ELRS ist im Tinywhoop längst Standard, und es funktioniert dort anders als bei einer großen FPV-Drohne. Der Empfänger ist fest aufgelötet, die Antenne ist ein paar Zentimeter Draht. Und die Sendeleistung, die man draußen aufdreht, ist drinnen genau die falsche Antwort. Dieser Artikel sortiert, was im Whoop zählt.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Empfänger sitzt fest auf dem AIO-Board, ein Tausch bedeutet ein neues Board.
- Die Binding Phrase ersetzt den Bindevorgang, dieselbe Zeichenfolge auf beiden Seiten genügt.
- 10 bis 25 mW reichen in der Wohnung, mehr Leistung löst Innenraum-Probleme praktisch nie.
- 250 oder 500 Hz Packet Rate sind indoor sinnvoll, weil Latenz dort schwerer wiegt als Reichweite.
- 2,4 GHz ist im Whoop gesetzt, eine 868-MHz-Antenne passt weder ins Canopy noch ins Gewichtsbudget.
Wo ELRS im Whoop sitzt
Bei einer 5-Zoll-Drohne ist der Empfänger ein eigenes Bauteil, das per Kabel am Flight Controller hängt. Im Whoop ist dafür kein Platz. Dort kommt ein AIO-Board zum Einsatz, auf dem alles zusammenliegt.

Vier Funktionen auf einer Platine. Der ELRS-Empfänger ist Teil des Boards und lässt sich nicht einzeln ersetzen.
Das hat Folgen für die Praxis:
Ein Defekt am Empfänger bedeutet ein neues Board. Wer den Empfängerteil beschädigt, etwa beim Löten in der Nähe der Antenne, tauscht das komplette AIO.
Die Firmware liegt getrennt. Betaflight läuft auf dem Flight Controller, ExpressLRS auf dem Empfängerteil. Beide werden getrennt aktualisiert, auch wenn sie auf derselben Platine sitzen.
Beim Kauf entscheidet sich die Funkstrecke mit. Ein AIO mit ELRS-Empfänger ist auf dieses System festgelegt. Wer später auf ein anderes Funksystem wechseln will, wechselt das Board.
Was ein AIO-Board sonst leisten muss und worauf beim Lochbild zu achten ist, steht in Tiny Whoop Flight Controller.
Binden über die Binding Phrase
Der bequemste Teil von ELRS. Statt Sender und Empfänger in einen Bindemodus zu versetzen, trägst du auf beiden Seiten dieselbe Binding Phrase ein, eine frei gewählte Zeichenfolge. Aus ihr errechnen beide Geräte dieselbe Kennung und finden sich beim Einschalten automatisch.
Der Ablauf beim Neuaufbau:
- Phrase festlegen und notieren. Sie ist für alle deine Quads dieselbe, sofern du das willst.
- Sender flashen mit dieser Phrase, über den ExpressLRS Configurator.
- Empfänger flashen mit derselben Phrase.
- Einschalten: Die Verbindung steht ohne weiteren Schritt.
Ohne gesetzte Phrase funktioniert der klassische Weg: Den Empfänger dreimal kurz stromlos machen, damit er in den Bindemodus geht, dann am Sender Bind auslösen.
Zwei Stolpersteine tauchen regelmäßig auf. Erstens müssen Sender und Empfänger dieselbe Hauptversion der Firmware fahren, sonst kommt keine Verbindung zustande. Zweitens muss die Phrase beim Flashen tatsächlich mitgeschrieben worden sein, was beim Update über WLAN gern untergeht. Beide Fälle sind in ELRS Firmware Update im Detail beschrieben.
Sendeleistung: weniger ist im Whoop mehr
Hier liegt das häufigste Missverständnis. Wenn die Verbindung im Innenraum schwächelt, greifen viele zur Leistungseinstellung. Das hilft selten, denn der begrenzende Faktor ist ein anderer.
| Einsatzort | Sinnvoller Bereich |
|---|---|
| Wohnung, enge Räume | 10 bis 25 mW |
| Halle, Garten | 50 bis 100 mW |
| freies Gelände | 250 mW und mehr |
Im Innenraum entstehen Aussetzer durch Wände, Reflexionen und die Lage der Antenne, nicht durch zu geringe Leistung. Ein Whoop hinter einer Betonwand empfängt auch mit 500 Milliwatt schlecht, und ein Whoop, dessen Antenne am Akku anliegt, hat auf jeder Leistungsstufe ein Problem.
Hohe Leistung hat dabei zwei reale Kosten: Sie zieht spürbar am Senderakku, und sie erwärmt das Sendemodul. Bei internen Modulen mit wenig Kühlung ist das ein Thema, wie in ELRS internes Modul beschrieben.
Dazu kommt der rechtliche Rahmen: Die zulässige Sendeleistung ergibt sich aus der Funkanlagen-Regulierung und ist keine freie Wahl. Für Whoop-Flüge in Innenräumen bewegt man sich mit zweistelligen Milliwatt-Werten ohnehin weit unterhalb jeder Grenze. Die Frequenzlage für FPV in Deutschland behandelt FPV-Frequenzen in Deutschland.
Packet Rate: Latenz gegen Reichweite
ELRS lässt die Übertragungsrate einstellen, üblich sind Stufen von 50 bis 1000 Hertz. Der Zusammenhang ist einfach: Eine hohe Rate überträgt öfter und reagiert schneller, eine niedrige Rate steckt mehr Energie in jedes Paket und kommt weiter.
Für den Whoop fällt die Abwägung klar aus. Die Flüge finden auf wenigen Metern statt, Reichweite ist im Überfluss vorhanden. Latenz dagegen merkt man sofort, wenn zwischen Stuhlbeinen und Türrahmen navigiert wird.
- 250 Hz: guter Ausgangspunkt, funktioniert überall
- 500 Hz: spürbar direkter, für Indoor-Kurse und Racing
- 50 bis 100 Hz: für Whoops kaum sinnvoll, das ist eine Einstellung für Langstrecken im Freien
Die Rate muss auf beiden Seiten zusammenpassen; bei ELRS stellt man sie am Sender ein, der Empfänger folgt.
Die Antenne des Empfängers
Zwei Bauformen sind verbreitet, und sie unterscheiden sich deutlich.
Die Drahtantenne ist ein kurzes Stück Draht, meist mit einem farbigen Schrumpfschlauch markiert. Sie liefert die bessere Leistung und ist der Standard bei Boards, die für den Einsatz draußen gedacht sind. Sie ist allerdings empfindlich: Abgeknickt oder abgerissen ist schnell etwas, und die Lötstelle am Board ist winzig.
Die Keramik-Chipantenne ist direkt auf die Platine gelötet. Sie wiegt nichts, kann nicht abbrechen und reicht für Innenräume vollkommen aus. Ihre Abstrahlung ist schwächer, was draußen auf Entfernung auffällt.
In beiden Fällen gilt eine Regel, die häufiger verletzt wird als jede andere: Die Antenne muss frei liegen. Sie darf nicht am Akku, an Motorkabeln oder an einer Carbon-Verstärkung anliegen. Im Canopy ist dafür meist eine Führung vorgesehen, und die hat ihren Grund. Die Regeln für die Videoantenne, die einer anderen Logik folgt, stehen in Tiny-Whoop-Antenne.
Failsafe: der Whoop fällt lieber
ELRS erkennt einen Signalverlust und löst das eingestellte Failsafe-Verhalten aus. Bei größeren Drohnen im Freien ist eine Rückkehr zum Startpunkt sinnvoll. Beim Whoop ist die richtige Einstellung eine andere: Motoren stoppen.
Der Grund liegt in der Umgebung. Ein Whoop fliegt in Räumen mit Möbeln, Menschen und Fenstern. Ein Gerät, das nach dem Signalverlust weiterfliegt oder aufsteigt, richtet dort mehr Schaden an als eines, das aus zwei Metern Höhe auf den Teppich fällt. Bei 20 Gramm Fluggewicht ist der Aufprall selbst harmlos.
In Betaflight steht die Einstellung unter dem Failsafe-Reiter, die Stage-2-Prozedur wird auf Drop gesetzt.
Telemetrie: was zurückkommt
ELRS überträgt in beide Richtungen und liefert Daten vom Quad zurück zum Sender. Im Whoop sind vier Werte praktisch relevant:
Die Akkuspannung. Sie ist der wichtigste Wert, weil man beim Whoop kein Display sieht. Der Sender kann bei Unterschreiten einer Schwelle vibrieren oder einen Ton ausgeben, was den Landezeitpunkt zuverlässiger macht als jede Zeitschätzung.
LQ (Link Quality). Der Anteil der Pakete, die ankommen. Ein Wert unter 90 Prozent kündigt Probleme an, lange bevor die Verbindung abreißt. Im Innenraum ist LQ der aussagekräftigere Wert.
RSSI (dBm). Die Empfangsfeldstärke. Sie fällt mit der Entfernung gleichmäßig, während LQ sprunghaft einbricht.
Der Sendeleistungswert. Er zeigt, was das Modul tatsächlich abgibt, was bei dynamischer Leistungsregelung nützlich ist.
Sinnvoll ist es, LQ und Akkuspannung im OSD einzublenden und zusätzlich als Sprachansage oder Vibration am Sender zu legen. Im Whoop-Flug bleibt selten Zeit, Zahlen abzulesen.
Dynamische Leistung und was sie ändert
ELRS kann die Sendeleistung selbst regeln: Sie bleibt niedrig, solange die Verbindung gut ist, und steigt, wenn LQ fällt. Für den Whoop hat das zwei Vorteile. Der Senderakku hält länger, und das Modul bleibt kühler.
Ein Detail dazu: Die dynamische Regelung braucht Telemetrie, um zu erkennen, wann sie hochregeln muss. Wer die Telemetrie abschaltet, verliert damit auch diese Funktion.
Wenn die Verbindung trotzdem stockt
Eine kurze Reihenfolge für den Fehlerfall, von häufig nach selten:
- Antennenlage prüfen. Liegt sie am Akku, an Kabeln oder unter dem Canopy geklemmt?
- Firmware-Versionen abgleichen. Gleiche Hauptversion auf Sender und Empfänger?
- Packet Rate senken, von 500 auf 250 Hertz, als Test.
- Sendeleistung moderat erhöhen, eine Stufe, nicht drei.
- Umgebung betrachten. WLAN-Router, Mikrowellen und andere 2,4-GHz-Quellen teilen sich das Band.
Punkt fünf wird unterschätzt. In einer Wohnung mit mehreren Netzen im 2,4-GHz-Band ist der Funkraum belegt, und ein Whoop im Nebenzimmer kämpft gegen den Router im Flur.
Fazit: aufgelötet, gebunden, leise gesendet
ELRS im Tinywhoop ist unaufwendig, sobald man die drei Besonderheiten kennt. Der Empfänger ist Teil des AIO-Boards und damit eine Kaufentscheidung für die Lebensdauer des Quads. Das Binden läuft über die Binding Phrase und ist nach einmaligem Einrichten erledigt. Und die Sendeleistung gehört im Innenraum nach unten, nicht nach oben, weil dort Wände und Antennenlage entscheiden. Wer zusätzlich die Packet Rate auf 250 oder 500 Hertz stellt und das Failsafe auf Motorstopp setzt, hat die Funkstrecke abgehakt und kann sich dem Fliegen widmen.
Häufige Fragen
Was bedeutet ELRS bei einem Tinywhoop?
ELRS steht für ExpressLRS, ein offenes Funksystem für die Steuerverbindung zwischen Sender und Drohne. Beim Tinywhoop ist der Empfänger fest auf dem AIO-Board verlötet und kein steckbares Modul. Das spart Gewicht und Bauraum, bedeutet aber auch, dass Empfänger und Flight Controller nur gemeinsam getauscht werden.
Wie binde ich einen Tinywhoop mit ELRS an den Sender?
Über die Binding Phrase. Du trägst dieselbe Zeichenfolge in der Sender-Firmware und in der Empfänger-Firmware ein, danach finden sich beide automatisch und ein Bindevorgang per Taster entfällt. Ist keine Phrase gesetzt, hilft der klassische Weg: Empfänger dreimal kurz stromlos machen, damit er in den Bindemodus geht, und am Sender Bind auslösen.
Welche Sendeleistung brauche ich für einen Whoop in der Wohnung?
Sehr wenig. Für Innenräume genügen zweistellige Milliwatt-Werte im Bereich von 10 bis 25 Milliwatt, für Halle oder Garten reichen 50 bis 100 Milliwatt. Höhere Leistung löst Verbindungsprobleme im Innenraum selten, weil dort Wände und die Antennenlage der begrenzende Faktor sind. Sie kostet dagegen Akkulaufzeit im Sender und heizt das Modul auf.
Welche Packet Rate ist für einen Tinywhoop sinnvoll?
Für Indoor-Flüge sind hohe Raten wie 250 oder 500 Hertz üblich, weil sie die Latenz senken und der kurze Abstand ohnehin reichlich Signalreserve lässt. Niedrige Raten wie 50 Hertz erkaufen Reichweite mit spürbarer Verzögerung, was in engen Räumen stört. Wer nur in der Wohnung fliegt, gewinnt mit einer hohen Rate mehr, als er an Reichweite verliert.
Warum bindet mein ELRS-Whoop nach einem Update nicht mehr?
Meistens weil Sender und Empfänger unterschiedliche Hauptversionen haben. ExpressLRS verlangt auf beiden Seiten dieselbe Major- und Minor-Version, sonst kommt keine Verbindung zustande. Der zweite häufige Grund ist eine abweichende Binding Phrase, die beim Flashen nicht mitgewandert ist. Beide Punkte sind in unserem Artikel zum ELRS Firmware Update ausführlich beschrieben.
Welche Antenne hat der ELRS-Empfänger im Whoop?
Meist eine kurze Drahtantenne oder eine aufgelötete Keramik-Chipantenne. Die Drahtantenne liefert die bessere Leistung, ist aber empfindlich und darf nicht an Carbon oder Metall anliegen, weil das die Abstrahlung dämpft. Die Chipantenne spart Gewicht und Platz und ist für Innenräume ausreichend. Wichtig ist in beiden Fällen die freie Lage im Canopy.
Gilt ELRS auf 2,4 GHz oder auf 868 MHz?
ExpressLRS unterstützt beides, im Whoop ist 2,4 Gigahertz die Regel. Der Grund ist die Antennengröße: Eine 868-Megahertz-Antenne ist deutlich länger und passt weder ins Canopy noch ins Gewichtsbudget. Sender und Empfänger müssen dieselbe Frequenzdomäne nutzen, ein 2,4-Gigahertz-Sender bindet keinen 868-Megahertz-Empfänger.
Was passiert bei einem Signalverlust im Whoop?
Das Failsafe-Verhalten greift, und bei einem Whoop ist die sinnvolle Einstellung, die Motoren sofort zu stoppen. Ein Whoop fliegt in Räumen mit Menschen und Gegenständen; ein weiterfliegendes Gerät richtet dort mehr Schaden an als eines, das herunterfällt. Bei größeren Drohnen im Freien sieht die Abwägung anders aus.