Tinywhoop-Akku: 1S, LiHV und der Stecker, der zählt

Welcher Akku für den Tinywhoop? Was 1S LiHV von LiPo unterscheidet, warum BT2.0 den PH2.0 abgelöst hat und wann der Flug wirklich zu Ende ist.

FPV & Racing Veröffentlicht am 6 Min. Lesezeit

Beim Tinywhoop macht der Akku rund ein Fünftel des Fluggewichts aus. Entsprechend direkt schlagen seine Eigenschaften durch: Schub, Flugzeit und Fluggefühl hängen an einer einzelnen Zelle und ihrem Stecker. Dieser Artikel erklärt, welche Angaben zählen und warum die Spannungsanzeige nach dem Landen wieder ansteigt.

Das Wichtigste in Kürze

  • 1S ist gesetzt, LiPo lädt auf 4,20 Volt, LiHV auf 4,35 Volt.
  • Der Stecker entscheidet mit: BT2.0 hat weniger Übergangswiderstand als der ältere PH2.0.
  • Drei bis fünf Minuten je Pack sind normal, deshalb kauft man Whoop-Akkus im Sechser- oder Achterpack.
  • Schluss ist bei 3,3 Volt unter Last, nicht bei der Ruhespannung.
  • Gelagert wird bei rund 3,8 Volt, nicht voll geladen.

Was auf einem 1S-Whoop-Akku steht

Die Angaben sind überschaubar, und drei davon entscheiden:

AngabeBedeutungÜbliche Werte
Zellenzahlfast immer eine Zelle1S
KapazitätEnergiemenge250 bis 550 mAh
ChemieLadeschlussspannungLiPo 4,20 V, LiHV 4,35 V
SteckerKontaktsystemBT2.0, PH2.0, A30
C-RateBelastbarkeitHerstellerangabe, oft optimistisch

Die C-Rate ist bei Whoop-Akkus noch weniger belastbar als bei größeren Packs, weil kein einheitliches Messverfahren dahintersteht. Aussagekräftiger ist der beobachtete Spannungseinbruch im Flug. Die allgemeinen Zusammenhänge zu Zellenzahl, Kapazität und C-Rate stehen in unserem Artikel zum FPV-Akku.

LiPo oder LiHV: 0,15 Volt mit Wirkung

LiHV steht für Lithium High Voltage. Der Unterschied zur normalen LiPo-Zelle liegt allein in der Ladeschlussspannung: 4,35 Volt statt 4,20 Volt.

Bei einem 6S-Akku wären 0,15 Volt je Zelle eine Randnotiz. Bei einer einzelnen Zelle sind sie rund vier Prozent mehr Spannung, und Schub hängt überproportional an der Spannung. Der Unterschied ist in den ersten Sekunden nach dem Start deutlich zu spüren.

Zwei Dinge sind dabei wichtig:

Der Lader muss zur Zelle passen. Ein LiPo im HV-Modus geladen wird überladen und beschädigt. Eine LiHV-Zelle im LiPo-Modus bleibt unter ihrer Kapazität, was harmlos, aber verschenkt ist. Die meisten 1S-Whoop-Lader haben dafür eine Umschaltung.

Die höhere Spannung hält nicht lange. Der Vorsprung baut sich in den ersten Sekunden ab. Über den ganzen Flug gerechnet ist der Gewinn kleiner, als der Start vermuten lässt.

Der Stecker: warum BT2.0 den PH2.0 abgelöst hat

Ein Detail, das bei größeren Akkus keine Rolle spielt und beim Whoop entscheidend ist.

Der PH2.0 ist ein Steckverbinder aus der Elektronik und kam zu den Whoops, als sie noch mit Bürstenmotoren und kleinen Strömen flogen. Mit Brushless-Motoren stiegen die Ströme, und der Kontakt wurde zum Engpass: An seinem Übergangswiderstand fällt Spannung ab, die als Schubverlust ankommt und den Stecker erwärmt.

Der BT2.0 von BetaFPV hat eine größere Kontaktfläche und einen niedrigeren Übergangswiderstand. Das Ergebnis ist ein kleinerer Einbruch unter Last und damit mehr nutzbare Spannung im Flug. Der A30 von GNB verfolgt denselben Ansatz.

Praktisch heißt das: Die drei Systeme sind nicht kompatibel, und man legt sich mit dem Board fest. Adapterkabel existieren, sie fügen allerdings genau den Übergang wieder hinzu, den man vermeiden wollte. Wer neu anfängt, wählt ein System und bleibt dabei.

Warum der Flug früher endet als die Anzeige vermuten lässt

Hier liegt das eigentliche Thema beim 1S-Betrieb.

Diagramm des Spannungsverlaufs eines 1S-Whoop-Akkus über eine Flugzeit von viereinhalb Minuten. Die obere Kurve zeigt die Ruhespannung, die von 4,35 Volt bei voller LiHV-Zelle über 3,89 Volt nach zwei Minuten auf 3,58 Volt am Ende fällt. Die untere Kurve zeigt die Spannung unter Last beim Gasgeben, die bereits zu Beginn nur 4,10 Volt erreicht und über 3,59 Volt nach zwei Minuten auf 3,16 Volt fällt. Eine rot markierte waagerechte Linie bei 3,3 Volt kennzeichnet die Abschaltschwelle. Die Lastkurve erreicht diese Schwelle nach etwa vier Minuten, während die Ruhespannung zu diesem Zeitpunkt mit 3,68 Volt noch unauffällig wirkt. Der Abstand zwischen beiden Kurven, der Spannungseinbruch, wächst über die Flugzeit von 0,25 auf 0,42 Volt.

Der Flug endet auf der unteren Kurve. Nach der Landung erholt sich die Spannung und sieht wieder brauchbar aus.

Beim Gasgeben fließt Strom, und am Innenwiderstand der Zelle fällt Spannung ab. Dieser Sag wächst über den Flug, weil der Innenwiderstand mit sinkendem Ladezustand zunimmt. Am Ende reicht ein kräftiger Steigflug, um die Spannung kurzzeitig weit einbrechen zu lassen.

Daraus folgen zwei praktische Regeln:

Maßgeblich ist die Spannung unter Last. Als Faustwert wird bei 3,3 Volt gelandet. Wer sich an der Ruhespannung orientiert, entlädt zu tief.

Die Erholung nach der Landung täuscht. Ein Akku, der im Flug bei 3,2 Volt war, zeigt eine Minute später wieder 3,6 Volt. Dahinter steckt allein der wegfallende Sag, Restkapazität ist damit keine gewonnen. Ein zweiter Flug mit demselben Pack schadet der Zelle.

Beim Whoop kommt hinzu, dass man kein Display sieht. Der übliche Auslöser ist deshalb die akustische Warnung, die entweder Betaflight über den Buzzer oder das OSD im Bild ausgibt.

Kapazität wählen: mehr ist nicht automatisch länger

Ein größerer Akku bringt mehr Energie und mehr Gewicht. Bei einem 20-Gramm-Quad ist der zweite Teil erheblich, denn ein 550er-Pack wiegt rund das Doppelte eines 250ers.

Als Orientierung:

Die Regel dahinter: Ein Akku, der den Whoop schwer macht, verlängert die Flugzeit weniger als seine Kapazität verspricht, weil die zusätzliche Masse mehr Schub verlangt. Ab einem gewissen Punkt kippt das Verhältnis.

Laden: viele Ports statt eines großen Laders

Whoop-Akkus werden in Stückzahl geflogen. Bei drei bis vier Minuten je Pack braucht ein Flugabend sechs bis acht Zellen, und die sollen zwischen den Sessions gleichzeitig laden.

Das übliche Werkzeug ist ein Mehrkanal-1S-Lader mit sechs oder acht Ports, der aus einem USB-C-Netzteil oder einem größeren LiPo gespeist wird. Worauf zu achten ist:

Die allgemeinen Regeln zum Laden und zur Ladegeschwindigkeit stehen in LiPo-Akku laden, die Auswahl eines Ladegeräts behandelt LiPo-Ladegerät.

Parallel laden: Zeit sparen ohne Risiko

Ein Flugabend braucht sechs bis acht Zellen, und alle sollen zwischen zwei Sessions fertig werden. Beim parallelen Laden vieler kleiner Zellen gelten drei Punkte:

Ladestrom je Zelle. Als Faustwert lädt man mit 1C, bei einem 300-mAh-Pack also mit 0,3 A. Viele Mehrfachlader bieten feste Stufen an; die kleinste passende Stufe ist die richtige Wahl. Höhere Ströme verkürzen die Ladezeit und die Lebensdauer.

Gleiche Zellen zusammen. Ein Lader mit gemeinsamer Stromversorgung verteilt seine Leistung auf die belegten Ports. Zellen mit unterschiedlicher Kapazität am selben Lader werden dadurch unterschiedlich stark belastet.

Nicht unbeaufsichtigt. Auch 300 mAh reichen für einen Brand. Der Ladeplatz gehört auf eine nicht brennbare Unterlage, entfernt von Papier und Textilien.

Ein praktischer Hinweis zur Reihenfolge: Warme Zellen direkt nach dem Flug laden zwar schneller, altern dabei aber schneller. Zehn Minuten Abkühlen vor dem Anstecken sind gut investiert.

Wie viele Zyklen ein Whoop-Akku hält

Die Lebensdauer liegt bei den kleinen 1S-Zellen niedriger als bei größeren Packs, weil sie relativ zu ihrer Kapazität hohe Ströme liefern. Realistisch sind 100 bis 200 Zyklen, bevor die Flugzeit spürbar nachlässt.

Was die Zahl nach unten zieht:

Bei einem Stückpreis im niedrigen einstelligen Bereich ist der Tausch eines Satzes überschaubar. Teurer wird es, einen müden Pack weiterzufliegen und die Ursache für kurze Flugzeiten woanders zu suchen.

Lagerung und Lebensende

Zwei Punkte, die bei kleinen Zellen genauso gelten wie bei großen.

Lagerung bei rund 3,8 Volt. Voll geladene Zellen altern deutlich schneller. Wer nach dem Flugabend die Reste voll lädt und liegen lässt, verkürzt die Lebensdauer messbar. Die Aufbewahrung gehört in eine feuerfeste Tasche oder einen Metallbehälter, dazu mehr in LiPo-Tasche feuerfest.

Das Ende erkennt man an drei Zeichen: Die Flugzeit sinkt spürbar, der Sag beim Gasgeben wird stärker, und die Zelle bläht sich sichtbar auf. Der letzte Punkt ist ein Ausschlusskriterium; eine geblähte Zelle wird nicht mehr geladen und nicht mehr geflogen. Bei den kleinen Kapazitäten sind 100 bis 200 Zyklen realistisch.

Fazit: eine Zelle, drei Entscheidungen

Beim Whoop-Akku sind es drei Festlegungen, die zählen. Erstens die Chemie: LiHV bringt in dieser Klasse spürbar Schub, verlangt aber den passenden Lademodus. Zweitens der Stecker, denn BT2.0 und A30 wurden gebaut, weil der alte PH2.0 an seinem Übergangswiderstand Leistung verliert; hier legt man sich mit dem Board fest. Drittens die Kapazität, die zum Radstand passen muss, weil zusätzliches Gewicht die gewonnene Energie teilweise wieder aufzehrt. Wer dazu bei 3,3 Volt unter Last landet und die Packs bei 3,8 Volt lagert, holt aus einem Satz Zellen heraus, was drin ist.

Häufige Fragen

Welche Akkus passen in einen Tinywhoop?

Fast immer 1S-Zellen, also Einzelzellen mit 3,7 Volt nominal bei LiPo und 3,8 Volt bei LiHV. Übliche Kapazitäten sind 250 bis 450 Milliamperestunden bei 65-Millimeter-Whoops und 450 bis 550 bei 75 Millimetern. Entscheidend ist neben der Kapazität der Stecker, denn BT2.0, PH2.0 und A30 sind nicht untereinander kompatibel.

Was ist der Unterschied zwischen LiPo und LiHV?

Die Ladeschlussspannung. Ein normaler 1S-LiPo wird auf 4,20 Volt geladen, eine LiHV-Zelle auf 4,35 Volt. Die höhere Spannung bringt spürbar mehr Schub am Anfang des Flugs und etwas mehr nutzbare Energie. Wichtig ist, dass der Lader auf den richtigen Modus steht: Ein LiPo auf 4,35 Volt geladen wird beschädigt, eine LiHV-Zelle im LiPo-Modus bleibt unter ihrer Kapazität.

Warum gibt es den BT2.0-Stecker?

Wegen des Widerstands. Der ältere PH2.0-Stecker stammt aus der Elektronik und ist für die Ströme eines Brushless-Whoops grenzwertig; am Kontakt fällt Spannung ab, die als Schubverlust ankommt und den Stecker erwärmt. BetaFPV hat den BT2.0 mit größerer Kontaktfläche und geringerem Übergangswiderstand eingeführt. Das Ergebnis ist ein kleinerer Spannungseinbruch unter Last.

Wie lange fliegt ein Tinywhoop mit einem Akku?

Üblich sind drei bis fünf Minuten, je nach Kapazität, Gewicht und Flugstil. Ein 300er-Pack an einem 65-Millimeter-Whoop liegt eher bei drei Minuten, ein 550er an einem 75er bei etwa fünf. Aggressives Fliegen mit viel Gaswechsel verkürzt das deutlich, weil der Strombedarf überproportional mit der Drehzahl steigt.

Ab welcher Spannung muss ich landen?

Als Faustwert bei 3,3 Volt unter Last, was in Ruhe etwa 3,5 Volt entspricht. Wer tiefer entlädt, verliert dauerhaft Kapazität, und die Zelle bläht sich mit der Zeit auf. Bei Whoops ist der Warnton des Videosenders oder die Betaflight-Warnung der praktische Auslöser, weil man das Display nicht sieht.

Wie viele Akkus brauche ich für einen Flugabend?

Bei drei bis vier Minuten Flugzeit je Pack rechnet man mit sechs bis acht Akkus für eine gute Stunde. Das ist der Grund, warum Whoop-Akkus fast immer im Mehrfachpack verkauft und mit Mehrkanal-Ladegeräten geladen werden. Ein Lader mit sechs oder acht 1S-Ports ist die übliche Ausstattung.

Wie lagere ich 1S-Whoop-Akkus richtig?

Bei etwa 3,8 Volt je Zelle und nicht voll geladen. Viele 1S-Lader haben dafür einen Storage-Modus. Voll geladene Zellen altern schneller und blähen sich eher auf. Für die Aufbewahrung eignet sich eine feuerfeste Tasche oder ein Metallbehälter an einem kühlen Ort, getrennt von brennbarem Material.

Woran erkenne ich, dass ein Whoop-Akku am Ende ist?

An drei Zeichen: Die Flugzeit sinkt deutlich, der Spannungseinbruch beim Gasgeben wird stärker, und die Zelle bläht sich sichtbar auf. Aufgeblähte Zellen gehören sofort aus dem Betrieb, weil sich im Inneren Gas gebildet hat. Bei den kleinen Kapazitäten sind 100 bis 200 Zyklen realistisch, danach ist der Ersatz günstiger als der Ärger.

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