Flügel so rund 120 Mal pro Sekunde. Der Haken: Piezo-Antriebe brauchen hohe Spannungen, beim RoboFly der University of Washington über 200 Volt, die erst aus wenigen Volt erzeugt werden müssen.