Cinewhoop selber bauen: Teileliste und Reihenfolge

Ein Cinewhoop wird anders gebaut als ein 5-Zoll-Freestyle: Der Duct zwingt eine feste Montagereihenfolge auf. Teileliste, die drei nicht nachholbaren Schritte und das Gewichtsbudget.

FPV & Racing Veröffentlicht am 6 Min. Lesezeit

Wer schon einmal einen 5-Zoll-Freestyle gelötet hat, hält den Cinewhoop für die einfachere Übung: weniger Spannweite, weniger Teile, kein Alu-Standoff-Turm. Der Eindruck hält bis zu dem Moment, in dem die Ducts sitzen und ein Motorkabel noch offen ist. Genau darin liegt der Unterschied.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Duct bestimmt die Reihenfolge. Motorkabel, Antennen und Videokabel müssen fertig sein, bevor er montiert wird.
  • Teileliste 3 Zoll: Frame mit Ducts, AIO-Board, vier Motoren 1404 oder 1505, Propeller, Videosystem, Empfänger, Akkus.
  • KV nach Zellenzahl: rund 3000 bis 4000 KV an 4S, 2000 bis 2500 KV an 6S.
  • Gewicht: 2 Zoll bleibt unter 250 g, 3 Zoll landet startfertig meist bei 250 bis 400 g und damit in A3.
  • Sparen tust du nichts: Die Teile kosten so viel wie ein BNF. Du gewinnst Auswahl und Reparaturfähigkeit.

Die Teileliste für einen 3-Zoll-Cinewhoop

Anders als beim offenen Freestyle-Aufbau hängen hier fast alle Teile an einer einzigen Entscheidung: der Propellergröße, die der Frame vorgibt.

BaugruppeÜbliche Wahl bei 3 ZollWorauf es ankommt
Frame mit DuctsPolycarbonat oder TPU, 120–130 mm RadstandSpalt zum Propeller, Ersatzteilversorgung
AIO-BoardF7-Flugcontroller mit Vierfach-ReglerStromfestigkeit passend zur Zellenzahl
Motoren1404 oder 1505KV nach 4S oder 6S wählen
Propeller3- oder 4-Blatt in Duct-GrößeGröße ist durch den Duct vorgegeben
Videosystemdigitale Air Unit oder analoge Kamera plus VTXGewicht und Stromaufnahme
EmpfängerELRS 2,4 GHzAntennenführung im engen Rahmen
Akku4S oder 6S, Kapazität nach GewichtsbudgetSteckerposition am Frame
KleinteileKabel, Schrumpfschlauch, Dämpfer, Schraubenoft vergessen, hält den Bau auf

Die Motorwahl folgt einer einfachen Regel: Je mehr Zellen, desto niedriger die Drehzahlkonstante. Rund 3000 bis 4000 KV passen an 4S, 2000 bis 2500 KV an 6S. Zu viel KV an zu vielen Zellen macht den Cinewhoop nervös und heizt die Motoren im Kanal schneller auf, weil ein Duct die Kühlluft anders führt als ein offener Rahmen.

Welche Frames es gibt, wie sich Polycarbonat und TPU im Flug unterscheiden und warum der Spalt zwischen Blattspitze und Duct-Wand die wichtigste Maßangabe ist, steht ausführlich im Artikel zum Cinewhoop-Frame.

Die Reihenfolge, die der Duct erzwingt

Beim 5-Zoll-Freestyle darfst du improvisieren: Löte zuerst, was greifbar ist, den Rest später. Beim Cinewhoop geht das nicht, weil die Ducts nach der Montage große Teile des Rahmens abdecken.

Querschnitt durch einen Cinewhoop von der Seite mit sieben nummerierten Montageschritten. Schritt eins: die vier Motoren auf die Rahmenplatte schrauben. Schritt zwei: die Motorkabel auf das AIO-Board löten, solange der Duct noch nicht sitzt. Schritt drei: die Empfängerantennen verlegen und ihren Austritt am Rahmen festlegen. Schritt vier: das Videokabel zur Kamera führen. Diese vier Schritte sind als nicht nachholbar markiert, weil der Duct sie danach verdeckt. Schritt fünf: die Ducts aufsetzen und verschrauben. Schritt sechs: die Kamera in der vorderen Halterung montieren und den Neigungswinkel einstellen. Schritt sieben: den Akku oben aufsetzen und mit dem Gurt sichern. Eine Trennlinie zwischen Schritt vier und fünf markiert den Punkt, ab dem die unteren Bereiche verschlossen sind.

Alles unterhalb der Trennlinie ist nach dem Aufsetzen der Ducts nicht mehr erreichbar, ohne den halben Aufbau wieder zu zerlegen.

Die vier Schritte vor der Trennlinie sind die eigentliche Arbeit:

  1. Motoren montieren. Schraubenlänge prüfen. Zu lange Schrauben erreichen die Wicklung und zerstören den Motor beim ersten Anlauf.
  2. Motorkabel ablängen und löten. Nicht großzügig lassen und später verstauen, sondern jetzt auf die passende Länge kürzen. Überschüssige Schlaufen finden im Duct-Rahmen keinen Platz.
  3. Empfängerantennen verlegen. Die Austrittsstelle am Rahmen festlegen und die Antenne dort fixieren. Nachträglich neu verlegen heißt: Ducts wieder herunter.
  4. Videokabel zur Kamera führen. Bei digitalen Systemen ist das Kabel steif und braucht einen definierten Bogen. Wer ihn erst nach der Duct-Montage sucht, knickt ihn.

Erst danach kommen Ducts, Kamera und Akku. Diese drei Schritte sind jederzeit rückgängig zu machen, die vier davor praktisch nicht.

Das Gewichtsbudget vorwärts denken

Beim Freestyle-Aufbau ist Gewicht eine Frage der Agilität. Beim Cinewhoop ist es eine rechtliche Frage, weil bei 250 Gramm die Unterkategorie wechselt.

Ein realistischer 3-Zoll-Aufbau landet startfertig zwischen 250 und 400 Gramm, sobald eine Actioncam mitfliegt. Damit gilt A3 mit 150 Metern Abstand zu Wohn-, Gewerbe- und Erholungsgebieten, und genau dieser Abstand ist in einer Stadt schwer zu finden.

Wer unter 250 Gramm bleiben will, entscheidet das vor dem ersten Bestellklick, nicht danach:

Welche Klasse welche Werte mitbringt, steht in der Übersicht der Cinewhoop-Technik. Der wichtigste Punkt daraus: Der Sprung über 250 Gramm passiert zwischen der 2- und der 3-Zoll-Klasse, nicht irgendwo dazwischen.

Was ein Eigenbau kostet und was er nicht spart

Die ehrliche Rechnung: Die Einzelteile kosten in Summe ungefähr so viel wie ein vergleichbares BNF-Modell. Bei einem digitalen Aufbau kommt das Videomodul mit 150 bis 300 Euro als eigener Posten dazu, egal ob du baust oder kaufst.

Was du gewinnst:

Was du nicht gewinnst: Geld und Zeit. Der detaillierte Kostenvergleich zwischen RTF, BNF und Bausatz steht im Artikel Cinewhoop Kit.

Ein Einstieg über ein fertiges Modell ist deshalb kein Widerspruch zum Selbstbau. Wer mit einem BetaFPV Pavo20 Pro II* beginnt, kennt das Flugverhalten der Gattung, bevor er den ersten eigenen Frame bestellt, und weiß dann genauer, was er anders haben will.

Nach dem Bau: Betaflight für Ducted-Aufbauten

Ein fertig gelöteter Cinewhoop fliegt mit den Standardwerten, liefert aber selten ruhiges Video. Der Grund liegt in der Bauform: Der Kanal wirft Luft zurück, und ein Kunststoffrahmen gibt anders nach als eine Carbonplatte. Daraus entsteht ein Vibrationsbild, das die Standardfilterung nicht kennt.

Der übliche Weg sind vier Schritte:

  1. Motordrehrichtungen prüfen und in Betaflight passend setzen, bevor Propeller montiert werden.
  2. Propeller aufsetzen und einen Schwebeflug aufzeichnen über die Blackbox.
  3. Gyro-Filter anhand der Aufzeichnung anpassen, statt Werte aus einem Forenbeitrag zu übernehmen.
  4. PID feinabstimmen, erst danach und nur, wenn es nötig ist.

Die konkreten Einstellungen für diese Gattung stehen im Artikel Cinewhoop Betaflight Settings, die Grundlagen zur Filterung und zu den Reglern im Artikel PID einstellen.

Fünf Fehler, die den Bau teuer machen

Wer den kompletten Ablauf eines FPV-Aufbaus in seiner allgemeinen Form sucht, findet ihn im Artikel FPV-Drohne selber bauen. Dieser Text hier beschreibt gezielt die Stellen, an denen der Cinewhoop davon abweicht.

Fazit: der Duct diktiert den Ablauf

Ein Cinewhoop hat weniger Teile als ein 5-Zoll-Freestyle und ist trotzdem der anspruchsvollere Erstbau, weil der Zugang zu den Lötstellen ab einem bestimmten Schritt endgültig weg ist. Wer die Reihenfolge kennt und Motorkabel, Antenne und Videokabel vor der Duct-Montage fertig hat, baut ihn an einem Nachmittag.

Zwei Entscheidungen fallen dabei ganz am Anfang: die Propellergröße, die der Frame vorgibt, und die Frage, ob der Aufbau unter 250 Gramm bleiben soll. Beides lässt sich später nur durch Neukauf ändern, alles andere ist Feinarbeit.

Häufige Fragen

Was brauche ich für einen Cinewhoop-Eigenbau?

Frame mit Ducts, ein AIO-Board aus Flugcontroller und Vierfach-Regler, vier Motoren, Propeller mit passendem Durchmesser, ein Videosystem aus Kamera und Sender, einen Empfänger, Akkus und Kleinteile wie Kabel, Schrumpfschlauch und Schwingungsdämpfer. Für die 3-Zoll-Klasse sind 1404- oder 1505-Motoren üblich, mit rund 3000 bis 4000 KV an 4S oder 2000 bis 2500 KV an 6S.

Ist der Eigenbau günstiger als ein fertiges BNF?

Meistens nicht. Die Einzelteile kosten in Summe etwa so viel wie ein vergleichbares BNF-Modell, teilweise mehr, weil Kleinteile und Versandkosten dazukommen. Der Gewinn liegt woanders: freie Wahl der Komponenten, ein Aufbau, der zum eigenen Flugstil passt, und die Fähigkeit, später jedes Bauteil selbst zu tauschen.

Was ist beim Cinewhoop anders als beim 5-Zoll-Freestyle?

Vor allem der Zugang. Beim offenen Freestyle-Rahmen kommst du jederzeit an jede Lötstelle. Beim Cinewhoop verdecken die Ducts große Teile des Rahmens, sobald sie sitzen, und einige Kabelwege sind danach nicht mehr erreichbar. Deshalb müssen Motorkabel, Empfängerantenne und Videokabel fertig sein, bevor die Ducts montiert werden.

Welche Motoren passen in einen 3-Zoll-Cinewhoop?

Übliche Baugrößen sind 1404 und 1505. Die Drehzahlkonstante richtet sich nach der Zellenzahl: rund 3000 bis 4000 KV für 4S-Akkus, 2000 bis 2500 KV für 6S. Zu hohe KV-Werte an zu vielen Zellen lassen den Cinewhoop nervös wirken und heizen die Motoren im Duct schneller auf, weil der Kanal die Kühlluft anders führt als ein offener Rahmen.

Bleibt ein selbstgebauter Cinewhoop unter 250 Gramm?

In der 2-Zoll-Klasse ja, in der 3-Zoll-Klasse in aller Regel nicht. Ein 3-Zoll-Aufbau liegt startfertig meist zwischen 250 und 400 Gramm, sobald eine Actioncam mitfliegt. Damit gilt die Unterkategorie A3 mit 150 Metern Abstand zu Wohn-, Gewerbe- und Erholungsgebieten. Wer unter 250 Gramm bleiben will, plant von Anfang an mit 2 Zoll und einer nackten Kamera statt einer vollen GoPro.

Welche Propeller gehören in einen Cinewhoop?

Drei- oder vierblättrige Propeller in der Größe, die der Duct-Innendurchmesser vorgibt. Propellergröße und Duct sind ein Paar und nicht frei kombinierbar: Wird der Spalt zwischen Blattspitze und Duct-Wand zu groß, verpufft der aerodynamische Vorteil des Kanals. Der Hersteller des Frames nennt die passende Propellergröße immer mit.

Brauche ich zum Bauen eine C-Kennzeichnung?

Ein Eigenbau bekommt keine C-Klasse, weil die Klassenkennzeichnung an ein Konformitätsverfahren des Herstellers gebunden ist. Für dich heißt das: Es gilt die Einstufung nach Startgewicht. Unter 250 Gramm darfst du in A1 fliegen, darüber in A3. Ein Kompetenznachweis A1/A3 ist ab 250 Gramm nötig, die Registrierung als Betreiber immer, sobald eine Kamera mitfliegt.

Welche Betaflight-Einstellungen sind beim Cinewhoop anders?

Die Filterung. Ducts erzeugen ein anderes Vibrationsbild als offene Rahmen, weil die Luft im Kanal zurückschlägt und der Rahmen aus Kunststoff nachgibt. Deshalb landen Cinewhoops selten mit den Standardwerten bei ruhigem Video. Der übliche Weg ist eine Blackbox-Aufzeichnung im Schwebeflug und die Anpassung der Gyro-Filter anhand dessen, was dort sichtbar wird.

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