Beim Cinewhoop steht die Frame-Wahl vor allen anderen Entscheidungen, denn sie legt Propellergröße, Zuladung und damit die Gewichtsklasse fest. Anders als bei einem Freestyle-Quad ist der Rahmen hier keine reine Halterung, weil die Ducts aerodynamisch mitarbeiten. Dieser Artikel zeigt, welche Maße zusammengehören und woran ein Aufbau scheitert.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Spalt zwischen Propeller und Duct ist die entscheidende Größe: zu weit, und der Duct-Gewinn verschwindet.
- 2 bis 2,5 Zoll bleiben unter 250 Gramm, ab 3 Zoll trägt der Aufbau eine Actioncam und fällt in A3.
- Polycarbonat-Ducts halten die Form, TPU-Ducts überstehen Crashs besser und lassen sich nachdrucken.
- Die Carbon-Platte trägt, gedruckte Teile übernehmen Ducts und Halterungen.
- Ducts sind Verschleißteile, Ersatz gehört von Anfang an in die Tasche.
Was ein Cinewhoop-Frame leisten muss
Ein Cinewhoop-Frame erfüllt drei Aufgaben gleichzeitig, und daraus ergeben sich die meisten Zielkonflikte:
- Tragen: Motoren, Stack, Akku und Kamera hängen an ihm.
- Umschließen: Die Ducts halten die Propeller von Wänden, Gegenständen und Menschen fern.
- Führen: Die Duct-Innenwand formt den Luftkanal und trägt zum Schub bei.
Der dritte Punkt unterscheidet ihn vom offenen Frame. Ein Duct ist ein aerodynamisches Bauteil mit engen Toleranzen, seine Form lässt sich darum nur in engen Grenzen verändern.
Der Spalt: die wichtigste Zahl, die niemand nennt
Ein Duct wirkt, weil er den Randwirbel an der Propellerspitze unterbindet. Am offenen Propeller strömt Luft von der Druckseite unten zur Saugseite oben zurück und erzeugt einen Wirbel, der Energie kostet. Der Duct schließt diesen Weg und führt die Luft durch den Kanal.
Diese Wirkung hängt am Spaltmaß zwischen Blattspitze und Duct-Innenwand. Wächst der Spalt, entsteht der Rückstrom wieder und der Gewinn verschwindet.

Der Duct arbeitet nur, solange der Spalt eng bleibt. Deshalb gehören Propellergröße und Frame zusammen.
Praktisch folgt daraus eine harte Regel: Ein Frame ist auf eine Propellergröße ausgelegt. Wer im selben Duct einen kleineren Propeller montiert, etwa 2,5 Zoll statt 3 Zoll, vergrößert den Spalt und verliert genau den Schub, für den die Konstruktion gedacht war. Das Ergebnis fliegt, wirkt aber kraftlos und zieht mehr Strom als erwartet.
Umgekehrt gilt: Ein zu großer Propeller schleift an der Innenwand. Das hört man sofort, und es kostet Blätter.
Die Größenklassen
| Klasse | Radstand | Typische Zuladung | Startgewicht |
|---|---|---|---|
| 2 Zoll | 90 bis 100 mm | digitale Air Unit | 150 bis 240 g |
| 2,5 Zoll | rund 110 mm | Air Unit, leichte Cam | 200 bis 260 g |
| 3 Zoll | 120 bis 130 mm | nackte Actioncam | 250 bis 400 g |
| 3,5 Zoll | rund 150 mm | volle GoPro | 400 bis 600 g |
Die Grenze bei 250 Gramm verläuft zwischen der 2,5- und der 3-Zoll-Klasse und ist die wichtigste Linie des Hobbys, weil sie über die Unterkategorie entscheidet. Bausätze tragen kein C-Klassenlabel, also gilt ab 250 Gramm Startmasse die Unterkategorie A3 mit 150 Metern Abstand zu Wohn- und Gewerbegebieten. Für Innenaufnahmen spielt das keine Rolle, für den Flug draußen sehr wohl. Die Details stehen in unserem Artikel zur FPV-Drohne unter 250 Gramm.
Als grobe Orientierung für die 3-Zoll-Klasse: Aufbauten mit rund 220 bis 280 Gramm Startgewicht erreichen mit einem 4S-Akku um 850 mAh etwa vier bis sechs Minuten. Mehr zu diesem Zusammenhang steht in Cinewhoop Flugzeit.
Material: Carbon trägt, Kunststoff umschließt
Ein Cinewhoop-Frame besteht fast immer aus zwei Materialgruppen mit klarer Arbeitsteilung.
Die tragende Struktur ist eine Platte aus carbonfaserverstärktem Kunststoff, meist 2 bis 3 Millimeter stark. Sie nimmt Motoren, Stack und Akkuhalterung auf. Carbon ist hier gesetzt, weil es steif ist und die Motorenachsen in Position hält. Ein weicher Rahmen bringt Vibrationen in den Flight Controller, die sich in der Aufnahme als Wackeln zeigen.
Die Ducts sind Kunststoff, und hier gibt es die eigentliche Entscheidung:
- Spritzguss aus Polycarbonat: formstabil, dünnwandig, hält den Spalt auch bei hoher Last konstant. Bricht bei harten Einschlägen.
- TPU, gedruckt oder gespritzt: elastisch, überlebt Crashs, lässt sich nachdrucken. Verformt sich unter aerodynamischer Last, wodurch sich das Spaltmaß im Flug ändert und Vibrationen entstehen können.
- PETG, gedruckt: steifer als TPU, günstig zu drucken, dafür spröder und mit sichtbaren Schichtlinien im Kanal.
Für saubere Aufnahmen ist ein formstabiler Duct im Vorteil, für den Alltag mit Wandkontakt ein nachgiebiger. Wer beides will, hält Ersatz-Ducts bereit und nimmt die steifere Variante.
Frames mit gedruckten Teilen
3D-Druck ist im Cinewhoop-Bereich verbreitet, und das aus gutem Grund: Ducts sind Verschleißteile mit einfacher Geometrie.
Was sich gut drucken lässt:
- Ducts, in TPU für Haltbarkeit oder PETG für Steifigkeit
- Kamerahalterungen und Winkel-Adapter
- Akkuhalter, Antennenhalter, Batteriestrap-Führungen
- Landefüße
Was sich schlecht drucken lässt:
- die tragende Grundplatte
- Motoraufnahmen, die Schraubenkräfte aufnehmen
- alles, was punktuell auf Zug belastet wird
Wer Ducts selbst druckt, plant Verstärkungsrippen ein. Ein dünner Duct-Ring ohne Versteifung schwingt im Betrieb und verstärkt genau die Vibrationen, die man vermeiden will. Für die Drucklage gilt: stehend gedruckt sind die Schichtlinien quer zur Hauptbelastung und der Ring bricht leichter.
Passt der Frame zu meiner Elektronik?
Drei Maße entscheiden, ob ein Aufbau zusammengeht:
Das Stack-Lochbild. Üblich sind 25,5 × 25,5 mm bei 3-Zoll-Aufbauten und 20 × 20 mm bei kleineren. Ein 20er-Stack passt mit Adapterplatte in einen 25,5er-Frame, umgekehrt wird es eng.
Der Bauraum für die Air Unit. Digitale Systeme unterscheiden sich deutlich in Grundfläche und Höhe. Frames werden deshalb häufig ausdrücklich für ein System beworben, etwa für DJI O4 oder für Walksnail Avatar. Steht nichts dabei, lohnt der Blick auf die Maße im Datenblatt.
Die Kameraaufnahme. Die klassischen Micro-Kameras haben ein Maß von 19 Millimetern Breite, Nano-Kameras 14 Millimeter. Passt es nicht, löst ein gedruckter Adapter das Problem, ohne dass ein neuer Frame nötig wird.
Verschleiß und Ersatzteile
Ducts bilden die äußerste Kontur und treffen bei jedem Anstoßen zuerst. Das ist ihre Aufgabe, und es bedeutet, dass sie regelmäßig getauscht werden. Wer einen Cinewhoop aufbaut, plant von Anfang an:
- einen Satz Ersatz-Ducts oder die Druckdatei dafür
- Ersatzpropeller in der passenden Größe, denn der Duct schützt sie nicht vollständig
- Ersatzschrauben in der richtigen Länge, weil Duct-Schrauben beim Wechsel gern verloren gehen
Ein Punkt aus der Praxis: Nach einem Duct-Wechsel lohnt der Blick auf den Spalt an allen vier Positionen. Ein leicht verzogener Ring sitzt schief und schleift nur bei bestimmten Drehzahlen, was sich als sporadisches Geräusch bemerkbar macht.
Das Gewichtsbudget rückwärts rechnen
Wer unter 250 Gramm bleiben will, plant den Aufbau vom Ziel her. Die Rechnung geht so:
| Posten | Typischer Bereich |
|---|---|
| Frame mit Ducts | 35 bis 70 g |
| vier Motoren | 25 bis 40 g |
| AIO- oder Stack-Elektronik | 12 bis 25 g |
| digitale Air Unit mit Kamera | 15 bis 35 g |
| Propeller, Schrauben, Kabel | 10 bis 15 g |
| Akku 3S bis 4S | 60 bis 110 g |
Schon an dieser Aufstellung wird sichtbar, wo die Reserve liegt. Der Akku ist der größte einzelne Posten und zugleich der flexibelste, weil er sich zwischen zwei Flügen wechseln lässt. Ein 4S-Pack mit 650 mAh statt 850 mAh spart rund 20 Gramm und kostet etwa eine Minute Flugzeit.
Der Frame ist dagegen eine Festlegung für die Lebensdauer des Aufbaus. Ducts aus dünnwandigem Spritzguss sparen hier zweistellige Grammwerte gegenüber massiv gedruckten Varianten.
Ein Hinweis zum Wiegen: Maßgeblich ist die Startmasse, also alles im flugfertigen Zustand. Dazu zählen Akkugurt, Kameraschrauben, Antennenhalter und ein eventueller GPS-Baustein. Aufbauten, die auf dem Papier bei 246 Gramm liegen, überschreiten die Grenze auf der Waage regelmäßig.
Typische Fehlkäufe
Vier Muster tauchen bei Frame-Käufen immer wieder auf:
Der Frame ohne Duct-Ersatzteile. Ein günstiger Frame eines kleinen Anbieters ist reizvoll, bis der erste Duct bricht und es keinen Nachschub gibt. Vor dem Kauf lohnt der Blick, ob Ducts einzeln gelistet sind.
Der Frame für die falsche Air Unit. Digitale Systeme unterscheiden sich in Grundfläche und Höhe deutlich. Ein Frame, der für ein System beworben wird, hat für ein anderes oft schlicht zu wenig Bauraum.
Das 20er-Stack im 25,5er-Frame. Technisch mit Adapterplatte lösbar, praktisch kostet es Bauhöhe und bringt eine zusätzliche Schraubverbindung, die sich lockern kann.
Der zu große Propeller. Ein 3-Zoll-Propeller im 2,5-Zoll-Duct schleift. Das hört man beim ersten Anlauf, und es kostet einen Satz Blätter.
Vom Frame zum fertigen Quad
Der Frame ist der Anfang. Was danach kommt, hängt davon ab, wie viel du selbst bauen willst. Wer den kompletten Weg gehen möchte, findet die Kit-Stufen in Cinewhoop Kit: RTF, BNF oder Bausatz erklärt. Wer erst einmal wissen will, wofür die Bauform überhaupt gedacht ist, liest Cinewhoop: Technik, Einsatz und Grenzen.
Nach dem Aufbau steht die Abstimmung an. Ducted Bauformen brauchen andere Filter- und PID-Einstellungen als offene Quads, weil die Luftführung eigene Schwingungen einbringt; die Grundlagen dazu stehen in Cinewhoop Betaflight Settings.
Fazit: erst die Propellergröße, dann alles andere
Die Frame-Wahl beim Cinewhoop entscheidet sich an einer Zahl, und das ist die Propellergröße. Sie legt den Duct-Durchmesser fest, damit die Zuladung, das Startgewicht und über die 250-Gramm-Linie sogar die rechtliche Unterkategorie. Steht diese Zahl, ist der Rest Abgleicharbeit: Stack-Lochbild, Bauraum für die Air Unit, Kameraaufnahme. Beim Material lohnt der pragmatische Weg, eine Carbon- Platte als tragende Struktur und Ducts, von denen ein Ersatzsatz bereitliegt. Wer diese Reihenfolge einhält, hat den größten Teil der Fehlkäufe hinter sich, bevor der erste Lötkolben warm wird.
Häufige Fragen
Welche Frame-Größe passt zu welchem Cinewhoop-Einsatz?
Für Innenräume und enge Passagen sind 2 bis 2,5 Zoll die richtige Wahl, weil sie unter 250 Gramm bleiben und in der Unterkategorie A1 fliegen. Für Aufnahmen mit einer nackten Actioncam braucht es 3 Zoll, für eine vollständige GoPro mit Gehäuse eher 3,5 Zoll. Mit der Propellergröße wächst die Zuladung und sinkt die Flugzeit.
Warum muss der Propeller genau zum Duct passen?
Ein Duct wirkt, weil er den Randwirbel an der Propellerspitze unterbindet und den Luftstrom im Kanal führt. Wird der Spalt zwischen Blattspitze und Duct-Innenwand zu groß, strömt Luft von der Druck- zur Saugseite zurück und der Wirkungsgradgewinn verschwindet. Deshalb geben Hersteller Propellergröße und Duct-Innendurchmesser immer als Paar an.
Sind TPU-Ducts oder Polycarbonat-Ducts besser?
Spritzgegossene Ducts aus Polycarbonat sind formstabil und halten den Spalt auch unter Last konstant. TPU verformt sich unter aerodynamischer Belastung, der Spalt ändert sich dynamisch und das kann Vibrationen einbringen. Dafür überstehen TPU-Ducts Crashs besser, weil sie nachgeben statt zu brechen, und sie lassen sich einzeln nachdrucken.
Kann ich einen Cinewhoop-Frame selbst in 3D drucken?
Die Ducts ja, die tragende Struktur nur eingeschränkt. Ducts lassen sich in TPU oder PETG mit Verstärkungsrippen drucken und sind ein übliches Ersatzteil. Die Armaufnahme und die Motorbefestigung nehmen dagegen Kräfte auf, für die gedruckte Teile in der Regel zu weich sind; dort ist eine Carbon-Platte die haltbarere Lösung.
Wie viel wiegt ein Cinewhoop-Frame?
Das hängt an der Klasse. Komplette 3-Zoll-Plattformen liegen je nach Modell bei rund 180 bis 210 Gramm ohne Akku und Kamera, wobei der Frame mit Ducts davon einen erheblichen Anteil ausmacht. Kleinere 2-Zoll-Frames liegen deutlich darunter. Bei Ducts entscheidet die Materialstärke, weshalb Hersteller mit dünneren radialen Formen Gewicht sparen.
Was ist der Unterschied zwischen einem Cinewhoop- und einem Tinywhoop-Frame?
Der Tinywhoop-Frame ist ein einteiliges Kunststoffteil mit integrierten Ducts für 31 bis 40 Millimeter Propeller und wiegt wenige Gramm. Der Cinewhoop-Frame kombiniert eine Carbon-Platte als tragende Struktur mit separaten Ducts für 2 bis 3,5 Zoll Propeller und ist auf die Zuladung einer Kamera ausgelegt. Beide teilen nur das Prinzip des umschlossenen Propellers.
Woran erkenne ich, dass ein Frame für meine Air Unit passt?
An drei Maßen: dem Lochbild des Flight-Controller-Stacks, üblich sind 25,5 mal 25,5 oder 20 mal 20 Millimeter, dem verfügbaren Bauraum für die Air Unit und der Aufnahme für die Kamera. Frames werden meist ausdrücklich für ein System beworben, etwa für DJI O4 oder Walksnail. Passt das Kameramaß nicht, hilft ein gedruckter Adapter.
Warum brechen bei Cinewhoops meistens die Ducts?
Weil sie die äußerste Kontur bilden und bei jedem Anstoßen zuerst treffen. Genau das ist ihre Aufgabe, denn sie schützen Propeller und Umgebung. Ducts sind deshalb als Verschleißteil konstruiert und einzeln lieferbar. Bei Frames mit gedruckten Ducts gehört eine Ersatzdatei zum Aufbau, bei Spritzguss-Ducts ein Satz Ersatzteile in die Tasche.