Tinywhoop vs. Cinewhoop: Welche Bauform passt zu dir?

Beide haben umschlossene Propeller und verfolgen zwei Ziele: Flugspaß und verwertbares Video. Gewicht, Kosten und Einsatz im Vergleich.

FPV & Racing Veröffentlicht am 4 Min. Lesezeit

Beide Bauformen haben Propeller in Ringen, beide heißen Whoop, beide fliegen in Innenräumen. Trotzdem sind es zwei verschiedene Geräte für zwei verschiedene Zwecke, und die Verwechslung führt regelmäßig zum falschen Erstkauf. Der Vergleich klärt, welche Bauform zu welchem Ziel passt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Tinywhoop = Flugspaß, 16 bis 80 Gramm, 65 bis 85 mm Radstand, 1S oder 2S.
  • Cinewhoop = Videoplattform, 150 bis 600 Gramm, 2 bis 3,5 Zoll, 3S oder 4S.
  • Einstieg kostet 150 bis 300 € beim Tinywhoop, 580 bis 1.140 € beim Cinewhoop ohne Vorbesitz.
  • Die 250-Gramm-Grenze überschreitet nur der Cinewhoop, und damit wechselt er von A1 nach A3.
  • Für den ersten FPV-Aufbau ist der Tinywhoop die Antwort, auch wenn Video das Fernziel ist.

Der Unterschied in einem Satz

Der Tinywhoop trägt eine Kamera, um fliegen zu können. Der Cinewhoop fliegt, um die Kamera zu tragen. Alles Weitere folgt aus dieser Umkehrung: Masse, Antrieb, Rahmensteifigkeit, Abstimmung und Preis.

Beim Tinywhoop ist das Videobild ein Werkzeug für den Piloten. Es muss latenzarm und zuverlässig sein, die Qualität spielt eine Nebenrolle. Beim Cinewhoop ist das Videobild das Produkt. Es muss ruhig, scharf und verwertbar sein, dafür wird Gewicht in Kauf genommen.

Gewichtsachse von 0 bis 600 Gramm mit den Einsatzbereichen beider Bauformen und der 250-Gramm-Grenze. Tinywhoops belegen den Bereich von 16 bis 80 Gramm, unterteilt in 65-Millimeter-Modelle mit 16 bis 25 Gramm, 75-Millimeter-Modelle mit 25 bis 40 Gramm und 85-Millimeter-Modelle mit 40 bis 80 Gramm. Cinewhoops belegen den Bereich von 150 bis 600 Gramm, unterteilt in 2-Zoll-Modelle mit 150 bis 240 Gramm, 3-Zoll-Modelle mit 250 bis 400 Gramm und 3,5-Zoll-Modelle mit 400 bis 600 Gramm. Eine senkrechte Linie bei 250 Gramm markiert die rechtliche Grenze: links davon ist der Betrieb in der Unterkategorie A1 möglich, rechts davon gilt A3 mit 150 Metern Abstand zu bebauten Gebieten. Zwischen 80 und 150 Gramm liegt eine Lücke, in der beide Bauformen kaum vertreten sind. Zwei schematische Draufsichten über der Achse zeigen den Größenunterschied: ein Tinywhoop mit kleinen Ducts und leichter Mittelplatte, ein Cinewhoop mit deutlich größeren Ducts, steiferem Rahmen und aufgesetztem Kameramodul.

Zwischen beiden Bauformen liegt eine Gewichtslücke, und kurz dahinter die rechtlich entscheidende 250-Gramm-Linie.

Die Kernwerte gegenübergestellt

KriteriumTinywhoopCinewhoop
Radstand65 bis 85 mm90 bis 150 mm
Propeller31 bis 45 mm2 bis 3,5 Zoll
Startgewicht16 bis 80 g150 bis 600 g
Antrieb1S, teils 2S3S oder 4S
Flugzeit3 bis 5 min4 bis 10 min
Videosystemanalog, teils HDdigital oder Actioncam
EinsatzortWohnung, HalleInnenräume, Menschennähe
UnterkategorieA1A1 oder A3
Einstieg komplett150 bis 300 €580 bis 1.140 €

Der auffälligste Wert steht bei der Flugzeit. Entgegen der Erwartung fliegt der kleinere Whoop kürzer, weil die 1S-Zelle nur eine begrenzte Energiemenge trägt. Ein leichter 2-Zoll-Cinewhoop wie der BetaFPV Pavo20 Pro II erreicht laut Hersteller 8:30 Minuten mit einem 580er-Akku. Sobald jedoch eine Actioncam aufgesetzt wird, fällt der Wert auf 4 bis 6 Minuten.

Wo die Bauformen technisch auseinandergehen

Rahmensteifigkeit. Ein Tinywhoop-Rahmen wiegt zwei bis drei Gramm und darf sich verwinden, das dämpft Stöße. Ein Cinewhoop-Rahmen muss steif sein, weil jede Verwindung als Vibration im Videobild landet.

Motorisierung. Tinywhoops nutzen 0702- bis 1103-Motoren mit hohen KV-Werten, etwa 36.000 KV beim BetaFPV Air65 II. Cinewhoops fahren niedrigere KV-Werte an höherer Spannung, das ergibt mehr Drehmoment bei ruhigerem Lauf.

Dämpfung. Cinewhoops bringen Gummi-Dämpfer zwischen Rahmen und Kameramodul mit. Der Meteor75 Pro zeigt, wie dieser Gedanke inzwischen in die Whoop-Klasse wandert: Er ist für die DJI O4 Air Unit ausgelegt und bringt die Dämpfungselemente bereits mit.

Abstimmung. In Betaflight zielen beide auf verschiedene Ziele. Der Tinywhoop wird auf Reaktionsschärfe abgestimmt, der Cinewhoop auf Ruhe, mit stärkerer Filterung und flacheren Rates. Die Details stehen unter Cinewhoop Betaflight Settings.

Die Gewichtslücke und was sie bedeutet

Zwischen 80 und 150 Gramm gibt es kaum Modelle. Diese Lücke hat einen technischen Grund: Unterhalb davon trägt eine 1S-Zelle das Gerät, oberhalb braucht es 3S oder 4S mit entsprechend schwereren Reglern. Der Zwischenbereich ist für beide Auslegungen ungünstig.

Praktisch bedeutet das: Ein Zwischending gibt es nicht. Wer verwertbare Aufnahmen will, landet zwangsläufig in der Cinewhoop-Klasse mit ihrem Preisniveau. Die einzige Brücke sind die neueren 75-Millimeter-Whoops mit HD-Modul, die bei 30 bis 60 Gramm bleiben und trotzdem in HD aufzeichnen.

Rechtlich: eine Linie trennt die Bauformen

Der Tinywhoop bleibt immer unter 250 Gramm und fliegt damit in der Unterkategorie A1. Kein Kompetenznachweis, keine Abstandsregel zu Wohngebieten.

Der Cinewhoop kippt je nach Aufbau über die Linie:

A3 bedeutet 150 Meter Abstand zu Wohn-, Gewerbe- und Erholungsgebieten, dazu den Kompetenznachweis A1/A3. Damit fällt genau der Einsatzzweck weg, für den viele den Cinewhoop kaufen: die Kamerafahrt durch bewohnte Räume. Ohne Sondererlaubnis bleibt das Fliegen in fremden Innenräumen ohnehin an die Zustimmung der Eigentümer gebunden, weil geschlossene Räume nicht unter das EU-Luftrecht fallen.

Für beide gilt: Registrierung beim Luftfahrt-Bundesamt wegen der Kamera, Haftpflichtversicherung, und beim Flug mit Brille ein Beobachter. Die vollständige Systematik steht unter EU-Drohnenverordnung.

Welche Bauform für welches Ziel

Du willst FPV-Fliegen lernen. Tinywhoop, klar. Geringes Gewicht heißt folgenlose Fehler, ein Ersatzrahmen kostet wenige Euro, und der Einstieg bleibt unter 300 Euro. Der Weg dorthin steht unter Tinywhoop Kit.

Du willst Videomaterial für Projekte. Cinewhoop. Alles darunter liefert Aufnahmen, die im Schnitt nicht bestehen. Die Kit-Stufen und ihre Kosten stehen unter Cinewhoop Kit.

Du willst in der Wohnung fliegen. Tinywhoop. Ein Cinewhoop mit 400 Gramm und 4S-Antrieb ist in Wohnräumen zu schnell und zu schwer, die Ducts schützen die Wand, während die Vase daneben ungeschützt bleibt.

Du willst beides. Erst Tinywhoop, dann Cinewhoop. Sender und Brille wandern mit, wenn beim Kauf auf ExpressLRS und ein einheitliches Videosystem geachtet wird. Nur die Akkus sind nicht übertragbar, weil 1S mit BT2.0 und 4S mit XT30 unterschiedliche Stecker und Ladegeräte verlangen.

Fazit: Der Tinywhoop steht am Anfang, auch bei Video-Zielen

Wer eine Kameraplattform sucht, wird trotzdem mit dem Tinywhoop besser bedient, solange die Steuerung noch nicht sitzt. Die Flugreflexe sind identisch, die Fehlerkosten unterscheiden sich um den Faktor zwanzig, und Sender wie Brille lassen sich später weiterverwenden.

Der Cinewhoop lohnt den Aufpreis in dem Moment, in dem die Aufnahme das Ziel ist und die Steuerung sicher genug für Flüge in Menschennähe sitzt. Wer die technischen Grundlagen beider Bauformen nachlesen will, findet sie unter Tiny Whoop und Cinewhoop.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Tinywhoop und Cinewhoop?

Beide haben umschlossene Propeller, das Ziel unterscheidet sie. Der Tinywhoop ist ein Flugspielgerät mit 65 bis 85 Millimetern Radstand, 1S- oder 2S-Akku und 16 bis 80 Gramm Gewicht. Der Cinewhoop ist eine Kameraplattform mit 2 bis 3,5 Zoll Propellern, 3S- oder 4S-Akku und 150 bis 600 Gramm. Der Tinywhoop trägt eine Kamera zum Fliegen, der Cinewhoop fliegt, um die Kamera zu tragen.

Welche Bauform eignet sich besser für Anfänger?

Der Tinywhoop, ohne Einschränkung. Er wiegt so wenig, dass ein Aufprall weder ihn noch die Wohnung beschädigt, ein Ersatzrahmen kostet wenige Euro, und komplette Startsets liegen bei 150 bis 300 Euro. Ein Cinewhoop hat mehr Masse, mehr Schub und trägt teure Elektronik, ein Fehler kostet dort schnell dreistellig.

Kann ein Tinywhoop brauchbares Video aufnehmen?

Nur eingeschränkt. Die klassische Analog-Kamera eines Tinywhoops liefert das Livebild für die Brille, aufgezeichnet wird es im Rekorder der Brille mit sichtbarem Rauschen. Neuere 75-Millimeter-Modelle wie der BetaFPV Meteor75 Pro sind für die DJI O4 Air Unit ausgelegt und nehmen damit in HD auf. Diese Modelle verschieben die Grenze zwischen beiden Bauformen.

Bleiben beide Bauformen unter 250 Gramm?

Der Tinywhoop immer, der Cinewhoop nur in den kleinen Klassen. Tinywhoops liegen zwischen 16 und 80 Gramm. Ein 2-Zoll-Cinewhoop mit digitalem Videosystem erreicht startfertig 150 bis 240 Gramm und bleibt knapp darunter, sobald eine GoPro dazukommt oder der Rahmen auf 3 Zoll wächst, sind 250 bis 600 Gramm normal. Damit wechselt die Unterkategorie von A1 nach A3.

Welche Bauform fliegt länger?

Die Werte liegen näher beieinander als erwartet. Ein Tinywhoop schafft 3 bis 5 Minuten mit einer 1S-Zelle, ein leichter 2-Zoll-Cinewhoop nach Herstellerangabe 8 bis 10 Minuten, ein 3-Zoll-Aufbau mit Actioncam nur 4 bis 6 Minuten. Der Cinewhoop gewinnt also in der kleinen Klasse und verliert, sobald schwere Kameratechnik dazukommt.

Braucht man für beide Bauformen dieselbe Ausrüstung?

Fernsteuerung und Brille sind übertragbar, solange Protokoll und Videosystem übereinstimmen. Ein Sender mit ExpressLRS bindet beide. Unterschiedlich sind die Akkus: 1S-Zellen mit BT2.0-Stecker beim Tinywhoop, 3S- oder 4S-Packs mit XT30 beim Cinewhoop. Damit braucht der Umstieg ein zweites Ladegerät oder zumindest einen zweiten Adapter.

Was kostet der Einstieg jeweils?

Ein komplettes Tinywhoop-Startset mit Sender, Brille und Akkus kostet 150 bis 300 Euro. Ein Cinewhoop-Setup beginnt bei rund 300 Euro für die Drohne allein und erreicht mit digitaler Brille, Sender und Videomodul 580 bis 1.140 Euro, wenn nichts vorhanden ist. Der übliche Weg führt deshalb über den Tinywhoop.

Ist ein Cinewhoop nur ein großer Tinywhoop?

Technisch teilen sie die Ducts, sonst wenig. Der Cinewhoop hat steifere Rahmen, stärkere Motoren, größere Regler und eine Abstimmung auf ruhige Bewegungen statt auf Reaktionsschärfe. Dazu kommen Dämpfungselemente gegen Vibrationen im Videobild, die ein Tinywhoop nicht braucht, weil dort niemand die Aufnahme weiterverwendet.

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