Ein Cinewhoop mit analoger Kamera fliegt gut und liefert Material, das nach analoger Kamera aussieht. Der Schritt zur DJI O4 ändert beides: das Livebild in der Brille und die Aufnahme an Bord. Dieser Artikel klärt, welche der drei O4-Varianten an welchen Aufbau gehört, wo das Modul im Rahmen sitzt und was es am Gewichtsbudget kostet.
Das Wichtigste in Kürze
- O4 Air Unit: 8,2 g, 4K/60 intern, 6 km nach CE. Die Standardwahl bis 3 Zoll.
- O4 Wide Air Unit: 13,3 g, 159° Sichtfeld. Für enge Innenräume.
- O4 Air Unit Pro: 32 g, 1/1,3-Zoll-Sensor, 4K/120, D-Log M. Ab 3,5 Zoll sinnvoll.
- Der Einbauort entscheidet über die Temperatur, weil ein Cinewhoop im Schwebeflug kaum Fahrtwind erzeugt.
- Antennen gehören aus den Ducts heraus, Kohlefaser schirmt den Funk stark ab.
Die drei Varianten im Vergleich
DJI führt drei Module unter dem O4-Namen, und sie unterscheiden sich stärker als die gemeinsame Bezeichnung vermuten lässt.
| Merkmal | O4 Air Unit | O4 Wide | O4 Air Unit Pro |
|---|---|---|---|
| Gewicht | 8,2 g | 13,3 g | 32 g |
| ohne Kameramodul | 5,1 g | 5,1 g | 15,6 g |
| Sensor | ‒ | 1/2 Zoll | 1/1,3 Zoll |
| Sichtfeld | ‒ | 159° | 155° |
| Aufzeichnung | 4K/60 | 4K/60 | 4K/120 |
| Bitrate | bis 100 Mbit/s | bis 100 Mbit/s | bis 130 Mbit/s |
| Latenz | 20 ms | 20 ms | 15 ms |
| Reichweite CE | 6 km | 6 km | 8 km |
| Speicher | 23 GB intern | 23 GB intern | intern |
Alle Werte stammen aus den DJI-Datenblättern. Die Reichweiten gelten für freie Sicht ohne Hindernisse und sind an einem Cinewhoop ohne praktische Bedeutung, weil der Sichtkontakt lange vorher endet. Wie weit die Bauform wirklich trägt, steht im Artikel zu Cinewhoop Long Range.
Der eigentliche Unterschied liegt beim Sensor. Die Pro-Variante bringt mit 1/1,3 Zoll eine deutlich größere Fläche mit als die Standardmodule, und in dunklen Räumen entscheidet Sensorfläche über das Bildrauschen. Dazu kommt D-Log M als flaches Farbprofil, das in der Nachbearbeitung Spielraum lässt.
Was die 32 Gramm der Pro-Variante kosten
Bei einem Cinewhoop ist Gewicht keine Nebengröße. Es bestimmt die Flugzeit, die Agilität und bei Aufbauten an der 250-Gramm-Grenze auch die rechtliche Einordnung.

Das Modul sitzt unter dem Topdeck im Propellerstrom, die Antennen ragen aus den Ducts heraus.
Die Rechnung für einen typischen 3-Zoll-Cinewhoop sieht so aus:
| Bauteil | Gewicht |
|---|---|
| Rahmen mit Ducts | rund 45 g |
| vier Motoren 1404 | rund 40 g |
| AIO-Board mit Regler | rund 12 g |
| Propeller | rund 5 g |
| Kabel, Stecker, Kleinteile | rund 10 g |
| Basis ohne Akku und Video | rund 112 g |
| Akku 4S, 650 mAh | rund 70 g |
| Zwischensumme | rund 182 g |
Damit bleiben bis zur 250-Gramm-Grenze rund 68 Gramm für das Videosystem. Die O4 Air Unit belegt davon mit Antenne und Halterung etwa 13 Gramm, die Pro-Variante etwa 37 Gramm. Beide passen, doch die Pro nimmt den Puffer weg, den ein größerer Akku oder eine zusätzliche Actioncam später brauchen würde.
Bei 2-Zoll-Aufbauten kippt die Rechnung. Dort liegt die Basis bei 60 bis 80 Gramm, der Akku bei 25 bis 35 Gramm, und 32 Gramm Videomodul bedeuten fast ein Drittel Zuladung. Dort ist die Standardvariante die einzige sinnvolle Wahl.
Wo das Modul im Rahmen sitzt
Der Einbauort entscheidet über zwei Dinge: die Temperatur und den Funk.
Temperatur. Die O4-Module arbeiten unter Last und erzeugen Wärme. Bei einer Freestyle-Drohne, die mit 60 km/h unterwegs ist, führt der Fahrtwind sie ab. Ein Cinewhoop schwebt fast durchgehend, und dabei strömt nur der Propellerabwind. Das Modul gehört deshalb dorthin, wo dieser Strom es erreicht, üblicherweise unter das Topdeck mit freier Oberseite. Ein Aluminiumplättchen zwischen Modul und Rahmen als Wärmebrücke ist eine verbreitete Ergänzung und kostet unter einem Gramm.
Funk. Kohlefaser schirmt Funksignale stark ab, und Rahmen wie Ducts bestehen bei vielen Aufbauten aus leitfähigem Material. Die beiden Antennen gehören darum aus den Ducts heraus, seitlich hinten aus dem Rahmen, in einem Winkel von etwa 90 Grad zueinander. Diese Anordnung sorgt dafür, dass mindestens eine Antenne in jeder Fluglage günstig steht.
Bauraum. Die Standardvariante belegt laut DJI 30 mal 30 Millimeter bei 6 Millimetern Bauhöhe. Vor dem Nachrüsten in einen bestehenden Rahmen gehört geprüft, ob diese Fläche frei ist, und ob der Kameramount das Modul aufnimmt. Welche Rahmen wie viel Platz bieten, behandelt der Artikel zum Cinewhoop-Frame.
Die Stromversorgung
DJI gibt für die O4 Air Unit einen Eingangsspannungsbereich von 3,7 bis 13,2 Volt an. Damit deckt sie 1S bis 3S direkt ab und lässt sich bei kleinen Whoops ohne Umweg an den Akku hängen.
Bei 4S- und 6S-Aufbauten, wie sie bei 3-Zoll-Cinewhoops üblich sind, liegt die Akkuspannung darüber. Dort braucht das Modul einen Spannungsregler, der die Eingangsspannung auf 9 oder 12 Volt bringt. Viele AIO-Boards führen einen solchen Ausgang bereits, und in dem Fall ist der Anschluss eine Lötstelle. Fehlt er, kommt ein separater Regler dazu, der mit rund 3 Gramm zu Buche schlägt.
Ein verbreiteter Fehler beim Nachrüsten ist der Anschluss an einen 5-Volt-Ausgang. Das Modul läuft dann an, bricht aber unter Last ein, und das Bild friert in unregelmäßigen Abständen ein. Der Fehler sieht nach einem Funkproblem aus und ist ein Stromproblem.
Was sich im Bild ändert
Der Wechsel von analog auf O4 verändert zwei getrennte Dinge, und sie werden oft verwechselt.
Das Livebild wird von einem verrauschten Analogbild zu einem scharfen digitalen Bild mit geringer Latenz. DJI gibt für die Standardvariante 20 Millisekunden mit den Goggles 3 an, für die Pro 15 Millisekunden. Der Gewinn liegt weniger in der Schärfe als darin, dass Kanten und Türrahmen im Innenraum klar erkennbar bleiben, und genau das entscheidet bei engen Durchflügen.
Die Aufzeichnung kommt neu dazu. Bei analogen Aufbauten braucht es eine zusätzliche Actioncam, die 25 bis 160 Gramm wiegt, je nachdem ob sie entkernt ist. Die O4-Module schreiben 4K auf 23 Gigabyte internen Speicher, ohne Speicherkarte und ohne zweites Gerät. Für Aufnahmen in Innenräumen macht das den Aufbau deutlich leichter, wie der Artikel zu Cinewhoop-Aufnahmen für Immobilien zeigt.
Was sich nicht ändert: Die digitale Übertragung hat eine härtere Abrisskante als analog. Ein analoges Bild wird über die Entfernung zunehmend verrauscht und bleibt lange notdürftig lesbar. Ein digitales Bild bleibt sauber und bricht dann ab. Für Innenflüge spielt das kaum eine Rolle, bei Flügen hinter Hindernissen schon.
Die Alternativen zum O4
DJI ist im Cinewhoop nicht die einzige Option, und die Wahl ist eine Systementscheidung, weil jedes Modul nur mit der passenden Brille arbeitet.
| System | Gewicht Modul | Aufzeichnung | Brillen-Bindung |
|---|---|---|---|
| DJI O4 Air Unit | 8,2 g | 4K/60 intern | DJI Goggles |
| Walksnail Avatar | ab 8 g | je nach Modul | Walksnail-Brillen |
| BetaFPV P1 Air Unit | 6,5 g | keine | Walksnail-kompatibel |
| Analog | 5 bis 10 g | keine | jede Analogbrille |
Die BetaFPV P1 Air Unit ist mit 6,5 Gramm das leichteste digitale Modul und liefert 1080p bei 60 Bildern pro Sekunde, verzichtet aber auf eine eigene Aufzeichnung. Für Aufbauten, bei denen jedes Gramm zählt und das Material über eine separate Kamera kommt, bleibt sie interessant. Die Gegenüberstellung der Systeme steht im Artikel zur FPV-Brille analog oder digital.
Welche Variante zu welchem Aufbau
| Aufbau | Empfehlung | Grund |
|---|---|---|
| 1,6 bis 2 Zoll, unter 250 g | O4 Air Unit | Gewichtsbudget lässt nichts anderes zu |
| 2,5 bis 3 Zoll, Innenräume | O4 Wide | 159° zeigen den Raum, nicht nur die Wand |
| 3 Zoll, gemischt | O4 Air Unit | bestes Verhältnis aus Gewicht und Bild |
| 3,5 Zoll, Auftragsarbeit | O4 Air Unit Pro | Sensor und D-Log M tragen die Nachbearbeitung |
Die Wide-Variante wird bei Innenaufnahmen oft übersehen. Mit 159 Grad Sichtfeld gegenüber den Standardwerten zeigt sie in engen Räumen deutlich mehr vom Raum, und genau darum geht es bei einem Durchflug durch eine Wohnung. Der Preis dafür ist eine stärkere Verzeichnung an den Bildrändern.
Fazit: die Standardvariante deckt die meisten Fälle
Für den typischen Cinewhoop bis 3 Zoll ist die O4 Air Unit mit 8,2 Gramm die richtige Wahl. Sie bringt Livebild und 4K-Aufzeichnung in ein Modul, das kaum Gewicht kostet, und nimmt dem Aufbau die separate Actioncam ab.
Die Pro-Variante lohnt sich, wenn zwei Dinge zusammenkommen: ein Aufbau ab 3,5 Zoll, der die 32 Gramm trägt, und Aufnahmen, die in die Nachbearbeitung gehen. Für alles darunter nimmt sie Gewichtsbudget weg, das an anderer Stelle mehr bringt. Welche Kit-Stufe welchen Aufwand bedeutet, steht im Artikel zum Cinewhoop-Kit.
Häufige Fragen
Welche DJI-O4-Variante passt an einen Cinewhoop?
Für Aufbauten bis 3 Zoll ist die O4 Air Unit mit 8,2 Gramm die Standardwahl, weil sie Livebild und 4K-Aufzeichnung in einem Modul vereint und kaum Gewicht kostet. Die O4 Air Unit Pro mit 32 Gramm lohnt sich ab 3,5 Zoll, wo das Gewichtsbudget sie trägt. Die Wide-Variante mit 13,3 Gramm liefert 159 Grad Sichtfeld und passt dort, wo enge Innenräume viel Bild verlangen.
Wie schwer ist die DJI O4 Air Unit?
Laut DJI-Datenblatt wiegt die O4 Air Unit 8,2 Gramm inklusive Kameramodul und 5,1 Gramm ohne. Die O4 Wide Air Unit liegt bei 13,3 Gramm, die O4 Air Unit Pro bei 32 Gramm mit Kameramodul und 15,6 Gramm ohne. Antenne, Kabel und Halterung kommen bei allen Varianten mit etwa 3 bis 6 Gramm dazu.
Wird die O4 Air Unit im Cinewhoop zu heiß?
Sie kann es werden, weil ein Cinewhoop den größten Teil seiner Zeit im Schwebeflug verbringt und dabei kaum Fahrtwind erzeugt. Das Modul gehört deshalb dorthin, wo der Luftstrom der Propeller es erreicht, üblicherweise unter das Topdeck mit freier Oberseite. Ein Aluminiumplättchen als Wärmebrücke zum Rahmen ist eine verbreitete Ergänzung.
Welche Spannung braucht die DJI O4 Air Unit?
DJI gibt für die O4 Air Unit einen Eingangsbereich von 3,7 bis 13,2 Volt an. Damit lässt sie sich bei 1S bis 3S direkt an den Akku hängen. Bei 4S- und 6S-Aufbauten, wie sie bei 3-Zoll-Cinewhoops üblich sind, braucht sie einen Spannungsregler, den viele AIO-Boards bereits an Bord haben.
Reicht die O4 Air Unit für Immobilien- und Werbeaufnahmen?
Für Innenaufnahmen und kurze Durchflüge ja. Sie zeichnet 4K mit 60 Bildern pro Sekunde bei bis zu 100 Mbit pro Sekunde auf 23 Gigabyte internen Speicher auf, ohne Speicherkarte. Für Aufnahmen mit starkem Gegenlicht oder aufwendiger Farbkorrektur liefert die Pro-Variante mit 1/1,3-Zoll-Sensor und D-Log M spürbar mehr Spielraum.
Wohin gehören die Antennen im Cinewhoop?
Aus den Ducts heraus und möglichst weit von Kohlefaser entfernt. Kohlefaser schirmt Funk stark ab, und die Ducts selbst bestehen bei vielen Aufbauten aus leitfähigem Material. Übliche Lösung sind zwei Antennen, die seitlich hinten aus dem Rahmen ragen und in einem Winkel von etwa 90 Grad zueinander stehen.
Was kostet der Umstieg von analog auf DJI O4?
Das Modul selbst liegt bei den Standard-Varianten im Bereich von etwa 100 bis 130 Euro, die Pro-Variante darüber. Dazu kommt die Brille, denn ein O4-Modul funktioniert nur mit einer DJI-Brille. Ohne bereits vorhandene Brille ist das die deutlich größere Position und macht den Umstieg zu einer Systementscheidung.
Kann ich die O4 Air Unit in einen fertigen Cinewhoop nachrüsten?
Bei Aufbauten mit analoger Kamera ist der Tausch üblich, verlangt aber Lötarbeit und passenden Bauraum. Die Standardvariante braucht eine Fläche von 30 mal 30 Millimetern bei 6 Millimetern Bauhöhe plus den Kameramount. Vor dem Kauf gehört geprüft, ob der Rahmen diese Fläche hergibt und ob das Gewichtsbudget die Ergänzung trägt.