Sie passt in eine Hosentasche, wiegt weniger als eine Tafel Schokolade und fliegt eine halbe Stunde lang fast lautlos um Häuserecken: Die Black Hornet ist die bekannteste Mini-Drohne der Welt, obwohl kaum jemand sie je im Laden sehen wird. Hier findest du, was hinter dem kleinen Hubschrauber steckt, wie sich die Generationen unterscheiden, was ein System kostet und was davon für zivile Piloten erreichbar ist.
Das Wichtigste in Kürze
- Militärische Nanodrohne: Die Black Hornet ist ein Mini-Hubschrauber für die Aufklärung durch einzelne Soldaten, entwickelt in Norwegen, heute gebaut von Teledyne FLIR.
- Aktuelle Daten: Die Black Hornet 4 wiegt 70 g, fliegt über 30 Minuten, funkt über 3 km weit und hat Tageslicht- und Wärmebildkamera.
- Vorgänger: Die Black Hornet 3 wiegt bis zu 33 g, fliegt bis zu 25 Minuten und hat 2 km Funkreichweite.
- Preis: Großbritannien zahlte 2013 rund 125.000 £ je System mit zwei Drohnen, Ausbildung und Support.
- Nicht frei erhältlich: Verkauft wird nur an Streitkräfte und Behörden. Die Bundeswehr nutzt das System seit 2016.
Was die Black Hornet ist
Die Black Hornet gehört zur Klasse der Personal Reconnaissance Systems, also Aufklärungssysteme für einen einzelnen Soldaten oder eine kleine Gruppe. Die Idee dahinter ist simpel: Bevor jemand um eine Hausecke, über eine Mauer oder in ein Gebäude schaut, schickt er eine Kamera voraus, die so klein und leise ist, dass sie kaum auffällt.
Entwickelt hat die Drohne die norwegische Firma Prox Dynamics. Die britische Armee setzte die erste Version PD-100 ab 2012 in Afghanistan ein. 2016 kaufte der US-Konzern FLIR Systems das Unternehmen für 134 Millionen US-Dollar. Heute firmiert die Produktlinie unter Teledyne FLIR.
Ein System besteht immer aus mehreren Teilen: zwei Fluggeräten, einer Basisstation, in der sie transportiert und geladen werden, einem Steuergerät für eine Hand und einem Display. Die Drohne selbst ist dabei der kleinste und leichteste Baustein.
Warum die Black Hornet ein Hubschrauber ist
Fast alle zivilen Mini-Drohnen haben vier Rotoren. Die Black Hornet fliegt dagegen wie ein klassischer Hubschrauber: ein großer Hauptrotor oben, ein kleiner Heckrotor am Ende eines dünnen Auslegers, der das Drehmoment ausgleicht und die Drohne um die Hochachse dreht.
Der Grund liegt in der Physik des Schwebens. Ein Rotor erzeugt Auftrieb, indem er Luft nach unten beschleunigt. Je größer die Fläche, die er dabei überstreicht, desto weniger Energie braucht er für dasselbe Gewicht. Auf einer Grundfläche von der Größe einer Hand bringt ein einzelner Rotor mit 12 bis 19 cm Durchmesser deutlich mehr Rotorfläche unter als vier kleine Propeller. Das zahlt direkt auf die Flugzeit ein, und die ist bei einem Akku von wenigen Gramm der knappste Wert überhaupt.
Der zweite Vorteil ist die Lautstärke. Ein großer, langsam drehender Rotor pfeift weniger als vier kleine, schnell drehende. Das Beschaffungsamt der Bundeswehr nennt für die bestellten Systeme weniger als 30 dB auf 30 Meter Entfernung, das liegt auf Flüsterniveau.

Die Black Hornet 4 ist in jeder Dimension größer als ihr Vorgänger, passt aber weiterhin in eine Hand.
Die Generationen im Vergleich
Über die Jahre ist die Black Hornet gewachsen. Mehr Gewicht bedeutet hier mehr Akku, eine stärkere Funkstrecke und bessere Sensoren. Die wichtigsten Werte nach Herstellerangaben und Angaben der Bundeswehr:
| PD-100 | Black Hornet 3 | Black Hornet 4 | |
|---|---|---|---|
| Gewicht Drohne | 18 g | bis 33 g | 70 g |
| Länge | 168 mm | 255 mm | |
| Rotordurchmesser | 123 mm | 190 mm | |
| Flugzeit | bis 25 min | bis 25 min | über 30 min |
| Funkreichweite | 1,5 km | 2 km | über 3 km |
| Höchstgeschwindigkeit | ca. 21 km/h | bis 36 km/h | |
| Wind | 15–20 Knoten | 25 Knoten plus Böen | |
| Navigation | GPS | GNSS, optional kamerabasiert | auch ohne GNSS |
| Kameras | Tag und Infrarot | Tag und Wärmebild | 12 MP, Wärmebild, Hinderniserkennung |
Leere Felder bedeuten: Dafür gibt es keine belastbare Angabe. Für die PD-100 schwanken die Werte je nach Quelle deutlich, die Tabelle nennt die Zahlen der Bundeswehr.
Der größte Sprung von Generation 3 auf 4 steckt in der Navigation. Die Black Hornet 3 orientiert sich in erster Linie über Satellitensignale, eine kamerabasierte Positionsbestimmung war optional. Die Black Hornet 4 bestimmt ihre Position laut BAAINBw bildbasiert und damit unabhängig von GNSS. Das hat praktische Folgen: Wer Satellitensignale gezielt stört, legt Drohnen mit reiner GPS-Navigation lahm, und genau dieses Stören gehört heute zum Alltag auf Gefechtsfeldern. Wie zivile Drohnen GPS nutzen und was ohne Signal passiert, steht im Beitrag zur Drohne mit GPS.
Kamera, Funk und Bedienung
Die Black Hornet liefert zwei Arten von Bildern: ein Live-Video auf das Display des Soldaten und hochaufgelöste Einzelbilder für die genauere Auswertung. Bei der Black Hornet 4 nennt die Bundeswehr eine 12-Megapixel-Tageslichtkamera und eine hochauflösende Wärmebildkamera. Damit funktioniert die Aufklärung auch nachts oder bei Rauch, weil Menschen und Motoren sich im Wärmebild deutlich vom Hintergrund abheben. Was Wärmebildkameras an zivilen Drohnen leisten, beschreibt der Beitrag zur Drohne mit Wärmebildkamera.
Die Funkverbindung ist verschlüsselt, damit weder Bild noch Steuerbefehle mitgelesen werden können. Gesteuert wird mit einer Hand. Die Drohne fliegt mit Autopilot, hält selbstständig ihre Position und kehrt auf Befehl von allein zurück. So schaut der Soldat die meiste Zeit auf das Bild und lenkt nur selten aktiv. Teledyne FLIR betont ausdrücklich, dass nur wenig Ausbildung nötig ist, weil genau dieser Punkt über den Einsatz in der Breite entscheidet.
Wer die Black Hornet einsetzt
Die Black Hornet ist bei zahlreichen Streitkräften im Einsatz, darunter mehrere NATO-Staaten. Einige Aufträge sind öffentlich dokumentiert:
| Land | Jahr | Auftrag |
|---|---|---|
| Großbritannien | 2013 | 160 Systeme für 20 Mio. £ |
| Deutschland | 2016 | Erstbeschaffung für Spezialkräfte des Heeres |
| Australien | 2017 | 6,8 Mio. US-$ |
| USA | 2018 | 2,6 Mio. US-$ (erste Phase) |
| USA | 2019 | 39,6 Mio. US-$ (Soldier Borne Sensor) |
| Frankreich | 2019 | 89 Mio. US-$ |
| USA | 2020 | 20,6 Mio. US-$ |
| Deutschland | 2024 | Black Hornet 3 und 4 für Heer und Marine |
Laut Hersteller waren bis Anfang 2019 mehr als 8.000 Fluggeräte ausgeliefert, bis Mai 2020 nach Angaben des Fachportals army-technology mehr als 12.000.
In Deutschland lief die Beschaffung in zwei Schritten. 2016 kaufte die Bundeswehr die ersten Systeme für die verdeckte Aufklärung im Ortsbereich durch spezialisierte Kräfte des Heeres, inklusive eines fünfjährigen Support-Vertrags. Am 30. Dezember 2024 folgte ein Auftrag über Systeme der Generationen 3 und 4 für Spezialkräfte von Heer und Marine. Vertragspartner ist die ELP GmbH als Vertriebspartner von Teledyne FLIR. Stückzahl und Preis hält das BAAINBw unter Verschluss.
Was eine Black Hornet kostet
Einen Listenpreis gibt es nicht. Die aussagekräftigste Zahl stammt vom britischen Auftrag aus dem Jahr 2013: 20 Millionen Pfund für 160 Systeme, also rund 125.000 Pfund je System. Darin stecken jeweils zwei Drohnen, die Bodenstation, Ausbildung und Support. Spätere Aufträge nennen nur Gesamtsummen ohne Stückzahl, ein Stückpreis lässt sich daraus nicht seriös ableiten.
Dass eine 33-Gramm-Drohne so viel kostet, liegt an Faktoren, die man ihr nicht ansieht:
- Kleine Stückzahlen: Gebaut werden Tausende, zivile Drohnen laufen in Millionenauflage vom Band.
- Verschlüsselung und Störfestigkeit: Die Funkstrecke muss militärischen Anforderungen genügen, die Navigation auch ohne Satellitensignal funktionieren.
- Robustheit: Die Black Hornet 4 ist laut Hersteller nach dem US-Militärstandard MIL-STD-810H geprüft und fliegt bei Wind und Regen.
- Paketpreis: Ausbildung, Ersatzteile und mehrjähriger Support sind Teil des Vertrags.
Kann man die Black Hornet privat kaufen?
Nein. Teledyne FLIR verkauft die Black Hornet nur an Streitkräfte und Behörden, über spezialisierte Vertriebspartner. Einen Onlineshop oder Händler für Privatkunden gibt es nicht, und als Rüstungsgut unterliegt das System zusätzlich der Exportkontrolle.
Was zivil am nächsten herankommt, sind Nanodrohnen aus dem FPV-Bereich. Ein Tiny Whoop wiegt je nach Größe 20 bis 60 Gramm, also genau im Bereich der Black Hornet 3 und 4, und trägt eine Kamera mit Live-Bild zur Brille. Die Unterschiede sind trotzdem groß: Ein Whoop fliegt drei bis sechs Minuten, sein Videobild reicht meist einige Dutzend bis wenige hundert Meter, und Wärmebild oder Verschlüsselung gibt es in dieser Klasse nicht. Für den Flug in der Wohnung sind solche Geräte ideal, wie der Beitrag zur Mini-Drohne für zuhause zeigt.
Rechtlich gilt für zivile Nanodrohnen übrigens dasselbe wie für jede andere Kameradrohne in der EU: Sobald eine Kamera an Bord ist, musst du dich als Betreiber registrieren, auch wenn die Drohne nur 30 Gramm wiegt. Die Details stehen im Beitrag zur Registrierung von Drohnen unter 250 g.
Noch kleiner: die Grenze der Miniaturisierung
Die Black Hornet gilt als eines der kleinsten Aufklärungssysteme, die tatsächlich in Serie gebaut und eingesetzt werden. Noch kleinere Fluggeräte existieren, allerdings bisher als Forschungsprojekte: Roboter-Insekten mit schlagenden Flügeln, die weniger als ein Gramm wiegen. Ihr gemeinsames Problem ist die Energie, denn unter einem Gramm passt kein Akku mehr an Bord, der für Minuten Flug reicht. Was es in dieser Klasse gibt und woran sie scheitert, erklärt der Beitrag zur Insekten-Drohne.
Historisch reiht sich die Black Hornet in eine lange Linie militärischer Aufklärungsdrohnen ein, die mit Zielübungsgeräten begann. Wie sich Drohnen vom Militärgerät zum Konsumprodukt entwickelt haben, steht im Beitrag zur Geschichte der Drohne.
Fazit: kleiner Hubschrauber, großer Aufwand
Die Black Hornet zeigt, was an Miniaturisierung heute einsatzreif ist: 70 Gramm, über 30 Minuten Flugzeit, Wärmebild und Navigation ohne Satellitensignal. Möglich macht das eine Bauweise als Hubschrauber mit großem Rotor, der mit wenig Energie lange schwebt und dabei kaum zu hören ist. Der Preis dafür liegt im sechsstelligen Bereich je System, und gekauft werden kann sie nur von Armeen und Behörden.
Wenn dich die Technik reizt und du selbst eine Drohne dieser Gewichtsklasse fliegen willst, ist ein Tiny Whoop der realistische Einstieg: gleiche Größenordnung, wenige Gramm Kameratechnik und ideal zum Üben in der Wohnung.
Häufige Fragen
Wie viel wiegt die Black Hornet?
Das hängt von der Generation ab. Die erste Version PD-100 wog laut Bundeswehr 18 Gramm, die Black Hornet 3 bringt bis zu 33 Gramm auf die Waage, die aktuelle Black Hornet 4 laut Teledyne FLIR 70 Gramm. Schwerer ist das Drumherum: Ein komplettes Black-Hornet-4-System mit zwei Fluggeräten, Basisstation, Steuergerät und Display wiegt rund 1,3 Kilogramm.
Wie lange kann die Black Hornet fliegen?
Die Black Hornet 3 fliegt laut Herstellerangaben bis zu 25 Minuten, die Black Hornet 4 mehr als 30 Minuten. Da jedes System zwei Fluggeräte enthält, lädt das eine in der Basisstation, während das andere in der Luft ist. So lässt sich eine Aufklärung über längere Zeit fortsetzen, ohne auf einen einzelnen Akku angewiesen zu sein.
Was kostet eine Black Hornet?
Offizielle Listenpreise gibt es nicht, weil das System nur an Streitkräfte verkauft wird. Die bekannteste Zahl stammt aus Großbritannien: 2013 kaufte das Verteidigungsministerium 160 Systeme für 20 Millionen Pfund, also rund 125.000 Pfund je System mit Ausbildung und Support. Spätere Aufträge nennen nur Gesamtsummen, etwa 39,6 Millionen US-Dollar für die US-Armee im Januar 2019, ohne Stückzahl.
Kann man die Black Hornet privat kaufen?
Nein. Teledyne FLIR vertreibt die Black Hornet ausschließlich an Streitkräfte und Behörden, in Deutschland lief der jüngste Bundeswehr-Auftrag über den Vertriebspartner ELP GmbH. Wer eine vergleichbar kleine Kameradrohne sucht, landet bei zivilen Nanodrohnen wie Tiny Whoops. Die sind ähnlich leicht, haben aber weder Wärmebild noch verschlüsselte Funkstrecke oder mehrere Kilometer Reichweite.
Setzt die Bundeswehr die Black Hornet ein?
Ja. Die Bundeswehr beschaffte das System 2016 für Spezialkräfte des Heeres zur verdeckten Aufklärung im Ortsbereich. Am 30. Dezember 2024 bestellte das Beschaffungsamt BAAINBw weitere Systeme der Generationen 3 und 4 für Spezialkräfte von Heer und Marine. Menge und Preis hält die Bundeswehr aus Geheimhaltungsgründen zurück.
Wie laut ist die Black Hornet?
Sehr leise. Das BAAINBw nennt für die beschafften Systeme weniger als 30 Dezibel auf 30 Meter Entfernung, das entspricht etwa einem Flüstern. Die geringe Lautstärke ist neben der Größe der Hauptgrund, warum die Drohne im Einsatz kaum auffällt.
Aus welchem Land kommt die Black Hornet?
Aus Norwegen. Entwickelt hat sie die norwegische Firma Prox Dynamics, ursprünglich mit Blick auf Such- und Rettungsaufgaben. Die britische Armee setzte die erste Version ab 2012 in Afghanistan ein. 2016 übernahm der US-Konzern FLIR Systems das Unternehmen für 134 Millionen US-Dollar, heute gehört die Produktlinie zu Teledyne FLIR.