Cinewhoop: Technik, Einsatz und Grenzen der Ducted-FPV

Der Cinewhoop ist die FPV-Drohne für Innenräume und Kamerafahrten nah an Menschen. Was die Ducts bewirken, welche Größen es gibt und wo die 250-Gramm-Grenze verläuft.

FPV & Racing Veröffentlicht am 7 Min. Lesezeit

Die Aufnahme, die durch ein Fenster ins Wohnzimmer fliegt, um einen Tisch kreist und wieder hinaus verschwindet, stammt fast immer von einem Cinewhoop. Diese Bauart existiert für genau solche Situationen: enge Räume, Menschen in der Nähe, keine freien Propeller. Was technisch dahintersteckt und wo die Grenzen liegen, steht hier.

Das Wichtigste in Kürze

  • Cinewhoop bedeutet umschlossene Propeller in einem Duct, dazu 2 bis 3,5 Zoll Propellergröße und ein 3S- oder 4S-Akku.
  • Der Einsatzzweck ist Video in Menschennähe, mit ruhigen Bewegungen statt Tempo.
  • 4 bis 10 Minuten Flugzeit je nach Größe und Zuladung.
  • Kleine Klassen bleiben unter 250 Gramm, mit GoPro liegen sie bei 300 bis 500 Gramm und damit in A3.
  • Der Duct kostet Effizienz im Vorwärtsflug und bringt Schub im Schwebeflug.

Was den Cinewhoop ausmacht

Der Name setzt sich aus zwei Teilen zusammen. Das Whoop stammt vom Tiny Whoop, der die Bauform mit umschlossenen Propellern populär gemacht hat. Das Cine steht für den Zweck: verwertbares Videomaterial statt reinem Flugspaß.

Drei Merkmale unterscheiden ihn von anderen FPV-Drohnen:

1. Ducts statt freier Propeller. Jeder Rotor sitzt in einem Ring aus Kunststoff, meist gedruckt aus PA12 oder gespritzt. Der Ring verhindert Kontakt in beide Richtungen: Die Drohne beschädigt nichts, und nichts beschädigt die Drohne.

2. Eine Kamera als Daseinszweck. Entweder ein digitales Übertragungssystem mit Aufnahmefunktion oder eine Actioncam auf dem Rahmen. Ein Cinewhoop ohne Aufnahme ergibt wenig Sinn.

3. Abstimmung auf Ruhe. Motoren, Propeller und Filtereinstellungen zielen auf gleichmäßige Bewegungen. Ein Freestyle-Quad ist auf Reaktionsschärfe abgestimmt, ein Cinewhoop auf stabile Bilder.

Die Größenklassen

Übersicht von drei Cinewhoop-Größenklassen mit ihren Kennwerten. Die 2-Zoll-Klasse hat rund 90 bis 100 Millimeter Radstand, fliegt mit 3S oder 4S, wiegt startfertig 150 bis 240 Gramm, erreicht 8 bis 10 Minuten Flugzeit und bleibt unter der 250-Gramm-Grenze. Die 3-Zoll-Klasse hat rund 120 bis 130 Millimeter Radstand, fliegt mit 4S, wiegt 250 bis 400 Gramm, erreicht 4 bis 6 Minuten und trägt eine Actioncam. Die 3,5-Zoll-Klasse hat rund 150 Millimeter Radstand, fliegt mit 4S oder 6S, wiegt 400 bis 600 Gramm, erreicht 4 bis 6 Minuten und trägt eine volle GoPro. Mit steigender Größe wächst die Zuladung, während die Flugzeit sinkt und die rechtliche Unterkategorie von A1 nach A3 wechselt.

Der Sprung über 250 Gramm passiert zwischen der 2- und der 3-Zoll-Klasse und ändert die rechtliche Lage komplett.

KlasseRadstandAkkuStartgewichtFlugzeit
2 Zollca. 90 bis 100 mm3S oder 4S150 bis 240 g8 bis 10 min
3 Zollca. 120 bis 130 mm4S250 bis 400 g4 bis 6 min
3,5 Zollca. 150 mm4S oder 6S400 bis 600 g4 bis 6 min

Die 2-Zoll-Klasse ist der interessanteste Kompromiss geworden. Der BetaFPV Pavo20 Pro II wiegt als PNP-Aufbau 72,6 Gramm und kommt mit der DJI O4 Air Unit Pro auf 116,2 Gramm ohne Akku. Damit bleibt der komplette Aufbau startfertig unter 250 Gramm, und laut Hersteller sind 8:30 bis 10:30 Minuten Flugzeit möglich. Vor wenigen Jahren war so etwas nur mit deutlich größeren Rahmen zu haben.

Ab 3 Zoll wird es eine A3-Angelegenheit. Sobald eine volle GoPro mitfliegt, sind 250 Gramm nicht zu halten. Was das praktisch bedeutet, steht weiter unten.

Was die Ducts wirklich bewirken

Der Ring um den Propeller ist mehr als ein Schutzblech. Er verändert die Aerodynamik.

Im Schwebeflug hilft er. Ein umschlossener Propeller verliert weniger Luft über die Blattspitze, weil der Ring den Randwirbel unterdrückt. Bei gleicher Drehzahl entsteht dadurch mehr Schub als bei einem freien Propeller derselben Größe. Der Effekt setzt allerdings enge Fertigungstoleranzen voraus: Der Spalt zwischen Blattspitze und Ring muss klein sein, sonst verpufft der Gewinn.

Im Vorwärtsflug bremst er. Sobald sich die Drohne neigt und schnell fliegt, wird der Ring zur Angriffsfläche. Deshalb sind Cinewhoops im Geradeausflug träge und verbrauchen dabei viel Strom. Für den Einsatzzweck spielt das kaum eine Rolle, weil ohnehin langsam geflogen wird.

Er kostet Gewicht. Vier Ducts wiegen je nach Material 15 bis 40 Gramm. Bei einem Aufbau, der unter 250 Gramm bleiben soll, ist das ein spürbarer Posten.

Er schützt zuverlässiger als ein aufgesteckter Propellerschutz. Anders als die Bügel an Kameradrohnen ist der Duct tragender Teil des Rahmens und verzieht sich bei Kontakt nicht in den Propeller.

Cinewhoop, Tiny Whoop und Freestyle im Vergleich

MerkmalTiny WhoopCinewhoop5-Zoll-Freestyle
Propeller31 bis 40 mm, im Duct2 bis 3,5 Zoll, im Duct5 Zoll, frei
Akku1S, teils 2S3S oder 4S4S oder 6S
Gewicht20 bis 60 g150 bis 600 g600 bis 750 g
Flugzeit3 bis 6 min4 bis 10 min4 bis 6 min
ZweckFliegen üben, Indoor-SpaßVideomaterial in EngeFreestyle, Tempo
Nähe zu Menschenunkritischvertretbarungeeignet

Die entscheidende Spalte ist die letzte. Ein 5-Zoll-Freestyle mit freien Carbonpropellern bei 25.000 Umdrehungen ist ein Werkzeug für freies Gelände. Ein Cinewhoop lässt sich verantworten, wo Menschen in der Nähe sind, weil zwischen Propeller und Umgebung ein Ring sitzt. Rechtlich ändert das nichts an den Abstandsregeln, praktisch aber alles am Risiko. Eine Einordnung der Gefährdung liefert der Ratgeber Wie gefährlich sind Drohnen.

Kamera: Air Unit oder Actioncam

Für das Bild gibt es zwei Wege, und sie schließen sich nicht aus.

Digitales Übertragungssystem. Ein Modul wie die DJI O4 Air Unit liefert das Livebild an die Brille und zeichnet gleichzeitig auf. Die Standardversion wiegt 8,2 Gramm, die Pro-Version 32 Gramm. Vorteil: ein Bauteil, wenig Gewicht, keine Bauhöhe. Nachteil: Die Aufnahme entsteht mit einem kleinen Sensor und ist an das System gebunden.

Actioncam auf dem Rahmen. Eine GoPro liefert die bessere Bildqualität, mehr Dynamikumfang und die Möglichkeit, in der Nachbearbeitung stärker einzugreifen. In der Naked-Variante ohne Gehäuse und Display schrumpft sie auf rund 30 Gramm. Nachteil: zusätzliche Höhe, zusätzliches Gewicht, zweite Bedienung.

Was beide brauchen, ist Stabilisierung in der Nachbearbeitung. Cinewhoops haben keinen mechanischen Gimbal, das Bild wird per Software geglättet. Systeme wie Walksnail schreiben dafür Gyroskopdaten mit, die Programme wie Gyroflow auswerten. Wie der Schnitt-Workflow aussieht, steht im Ratgeber Drohnenvideos bearbeiten.

Die rechtliche Seite: alles hängt am Gewicht

Cinewhoops sind fast immer Bausätze oder Selbstbauten und tragen deshalb keine C-Klassenkennzeichnung. Das ist erlaubt, führt aber zu festen Unterkategorien nach Startmasse.

StartmasseUnterkategorieWas gilt
unter 250 gA1kein Kompetenznachweis nötig, Flug über unbeteiligten Personen vermeiden
250 g bis 25 kgA3Nachweis A1/A3 nötig, 150 m Abstand zu Wohn-, Gewerbe- und Erholungsgebieten

Die A3-Regel trifft den typischen Einsatzzweck ins Mark. Ein Cinewhoop wird gebaut, um in Gebäuden und Ortschaften zu filmen, genau dort verlangt A3 aber 150 Meter Abstand. Wer über 250 Gramm liegt und trotzdem im Ort filmen will, braucht eine Genehmigung oder eine Betriebsgenehmigung in der speziellen Kategorie. Für gewerbliche Aufträge führt der Weg über den Ratgeber Drohne gewerblich nutzen.

Unabhängig vom Gewicht gilt: Registrierung beim Luftfahrt-Bundesamt und Haftpflichtversicherung sind Pflicht, sobald eine Kamera an Bord ist. Beim Flug mit Videobrille steht ein Beobachter daneben. Die Details stehen in den Ratgebern Drohne registrieren und FPV-Drohne Versicherung.

Innenräume sind der Sonderfall. In geschlossenen Gebäuden greift das Luftrecht nicht, dort entscheidet der Hausherr. Das macht Innenaufnahmen zur einfachsten Disziplin für den Cinewhoop, solange die Zustimmung vorliegt und niemand ungefragt gefilmt wird.

Wo der Cinewhoop an Grenzen stößt

Für wen sich ein Cinewhoop lohnt

Er lohnt sich, wenn das Ziel Videomaterial in engen Räumen ist: Immobilienrundgänge, Gastronomie, Industrieanlagen, Innenaufnahmen bei Veranstaltungen. Für solche Aufnahmen gibt es kein gleichwertiges Werkzeug, eine Kameradrohne kommt in den Raum gar nicht hinein.

Er lohnt sich nicht als erste FPV-Drohne. Ein Cinewhoop fliegt im Acro-Modus genauso wie jeder andere Quad, nur teurer. Der übliche Weg führt über den FPV-Simulator und einen günstigen Whoop, bevor eine Kamera in Reichweite von Wänden kommt.

Für Immobilien-Aufnahmen lohnt der Blick in den Ratgeber Drohnenaufnahmen für Immobilien, der die Außenperspektive abdeckt. Innen und außen zusammen ergibt das Paket, für das Auftraggeber tatsächlich zahlen.

Fazit: das Spezialwerkzeug unter den FPV-Drohnen

Der Cinewhoop ist keine bessere FPV-Drohne, er ist eine andere. Sein Wert liegt in Situationen, in denen freie Propeller ausscheiden und eine Kameradrohne nicht hinpasst.

Beim Kauf lohnt die Frage nach dem Gewicht vor der Frage nach der Kamera. Unter 250 Gramm bleibt der Aufbau in A1 und damit alltagstauglich, darüber gelten 150 Meter Abstand zu bebauten Gebieten, was den Einsatzzweck stark einschränkt. Wer die Rechtsseite vorher klärt, spart sich die Erkenntnis, dass die neue Drohne genau dort nicht fliegen darf, wofür sie gebaut wurde. Die Grundlagen dazu stehen in der EU-Drohnenverordnung.

Häufige Fragen

Was ist ein Cinewhoop?

Eine FPV-Drohne mit umschlossenen Propellern, die für Kamerafahrten in Innenräumen und nah an Objekten gebaut ist. Die Ducts, also die Ringe um die Propeller, schützen Umgebung und Rotoren gleichermaßen. Typisch sind Propellergrößen zwischen 2 und 3,5 Zoll, ein 3S- oder 4S-Akku und eine HD-Kamera oder ein digitales Übertragungssystem an Bord.

Was ist der Unterschied zwischen Tiny Whoop und Cinewhoop?

Der Tiny Whoop ist ein Spielgerät für enge Innenräume mit 65 bis 85 Millimetern Radstand, einem 1S-Akku und 20 bis 60 Gramm Gewicht. Der Cinewhoop ist größer, fliegt mit 3S oder 4S und trägt eine ernstzunehmende Kamera. Beide haben Ducts, das Ziel ist aber ein anderes: Spaß am Fliegen gegenüber verwertbarem Videomaterial.

Wie lange fliegt ein Cinewhoop?

Zwischen 4 und 10 Minuten, abhängig von Größe und Zuladung. Ein leichter 2-Zoll-Aufbau wie der BetaFPV Pavo20 Pro II erreicht laut Hersteller 8:30 Minuten mit einem 580er-Akku und 10:30 Minuten mit 680 mAh. Ein 3-Zoll-Cinewhoop mit aufgesetzter Actioncam liegt eher bei 4 bis 6 Minuten, weil Gewicht und Luftwiderstand deutlich steigen.

Bleibt ein Cinewhoop unter 250 Gramm?

Die kleinen Klassen ja, die großen nicht. Ein 2-Zoll-Aufbau mit digitalem Videosystem liegt startfertig oft zwischen 150 und 240 Gramm. Sobald eine GoPro obendrauf kommt oder der Rahmen auf 3,5 Zoll wächst, sind 300 bis 500 Gramm normal. Die Grenze entscheidet über die Unterkategorie, in der geflogen werden darf, und ist deshalb vor dem Kauf zu klären.

Wofür bringen die Ducts einen Vorteil?

Sie schützen in beide Richtungen und erhöhen den Standschub. Der Ring verhindert, dass ein Propeller Wand, Möbel oder Personen berührt, und er schirmt zugleich den Propeller gegen Beschädigung ab. Aerodynamisch erzeugt ein umschlossener Propeller im Schwebeflug mehr Schub als ein freier gleicher Größe. Im schnellen Vorwärtsflug kehrt sich der Vorteil um, weil der Ring bremst.

Braucht ein Cinewhoop einen Drohnenführerschein?

Das hängt am Startgewicht. Selbstbauten und Bausätze tragen keine C-Klassenkennzeichnung und werden nach ihrer Masse behandelt: unter 250 Gramm in A1 ohne Kompetenznachweis, ab 250 Gramm in A3 mit dem Nachweis A1/A3. Registrierung und Haftpflichtversicherung sind wegen der Kamera in jedem Fall Pflicht, beim Flug mit Brille kommt ein Beobachter dazu.

Welche Kamera passt auf einen Cinewhoop?

Zwei Wege sind üblich. Entweder ein digitales Übertragungssystem wie die DJI O4 Air Unit, das Livebild und Aufnahme in einem Modul erledigt, oder eine separate Actioncam auf dem Rahmen, häufig in der abgespeckten Naked-Variante. Der erste Weg spart Gewicht und Bauhöhe, der zweite liefert die bessere Bildqualität und mehr Freiheit in der Nachbearbeitung.

Ist ein Cinewhoop für Anfänger geeignet?

Als erste FPV-Drohne eher nicht. Er fliegt zwar langsamer als ein Freestyle-Quad, verlangt im Acro-Modus aber dieselben Steuerreflexe, und ein Aufbau mit Kamera ist teurer als ein Trainingsgerät. Der übliche Weg führt über den Simulator und einen günstigen Whoop, bevor die Kamera dazukommt.

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