Tinywhoop Long Range: was auf Distanz wirklich geht

Long Range mit dem Tinywhoop: warum der Videolink vor dem Steuerlink abreißt, was ELRS und Antennen ändern und wo die Sichtweite die Distanz härter begrenzt als jede Technik.

FPV & Racing Veröffentlicht am 7 Min. Lesezeit

Der Whoop fliegt im Wohnzimmer, im Treppenhaus und um den Baum im Garten. Irgendwann kommt die Frage, wie weit er eigentlich käme, wenn man ihn einfach geradeaus fliegen ließe. Die Antwort ist aufschlussreich, weil sie nicht am Antrieb hängt und auch nicht an der Steuerung. Dieser Artikel zeigt, welche vier Grenzen es sind, welche davon zuerst zuschlägt und was sich daran mit Technik verschieben lässt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Steuerlink ist selten das Problem: ELRS auf 2,4 GHz hält nach Herstellerangabe rund 600 Meter, auch mit leichter Antenne.
  • Das Videobild bricht zuerst weg, weil 25 mW EIRP und eine winzige Antenne die Grenze setzen.
  • Die Sichtweite ist die härteste Grenze: Ein 75-mm-Whoop ist auf 100 Metern nur noch ein Punkt ohne erkennbare Lage.
  • Das Rückflug-Budget entscheidet über den Verlust: umdrehen bei einem verbrauchten Drittel.
  • 96 kHz PWM statt 24 kHz bringt beim selben Aufbau 4:00 statt 2:50 Minuten Flugzeit.

Was “Long Range” beim Whoop bedeuten kann

Bei 5- und 7-Zoll-Aufbauten meint Long Range Strecken im Kilometerbereich, mit Li-Ion-Akkus, 868-MHz-Steuerlink und Richtantennen. Diese Zahlen gehören in eine andere Klasse. Was beim Whoop realistisch dahintersteckt, sind drei Ziele:

Das dritte Ziel ist in der Praxis das wertvollste. Ein Whoop mit stabiler Verbindung auf 80 Metern macht mehr Freude als einer, der auf 200 Metern gerade noch ein grieseliges Bild liefert.

Die vier Begrenzer, und welcher zuerst greift

Vier voneinander unabhängige Dinge begrenzen die Distanz. Die kürzeste von ihnen setzt die Grenze, alle anderen sind dann ohne Wirkung.

Vier waagerechte Balken unterschiedlicher Länge auf einer gemeinsamen Distanzachse von null bis sechshundert Metern, die zeigen, welcher Faktor die Reichweite eines Tinywhoops zuerst begrenzt. Die Achse trägt Markierungen bei 0, 100, 200, 300, 400, 500 und 600 Metern. Der oberste und längste Balken ist der Steuerlink mit ExpressLRS auf 2,4 Gigahertz und reicht bis rund 600 Meter, Beschriftung nach Herstellerangabe für Tower- und Flachantenne. Der zweite Balken ist das Rückflug-Budget des Akkus und endet bei etwa 300 Metern, Beschriftung: ein Drittel der Kapazität für den Hinweg, der Rest für Rückweg und Reserve. Der dritte Balken ist der Videolink mit 25 Milliwatt EIRP und einer Whoop-Antenne und endet bei etwa 200 Metern, Beschriftung: bricht als Bild schon vor dem völligen Signalverlust unbrauchbar zusammen. Der vierte und mit Abstand kürzeste Balken ist die Sichtweite und endet bei etwa 100 Metern, er ist als einziger orange hervorgehoben und trägt die Beschriftung, dass ein Whoop mit 75 Millimetern Radstand dort unter einem Sehwinkel von rund 2,5 Bogenminuten erscheint, während das Auge etwa eine Bogenminute auflöst. Eine senkrechte gestrichelte Linie läuft am Ende dieses kürzesten Balkens durch alle vier Balken hindurch und markiert damit die tatsächlich wirksame Grenze; rechts davon sind die überstehenden Teile der drei längeren Balken blass dargestellt, weil diese Reserve praktisch ungenutzt bleibt. Hinweisleiste: Das schwächste Glied entscheidet. Wer am Videosender ansetzt, verschiebt den drittkürzesten Balken und ändert an der wirksamen Grenze nichts, solange die Sichtweite davor liegt.

Der kürzeste Balken bestimmt die Reichweite. Bei einem Whoop ist das die Sichtweite, lange bevor die Technik an ihre Grenze kommt.

Die Reihenfolge überrascht die meisten: Die Technik reicht weiter als das Auge. Das ist der Grund, warum bei Whoops selten von Reichweite gesprochen wird und oft von Verbindungsqualität.

ExpressLRS hat die Frage nach dem Steuerlink weitgehend erledigt. BetaFPV gibt für die leichte Empfängerausführung ein Gewicht von 0,53 Gramm bei 3 Millimetern Platinenstärke an und nennt für Tower- wie Flachantenne unter gleichen Bedingungen rund 600 Meter.

Drei Stellschrauben gibt es trotzdem:

Die Antennenform. Die Tower-Antenne steht aufrecht und strahlt gleichmäßiger in die Fläche, die flache Bauform spart Platz und Gewicht. Bei einem 65er Whoop entscheidet oft schlicht, was noch untergebracht werden kann, ohne dass die Antenne in einen Propeller gerät.

Die Sendeleistung am Sender. Für den Innenraum genügen 25 oder sogar 10 Milliwatt, und das schont den Akku der Fernsteuerung. Für Distanz gehört die Leistung hoch, in den Grenzen, die für das jeweilige Band gelten.

Die Paketrate. 250 Hz ist der verbreitete Kompromiss aus Reichweite und Verzögerung. Niedrigere Raten bringen etwas mehr Empfindlichkeit und damit Reichweite, höhere Raten senken die Verzögerung und kosten Reserve. Für einen Whoop auf Distanz ist 250 Hz die vernünftige Grundeinstellung. Wie ELRS insgesamt arbeitet, steht im Artikel zu ELRS gegen Crossfire.

Die eigentliche technische Grenze sitzt im Videosender, und sie hat zwei Ursachen.

Die Leistungsgrenze. In Deutschland gilt für das 5,8-GHz-Band eine Obergrenze von 25 Milliwatt EIRP, und in diese Angabe zählt der Antennengewinn hinein. Was diese Grenze praktisch bedeutet und welche Kanäle im erlaubten Fenster liegen, steht im Artikel zu den FPV-Frequenzen in Deutschland.

Die Antennengröße. Ein Whoop trägt eine sehr kleine Antenne, oft direkt am Rahmen und nah an Kabeln und Motoren. Genau dort entstehen Verluste, die auf dem Datenblatt nicht auftauchen.

Dazu kommt der grundsätzliche Unterschied zwischen den beiden Funkstrecken: Der Steuerlink überträgt wenige Bytes pro Paket und kommt mit einem sehr schwachen Signal aus, weil je Paket nur eine einfache Entscheidung ansteht. Das Videobild überträgt dauerhaft ein vollständiges Bild und wird bereits unbrauchbar, wenn die Verbindung noch weit vom Abriss entfernt ist. Beim analogen Bild zeigt sich das als wachsendes Rauschen, beim digitalen als Standbilder und Aussetzer.

Praktisch heißt das: Du siehst das Ende der Reichweite kommen, bevor die Steuerung es merkt. Das ist ein Vorteil, wenn du darauf reagierst.

Der Akku: das Rückflug-Budget

Ein 1S-Whoop fliegt je nach Reglereinstellung knapp drei bis vier Minuten. Gemessene Werte desselben Aufbaus mit unterschiedlicher PWM-Frequenz der Bluejay-Firmware zeigen die Spanne deutlich:

PWM-FrequenzFlugzeitCharakter
24 kHz2:50direktestes Ansprechverhalten
48 kHz3:40ausgewogen
96 kHz4:00längste Flugzeit

Für Distanzflüge ist 96 kHz der richtige Tausch, weil dort jede Sekunde Flugzeit Rückweg bedeutet.

Die Rechnung dahinter ist unbarmherzig: Wer zwei Minuten hinausfliegt, hat bei vier Minuten Gesamtflugzeit zwei Minuten für den Rückweg, und darin ist keine Reserve für Gegenwind, für einen Umweg um ein Gebäude oder für eine Suche. Die belastbare Regel lautet deshalb: umdrehen, sobald ein Drittel der Kapazität verbraucht ist. Wie sich der Spannungsverlauf dabei verhält, steht im Artikel zum Tinywhoop-Akku.

Gegenwind verschiebt diese Rechnung stark. Ein Whoop wiegt um 25 bis 35 Gramm und hat kaum Masse, gegen die er sich stemmen kann. Der Hinweg mit Rückenwind fühlt sich mühelos an, und genau das ist die Falle.

Die Sichtweite: die härteste Grenze

Hier liegt die Grenze, die sich mit keinem Bauteil verschieben lässt.

Ein Whoop mit 75 Millimetern Radstand misst quer etwa 7,5 Zentimeter. Auf 100 Metern Entfernung erscheint er damit unter einem Sehwinkel von rund 2,5 Bogenminuten. Das menschliche Auge löst unter guten Bedingungen etwa eine Bogenminute auf. Der Whoop ist dort also bestenfalls ein Punkt, dessen Lage und Flugrichtung sich nicht mehr erkennen lassen. Vor Bäumen oder bei diesigem Himmel verschwindet er schon deutlich früher.

Diese Rechnung ist zugleich die rechtliche Grundlage: Die offene Kategorie verlangt ständigen Sichtkontakt zur Drohne. Beim Flug mit Videobrille übernimmt diesen Blick ein Luftraumbeobachter, der die Drohne durchgehend im Auge behalten muss. Wenn er sie nicht mehr sieht, ist die zulässige Distanz erreicht, unabhängig davon, wie gut das Bild in der Brille noch aussieht. Die Einzelheiten dazu stehen im Artikel zum FPV-Drohne fliegen.

Ein praktischer Nebeneffekt: Ein verlorener Whoop ist im Gras praktisch nicht wiederzufinden. Ein Summer, der sich per Schalter auslösen lässt, kostet wenig und rettet regelmäßig den Nachmittag.

Was ein Whoop-Aufbau für Distanz ändert

Vier Anpassungen bringen spürbar mehr Reserve, ohne die Bauform zu verlassen:

Was sich dagegen kaum lohnt: eine stärkere Videoendstufe. Sie führt über die zulässige Grenze hinaus und verschiebt ohnehin nur den drittkürzesten Balken, während die Sichtweite davor liegt.

Wann die Bauform die falsche ist

Der Whoop ist für enge Räume gebaut, und diese Herkunft zeigt sich draußen sofort. Zwei Situationen sprechen klar für eine andere Klasse:

Wind über etwa 15 km/h. Der Whoop kommt gegen Böen kaum an und verbraucht dabei den Akku, den er für den Rückweg braucht.

Ziele jenseits einiger hundert Meter. Dafür sind 5- und 7-Zoll-Aufbauten gebaut, weil sie größere Akkus, bessere Antennen und mehr Reserve tragen. Was ein solcher Aufbau verlangt, steht im Artikel zu Long Range FPV.

Für alles darunter bleibt der Whoop die angenehmere Wahl, weil er leise ist, niemanden gefährdet und auch dann noch fliegt, wenn der Platz für Größeres fehlt.

Fazit: das schwächste Glied ist das Auge

Ein Tinywhoop könnte technisch weiter fliegen, als man ihn fliegen lassen darf. Der Steuerlink hält nach Herstellerangabe rund 600 Meter, der Videolink kommt einige hundert Meter weit, und noch davor endet der Akku-Radius. Die wirksame Grenze zieht das Auge, weil ein 7,5 Zentimeter breites Objekt auf 100 Metern schlicht kein erkennbares Ziel mehr ist.

Daraus folgt die sinnvolle Ausrichtung eines Whoop-Aufbaus für draußen: Statt auf Distanz zu optimieren, lohnt es sich, die Verbindung auf kurzer Strecke bombenfest zu machen. Ein sauber verlegtes Antennenpaar, 96 kHz in der Regler-Firmware und die Drittel-Regel für den Rückweg bringen mehr als jede Leistungsstufe mehr. Welche Whoop-Größe dafür die passende ist, zeigt der Artikel zum Tiny Whoop.

Häufige Fragen

Wie weit fliegt ein Tinywhoop wirklich?

Der Steuerlink ist selten das Problem: Ein ELRS-Empfänger mit passender Antenne hält die Verbindung über mehrere hundert Meter. Vorher reißt das Videobild ab, weil der Videosender in Deutschland auf 25 mW EIRP begrenzt ist und ein Whoop nur eine winzige Antenne trägt. In der Praxis endet der brauchbare Bereich damit deutlich unter dem, was die Steuerung könnte.

Warum bricht beim Whoop zuerst das Bild weg und nicht die Steuerung?

Steuerlink und Videolink arbeiten mit unterschiedlichen Leistungen und Bandbreiten. ExpressLRS überträgt wenige Bytes und übersteht dabei ein sehr schwaches Signal, weil es nur eine Ja-Nein-Entscheidung pro Paket braucht. Das Videobild überträgt dauerhaft ein volles Bild und wird schon bei leichter Störung unbrauchbar. Deshalb ist das Bild immer die erste Stufe, die ausfällt.

Welcher Empfänger eignet sich für einen Long-Range-Whoop?

Ein ELRS-Empfänger auf 2,4 GHz mit externer Antenne. BetaFPV gibt für die leichte Ausführung ein Gewicht von 0,53 Gramm an und nennt sowohl die Tower- als auch die flache Antenne als Option; beide erreichen unter gleichen Bedingungen rund 600 Meter. Bei Whoops mit 65 bis 85 Millimetern Radstand ist die leichte Bauform die sinnvolle Wahl, weil der Platz begrenzt ist.

Ist Long Range mit einem Whoop überhaupt erlaubt?

Innerhalb der Sichtweite ja, darüber hinaus nicht. Die offene Kategorie verlangt ständigen Sichtkontakt zur Drohne. Beim Flug mit Videobrille übernimmt diesen Blick eine zweite Person als Luftraumbeobachter. Ein Whoop ist dabei das denkbar schlechteste Objekt, weil er schon nach wenigen Dutzend Metern am Himmel kaum noch auszumachen ist.

Wie viel Akku muss ich für den Rückweg einplanen?

Mindestens die Hälfte, eher mehr. Ein 1S-Whoop fliegt je nach Reglereinstellung knapp drei bis vier Minuten. Wer zwei Minuten hinausfliegt, hat beim Rückweg keine Reserve für Gegenwind, Umwege oder eine Suche. Die brauchbare Regel lautet: umdrehen, sobald ein Drittel der Kapazität verbraucht ist.

Bringt ein 2S-Whoop mehr Reichweite?

Er bringt mehr Tempo und mehr Schubreserve gegen Wind, was auf Distanz hilft. An der eigentlichen Grenze ändert er wenig, weil die Reichweite am Videolink und an der Sichtweite hängt, nicht am Antrieb. Der Unterschied zwischen den Zellenzahlen ist im Artikel zum Tiny Whoop beschrieben.

Welche Reglereinstellung verlängert die Flugzeit?

Die PWM-Frequenz der Bluejay-Firmware. Gemessene Flugzeiten desselben Aufbaus liegen bei 96 kHz bei 4:00 Minuten, bei 48 kHz bei 3:40 und bei 24 kHz bei 2:50. Die hohe Frequenz kostet etwas Ansprechverhalten und ist auf Distanz der bessere Tausch, weil dort Flugzeit mehr wert ist als das letzte bisschen Direktheit.

Wann ist der Whoop die falsche Bauform für Distanz?

Sobald das Ziel mehrere hundert Meter oder Wind über etwa 15 km/h sind. Ein Whoop wiegt um 25 bis 35 Gramm und hat kaum Fläche, gegen die er sich stemmen kann. Für echte Langstrecke sind 5- und 7-Zoll-Aufbauten gebaut, weil sie größere Akkus, stärkere Videosender und richtige Antennen tragen können.

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