ELRS vs. Crossfire: welches Funksystem wofür taugt

ExpressLRS und TBS Crossfire im Vergleich: Latenz, Reichweite, Empfängergewicht und Kosten. Warum ELRS im Whoop gewinnt und wo Crossfire seine Stärke behält.

FPV & Racing Veröffentlicht am 6 Min. Lesezeit

Die Wahl der Funkstrecke fällt einmal und begleitet danach jeden Aufbau, weil Sendemodul und Empfänger zusammenpassen müssen. ExpressLRS und TBS Crossfire stehen dabei für zwei verschiedene Auslegungen desselben Problems. Der Unterschied lässt sich in einem Diagramm zeigen, und für kleine Quads fällt die Antwort deutlicher aus, als die Diskussion vermuten lässt.

Das Wichtigste in Kürze

  • ELRS ist auf Latenz ausgelegt und erreicht Paketraten bis 1000 Hz, Crossfire auf Verbindungssicherheit und endet bei 150 Hz.
  • Im Whoop gewinnt ELRS klar: Der Empfänger sitzt meist auf dem AIO-Board, während ein Crossfire-Nano rund 3,5 g plus Antenne wiegt.
  • ELRS ist quelloffen und herstellerübergreifend, Crossfire bleibt im TBS-Ökosystem.
  • Kostenunterschied je Drohne: ELRS-Empfänger im niedrigen zweistelligen Bereich, Crossfire-Empfänger bei 30 bis 50 €.
  • Auf 868 MHz gelten in der EU Beschränkungen zur Sendedauer, die die nutzbaren Paketraten begrenzen.

Der Zielkonflikt, der beide Systeme erklärt

Diagramm mit der Paketrate auf der waagerechten Achse von fünfzig bis tausend Hertz und zwei gegenläufigen Kennlinien. Die erste Kennlinie zeigt die Verzögerung je Paket, die von zwanzig Millisekunden bei fünfzig Hertz auf einen Millisekunde bei tausend Hertz fällt. Die zweite Kennlinie zeigt die relative Reichweite, die in die Gegenrichtung verläuft und bei niedrigen Paketraten am höchsten ist. Auf der Achse sind Betriebspunkte eingezeichnet: ExpressLRS arbeitet über den gesamten Bereich von fünfzig bis tausend Hertz, TBS Crossfire nur im Bereich von fünfzig bis hundertfünfzig Hertz. Rechts daneben eine Gewichtsgegenüberstellung zweier Empfänger als Balken: der ELRS-Empfänger auf dem AIO-Board mit praktisch null Gramm Zusatzgewicht, der Crossfire-Nano-Empfänger mit rund dreieinhalb Gramm plus Antenne. Darunter der Anteil am Startgewicht eines Zwanzig-Gramm-Whoops, der beim Crossfire-Empfänger rund ein Sechstel beträgt. Kernaussage: Beide Systeme bedienen dieselbe Kurve, ELRS deckt jedoch den gesamten Bereich ab und wiegt im Whoop praktisch nichts.

Beide Systeme bedienen denselben Zielkonflikt. ELRS deckt den ganzen Bereich ab und wiegt im Whoop praktisch nichts.

Jede Funkstrecke steht vor derselben Abwägung. Wird häufiger gesendet, kommen die Steuerbefehle schneller an und das Fliegen fühlt sich direkter an. Wird seltener gesendet, steckt mehr Energie in jedem einzelnen Paket, und die Verbindung trägt weiter.

Diese Beziehung ist physikalisch und gilt für beide Systeme gleichermaßen. Was sie unterscheidet, ist der Bereich, den sie abdecken:

ExpressLRSTBS Crossfire
Paketraten50 bis 1000 Hz50 bis 150 Hz
Frequenzen (EU)2,4 GHz und 868 MHz868 MHz
Quelleoffen, herstellerübergreifendproprietär (TBS)
Empfänger im Whoopmeist auf dem AIO-BoardNano ab rund 3,5 g
Empfängerpreisniedriger zweistelliger Bereichrund 30 bis 50 €
Sendemodulin vielen Sendern eingebautseparates Modul nötig

Warum ELRS im Whoop gewinnt

Bei einem Tinywhoop mit rund 20 Gramm Startgewicht ist Gewicht die härteste Währung. Jedes zusätzliche Gramm kostet Flugzeit, weil dieselbe Akkukapazität mehr Masse tragen muss.

Genau hier entscheidet sich die Frage. Bei ELRS sitzt der Empfänger auf modernen Whoops direkt auf dem AIO-Board, also der Platine, die Flugcontroller, Motorregler und Empfänger vereint. Er bringt praktisch kein Zusatzgewicht mit. Wie dieser Aufbau funktioniert, steht im Artikel zu Tinywhoop mit ELRS.

Ein Crossfire-Nano-Empfänger wiegt dagegen rund 3,5 Gramm, dazu kommt die Antenne. Bei einem 20-Gramm-Whoop sind das etwa ein Sechstel des Startgewichts, und der Empfänger muss zusätzlich irgendwo untergebracht und verkabelt werden. Der Reichweitengewinn bringt dabei nichts, weil ein Whoop ohnehin in Sichtweite geflogen wird.

Für Cinewhoops gilt dasselbe Argument in abgeschwächter Form. Bei 2- bis 3-Zoll-Aufbauten überwiegt das Gewicht, ab 3,5 Zoll und beim Fliegen in Gebäuden mit dicken Wänden kann die bessere Durchdringung von 868 Megahertz den Aufpreis rechtfertigen. Welche Größen es gibt, steht im Artikel zum Cinewhoop.

Wo Crossfire seine Stärke behält

Crossfire ist über Jahre auf einen Fall optimiert worden: eine Verbindung, die über sehr große Distanzen trägt und am Rand ihrer Reichweite berechenbar bleibt. Statt abrupt abzureißen, verhält sich das System vorhersehbar, was bei Langstreckenflügen den Unterschied zwischen einer kontrollierten Rückkehr und einem Verlust ausmacht.

Dazu kommt ein ausgereiftes Gesamtsystem: Telemetrie, Konfiguration über die TBS-eigene Software und eine Hardwarequalität, die in der Szene einen guten Ruf hat. Wer bereits mehrere Crossfire-Empfänger besitzt, hat wenig Grund zum Wechsel.

Für den Betrieb in Deutschland gilt allerdings eine Einschränkung: Auf 868 Megahertz begrenzen die europäischen Regeln, wie lange ein Gerät je Zeiteinheit senden darf. Das ist der Grund, warum die höchsten Paketraten dort nicht zur Verfügung stehen. Welche Frequenzen wofür freigegeben sind, steht im Artikel zu den FPV-Frequenzen in Deutschland.

Die Kostenrechnung über mehrere Drohnen

Der Preisunterschied wirkt sich erst mit der zweiten und dritten Drohne richtig aus, weil jeder Quad einen eigenen Empfänger braucht.

ELRSCrossfire
Sender mit Modulab rund 119 € (Modul eingebaut)Sender plus separates Modul
Empfänger je Drohneniedriger zweistelliger Bereichrund 30 bis 50 €
Bei fünf DrohnenEmpfänger im unteren dreistelligen Bereichdeutlich darüber

Sender wie die RadioMaster Pocket ab rund 119 Euro oder die T8L ab rund 72 Euro bringen das ELRS-Sendemodul bereits mit. Bei Crossfire kommt zum Sender immer ein Modul hinzu, das in den Modulschacht gesteckt wird.

Pocket
Pocket 288-Gramm-ELRS-Fernsteuerung mit Hall-Gimbals und EdgeTX ab 118,99 € Amazon-Preis: Stand 18.09.2026, 08:21 Uhr
T8L
T8L Displaylose FPV-Fernsteuerung mit Hall-Gimbals und integriertem ExpressLRS ab 71,99 €
TX16S MK3
TX16S MK3 Vollformat-Fernsteuerung mit 5-Zoll-Touchscreen und Gemini-X-Dualband-ELRS ab 262,92 €

Die Offenheit als praktischer Unterschied

ELRS ist quelloffen. Sender und Empfänger verschiedener Hersteller arbeiten zusammen, solange auf beiden Seiten dieselbe Hauptversion der Firmware läuft. Das erklärt die schnelle Verbreitung: Praktisch jeder Hersteller kann ELRS-Hardware bauen, und der Wettbewerb drückt die Preise.

Die Kehrseite ist die Versionspflege. Nach einem Firmware-Update auf der einen Seite muss die andere nachziehen, sonst bindet nichts mehr. Wie das abläuft, steht im Artikel zum ELRS-Firmware-Update.

Crossfire nimmt diese Aufgabe ab, weil alles aus einer Hand kommt und die Kompatibilität vom Hersteller sichergestellt wird. Wer Wartungsaufwand vermeiden will, kauft sich diesen Komfort mit dem höheren Preis.

Welches System für welchen Aufbau

Tinywhoop und kleine Cinewhoops: ELRS. Das Gewichtsargument ist entscheidend, und die Reichweite wird nie gebraucht.

5-Zoll-Freestyle: ELRS auf 2,4 Gigahertz. Die hohen Paketraten passen zum Flugstil, die Reichweite reicht für Sichtflug mühelos.

Langstrecke und Bergflug: Crossfire oder ELRS auf 868 Megahertz mit niedriger Paketrate. Hier zahlt sich die auf Reichweite ausgelegte Auslegung aus.

Bestehendes Crossfire-Setup: bleiben. Der Wechsel kostet Sendemodul plus einen Empfänger je Drohne und bringt außer beim Gewicht wenig.

Erster Aufbau überhaupt: ELRS. Die meisten Fertigmodelle bringen den Empfänger bereits mit, und der Sender aus dem Einsteigerset spricht dasselbe Protokoll.

Telemetrie: was auf dem Rückweg ankommt

Beide Systeme senden Daten von der Drohne zurück zum Sender. Was dort ankommt, unterscheidet sich in der Menge und darin, wie leicht es nutzbar ist.

Der wichtigste Wert ist bei beiden die Signalqualität. Sie zeigt an, wie viele Pakete tatsächlich ankommen, und ist die einzige verlässliche Frühwarnung vor einem Verbindungsabriss. Der zweite unverzichtbare Wert ist die Akkuspannung, die im Brillenbild eingeblendet wird und den Rückflug zeitlich begrenzt.

Crossfire hat hier historisch einen Vorsprung, weil das System von Anfang an auf eine breite Telemetriepalette ausgelegt war und die Anzeige auf dem Sender mitliefert. ELRS hat aufgeholt und überträgt inzwischen dieselben Kernwerte; die Einrichtung verlangt allerdings, dass die Sensoren am Sender einmal erkannt und den Anzeigefeldern zugeordnet werden.

Praktisch wirkt sich das auf einen Punkt aus: die akustische Warnung. Wer den Sender so einrichtet, dass er bei einer bestimmten Akkuspannung oder bei absinkender Signalqualität piept, braucht die Werte nicht ständig im Blick. Diese Einrichtung lohnt sich bei beiden Systemen und ersetzt einen erheblichen Teil der Aufmerksamkeit, die sonst der Anzeige gilt.

Beide Systeme parallel betreiben

Der Wechsel muss keine Entweder-oder-Entscheidung sein. Sender mit einem Modulschacht nehmen ein externes Modul auf, während das interne Modul vorhanden bleibt. Damit lässt sich ein Sender wie die RadioMaster TX16S gleichzeitig für ELRS-Quads über das interne Modul und für Crossfire-Aufbauten über ein eingestecktes TBS-Modul nutzen.

In der Modellauswahl des Senders wird je Drohne festgelegt, welches Modul aktiv ist. Damit bleiben bestehende Crossfire-Aufbauten nutzbar, während neue Quads mit ELRS entstehen. Zu beachten ist allein, dass immer nur ein Modul gleichzeitig senden darf, sonst stören sich beide.

Für die Übergangsphase ist das der pragmatischste Weg: Er kostet nur das externe Modul, das ohnehin schon vorhanden ist, und erspart den Umbau funktionierender Drohnen.

Was für beide Systeme gleich gilt

Unabhängig vom Protokoll gehört ein sauber eingestelltes Failsafe dazu. Es legt fest, was die Drohne tut, wenn die Verbindung abreißt. Bei Whoops ist der Motorstopp die richtige Wahl, weil ein 20-Gramm-Quad im Fallen weniger anrichtet als ein unkontrolliert weiterfliegender.

Ebenfalls gleich bleibt die rechtliche Seite: Der Blick durch die Brille ersetzt den vorgeschriebenen Sichtkontakt nicht, ein Beobachter neben Dir ist Pflicht. Dazu kommen Registrierung und Haftpflichtversicherung, die auch für den kleinsten Eigenbau gelten.

Fazit: die Frage ist meist schon beantwortet

Für neue Aufbauten ist ExpressLRS in fast allen Fällen die richtige Wahl. Es deckt den gesamten Bereich zwischen niedriger Latenz und großer Reichweite ab, ist günstiger, offener und wiegt im Whoop praktisch nichts. Die Verbreitung sorgt zusätzlich dafür, dass zu jedem Problem eine Lösung dokumentiert ist.

Crossfire bleibt die überlegte Wahl für Langstreckenflüge und für alle, die ein geschlossenes, gepflegtes System einem offenen mit Versionspflege vorziehen. Im Tinywhoop hat es dagegen keinen Platz, und das liegt an einer Zahl, die sich nicht wegdiskutieren lässt: 3,5 Gramm bei 20 Gramm Startgewicht.

Häufige Fragen

Was ist der Hauptunterschied zwischen ELRS und Crossfire?

ExpressLRS ist ein quelloffenes Funkprotokoll, das auf niedrige Latenz ausgelegt ist und Paketraten bis 1000 Hertz erreicht. TBS Crossfire ist ein proprietäres System von Team BlackSheep, das auf maximale Verbindungssicherheit über große Distanzen optimiert ist und bei 150 Hertz endet. ELRS ist deutlich günstiger, Crossfire hat das ausgereiftere Gesamtsystem.

Welches System eignet sich besser für einen Tinywhoop?

ExpressLRS, mit deutlichem Abstand. Der Empfänger ist bei Whoops meist direkt auf dem AIO-Board aufgelötet und wiegt damit praktisch nichts extra. Ein Crossfire-Nano-Empfänger wiegt dagegen rund 3,5 Gramm plus Antenne, was bei einem 20-Gramm-Whoop rund ein Sechstel des Startgewichts ausmacht und die Flugzeit spürbar kostet.

Ist Crossfire in einem Cinewhoop sinnvoll?

Bei kleinen 2- bis 3-Zoll-Cinewhoops selten, weil dort dasselbe Gewichtsargument gilt und die Flüge ohnehin kurz und nah sind. Ab 3,5 Zoll aufwärts, wenn der Aufbau über 250 Gramm liegt und in Gebäuden mit dicken Wänden geflogen wird, kann die Durchdringungsfähigkeit von 868 Megahertz den Aufpreis rechtfertigen.

Welche Frequenz nutzen ELRS und Crossfire in Europa?

ELRS gibt es in zwei Ausführungen: 2,4 Gigahertz für niedrige Latenz und 868 Megahertz für Reichweite. Crossfire arbeitet in Europa auf 868 Megahertz, TBS Tracer als 2,4-Gigahertz-Variante daneben. Auf 868 Megahertz gelten in der EU Beschränkungen zur Sendedauer, die die verfügbaren Paketraten begrenzen.

Was kostet der Einstieg in beide Systeme?

Bei ELRS liegen Empfänger im niedrigen zweistelligen Bereich, viele Sender wie die RadioMaster Pocket ab rund 119 Euro bringen das Sendemodul bereits eingebaut mit. Crossfire verlangt ein separates Sendemodul und Empfänger im Bereich von 30 bis 50 Euro je Stück. Bei fünf Drohnen summiert sich dieser Unterschied deutlich.

Was bedeutet die Paketrate und wie wirkt sie?

Die Paketrate gibt an, wie oft pro Sekunde der Sender Steuerdaten überträgt. Bei 500 Hertz vergehen zwischen zwei Paketen zwei Millisekunden, bei 50 Hertz zwanzig. Höhere Raten fühlen sich direkter an und sind für Racing wichtig, niedrigere Raten kommen weiter, weil die Energie je Paket steigt. Der Zielkonflikt lässt sich nicht auflösen, nur einstellen.

Kann ich Sender und Empfänger unterschiedlicher Hersteller mischen?

Bei ELRS ja, das Protokoll ist offen und herstellerübergreifend. Voraussetzung ist dieselbe Hauptversion der Firmware auf beiden Seiten, sonst binden die Geräte nicht. Bei Crossfire bleibt alles im TBS-Ökosystem. Diese Offenheit ist einer der Gründe für die schnelle Verbreitung von ELRS.

Welches System hat die größere Reichweite?

Crossfire gilt bei sehr großen Distanzen als der zuverlässigere Partner, weil das System über Jahre auf genau diesen Fall optimiert wurde und ein sehr sauberes Verhalten am Rand der Verbindung zeigt. ELRS auf 868 Megahertz kommt bei niedrigen Paketraten in vergleichbare Bereiche. Für den Sichtflug in der offenen Kategorie spielt der Unterschied praktisch keine Rolle.

Lohnt der Wechsel von Crossfire zu ELRS?

Wenn ein funktionierendes Crossfire-Setup mit mehreren Empfängern läuft, selten. Der Wechsel bedeutet neues Sendemodul plus einen Empfänger je Drohne. Beim Aufbau neuer Quads ist ELRS dagegen fast immer die günstigere und leichtere Wahl, und viele Fertigmodelle bringen den Empfänger bereits mit.

Das könnte dich auch interessieren