Cinewhoop für Immobilien: der Durchflug als Objektvideo

Immobilienvideos mit dem Cinewhoop: welche Bauform in Wohnräume passt, wie eine Route als One-Shot geplant wird, warum Licht das Hauptproblem ist und was rechtlich gilt.

FPV & Racing Veröffentlicht am 6 Min. Lesezeit

Ein Exposé-Video zeigt üblicherweise Standbilder und ein paar Schwenks. Der durchgehende Flug vom Eingang über die Treppe bis auf den Balkon macht etwas anderes: Er vermittelt, wie die Räume zusammenhängen. Dieser Artikel erklärt, welcher Cinewhoop dafür in Wohnräume passt, wie die Route geplant wird und welche Zustimmungen vorher stehen müssen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bauform: 2-Zoll-Cinewhoop unter 250 g für Wohnräume, 3 Zoll erst ab etwa 20 m² Raumgröße.
  • Ein Durchflug dauert 30 bis 60 Sekunden, pro Akku sind zwei bis vier Anläufe drin.
  • Reine Innenflüge fallen nicht unter die EU-Drohnenverordnung, sobald die Drohne nach draußen fliegt, gilt sie vollständig.
  • Das Hausrecht entscheidet zusätzlich: ohne Zustimmung des Eigentümers kein Flug.
  • Licht entscheidet über das Ergebnis: Rollläden hoch, Kunstlicht an, langsam fliegen.

Was der Durchflug leistet

Der Unterschied zur klassischen Objektaufnahme ist räumlich. Eine Bildergalerie zeigt Räume einzeln, ein Gimbal-Video zeigt sie mit Schwenks, und beides überlässt dem Betrachter die Aufgabe, den Grundriss im Kopf zusammenzusetzen. Ein durchgehender Flug nimmt ihm diese Arbeit ab.

Der Effekt ist bei Objekten am größten, deren Qualität im Schnitt liegt: eine Maisonette über zwei Ebenen, ein Haus mit Galerie, eine Wohnung mit ungewöhnlicher Raumfolge. Bei einer Standardwohnung mit drei rechteckigen Zimmern bringt der Aufwand weniger, weil es wenig zu erschließen gibt.

Für die Außenansicht, die Lage und das Umfeld bleibt die Gimbal-Drohne das bessere Werkzeug. Welche Höhen und Einstellungen dort tragen, steht im Artikel zu Drohnenaufnahmen für Immobilien. Im fertigen Video stehen meist beide Quellen nebeneinander.

Welche Bauform in Wohnräume passt

Die Raumgröße entscheidet, und sie entscheidet früher als erwartet.

KlasseStartgewichtMindest-RaumbreiteTypischer Einsatz
1,6 bis 2 Zoll100 bis 180 gab etwa 2,5 mFlure, Bäder, Treppenhäuser
2,5 Zoll180 bis 250 gab etwa 3,5 mWohnräume, offene Küchen
3 bis 3,5 Zoll300 bis 400 gab etwa 5 mHallen, Lofts, Gewerbe

Die Mindestbreite ergibt sich weniger aus der Drohne selbst als aus ihrem Luftstrom. Ein Cinewhoop drückt Luft nach unten, und in engen Räumen wirft die Wand diesen Strom zurück. Die Drohne beginnt dann zu wandern, obwohl der Pilot nichts ändert. Je kleiner die Propeller, desto schwächer dieser Effekt.

Praktisch hat sich für Wohnimmobilien die 2-Zoll-Klasse unter 250 Gramm durchgesetzt. Sie passt durch Standardtüren von 80 Zentimetern, bleibt in Fluren steuerbar und trägt eine leichte Kamera. Modelle wie der BetaFPV Pavo Pico oder der Pavo Femto liegen in diesem Bereich. Die Größenklassen im Überblick stehen im Artikel zum Cinewhoop.

Die Route als One-Shot planen

Ein Objektvideo lebt davon, dass der Weg ohne Schnitt funktioniert. Das verlangt Planung zu Fuß, bevor der erste Akku eingesteckt wird.

Schematischer Grundriss einer Wohnung von oben mit vier Räumen, durch den eine durchgehende Flugroute als leuchtende Linie gezeichnet ist, daneben eine Legende und darunter eine Zeitleiste. Der Grundriss zeigt links unten den Flur, in der Mitte den Wohnraum über die volle Höhe, rechts oben die Küche und rechts unten das Bad, das nicht auf der Route liegt. Die Route beginnt links unten im Flur bei Marker eins, läuft waagerecht nach rechts durch den Flur, passiert bei Marker zwei die Türschwelle, biegt bei Marker drei nach oben in den Wohnraum ab, zieht dort bei Marker vier an der Fensterfront entlang, läuft waagerecht weiter durch die Küche und endet bei Marker fünf an der rechten Außenwand, wo die Linie rot wird und nach draußen weiterführt. Die Legende rechts erklärt die fünf Marker: eins, Start im Dunklen, die Route führt vom Flur zum Licht und nie umgekehrt. Zwei, Tür arretieren, weil der Luftstrom der Drohne jede lose Tür bewegt. Drei, Engstelle, hier Tempo herausnehmen, mittig durchfliegen und vorher einen Referenzpunkt setzen. Vier, Gegenlicht an der Fensterfront, die Belichtung fest einstellen, sonst springt das Bild beim Durchflug. Fünf, Austritt, ab hier gilt die EU-Drohnenverordnung vollständig, also Registrierung, Kompetenznachweis und Haftpflicht. Unter dem Grundriss läuft eine waagerechte Zeitleiste über sechzig Sekunden, in vier unterschiedlich breite und unterschiedlich eingefärbte Abschnitte geteilt: Flur etwa zehn Sekunden, Wohnraum etwa fünfundzwanzig Sekunden als längster Abschnitt, Küche etwa fünfzehn Sekunden und Austritt etwa zehn Sekunden in Rot. Rechts neben der Zeitleiste steht ein Kennzahlenfeld mit der Rechnung: nutzbare Flugzeit eines Zwei-Zoll-Cinewhoops rund zwei bis drei Minuten je Akku, ein Durchflug dauert dreißig bis sechzig Sekunden, daraus ergeben sich zwei bis vier Anläufe je Akku und vier bis sechs geladene Akkus für ein vollständiges Objekt. Hinweisleiste: Der Weg wird zu Fuß festgelegt, denn jeder in der Luft gesuchte Anlauf kostet einen halben Akku.

Die Route steht vor dem ersten Start fest, inklusive Engstellen, Gegenlicht und dem Punkt, ab dem das Luftrecht greift.

Drei Regeln haben sich für die Planung bewährt.

Die Route geht vom Dunklen ins Helle. Ein Flug, der im Flur beginnt und auf dem Balkon endet, erlaubt der Kamera einen gleichmäßigen Helligkeitsverlauf. Umgekehrt startet das Bild überbelichtet und fällt dann ins Dunkle ab.

Türen und Durchgänge werden vorbereitet. Jede Tür auf der Route steht offen und wird arretiert, weil der Luftstrom der Drohne sie sonst bewegt. Türstopper oder ein Keil kosten zwei Minuten und retten den Anlauf.

Engstellen bekommen einen Referenzpunkt. Wo die Drohne durch eine Tür oder zwischen Möbeln hindurch muss, hilft ein sichtbarer Punkt am Boden oder an der Wand, an dem der Pilot die Mitte findet. Im FPV-Bild sind Abstände schwer zu schätzen.

Licht ist das eigentliche Problem

Kein technisches Detail entscheidet so stark über das Ergebnis wie die Helligkeit im Raum. Wohnräume liefern selbst bei Tageslicht einen Bruchteil der Helligkeit im Freien, und FPV-Kameras arbeiten mit kleinen Sensoren.

Die Kamera reagiert darauf auf zwei Arten, und beide schaden. Sie hebt die Verstärkung an, wodurch Bildrauschen entsteht, und sie verlängert die Belichtungszeit, wodurch jede Bewegung verwischt. Bei einer Drohne, die sich ständig bewegt, fällt der zweite Punkt sofort auf.

Drei Maßnahmen wirken, und sie kosten nichts:

Bei Gegenlicht an einer Fensterfront hilft zusätzlich ein ND-Filter, der die Belichtungszeit in einen Bereich bringt, in dem die Bewegung natürlich wirkt. Welche Stärke wann passt, steht im Artikel zum FPV-Kamerawinkel, der auch die Belichtungsfrage behandelt.

Kamera: Aufzeichnung schlägt Livebild

Bei einem Objektvideo zählt, was aufgezeichnet wird. Das Livebild in der Brille muss nur gut genug sein, um sicher zu fliegen.

LösungGewichtAufzeichnungBemerkung
Entkernte Actioncam25 bis 35 gbestes Materialzusätzliches System nötig
DJI O4 Air Unit8,2 g4K/60 internLivebild und Aufnahme in einem
Analoge Kamera5 bis 10 gkeinenur als Livebild brauchbar

Bei Aufbauten unter 250 Gramm entscheidet das Gewichtsbudget. Eine entkernte Actioncam plus analoges Videosystem wiegt in Summe mehr als die DJI O4 Air Unit, die laut Datenblatt 8,2 Gramm inklusive Kameramodul wiegt und 4K mit 60 Bildern pro Sekunde auf 23 Gigabyte internen Speicher schreibt. Für Innenaufnahmen ist das der praktikable Weg, weil er kein zweites Gerät verlangt.

Was rechtlich gilt

Innenflüge und Außenflüge stehen unter unterschiedlichen Regeln, und die Grenze verläuft an der Gebäudehülle.

Innerhalb geschlossener Räume greift die EU-Drohnenverordnung nicht, weil sie den Luftraum regelt. Registrierung, Kompetenznachweis und die 120-Meter-Grenze spielen dort keine Rolle. Das bedeutet allerdings keinen rechtsfreien Raum: Es gilt das Hausrecht, und die allgemeine Sorgfaltspflicht bleibt bestehen.

Sobald die Drohne nach draußen fliegt, gilt die Verordnung vollständig. Registrierung beim Luftfahrt-Bundesamt, Haftpflichtversicherung und die Regeln der offenen Kategorie greifen ab diesem Moment. Der Ausflug durch die Balkontür ist damit der Punkt, ab dem alles vorliegen muss. Die Registrierung selbst ist in einer halben Stunde erledigt, wie der Artikel zur Registrierung beim LBA zeigt.

Zustimmungen stehen davor. Der Eigentümer oder die verfügungsberechtigte Person muss dem Flug zustimmen, bei vermieteten Objekten zusätzlich die Mieter. Sind Personen im Bild, brauchst du deren Einwilligung für die Veröffentlichung. Bei gewerblicher Nutzung kommt die Frage der Betriebshaftpflicht dazu, behandelt im Artikel zur gewerblichen Drohnen-Haftpflicht.

Wie viele Akkus ein Objekt braucht

Die Flugzeit eines 2-Zoll-Cinewhoops liegt bei drei bis fünf Minuten, und davon geht Vorlauf und Landereserve ab. Nutzbar bleiben zwei bis drei Minuten je Akku.

Ein Durchflug durch eine Wohnung dauert 30 bis 60 Sekunden. Damit passen zwei bis vier Anläufe derselben Route in einen Akku. Weil der erste Anlauf fast nie sitzt und Anläufe drei bis fünf meist die besten sind, sind vier bis sechs geladene Akkus für ein Objekt ein realistischer Ansatz.

Dazu kommt Zeit für die Vorbereitung. Türen öffnen, Licht schalten, die Route abgehen und Störendes wegräumen dauert bei einer Wohnung etwa 30 bis 45 Minuten. Diese Zeit entscheidet stärker über das Ergebnis als die Zahl der Anläufe.

Fünf Fehler, die den Durchflug ruinieren

  1. Zu schnell fliegen. Was im Flug angemessen wirkt, sieht im Video hektisch aus. Die Geschwindigkeit im Wohnraum liegt tiefer, als das Gefühl nahelegt.
  2. Die Kamera zu steil stellen. Ein Winkel über 20 Grad zeigt bei langsamem Flug überwiegend Decke. Für Innenaufnahmen ist ein flacher Winkel richtig.
  3. Möbel und Gegenstände stehen lassen. Wäscheständer, Kabelrollen und volle Arbeitsflächen fallen im Durchflug stärker auf als auf einem Standbild.
  4. Ohne Propellerschutz-Prüfung starten. Ein angeschlagener Duct erzeugt Vibrationen, die sich im Video als Zittern zeigen. Vor jedem Objekt lohnt der Blick auf alle vier Ringe.
  5. Den Ausflug ungeplant lassen. Der Übergang nach draußen ist die hellste und schnellste Stelle des Flugs. Er gehört geübt, bevor er im finalen Anlauf kommt.

Fazit: die Vorbereitung entscheidet

Der Unterschied zwischen einem brauchbaren und einem beeindruckenden Objektvideo liegt selten an der Hardware. Ein 2-Zoll-Cinewhoop unter 250 Gramm mit einer O4 Air Unit deckt praktisch jede Wohnimmobilie ab. Entscheidend sind die 30 bis 45 Minuten davor: Route festlegen, Türen arretieren, Licht anschalten, Störendes wegräumen.

Wer beides kombiniert, hat das vollständige Objekt: die Außenansicht mit der Gimbal-Drohne und den Weg durch die Räume mit dem Cinewhoop. Für den Einstieg in diese Bauform liefert der Artikel zum Cinewhoop-Kit die Übersicht, welche Aufbaustufe wie viel kostet.

Häufige Fragen

Welcher Cinewhoop eignet sich für Immobilienvideos?

In Wohnräumen setzt sich die 2-Zoll-Klasse unter 250 Gramm durch, weil sie durch normale Türen passt und in Fluren noch steuerbar bleibt. Modelle wie der BetaFPV Pavo Pico oder der Pavo Femto liegen in diesem Bereich. Ein 3-Zoll-Cinewhoop liefert ruhigere Bilder und trägt eine größere Kamera, braucht dafür aber Räume ab etwa 20 Quadratmetern und offene Türen.

Wie lang darf ein Immobilien-Durchflug sein?

Die Flugzeit setzt die Grenze. Ein 2-Zoll-Cinewhoop fliegt drei bis fünf Minuten, davon sind nach Start und Landereserve rund zwei bis drei Minuten nutzbar. Ein Durchflug durch eine Wohnung dauert typisch 30 bis 60 Sekunden, sodass zwei bis vier Anläufe je Akku möglich sind. Für ein vollständiges Objekt sind vier bis sechs geladene Akkus ein realistischer Ansatz.

Brauche ich für Innenaufnahmen einen Drohnenführerschein?

Für Flüge vollständig innerhalb geschlossener Räume gilt die EU-Drohnenverordnung nicht, weil sie den Luftraum regelt. Registrierung, Kompetenznachweis und Höhenregeln greifen dort nicht. Sobald die Drohne ein Fenster oder eine Tür nach draußen passiert, gelten alle Vorgaben der offenen Kategorie, einschließlich Registrierung und Haftpflichtversicherung.

Wer muss einem Innenflug zustimmen?

Der Eigentümer oder die verfügungsberechtigte Person des Objekts. Innenräume unterliegen dem Hausrecht, und dieses erlaubt oder untersagt den Flug unabhängig vom Luftrecht. Bei vermieteten Objekten kommt die Zustimmung der Mieter dazu. Sind Personen im Bild, brauchst du zusätzlich deren Einwilligung für die Veröffentlichung.

Warum sehen Innenaufnahmen mit der Drohne oft dunkel und unruhig aus?

Die Sensoren in FPV-Kameras sind klein, und Wohnräume liefern selbst bei Tageslicht nur einen Bruchteil der Helligkeit im Freien. Die Kamera hebt dann die Verstärkung an, wodurch Bildrauschen entsteht, und sie verlängert die Belichtungszeit, wodurch Bewegungsunschärfe entsteht. Abhilfe schaffen eingeschaltetes Kunstlicht, geöffnete Rollläden und ein langsamerer Flugstil.

Lohnt sich ein Cinewhoop gegenüber einer normalen Kameradrohne?

Beide decken unterschiedliche Aufgaben ab. Eine Gimbal-Drohne liefert die Außenansicht, die Lage und die Umgebung in hoher Bildqualität. Der Cinewhoop liefert den durchgehenden Weg durch das Objekt, den keine Gimbal-Drohne fliegen kann, weil ihr die Propellerschutzringe für enge Passagen fehlen. In der Praxis ergänzen sich beide im selben Video.

Welche Kamera gehört an einen Immobilien-Cinewhoop?

Für Objektvideos zählt die Aufzeichnung mehr als das Livebild. Eine entkernte Actioncam liefert das beste Material, wiegt aber 25 bis 35 Gramm. Die DJI O4 Air Unit vereint Livebild und 4K-Aufzeichnung in 8,2 Gramm und ist damit die leichtere Lösung. Bei Aufbauten unter 250 Gramm entscheidet das Gewichtsbudget, welcher Weg möglich bleibt.

Was kostet ein Objektvideo mit dem Cinewhoop?

Die Ausrüstung liegt bei einem fertigen 2-Zoll-Aufbau mit Brille und Sender zwischen 600 und 1.200 Euro. Für die Dienstleistung sind bei Anbietern für einen Innendurchflug einschließlich Schnitt Tagessätze üblich, die deutlich über denen einer reinen Außenaufnahme liegen, weil Planung, Anläufe und Nachbearbeitung mehr Zeit kosten.

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