Auf einem FPV-Akku stehen vier Angaben, und drei davon entscheiden, ob die Drohne fliegt oder ruckelt. Der Aufdruck sieht bei jedem Hersteller gleich aus, die Qualität dahinter schwankt erheblich. Dieser Artikel erklärt, was 6S1P, 1300 mAh, 100C und XT60 bedeuten, welcher Pack zu welcher Klasse passt und welche Angabe man getrost mit Vorsicht lesen darf.
Das Wichtigste in Kürze
- S ist die Zellenzahl in Reihe: 6S bedeutet 22,2 V nominal und 25,2 V voll geladen.
- mAh ist die Kapazität: 1.100 bis 1.400 mAh sind bei 5 Zoll und 6S der übliche Bereich.
- C-Rate mal Kapazität ergibt den Dauerstrom, die aufgedruckten Werte sind großzügig gerundet.
- Der Innenwiderstand je Zelle ist der ehrlichere Qualitätswert, unter 3 mΩ gilt bei 6S/1300 als gut.
- Stecker nach Klasse: XT60 bei 5 Zoll, XT30 darunter, BT2.0 oder GNB27 bei Whoops.
- Lagern bei 3,8 V je Zelle, nie voll geladen liegen lassen.
Die vier Angaben auf dem Pack
Ein LiPo-Aufdruck folgt einem festen Muster. Am Beispiel eines gängigen Freestyle-Packs:

Vier Angaben, drei Entscheidungen: Zellenzahl, Kapazität und Stromabgabe müssen zum Aufbau passen.
Die Zellenzahl (S). Jede LiPo-Zelle hat 3,7 Volt Nennspannung und 4,2 Volt bei voller Ladung. Die Zahl vor dem S nennt die in Reihe geschalteten Zellen, damit multipliziert sich die Spannung. Ein P steht für parallel geschaltete Stränge, die die Kapazität erhöhen und die Spannung unverändert lassen.
| Pack | Nennspannung | Voll geladen | Typisch für |
|---|---|---|---|
| 1S | 3,7 V | 4,2 V | Tiny Whoop 65–75 mm |
| 2S | 7,4 V | 8,4 V | Toothpick, Micro |
| 3S | 11,1 V | 12,6 V | 2,5 bis 3 Zoll |
| 4S | 14,8 V | 16,8 V | Cinewhoop, leichtes Freestyle |
| 6S | 22,2 V | 25,2 V | 5 Zoll Standard, Long Range |
Die Kapazität (mAh). Sie beschreibt die entnehmbare Ladung. 1.300 Milliamperestunden bedeuten, dass der Pack rechnerisch eine Stunde lang 1,3 Ampere liefern könnte. Im FPV-Betrieb liegen die Ströme bei einem Vielfachen davon, entsprechend kurz ist die Flugzeit.
Die C-Rate. Sie gibt an, mit welchem Vielfachen der Kapazität der Pack belastet werden darf. Die Rechnung: Kapazität in Amperestunden mal C-Zahl. Bei 1,3 Ah und 100C ergibt das 130 Ampere Dauerstrom.
Der Stecker. Er begrenzt den Strom mechanisch und muss zur Drohne passen, sonst hilft der beste Akku nichts.
Zellenzahl: warum 6S den Markt übernommen hat
Bis vor einigen Jahren war 4S der Standard bei 5 Zoll, heute ist es 6S. Der Grund liegt im Strom. Leistung ist Spannung mal Strom, und derselbe Leistungsbedarf lässt sich bei höherer Spannung mit weniger Strom decken.
Weniger Strom bedeutet in der Praxis:
- geringere Verluste in Kabeln, Steckern und Reglern,
- kühlere Regler und Motoren,
- weniger Spannungseinbruch unter Last,
- dünnere Kabel möglich, damit weniger Gewicht.
Die Kehrseite: Ein 6S-Pack ist bei gleicher Kapazität schwerer, weil er mehr Zellen enthält. Deshalb sinkt die Kapazität mit dem Wechsel. Wo an 4S ein 1.500er Pack üblich war, sind es an 6S rund 1.300 mAh bei ähnlichem Gewicht. Welche KV-Zahl dazu passt, steht im Ratgeber FPV-Motoren.
Kapazität: mehr ist nicht automatisch länger
Der intuitive Gedanke lautet: doppelte Kapazität, doppelte Flugzeit. Er stimmt nicht, weil der Akku selbst mitfliegt. Ein 6S-Pack mit 1.300 mAh wiegt rund 200 Gramm und macht damit bei einem 700-Gramm-Setup knapp ein Drittel des Abfluggewichts aus. Ein Pack mit doppelter Kapazität wöge 400 Gramm, das Abfluggewicht stiege auf 900 Gramm, und der höhere Schubbedarf frisst einen Teil des Gewinns wieder auf.
Daraus ergeben sich Richtwerte je Flugstil:
| Flugstil | Kapazität (6S) | Erwartung |
|---|---|---|
| Racing | 1.100–1.200 mAh | 2–3 Minuten, minimales Gewicht |
| Freestyle | 1.300–1.400 mAh | 3–5 Minuten |
| Cruisen, Video | 1.500–1.800 mAh | 5–7 Minuten, ruhige Flugweise |
| Long Range (Li-Ion) | 3.000–6.000 mAh | 15–40 Minuten mit 7 Zoll |
Wie sich Flugzeit rechnerisch abschätzen lässt und welche Faktoren sonst hineinspielen, beschreibt der Ratgeber FPV-Drohne Flugzeit.
Die C-Rate und ihr Ruf
Die C-Angabe ist der Wert mit dem größten Abstand zwischen Aufdruck und Realität. Es gibt keine verbindliche Prüfnorm, nach der C-Raten gemessen werden müssen, entsprechend großzügig fallen die Marketingzahlen aus. Packs mit 100C oder 120C auf dem Etikett liefern in unabhängigen Messungen oft real 70 bis 90C.
Praktisch relevanter sind zwei andere Größen:
Der Innenwiderstand. Viele Ladegeräte messen ihn je Zelle in Milliohm. Er ist der direkte Indikator dafür, wie stark die Spannung unter Last einbricht. Bei einem 6S-Pack der 1.300er Klasse gelten Werte unter 3 Milliohm je Zelle als gut. Wichtiger als der Absolutwert ist die Entwicklung: Steigt der Wert über die Monate deutlich, altert der Pack.
Der Spannungseinbruch im Flug. Wer sein OSD im Blick hat, sieht bei Vollgas die Spannung fallen und danach wieder steigen. Ein guter Pack sackt bei 6S um 2 bis 3 Volt ein, ein schwacher deutlich mehr. Das ist die ehrlichste Messung, die ohne Zusatzgerät möglich ist.
Für die Auswahl heißt das: Ein Pack mit 75C von einem Hersteller mit gutem Ruf ist regelmäßig die bessere Wahl als ein 120C-Pack ohne belastbare Angaben.
LiPo, LiHV und Li-Ion
Drei Chemien teilen sich das Feld.
LiPo ist der Standard. 4,2 Volt Ladeschluss je Zelle, hohe Stromabgabe, mittlere Energiedichte. Für alles mit schnellen Lastwechseln die richtige Wahl.
LiHV ist ein LiPo mit angehobenem Ladeschluss von 4,35 Volt je Zelle. Das bringt etwas mehr Energie und eine höhere Startspannung, auf Kosten der Lebensdauer. Verbreitet bei Tiny Whoops, wo jedes Prozent zählt. Wichtig: Ein normales Ladeprogramm für LiPo lädt LiHV nicht voll, und umgekehrt beschädigt ein LiHV-Programm einen LiPo.
Li-Ion in Rundzellen wie 18650 oder 21700 speichert erheblich mehr Energie pro Gramm, gibt sie aber langsam ab. Die C-Raten liegen im einstelligen Bereich. Für 7-Zoll-Long-Range mit ruhiger Flugweise ist das die Kombination, die Flugzeiten jenseits von 20 Minuten möglich macht. Für Freestyle bricht die Spannung bei jedem Vollgasstoß zu stark ein.
Stecker: die mechanische Grenze
Der Stecker bestimmt, wie viel Strom sicher fließen kann, und er muss zwischen Akku und Drohne zusammenpassen.
| Stecker | Klasse | Anmerkung |
|---|---|---|
| BT2.0 / GNB27 / PH2.0 | 1S Whoop | BT2.0 löst das alte PH2.0 ab |
| XT30 | 2S–4S | kompakt, für kleine Aufbauten |
| XT60 | 5 Zoll, 4S–6S | der Standard im Hobby |
| XT90 | hohe Ströme, 7 Zoll | größerer Querschnitt |
Dazu kommt der Balancer-Stecker, üblicherweise ein JST-XH mit einem Kontakt mehr als der Zellenzahl entspricht. Er dient dem Ausgleich der Zellen beim Laden und ist die Schnittstelle für die Innenwiderstandsmessung. Warum der Balancer im Ladevorgang die wichtigste Rolle spielt, erklärt der Ratgeber LiPo-Akku richtig laden.
Umgang, Lagerung und Lebensende
Vier Regeln decken den Großteil der Praxis ab:
- Nicht tiefentladen. Unter 3,0 Volt je Zelle nimmt der Pack Schaden. Im Flug ist 3,5 Volt unter Last die Landeschwelle, nach dem Erholen liegt der Pack dann bei etwa 3,7 bis 3,8 Volt.
- Bei 3,8 Volt lagern. Vollgeladene Packs altern schnell. Wer nach dem Flugtag nicht sofort wieder fliegt, fährt sie auf Lagerspannung.
- Feuerfest aufbewahren. LiPos gehören in eine geeignete Tasche oder einen Behälter, gerade beim Laden. Der Ratgeber LiPo-Tasche ordnet die Optionen ein.
- Aufgeblähte Packs aussortieren. Ein sichtbar geblähter Akku ist defekt, unabhängig davon, ob er noch Spannung liefert.
Zur Lebensdauer: Im FPV-Betrieb mit hohen Strömen erreichen LiPos etwa 150 bis 300 Zyklen, bevor Kapazität und Innenwiderstand merklich nachlassen. Wer sanft entlädt, kühl lagert und nach dem Flug auf Lagerspannung bringt, bewegt sich am oberen Ende.
Wie viele Akkus für den Flugtag
Die Rechnung ist schlicht: Flugzeit pro Pack mal Anzahl ergibt die Zeit in der Luft. Bei drei bis fünf Minuten je 6S-Pack decken sechs Akkus etwa 20 bis 30 Minuten Flugzeit ab, verteilt über einen Nachmittag mit Pausen.
Wer länger draußen bleiben will, hat zwei Wege: mehr Packs oder Laden am Spot. Für die zweite Variante braucht es ein Ladegerät mit Gleichstromeingang und eine Stromquelle, üblicherweise eine Powerstation oder ein Bleiakku. Der Ratgeber LiPo mit Solarzelle laden rechnet durch, was dafür nötig ist.
Fazit: Zellenzahl folgt dem Aufbau, Kapazität dem Flugstil
Die Auswahl läuft in drei Schritten. Erst die Zellenzahl, die durch Motoren und Regler festgelegt ist. Dann die Kapazität nach Flugstil, wobei mehr Gewicht einen Teil des Gewinns wieder kostet. Zuletzt die Qualität, und dafür ist der Innenwiderstand aussagekräftiger als die aufgedruckte C-Zahl.
Für den Einstieg in 5 Zoll bedeutet das: sechs 6S-Packs mit rund 1.300 mAh von einem etablierten Hersteller, XT60-Stecker, dazu eine feuerfeste Tasche und ein Ladegerät mit Balancer. Damit ist die Akkufrage für die erste Saison beantwortet. Wie sich das in die Gesamtkosten einfügt, zeigt der Ratgeber Was kostet eine FPV-Drohne.
Häufige Fragen
Was bedeutet 6S1P bei einem LiPo-Akku?
Das S steht für die Zahl der in Reihe geschalteten Zellen, das P für parallel geschaltete Stränge. Ein 6S1P hat sechs Zellen in Reihe und damit 22,2 Volt Nennspannung sowie 25,2 Volt bei voller Ladung. Ein 6S2P hätte zusätzlich zwei parallele Stränge, also die doppelte Kapazität bei gleicher Spannung. Im 5-Zoll-Bereich ist 1P der Normalfall, 2P findet sich bei Long-Range-Packs.
Welche Zellenzahl passt zu meiner FPV-Drohne?
Die Zellenzahl folgt der Klasse: Tiny Whoops fliegen mit 1S, Toothpicks mit 2S bis 3S, Cinewhoops mit 4S, 5-Zoll-Freestyle heute überwiegend mit 6S, Long-Range-Aufbauten mit 6S. Entscheidend ist die Abstimmung mit der KV-Zahl der Motoren, denn beide zusammen ergeben die Drehzahl. Ein 6S-Akku an Motoren, die für 4S ausgelegt sind, überdreht den Antrieb.
Was sagt die C-Rate wirklich aus?
Rechnerisch ergibt die C-Zahl multipliziert mit der Kapazität den zulässigen Dauerstrom: 1.300 mAh mal 100C ergeben 130 Ampere. In der Praxis sind die aufgedruckten Werte großzügig gerundet, viele als 100C verkaufte Packs liefern real eher 70 bis 90C. Aussagekräftiger ist der Innenwiderstand je Zelle, den viele Ladegeräte messen. Werte unter 3 Milliohm gelten bei 6S-Packs der 1.300er Klasse als gut.
Wie viel mAh sind bei 5 Zoll sinnvoll?
Für 6S-Freestyle-Aufbauten liegen die verbreiteten Kapazitäten zwischen 1.100 und 1.400 mAh bei rund 190 bis 220 Gramm Gewicht. Mehr Kapazität bringt nicht automatisch mehr Flugzeit, weil das Zusatzgewicht wieder Strom kostet. Der Umkehrpunkt liegt bei sportlicher Flugweise etwa in diesem Bereich. Für ruhiges Cruisen lohnen größere Packs, für Racing kleinere.
Welcher Stecker gehört zu welcher Klasse?
Bei 5-Zoll-Setups ist XT60 der Standard, er trägt die üblichen Ströme sicher. Kleinere Aufbauten mit 2S bis 4S nutzen XT30, Tiny Whoops arbeiten mit BT2.0, GNB27 oder PH2.0. Aufbauten mit sehr hohen Strömen, etwa 7-Zoll-Long-Range, greifen zu XT90. Der Balancer-Stecker ist quer durch alle Klassen ein JST-XH mit einem Pin mehr als die Zellenzahl.
LiPo oder Li-Ion für Long Range?
Li-Ion-Zellen wie 18650 oder 21700 speichern deutlich mehr Energie pro Gramm und liefern damit Flugzeiten, die ein LiPo nicht erreicht. Sie geben ihre Energie allerdings langsamer ab, gemessen an der C-Rate liegen sie im einstelligen Bereich. Für ruhige Streckenflüge mit 7-Zoll-Propellern ist das genau richtig, für Freestyle mit schnellen Lastwechseln bleibt der LiPo die passende Wahl.
Wann ist ein FPV-Akku am Ende?
Drei Anzeichen: Der Pack bläht sich sichtbar auf, der Innenwiderstand steigt gegenüber dem Neuzustand deutlich, oder die Spannung sackt unter Last stark ein und die Flugzeit bricht ein. Aufgeblähte Packs gehören sofort aus dem Betrieb und in die Entsorgung. Bei guter Pflege erreichen LiPos im FPV-Einsatz etwa 150 bis 300 Zyklen.
Wie viele Akkus braucht man für einen Flugtag?
Ein 6S-Pack mit 1.300 mAh trägt bei sportlicher Flugweise etwa drei bis fünf Minuten. Wer eine Stunde am Spot verbringen will, kalkuliert mit sechs bis zehn Packs oder nimmt ein Ladegerät samt Powerstation mit. Sechs Akkus sind der übliche Einstieg, weil sie einen Nachmittag abdecken und beim Laden zu Hause in einen Durchgang passen.
Darf ich FPV-Akkus im Flugzeug mitnehmen?
Nur im Handgepäck und nur bis 100 Wattstunden ohne Genehmigung, zwischen 100 und 160 Wh mit Zustimmung der Airline. Ein 6S-Pack mit 1.300 mAh kommt auf rund 29 Wh und bleibt damit klar darunter. Die Pole müssen einzeln gegen Kurzschluss gesichert sein, üblich sind Klebeband über dem Stecker und einzelne Beutel. Details stehen im Ratgeber zum Drohnentransport im Flugzeug.