Beide Klassen sind winzig, beide wiegen weniger als eine Tafel Schokolade, beide nutzen oft dieselbe Elektronik. Trotzdem entscheidet die Wahl darüber, ob du im Wohnzimmer üben kannst oder im Park fliegen musst. Der Unterschied steckt in vier Ringen aus Kunststoff. Dieser Vergleich zeigt, was die Ducts technisch bewirken und für welche Umgebung, welchen Fahrstil und welches Budget jede Bauform gemacht ist.
Das Wichtigste in Kürze
- Ducts sind der Unterschied: Der Whoop trägt geschlossene Ringe um die Propeller, der Toothpick fliegt offen.
- Größen: Whoop 65 bis 75 mm Radstand mit 31- bis 40-mm-Propellern, Toothpick 2,5 bis 3 Zoll Propeller am X-Rahmen.
- Gewicht: Whoop unter 30 g ohne Akku, Toothpick unter 50 g.
- Umgebung: Whoop für Innenräume und enge Lücken, Toothpick für Park, Halle und Freiflug.
- Beide bleiben unter 250 g, damit gilt in der EU die Kategorie A1 ohne Kompetenznachweis.
Was die Ducts wirklich tun
Ein Duct ist ein geschlossener Ring um den Propeller, und er erfüllt zwei Aufgaben gleichzeitig.
Die offensichtliche ist Schutz. Der Ring nimmt Kontakt mit Wänden, Türrahmen und Möbeln auf, bevor der Propeller etwas berührt. Das schont die Einrichtung und die Drohne. Ein Whoop, der gegen eine Wand tickt, fällt herunter und fliegt weiter. Ein Toothpick verliert an derselben Stelle einen Propeller.
Die weniger bekannte Aufgabe ist Strömungsführung. Der Ring verhindert, dass Luft seitlich über die Propellerspitze ausweicht. Dadurch entsteht bei gleicher Drehzahl mehr Schub, was den kleinen Propellern beim Abheben hilft. Der Preis dafür ist Gewicht und Luftwiderstand: Ein Duct bremst bei Vorwärtsfahrt spürbar, und genau deshalb bleibt ein Whoop langsam.
Der Toothpick entstand aus dieser Rechnung. Piloten nahmen die Elektronik der Whoop-Klasse, verzichteten auf die Ringe, setzten deutlich größere Propeller an einen schmalen X-Rahmen und bekamen dafür Tempo und Agilität. Der Name spielt auf die dünnen Ausleger an.

Gleiche Elektronik, zwei Rahmenkonzepte: Der Duct schützt und erhöht den Schub, der offene Propeller bringt Fläche und Tempo.
Die Kerndaten nebeneinander
| Merkmal | Tiny Whoop | Toothpick |
|---|---|---|
| Propellerschutz | geschlossene Ducts | keiner |
| Radstand | 65 bis 75 mm | 105 bis 120 mm |
| Propeller | 31 bis 40 mm, meist dreiblättrig | 2,5 bis 3 Zoll, meist zweiblättrig |
| Gewicht ohne Akku | unter 30 g | unter 50 g |
| Startgewicht | 25 bis 40 g | 50 bis 90 g |
| Akku | 1S, bei 75 mm auch 2S | 1S oder 2S |
| Regler | oft 5 A | meist 12 A |
| Flugzeit | 3 bis 5 min | 3 bis 5 min |
| Umgebung | Wohnung, Halle, enge Lücken | Park, Halle, Freiflug |
| Windtauglich | kaum | bis leichte Brise |
| Einstiegspreis | 80 bis 160 € | 120 bis 220 € |
Wo jede Bauform zu Hause ist
Der Whoop ist die Innenraum-Drohne. Wohnzimmer, Flur, Treppenhaus, Garage, Sporthalle: Überall dort, wo Wände in Reichweite sind, spielt er seine Stärke aus. Er fliegt langsam genug, dass du Zeit zum Reagieren hast, und die Ducts verzeihen die Berührungen, die am Anfang unvermeidlich sind. Wer im Winter üben will, ohne das Haus zu verlassen, hat hier die einzige praktikable Wahl.
Der Toothpick ist die Kompromissklasse. Er fliegt schnell genug für Freestyle im Park und bleibt klein genug, um in eine Jackentasche zu passen. In großen Hallen funktioniert er ebenfalls, sobald du die Kontrolle über die Fluglage sicher beherrschst. Bei leichtem Wind hält er sich, wo ein Whoop schon abgetrieben wird.
Die Grenze zwischen beiden verläuft entlang einer einfachen Frage: Wie weit ist die nächste Wand? Unter drei Metern gehört der Whoop dorthin, über zehn Metern der Toothpick.
Was der Verschleiß kostet
Die Anschaffung unterscheidet sich um etwa 40 bis 60 Euro. Der laufende Betrieb unterscheidet sich stärker, und das wird beim ersten Kauf oft übersehen.
Beim Whoop ist der Propeller das Verschleißteil. Ein Satz kostet wenige Euro, der Wechsel dauert zwei Minuten und braucht ein Propellerwerkzeug. Die Ducts halten viel aus und lassen sich einzeln tauschen, wenn doch etwas bricht. Rahmen aus flexiblem Kunststoff federn Stöße ab, statt zu splittern.
Beim Toothpick trifft es den Rahmen. Die dünnen Ausleger, die der Klasse ihren Namen geben, sind gewichtsoptimiert und brechen bei einem harten Einschlag. Ein Ersatzrahmen kostet mehr als ein Propellersatz und verlangt Umbauarbeit, weil die Elektronik umgesetzt werden muss. Dafür trifft es die Umgebung: Ein Toothpick mit offenen Propellern hinterlässt Spuren an Möbeln und Menschen, ein Whoop nicht.
Was sich sonst noch regelmäßig erneuern lässt, steht im Artikel zu Ersatzteilen für Drohnen.
Elektronik: warum vieles zusammenpasst
Beide Klassen greifen auf dieselbe Bauteilfamilie zurück, was den Wechsel zwischen ihnen erleichtert. AIO-Boards, die Flight Controller, Regler, Empfänger und Videosender auf einer Platine vereinen, gibt es im Whoop-Format mit 25,5 Millimeter Lochabstand, und viele Toothpick-Rahmen nehmen dasselbe Maß auf.
Der Unterschied sitzt bei der Strombelastbarkeit. Größere Propeller schieben mehr Luft und ziehen dafür mehr Strom. Whoops kommen häufig mit 5-Ampere-Reglern aus, Toothpicks brauchen meist 12 Ampere. Wer ein Board vom Whoop in einen Toothpick umsetzt, sollte diesen Wert prüfen, sonst wird der Regler heiß und schaltet ab. Ausführlich stehen die Auswahlkriterien im Artikel zum Tiny-Whoop-Flight-Controller.
Beim Videosystem gilt für beide dasselbe: Analog ist leichter und günstiger, digitale Systeme liefern ein klareres Bild und kosten Gewicht. Welche digitalen Systeme in die Klasse passen, zeigt der Artikel zum digitalen Tiny Whoop.
Was rechtlich gilt
Beide Klassen bleiben mit Startgewichten zwischen 25 und 90 Gramm weit unter der Marke von 250 Gramm. In der Offenen Kategorie A1 ist damit kein Kompetenznachweis vorgeschrieben.
Drei Pflichten bleiben trotzdem:
- Registrierung als Betreiber, sobald eine Kamera an Bord ist. Das trifft praktisch jeden FPV-Aufbau. Die e-ID muss an der Drohne angebracht werden. Der Ablauf steht im Artikel zur Drohnen-Registrierung beim LBA.
- Ein Beobachter beim FPV-Flug. Wer durch die Brille fliegt, hat keinen direkten Sichtkontakt zur Drohne. Eine zweite Person muss sie durchgehend im Blick behalten und dich ansprechen können. Details im Artikel zum FPV-Fliegen.
- Eine Haftpflichtversicherung, die Drohnen einschließt. Sie ist unabhängig vom Gewicht vorgeschrieben, wie im Artikel zur Drohnen-Haftpflichtversicherung erklärt.
In geschlossenen Räumen greift das Luftrecht übrigens nicht, weil dort kein Luftraum im rechtlichen Sinn beginnt. Das macht die eigene Wohnung zum einzigen Ort, an dem du ohne Beobachter üben darfst, und erklärt einen guten Teil der Beliebtheit der Whoop-Klasse.
Welche Bauform für welchen Piloten
Erster FPV-Aufbau überhaupt: Tiny Whoop. Die Ducts kaufen dir Fehlertoleranz, und du kannst im Winter drinnen üben, statt auf besseres Wetter zu warten. Der Einstieg ist im Artikel zum Tiny Whoop beschrieben.
Du fliegst bereits sicher im Acro-Modus und suchst Tempo: Toothpick. Er bringt dich in Freestyle-Bereiche, für die ein Whoop zu langsam ist, ohne dass du zur 5-Zoll-Klasse mit ihrem Verletzungs- und Lärmpotenzial greifen musst.
Du willst filmen: Weder noch. Für ruhige Aufnahmen im Innenraum ist der Cinewhoop die passende Klasse, weil er eine Actioncam tragen kann und dabei ducted bleibt.
Du hast wenig Platz und wenig Zeit: Whoop. Er startet vom Schreibtisch, braucht keine Anfahrt und keinen Beobachter, solange du drinnen bleibst.
Du willst beides: Fang mit dem Whoop an und setze später dessen Elektronikkonzept auf einen Toothpick-Rahmen um. Der Lernweg baut aufeinander auf, und die Werkzeuge sind dieselben.
Fazit: der Ring entscheidet über den Ort
Die Wahl zwischen Whoop und Toothpick ist im Kern die Wahl der Umgebung. Vier Kunststoffringe machen aus einer flinken Kleindrohne ein Gerät, das im Wohnzimmer bestehen kann, und kosten dafür Tempo und Windtauglichkeit. Wer zum ersten Mal in die Brille schaut, fährt mit dem Whoop schlicht besser, weil jeder Fehler dort billig bleibt. Sobald die Kontrolle sitzt, ist der Toothpick der logische nächste Schritt, und die Elektronik darf mitwandern. Wie das Training vorher aussieht, damit die ersten Akkus nicht in einem Baum enden, steht im Artikel zum FPV-Simulator.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen einem Tiny Whoop und einem Toothpick?
Der sichtbare Unterschied sind die Ducts. Ein Tiny Whoop trägt geschlossene Ringe um jeden Propeller, die als Schutz und als Strömungskanal dienen, und hat typisch 65 bis 75 Millimeter Radstand. Ein Toothpick verzichtet auf diese Ringe, nutzt dafür deutlich größere Propeller von 2,5 bis 3 Zoll an einem schmalen X-Rahmen und fliegt dadurch schneller und agiler.
Was wiegt ein Tiny Whoop, was ein Toothpick?
Ein Tiny Whoop liegt ohne Akku oft unter 30 Gramm, mit einem 1S-Akku landet er bei etwa 25 bis 40 Gramm Startgewicht. Ein Toothpick bleibt in der Regel unter 50 Gramm ohne Akku und kommt mit Akku auf 50 bis 90 Gramm. Beide Klassen bleiben damit weit unter der Marke von 250 Gramm, ab der in der EU strengere Regeln greifen.
Welche Bauform eignet sich besser für Anfänger?
Der Tiny Whoop, und der Abstand ist deutlich. Die Ducts nehmen leichte Wandberührungen auf, ohne dass etwas bricht, und die geringere Geschwindigkeit gibt dir Zeit zum Reagieren. Ein Toothpick mit offenen Propellern beschädigt bei jedem Kontakt entweder sich selbst oder das Hindernis und verlangt deshalb bereits sichere Kontrolle über die Fluglage.
Kann ein Toothpick drinnen fliegen?
In großen Hallen ja, in einer Wohnung wird es heikel. Die offenen Propeller kennen keinen Puffer, ein Streifer an der Gardine wickelt sich sofort ein, und die höhere Geschwindigkeit lässt in kleinen Räumen kaum Reaktionszeit. Für Wohnzimmer, Treppenhäuser und enge Gänge ist der ducted Whoop die passende Wahl.
Wie lange fliegen Tiny Whoop und Toothpick?
Beide landen im gleichen Bereich von etwa drei bis fünf Minuten je Akku, allerdings aus unterschiedlichen Gründen. Der Whoop trägt einen sehr kleinen 1S-Akku mit typisch 300 bis 550 mAh, verbraucht dafür wenig. Der Toothpick trägt mehr Kapazität, setzt sie aber schneller um. Wer länger fliegen will, nimmt in beiden Fällen mehr Akkus mit statt größere.
Brauche ich für Whoop oder Toothpick einen Drohnenführerschein?
Für Drohnen unter 250 Gramm ist in der Offenen Kategorie A1 kein Kompetenznachweis vorgeschrieben, und beide Klassen liegen deutlich darunter. Sobald eine Kamera an Bord ist, musst du dich allerdings als Betreiber registrieren und die e-ID an der Drohne anbringen. Für FPV-Flüge kommt unabhängig vom Gewicht ein Beobachter dazu, der die Drohne durchgehend im Blick behält.
Kann ich denselben Flight Controller in beiden Bauformen nutzen?
Häufig ja, und genau daraus ist der Toothpick entstanden. Die Klasse begann damit, dass Piloten Whoop-Elektronik auf einen offenen Rahmen mit größeren Propellern setzten. AIO-Boards im Whoop-Format mit 25,5 Millimeter Lochabstand passen in viele Toothpick-Rahmen. Der Unterschied liegt bei der Strombelastbarkeit: Größere Propeller ziehen mehr, weshalb Toothpicks oft 12-Ampere-Regler statt 5 Ampere brauchen.
Was kostet der Einstieg in jede der beiden Klassen?
Ein fertig gebundener Whoop liegt je nach Ausstattung bei etwa 80 bis 160 Euro, ein Toothpick bei etwa 120 bis 220 Euro. Dazu kommen in beiden Fällen Brille, Sender und Akkus, was den Einstieg insgesamt bestimmt. Der laufende Unterschied liegt beim Verschleiß: Whoop-Propeller kosten wenige Euro je Satz, ein gebrochener Toothpick-Arm zieht meist einen neuen Rahmen nach sich.