LiPo mit Solarzelle laden: so funktioniert es am Spot

Warum eine Solarzelle nie direkt an den LiPo gehört, welche Kette wirklich funktioniert und wie viel Panel und Speicher du für sechs Akkus brauchst. Mit Rechenbeispiel.

Zubehör Veröffentlicht am 5 Min. Lesezeit

Ein Flugtag endet regelmäßig an den Akkus. Sechs Packs sind nach einer guten Stunde leer, und die nächste Steckdose ist zwanzig Kilometer entfernt. Solarstrom löst das Problem, allerdings nicht so, wie es die naheliegende Vorstellung nahelegt. Dieser Artikel zeigt die Kette, die funktioniert, rechnet den Bedarf durch und benennt die Stelle, an der es gefährlich wird.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nie direkt: Panel an LiPo fehlt die Abschaltung bei 4,2 V je Zelle und der Balancer.
  • Die Kette lautet: Panel, Puffer, Ladegerät, Akku.
  • Sechs 6S-Packs mit 1.300 mAh entsprechen rund 173 Wh, mit Verlusten rund 210 Wh.
  • 100-W-Panel liefert in Mitteleuropa real 50 bis 70 W, über vier Stunden also 200 bis 280 Wh.
  • Ladegerät braucht Gleichstromeingang, 12 bis 30 V oder USB-C mit Power Delivery.
  • Nie unbeaufsichtigt laden, nicht auf trockenem Gras und nicht im heißen Auto.

Warum die Solarzelle nicht direkt an den Akku darf

Der Gedanke ist verführerisch: Panel dran, Sonne scheint, Akku wird voll. Zwei Eigenschaften machen daraus ein echtes Risiko.

Das Panel hat keine Ladeschlussregelung. Ein LiPo muss bei exakt 4,2 Volt je Zelle abgeschaltet werden. Darüber beginnt eine chemische Reaktion, die sich selbst verstärkt und im Extremfall zum Brand führt. Ein Solarpanel liefert einfach weiter Strom, solange Licht darauf fällt.

Das Panel kann nicht balancieren. Ein mehrzelliger Pack braucht den Ausgleich zwischen den Zellen, sonst driften sie auseinander. Eine Zelle erreicht dann ihre Grenze, während die anderen noch Kapazität hätten, und der Pack altert schnell.

Dazu kommt die schwankende Leistung. Zieht eine Wolke vorbei, bricht die Spannung ein, danach steigt sie wieder. Ein Ladevorgang braucht Konstanz. Die Grundlagen dazu stehen im Ratgeber LiPo-Akku richtig laden.

Die Kette, die funktioniert

Zwischen Sonne und Akku gehören zwei Glieder: ein Puffer und ein Ladegerät.

Die vierstufige Kette vom Solarpanel zum LiPo-Akku. Erstens das Solarpanel, das in Mitteleuropa bei 100 Watt Nennleistung real etwa 50 bis 70 Watt liefert. Zweitens die Powerstation als Puffer, die die schwankende Sonneneinstrahlung von der konstanten Ladeleistung entkoppelt; sie speichert typischerweise 300 Wattstunden oder mehr. Drittens das LiPo-Ladegerät mit Balancer, das am Gleichstromausgang der Station mit 12 bis 30 Volt oder am USB-C-Anschluss mit Power Delivery hängt und die Abschaltung bei 4,2 Volt je Zelle sowie den Zellausgleich übernimmt. Viertens der Akku selbst. Daneben das Rechenbeispiel: Sechs 6S-Packs mit je 1300 Milliamperestunden entsprechen 173 Wattstunden, mit rund 20 Prozent Ladeverlusten werden daraus etwa 210 Wattstunden, die aus dem Speicher fließen müssen. Ein 100-Watt-Panel deckt das über vier nutzbare Sonnenstunden ab. Der direkte Anschluss des Panels an den Akku unter Umgehung von Puffer und Ladegerät ist gesperrt, weil Ladeschlussregelung und Balancer fehlen.

Der Puffer entkoppelt die schwankende Sonne von einem Ladevorgang, der konstante Leistung braucht.

1. Das Panel. Faltbare Module mit 60 bis 200 Watt Nennleistung sind die übliche Wahl. Die Nennleistung gilt unter Laborbedingungen, real liegen die Werte in Mitteleuropa bei etwa der Hälfte bis zwei Dritteln, abhängig von Jahreszeit, Ausrichtung und Bewölkung.

2. Der Puffer. Eine Powerstation mit eigenem Solarregler nimmt die schwankende Leistung auf und gibt konstante Spannung ab. Sie ist das Glied, das den Aufbau überhaupt praktikabel macht.

3. Das Ladegerät. Ein LiPo-Ladegerät mit Balancer und Gleichstromeingang. Es sitzt am 12-Volt-Ausgang der Station oder an deren USB-C-Anschluss.

4. Der Akku. Er wird geladen wie zu Hause, mit denselben Einstellungen für Zellenzahl und Ladestrom.

Die Rechnung: wie viel Panel für einen Flugtag

Der Bedarf lässt sich exakt bestimmen, weil der Energieinhalt eines Packs bekannt ist.

Ein 6S-Pack mit 1.300 mAh hat 1,3 Amperestunden bei 22,2 Volt Nennspannung, also 28,9 Wattstunden. Sechs davon ergeben rund 173 Wattstunden. Ladegeräte arbeiten mit einem Wirkungsgrad um 80 bis 85 Prozent, dazu kommen Verluste im Wechselrichter, sofern er genutzt wird. Mit 20 Prozent Aufschlag landet man bei rund 210 Wattstunden, die aus dem Speicher fließen müssen.

PostenWert
6S-Pack, 1.300 mAh28,9 Wh
sechs Packs173 Wh
plus 20 % Ladeverlusterund 210 Wh
100-W-Panel, real 50–70 W200–280 Wh in vier Stunden
Empfehlung Puffergrößeab 300 Wh

Damit ist die Frage beantwortet: Ein 100-Watt-Panel und eine Powerstation ab 300 Wattstunden decken einen Flugtag mit sechs Packs ab, sofern die Sonne mitspielt. Wer im Winter oder bei Bewölkung plant, rechnet mit der Hälfte und nimmt die Station voll geladen mit.

Wie sich die Kapazitäten je Akkugröße unterscheiden, steht im Ratgeber FPV-Akku, die Werte für Kameradrohnen im Ratgeber Mini-Drohnen-Akku.

Der direkte Weg über USB-C

Es geht auch ohne Powerstation, mit Einschränkung. Viele faltbare Panels haben einen USB-C-Ausgang mit Power Delivery, und moderne Ladegeräte nehmen genau das als Eingang.

Der Ablauf: Panel in die Sonne, USB-C-Kabel ans Ladegerät, Akku anschließen. Solange die Einstrahlung konstant bleibt, lädt es. Zieht eine Wolke auf, sinkt die verfügbare Leistung, die Leistungsaushandlung zwischen Panel und Ladegerät bricht ab, und der Vorgang startet neu.

Für gelegentliches Nachladen eines einzelnen Packs funktioniert das gut. Für sechs Packs an einem wechselhaften Tag ist der Puffer die verlässlichere Lösung.

Bei Kameradrohnen ist der direkte Weg dagegen der Normalfall: Ihre Akkus laden über USB-C oder einen Ladehub, und die Energiemengen sind klein. Ein Akku mit 10 bis 19 Wattstunden ist deutlich schneller voll als ein FPV-Pack mit 29.

Auswahl der Komponenten

Beim Panel zählen drei Dinge: Nennleistung, Ausgangsart und Packmaß. Module mit reinem Gleichstromausgang brauchen eine Station mit Solarregler, Module mit USB-C-Ausgang sind flexibler. Für den Transport zum Spot ist das Faltmaß entscheidend, gerade wenn die Drohne im Rucksack mitreist.

Beim Puffer entscheiden Kapazität in Wattstunden, die Ausgänge und die Belastbarkeit des 12-Volt-Anschlusses. Viele Stationen deckeln diesen Ausgang bei rund 120 Watt, was für ein einzelnes Ladegerät reicht.

Beim Ladegerät ist der Gleichstromeingang das Kriterium. Geräte, die ausschließlich mit Netzteil arbeiten, brauchen den Wechselrichter der Station und verlieren dabei zusätzlich Energie. Ein Ladegerät mit direktem 12-bis-30-Volt-Eingang spart diesen Umweg.

Eine praktische Ergänzung ist ein Parallelboard, das mehrere Packs gleichzeitig lädt. Es verkürzt den Durchlauf erheblich, verlangt allerdings, dass alle angeschlossenen Packs dieselbe Zellenzahl und einen ähnlichen Ladestand haben.

Sicherheit im Freien

Laden im Feld hat andere Risiken als zu Hause.

Temperatur. Ein Pack direkt nach dem Flug ist warm, Laden in diesem Zustand beschleunigt die Alterung. Erst abkühlen lassen. Umgekehrt nimmt eine Zelle unter etwa 5 °C kaum Ladung auf, im Winter gehört sie vorgewärmt.

Untergrund. Trockenes Gras und Kiefernnadeln sind ein schlechter Platz für einen Ladevorgang. Sinnvoll ist eine nicht brennbare Unterlage mit Abstand zu allem Brennbaren. Eine feuerfeste Tasche gehört ohnehin zur Ausrüstung, der Ratgeber LiPo-Tasche ordnet die Optionen ein.

Aufsicht. Ein Ladevorgang läuft nie unbeaufsichtigt. Das gilt im Feld noch stärker als zu Hause, weil weder Rauchmelder noch Löschmöglichkeit in Reichweite sind.

Das Auto. Der Innenraum eines Fahrzeugs in der Sonne erreicht schnell Temperaturen, bei denen Lithium-Akkus Schaden nehmen. Weder Laden noch Lagern gehören dorthin.

Wann sich der Aufwand lohnt

Ehrlich gerechnet: Für einen Nachmittag am Spot reicht eine zu Hause geladene Powerstation, das Panel bleibt Ballast. Der Aufbau lohnt sich ab dem Moment, in dem mehrere Tage ohne Steckdose zusammenkommen.

Lohnt sich: Campingtouren, mehrtägige Wanderungen, Reisen mit dem Bus, Aufenthalte in abgelegenen Gebieten, Flugtage an entfernten Spots mit langer Anfahrt.

Lohnt sich nicht: Tagesausflüge in der Nähe, Flüge mit Fahrzeug in Reichweite, Winterbetrieb mit geringer Sonnenausbeute.

Wer die Drohne ohnehin auf Reisen mitnimmt, findet die weiteren Transportfragen im Ratgeber Drohne im Urlaub, die Regeln zum Flugtransport von Akkus im Ratgeber Drohne im Flugzeug mitnehmen.

Fazit: der Puffer macht den Unterschied

Solar funktioniert für Drohnenakkus zuverlässig, sobald zwischen Panel und Akku ein Speicher und ein richtiges Ladegerät sitzen. Der direkte Anschluss einer Solarzelle an einen LiPo bleibt ein echtes Risiko, weil die Abschaltung und der Zellausgleich fehlen.

Für die Praxis heißt das: ein faltbares 100-Watt-Panel, eine Powerstation ab 300 Wattstunden und ein Ladegerät mit Gleichstromeingang. Damit sind sechs FPV-Packs oder ein Dutzend Kameradrohnen-Akkus an einem sonnigen Tag abgedeckt, und die Steckdose wird zur Option statt zur Bedingung. Welches Zubehör sonst zur Grundausstattung gehört, zeigt der Ratgeber Zubehör für Drohnen.

Häufige Fragen

Kann man einen LiPo direkt an eine Solarzelle anschließen?

Davon ist abzuraten. Ein Solarpanel liefert eine mit der Sonneneinstrahlung schwankende Spannung und hat keinerlei Ladeschlussregelung. Ein LiPo braucht dagegen eine exakte Abschaltung bei 4,2 Volt je Zelle und einen Balancer, der die Zellen angleicht. Ohne beides droht Überladung, und eine überladene Lithium-Zelle kann in Brand geraten. Zwischen Panel und Akku gehört deshalb immer ein Ladegerät.

Wie sieht die funktionierende Kette aus?

Vier Glieder: Solarpanel, Zwischenspeicher, Ladegerät, Akku. Das Panel lädt eine Powerstation, die als Puffer die Schwankungen ausgleicht. Aus deren Gleichstromausgang speist du ein LiPo-Ladegerät mit Balancer, das den Akku regelgerecht lädt. Der Puffer ist der entscheidende Teil: Er entkoppelt die wechselnde Sonneneinstrahlung von einem Ladevorgang, der konstante Leistung braucht.

Wie viel Solarleistung brauche ich für sechs FPV-Akkus?

Sechs 6S-Packs mit 1.300 mAh entsprechen rund 173 Wattstunden. Mit Ladeverlusten von etwa 20 Prozent werden daraus rund 210 Wattstunden, die aus dem Speicher fließen müssen. Ein 100-Watt-Panel liefert in Mitteleuropa an einem guten Tag real etwa 50 bis 70 Watt, über vier nutzbare Stunden also 200 bis 280 Wattstunden. Ein 100-Watt-Panel plus eine Powerstation ab 300 Wattstunden decken damit einen Flugtag ab.

Geht es auch ohne Powerstation, direkt über USB-C?

Teilweise. Viele faltbare Panels haben einen USB-C-Ausgang mit Power Delivery, und moderne Ladegeräte nehmen genau das als Eingang an. Solange die Sonne konstant scheint, funktioniert das. Zieht eine Wolke auf, bricht die Leistungsaushandlung ab und der Ladevorgang startet neu. Für zuverlässiges Laden bleibt der Puffer die bessere Lösung, für gelegentliches Nachladen genügt der direkte Weg.

Welches Ladegerät passt an eine Powerstation?

Ein Ladegerät mit Gleichstromeingang, üblich sind 12 bis 30 Volt. Es wird an den 12-Volt-Ausgang der Powerstation angeschlossen, oft der Kfz-Anschluss. Dessen Belastbarkeit begrenzt die Ladeleistung, viele Stationen liefern dort maximal rund 120 Watt. Alternativ nutzen Ladegeräte mit USB-C-Eingang den PD-Ausgang der Station, der häufig 60 bis 100 Watt bereitstellt.

Wie lange dauert das Laden über Solar?

Die Ladezeit hängt am Ladegerät, nicht am Panel, solange der Puffer genug Energie hat. Ein 6S-Pack mit 1.300 mAh braucht bei 1C rund eine Stunde, bei 2C etwa eine halbe. Mehrere Packs parallel zu laden verkürzt den Gesamtdurchlauf. Das Panel füllt derweil den Puffer nach, sodass sich Laden und Nachladen überlagern.

Kann ich DJI-Drohnenakkus über Solar laden?

Ja, und meist einfacher als LiPos. Die Akkus moderner Kameradrohnen laden über USB-C oder über einen Ladehub, beides funktioniert am USB-Ausgang einer Powerstation oder direkt am PD-Ausgang eines Panels. Die Energiemengen sind klein: Gängige Mini-Drohnen-Akkus liegen zwischen 10 und 19 Wattstunden, ein 300-Wattstunden-Speicher lädt davon ein Dutzend.

Was ist beim Laden im Freien zu beachten?

Drei Punkte: Der Akku darf beim Laden nicht heiß sein, nach dem Flug also erst abkühlen. Unter etwa 5 Grad nimmt eine Lithium-Zelle Ladung schlecht auf, im Winter gehört der Pack vorgewärmt. Und geladen wird nie unbeaufsichtigt, sinnvoll auf nicht brennbarem Untergrund mit Abstand zu trockenem Gras. Ein Ladevorgang im Auto in der Sonne ist die schlechteste aller Varianten.

Lohnt sich Solar gegenüber einer größeren Powerstation?

Für einen Tagesausflug reicht eine geladene Powerstation ohne Panel völlig, sie ist leichter und günstiger. Sinnvoll wird das Panel ab mehreren Tagen ohne Steckdose, also bei Campingtouren, Wanderungen mit Übernachtung oder längeren Reisen. Dann verschiebt sich die Rechnung, weil der Speicher sonst am zweiten Tag leer ist.

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