Der Frame ist beim Tinywhoop das Teil, das am häufigsten getauscht wird und am wenigsten Aufmerksamkeit bekommt. Dabei legt er mit dem Radstand die Propellergröße fest und damit fast alles, was danach kommt: Akku, Schub, Flugzeit und die Frage, ob der Whoop draußen noch etwas taugt. Dieser Artikel ordnet die Klassen und erklärt, warum Carbon hier selten gewinnt.
Das Wichtigste in Kürze
- 65 mm mit 31er-Propellern ist die Indoor-Klasse, 75 mm mit 40er-Propellern hat mehr Schubreserve.
- Frame-Gewichte liegen bei 2,7 bis 4,5 Gramm nach Herstellerangaben von BetaFPV.
- Kunststoff schlägt Carbon, weil die Ducts nachgeben müssen statt zu brechen.
- Das Lochbild entscheidet, ob ein AIO-Board passt; 25,5 × 25,5 mm ist bei Whoops verbreitet.
- Der Frame ist Verschleißteil, Ersatz kostet wenige Euro und gehört in die Tasche.
Radstand: die Zahl, die alles festlegt
Die Größenangabe eines Whoop-Frames ist der Radstand, also der diagonale Abstand zwischen den Motorachsen. Aus ihm folgt der Duct-Durchmesser und damit die Propellergröße.

Zehn Millimeter Radstand trennen zwei Einsatzbereiche. Die Frame-Gewichte selbst unterscheiden sich um weniger als zwei Gramm.
65 Millimeter ist die Referenzgröße des Hobbys. Mit 31-Millimeter-Propellern passt der Whoop durch Türrahmen, um Stuhlbeine und in Regale. Der Akku ist ein 1S-Pack mit 300 bis 450 mAh, das Trockengewicht liegt bei 18 bis 20 Gramm.
75 Millimeter nutzt 40-Millimeter-Propeller. Der größere Propeller bringt mehr Schub bei gleicher Drehzahl, was zwei Dinge ändert: Der Whoop trägt einen größeren Akku mit 450 bis 550 mAh, und er hat genug Reserve, um bei leichtem Wind draußen zu bestehen. Das Trockengewicht steigt auf 20 bis 24 Gramm.
Daneben existieren Toothpick-Bauformen ohne Ducts, die anders fliegen und einen eigenen Vergleich verdienen; er steht in Tiny Whoop vs. Toothpick.
Warum Kunststoff hier gewinnt
Bei größeren FPV-Drohnen ist Carbon gesetzt. Beim Whoop führt genau diese Logik in die falsche Richtung, und das hat drei Gründe.
Die Ducts sind die Knautschzone. Ein Whoop fliegt gegen Wände, Türrahmen und Möbel, das ist sein Zweck. Ein Duct aus Kunststoff gibt nach und federt zurück. Carbon würde splittern.
Das Gewicht. Ein einteiliger Spritzguss-Frame wiegt 2,7 bis 4,5 Gramm. Eine gleichwertige Konstruktion mit Carbon-Platte und separaten Ducts wäre schwerer, weil Verbindungselemente hinzukämen.
Die Fertigung. Ducts sind räumlich geformte Ringe. Carbon-Platten sind flach. Alles, was aus der Ebene herausragt, muss beim Carbon-Frame angesetzt werden, während der Spritzguss es in einem Stück liefert.
Carbon taucht bei Whoops deshalb nur als Verstärkungsplatte unter dem Flight Controller auf oder in Hybrid-Frames, bei denen eine kleine Platte den Mittelteil versteift. Als Material für den ganzen Frame ist es die Ausnahme.
Die Gewichtsfrage
Zwei Gramm klingen nach nichts. Bei einem Whoop sind sie viel.
| Aufbau | Trockengewicht | Zwei Gramm entsprechen |
|---|---|---|
| Whoop 65 mm | rund 20 g | 10 Prozent |
| Whoop 75 mm | rund 22 g | 9 Prozent |
| 5-Zoll-Freestyle | rund 600 g | 0,3 Prozent |
Deshalb bauen Hersteller eigene Leichtbau-Varianten. Beim Meteor65 Air etwa erreicht BetaFPV 2,67 Gramm mit radial geformten Ducts, die weniger Material brauchen als die spiralförmige Standardform. Der Meteor65 Pro liegt mit 3,22 Gramm darüber und ist dafür robuster.
Die Abwägung ist damit klar umrissen: Leichte Frames verlängern die Flugzeit und schärfen das Handling, robuste Frames überstehen mehr Einschläge. Wer fliegen lernt, nimmt den robusten und tauscht später.
Brushed oder Brushless: der Frame folgt dem Motor
Ein Punkt, der beim Nachkaufen regelmäßig schiefgeht. Whoop-Frames unterscheiden sich in der Motoraufnahme, und die beiden Bauformen sind nicht austauschbar.
Brushed-Frames haben zylindrische Aufnahmen, in die Bürstenmotoren der Größen 0716 oder 0802 gesteckt werden. Sie halten durch Klemmung, oft mit einem Tropfen Kleber gesichert.
Brushless-Frames haben Schraubaufnahmen mit Bohrungen für Motoren der Größen 0802 bis 1102. Der Motor wird von unten verschraubt.
Der Motortyp legt also den Frame fest. Wer von Brushed auf Brushless umsteigt, tauscht beides zusammen mit dem Flight Controller, weil auch die Ansteuerung eine andere ist.
Passt mein AIO-Board?
Whoops nutzen fast immer ein AIO-Board, das Flight Controller, ESC und häufig auch den Empfänger auf einer Platine vereint. Die Frage ist das Lochbild:
- 25,5 × 25,5 mm: bei Whoops am weitesten verbreitet
- 26 × 26 mm: das klassische Whoop-Muster älterer Boards
- 20 × 20 mm: kleinere Boards, brauchen im Whoop-Frame eine Adapterplatte
Ein Adapter kostet Bauhöhe, und die ist im Whoop knapp, weil Canopy und Akku darüber liegen. Vor dem Kauf lohnt deshalb der direkte Abgleich. Was ein AIO-Board sonst können muss, steht in Tiny Whoop Flight Controller.
Wo der Frame bricht
Nach genug Flügen kennt man die Stellen:
Die Duct-Anbindung. Der Übergang zwischen Duct-Ring und Mittelteil ist der Punkt mit dem längsten Hebel. Ein Aufprall auf den äußeren Rand belastet genau diese Stelle, und dort reißt der Frame.
Die Motoraufnahmen. Bei Brushed-Frames leiern die Zylinder nach vielen Crashs aus, der Motor sitzt lose und kippelt. Das äußert sich als Vibration, die kein Filter mehr wegrechnet.
Die Canopy-Aufnahme. Die Zapfen, an denen das Canopy einrastet, brechen als Erstes ab, weil sie dünn sind. Der Frame fliegt danach weiter, das Canopy hält aber nicht mehr.
In allen Fällen gilt: Der Frame ist ein Verschleißteil im Euro-Bereich. Ein Ersatzframe in der Tasche ist billiger als ein abgebrochener Flugtag. Der Wechsel dauert etwa zwanzig Minuten, weil Motoren und Board umgesetzt werden müssen.
Woran sich Whoop-Frames unterscheiden
Auf den ersten Blick sehen alle Whoop-Frames gleich aus. Vier Merkmale trennen sie:
Die Duct-Form. Klassische Ducts sind spiralförmig geführt, neuere Leichtbau-Varianten radial. Die radiale Form braucht weniger Material bei vergleichbarer Steifigkeit und erklärt den Gewichtsunterschied zwischen den Air- und den Standard-Ausführungen.
Die Wandstärke. Dünnere Wände sparen Gewicht und geben bei Einschlägen früher nach. Robuste Frames wie die Pro-Varianten setzen auf mehr Material an den Duct-Anbindungen.
Die Kabelführung. Gute Frames haben Kanäle für die Motorkabel, die sie aus dem Propellerkreis halten. Fehlen sie, werden die Kabel außen geführt und sind das nächste Verschleißteil.
Die Canopy-Aufnahme. Zapfen, Rastnasen oder Schrauben. Sie legen fest, welche Canopies passen, und sie sind herstellerspezifisch.
Daraus folgt eine praktische Regel für den Nachkauf: Ein Ersatzframe muss vom selben Modell sein, nicht nur von derselben Größe. Ein 65-Millimeter-Frame eines anderen Herstellers passt zwar im Radstand, nimmt aber weder dasselbe Canopy noch dieselbe Kabelführung auf.
Brushed oder Brushless: was das für den Einstieg heißt
Die Wahl fällt heute meist auf Brushless, und dafür gibt es Gründe:
| Merkmal | Brushed | Brushless |
|---|---|---|
| Motorlebensdauer | wenige Stunden | deutlich länger |
| Schub | begrenzt | reichlich Reserve |
| Preis | niedriger | höher |
| Ersatzmotoren | billig, oft nötig | teurer, selten nötig |
| Fluggefühl | weich, träge | direkt |
Brushed-Whoops sind als erstes Gerät für den Wohnzimmerflug weiterhin brauchbar, weil sie günstig sind und wenig Schaden anrichten. Wer absehbar dabeibleibt, startet direkt mit Brushless, weil die Bürstenmotoren nach wenigen Stunden nachlassen und der Wechsel dann Frame, Motoren und Board zugleich betrifft.
Was beim Wechsel zu beachten ist
Ein neuer Frame ist kein reines Umschrauben. Drei Punkte machen den Unterschied:
- Motorkabel nicht spannen. Die Kabel werden durch die Kanäle im Frame geführt. Zu straff verlegt, reißen sie beim nächsten Crash an der Lötstelle ab.
- Motoren richtig zuordnen. Die Drehrichtung hängt an der Position. Wer die Motoren vertauscht, merkt das erst beim Startversuch. Wie die Zuordnung funktioniert, steht in Betaflight Motor-Drehrichtung.
- Nach dem Wechsel kurz schweben lassen. Ein leicht verzogener Duct schleift nur bei bestimmten Drehzahlen, und das hört man vor dem ersten richtigen Flug.
Fazit: Radstand wählen, Kunststoff nehmen, Ersatz einpacken
Die Frame-Wahl beim Tinywhoop ist schneller getroffen, als es zunächst wirkt. Der Radstand richtet sich nach dem Einsatz: 65 Millimeter für drinnen und enge Kurse, 75 Millimeter, wenn auch mal Wind im Spiel ist. Beim Material bleibt es beim einteiligen Kunststoff-Frame, weil er leicht ist, nachgibt und die Ducts gleich mitbringt. Beim Gewicht lohnt der Blick aufs Datenblatt, denn zwei Gramm sind in dieser Klasse rund zehn Prozent. Und weil der Frame das Bauteil ist, das im Regal am schnellsten leer wird, gehört ein Ersatz von Anfang an dazu. Wer noch vor der Grundsatzfrage steht, findet die Einordnung in Tiny Whoop: was das ist und für wen er sich lohnt.
Häufige Fragen
Was bedeutet 65 mm oder 75 mm beim Tinywhoop-Frame?
Die Zahl gibt den Radstand an, also den diagonalen Abstand zwischen den Motorachsen. 65 Millimeter ist die klassische Indoor-Größe mit 31-Millimeter-Propellern, 75 Millimeter die etwas größere Klasse mit 40-Millimeter-Propellern. Der Unterschied wirkt klein, verschiebt aber Propellergröße, Akkuformat, Schub und Einsatzbereich.
Ist ein Carbon-Frame beim Tinywhoop besser?
In den meisten Fällen nicht. Ein Whoop-Frame ist ein einteiliges Spritzgussteil aus Kunststoff mit integrierten Ducts und wiegt drei bis viereinhalb Gramm. Carbon kommt bei Whoops nur als Verstärkungsplatte oder bei Hybridkonstruktionen vor. Reines Carbon würde die Ducts spröde machen und genau die Nachgiebigkeit nehmen, die einen Whoop Crashs überstehen lässt.
Wie viel wiegt ein Tinywhoop-Frame?
Nach Herstellerangaben von BetaFPV wiegt der Meteor65 Air 2,67 Gramm, der Meteor65 Micro 3,14 Gramm, der Meteor65 Pro 3,22 Gramm und der Meteor75 Air 4,45 Gramm. Komplette Whoops liegen trocken bei rund 18 bis 20 Gramm in der 65er-Klasse und 20 bis 24 Gramm bei 75 Millimetern.
Warum sind zwei Gramm beim Tinywhoop so wichtig?
Weil sie einen erheblichen Anteil am Gesamtgewicht ausmachen. Bei einem Quad mit 20 Gramm Trockengewicht sind zwei Gramm rund zehn Prozent, bei einem 5-Zoll-Freestyle-Quad mit 600 Gramm sind dieselben zwei Gramm belanglos. Mehr Masse kostet in dieser Klasse spürbar Flugzeit und macht das Fluggefühl träge.
Passt jeder Flight Controller in jeden Whoop-Frame?
Nein, entscheidend ist das Lochbild. Bei Whoops sind 25,5 mal 25,5 Millimeter verbreitet, kleinere Aufbauten nutzen 26 mal 26 Millimeter im Whoop-Muster oder 20 mal 20 Millimeter. Vor dem Kauf gleicht man das Lochbild des AIO-Boards mit dem des Frames ab, denn ein Adapter kostet Bauhöhe, die im Whoop kaum vorhanden ist.
Wo bricht ein Tinywhoop-Frame zuerst?
Fast immer an den Ducts, meist an der Verbindung zwischen Duct-Ring und Mittelteil. Dort wirkt bei einem Aufprall der längste Hebel. Zweithäufigster Punkt sind die Motoraufnahmen, die bei wiederholten Crashs ausleiern und den Motor kippeln lassen. Ein Frame kostet wenige Euro und gilt als Verschleißteil.
Kann ich einen Tinywhoop-Frame in 3D drucken?
Möglich ist es, sinnvoll selten. Gedruckte Whoop-Frames aus TPU werden schwerer als das Spritzgussteil, weil sie mehr Materialstärke brauchen, um vergleichbar steif zu sein. Bei einem Bauteil, bei dem jedes Gramm zählt, ist das der falsche Kompromiss. Gedruckte Teile lohnen sich eher als Canopy, Kamerahalter oder Akkuhalter.
Was ist der Unterschied zwischen Brushed- und Brushless-Frames?
Die Motoraufnahme. Brushed-Frames haben zylindrische Aufnahmen, in die 0716- oder 0802-Motoren gesteckt werden; sie halten allein durch Klemmung. Brushless-Frames haben Schraubaufnahmen mit meist zwei Bohrungen für Motoren der Größen 0802 bis 1102. Beide Bauformen sind nicht austauschbar, der Motortyp legt den Frame fest.