Polarlichter mit der Drohne aufnehmen: Belichtung und Kälte

Polarlichter mit der Drohne: Die meisten DJI-Modelle belichten echt nur 2 s, Stativkameras nutzen 5 bis 25 s. Was mit Foto, Nachtmodus und bei −10 °C geht.

Kameradrohnen Veröffentlicht am 7 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Polarlichter mit der Drohne: Das gelingt am besten mit hellen, bewegten Polarlichtern, als Video im Nachtmodus oder als Foto, in dem die Landschaft darunter das Bild trägt.
  • Belichtung: Die meisten DJI-Drohnen belichten echt höchstens 2 s. Auf dem Stativ arbeiten Fotografen für aktives Polarlicht mit 5 bis 10 s.
  • Schwebeflug: Nachts sind die Sichtsensoren aus, die Mini 4 Pro hält ihre Position dann laut Handbuch nur auf ±0,5 m genau. Naher Vordergrund verwischt.
  • Kälte: DJI gibt die gängigen Modelle bis −10 °C frei, darunter lassen sich die Akkus der Mini 4 Pro laut Handbuch nicht verwenden.
  • Regeln: Nachtflug ist erlaubt, mit grünem Blinklicht und Sichtkontakt. Das gilt in Deutschland wie in Norwegen, Schweden und Finnland.
  • Höhe: Grünes Polarlicht leuchtet in 100 bis 120 km. Die Drohne gewinnt freie Sicht über Bäume und Häuser, sie kommt dem Licht nicht näher.

Was die Drohne beim Polarlicht leistet

Polarlichter entstehen weit oben in der Atmosphäre. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) beschreibt grünes Polarlicht in einem schmalen Bereich um 100 bis 120 km Höhe, rotes oberhalb von 200 km. Eine Drohne darf in der offenen Kategorie 120 m hoch fliegen, also rund ein Tausendstel davon. Das Polarlicht sieht aus der Luft genauso aus wie vom Boden.

Was sich ändert, ist alles unterhalb des Himmels. Aus 50 bis 120 m Höhe liegen Fjord, verschneiter Wald oder eine einzelne Hütte als Vordergrund im Bild, wie es vom Boden aus nicht möglich ist. Dazu kommt ein Vorteil in flachem Gelände. Polarlichter stehen in Mitteleuropa meist tief über dem Nordhorizont, und genau dort verdecken Bäume, Deiche und Häuser den Blick. Ein paar Dutzend Meter Höhe reichen, um darüber hinwegzusehen.

Die Grenzen setzt die Kamera. Kleine Sensoren, kurze Belichtungszeiten und ein Fluggerät, das nie ganz stillsteht, liefern weniger Bildqualität als eine Systemkamera auf dem Stativ. Der Ratgeber zu Drohnenregeln in Norwegen ordnet das für Nordlicht-Reisen kurz ein.

Belichtung: wo die Drohnenkamera an ihre Grenze kommt

Polarlicht ist lichtschwach. Hurtigruten empfiehlt für Kameras auf dem Stativ 5 bis 10 s bei hellem, aktivem Polarlicht, 12 bis 20 s bei langsamen Bögen und 20 bis 25 s bei schwachem Leuchten. Die meisten DJI-Drohnen belichten ein Foto dagegen höchstens 2 s lang. Einige Modelle bieten darüber hinaus Zeiten, die DJI im Datenblatt ausdrücklich als simulierte Langzeitbelichtung bezeichnet.

Drohnelängste echte Belichtungsimulierte LangzeitbelichtungSensor
DJI Neo 21/10 s–1/2 Zoll
DJI Mini 3, Mini 3 Pro2 s–1/1,3 Zoll
DJI Mini 4K4 s–1/2,3 Zoll
DJI Mini 4 Pro2 s2,5 bis 8 s (12 MP)1/1,3 Zoll
DJI Air 32 s2,5 bis 8 s (12 MP)1/1,3 Zoll
DJI Air 3S2 s2,5 bis 8 s (12 MP)1 Zoll
DJI Mini 5 Pro2 s2,5 bis 8 s1 Zoll
DJI Mavic 38 s–4/3 Zoll
DJI Mavic 4 Pro2 süber 2 bis 16 s (25 MP)4/3 Zoll

Werte für die Hauptkamera laut Hersteller-Datenblatt bzw. Handbuch.

Balkendiagramm der längsten Fotobelichtung von DJI-Drohnen auf einer Skala von 0 bis 25 Sekunden. Im Hintergrund drei grüne Bänder mit den Belichtungszeiten, die Hurtigruten für Kameras auf dem Stativ nennt: 5 bis 10 Sekunden für helles, aktives Polarlicht, 12 bis 20 Sekunden für langsame Bögen, 20 bis 25 Sekunden für schwaches Leuchten. Die Balken: DJI Neo 2 1/10 Sekunde, Mini 3 und Mini 3 Pro 2 Sekunden, Mini 4K 4 Sekunden, Mini 4 Pro und Air 3 2 Sekunden echt plus simuliert bis 8 Sekunden, Air 3S und Mini 5 Pro ebenso 2 plus bis 8 Sekunden, Mavic 3 8 Sekunden echt, Mavic 4 Pro 2 Sekunden echt plus simuliert bis 16 Sekunden bei 25 Megapixeln. Merksatz: Echte Belichtungen enden bei den meisten Modellen nach 2 Sekunden und damit vor dem Bereich, den Fotografen auf dem Stativ für aktives Polarlicht wählen.

Echte Belichtungen enden bei den meisten DJI-Drohnen nach 2 s und damit vor dem kürzesten Bereich, den Stativfotografen für Polarlicht nutzen.

Was die fehlende Zeit kostet, lässt sich ausrechnen. Eine Mini 4 Pro mit Blende f/1,7 lässt rund 2,7-mal so viel Licht auf den Sensor wie ein Objektiv mit f/2,8. Belichtet sie aber nur 2 s statt 10 s, fängt sie ein Fünftel der Zeit ein. Unterm Strich fehlt ihr knapp eine Blendenstufe gegenüber einer Kamera mit f/2,8 und 10 s auf dem Stativ. Diese Stufe muss über den ISO-Wert kommen, und der kleinere Sensor rauscht dabei früher. Bei hellem Polarlicht ist das machbar, bei schwachem Leuchten reicht es selten.

Warum der Schwebeflug den Vordergrund verwischt

Am Boden steht die Kamera still, in der Luft pendelt die Drohne um ihren Sollpunkt. Bei Tageslicht hält sie die Position über ihre Sichtsensoren sehr genau. Nachts fallen diese aus, das Handbuch der Mini 4 Pro sagt ausdrücklich, dass die Sichtsysteme bei Nacht nicht verfügbar sind. Die Drohne hält ihre Position dann über GNSS, laut Handbuch mit einer Genauigkeit von ±0,5 m.

Für das Polarlicht selbst spielt das keine Rolle, es ist über 100 km entfernt. Für den Vordergrund schon. Verschiebt sich eine Mini 4 Pro während der Belichtung um 0,5 m zur Seite, wandert ein Baum in 50 m Entfernung im 12-MP-Bild um rund 30 Pixel. Ein Bergrücken in 300 m Entfernung verschiebt sich nur um rund 5 Pixel.

Daraus folgen drei Regeln für scharfe Bilder:

Video im Nachtmodus

Bewegte Polarlichter sind ein Videomotiv. Die Bänder ziehen, flackern und falten sich in Sekunden, was ein einzelnes Foto nicht zeigt. Mehrere DJI-Drohnen haben dafür einen eigenen Nachtmodus. Bei der Mini 4 Pro reicht er laut Handbuch bis ISO 12.800 und unterstützt 4K und Full HD mit 24, 25 oder 30 Bildern pro Sekunde. Die Air 3 bietet im Nachtmodus ebenfalls ISO 100 bis 12.800.

Die längste Verschlusszeit im Video entspricht der Bildrate, bei 25 fps also 1/25 s. Gegenüber den 2 s eines Fotos ist das eine sehr kurze Zeit, und deshalb gelingt Video nur bei hellem, aktivem Polarlicht. Dafür zeigt es die Bewegung, die das Polarlicht so eindrucksvoll macht. Langsame Schwenks und ein ruhiger Steigflug passen dazu, weil sich bei 1/25 s jede schnelle Bewegung als Unschärfe zeigt.

Für Zeitraffer gibt es den umgekehrten Weg. Eine Reihe von Fotos mit 2 s Belichtung, im Abstand von wenigen Sekunden aufgenommen und später aneinandergesetzt, zeigt die Bewegung der Bögen mit mehr Licht je Bild als ein Video.

Kälte im Norden: die Grenze bei −10 °C

DJI gibt die Mini 4 Pro, die Air 3, die Air 3S und die Mavic 4 Pro für −10 bis 40 °C frei. Im Handbuch der Mini 4 Pro steht dazu, dass die Akkukapazität zwischen −10 und 5 °C deutlich sinkt und dass sich die Akkus unter −10 °C nicht verwenden lassen. Für die beste Leistung soll der Akku wärmer als 20 °C sein, geladen wird er nur zwischen 5 und 40 °C.

Im Landesinneren Lapplands und Nordschwedens sind Winternächte unter −20 °C keine Seltenheit. An der norwegischen Küste bleibt es oft milder. Für Polarlicht-Flüge bedeutet das:

Warum Akkus bei Kälte so abrupt einbrechen und wie der Warmflug abläuft, erklärt der Ratgeber Drohne im Winter fliegen.

Regeln für den Nachtflug unter dem Polarlicht

Polarlichter sind Nachtmotive, und für Nachtflüge verlangt die EU-Drohnenverordnung ein eingeschaltetes grünes Blinklicht an der Drohne. Dieselben Regeln gelten in Norwegen als EWR-Staat sowie in Schweden und Finnland als EU-Mitglieder. Die deutsche Registrierung und der Kompetenznachweis A1/A3 werden dort anerkannt.

LandZonen prüfenBesonderheit im Winter
Norwegenflydrone.no5 km Abstand zu Flugplätzen ohne Freigabe, dichtes Netz kleiner Flughäfen
Finnlanddroneinfo.fiviele kleine Flugplätze und militärische Übungsgebiete
Deutschlanddipul.deNationalparks und Naturschutzgebiete gesperrt, darunter beliebte dunkle Orte

Zwei Punkte werden in der Dunkelheit schwierig. Der Sichtkontakt muss bestehen bleiben. Das Blinklicht ist nachts weit zu sehen, verrät aber weder Ausrichtung noch Entfernung. Und die Hinderniserkennung fehlt, weil die Sichtsensoren nachts nicht arbeiten. Den Startplatz siehst du dir darum bei Tageslicht an, und du fliegst senkrecht hoch und senkrecht herunter. Mehr zu Licht, Gewicht und Sensorik steht im Ratgeber Drohne nachts fliegen.

Polarlichter in Deutschland

In Deutschland zeigen sich Polarlichter nur bei starken geomagnetischen Stürmen. Gemessen wird die Stärke mit dem Kp-Index, den das GeoForschungsZentrum (GFZ) in Potsdam berechnet. Er reicht von 0 bis 9. Im Mai 2024 erreichte er den Höchstwert 9, und Polarlichter waren in ganz Deutschland zu sehen. Im Norden genügen für Fotos oft schon Werte von 5 bis 6, im ganzen Land sichtbar werden sie meist erst bei 8 oder 9.

Gesucht wird tief am Nordhorizont, und genau dort hilft die Drohne. Ein paar Dutzend Meter Höhe heben die Kamera über Waldränder und Dächer. Die dunkelsten Orte liegen allerdings oft in Schutzgebieten, an der Küste etwa in den Nationalparks im Wattenmeer. In Nationalparks und Naturschutzgebieten ist der Freizeitflug nach § 21h LuftVO gesperrt. Ein Feldweg am Rand solcher Gebiete mit freiem Blick nach Norden ist der bessere Startplatz.

Fazit: hell, ruhig und nicht zu kalt

Die Drohne ist beim Polarlicht ein Werkzeug für bestimmte Nächte. Hell und bewegt muss das Licht sein, der Wind schwach und die Temperatur nicht unter −10 °C. Dann liefern Video im Nachtmodus und Fotos mit 2 s Belichtung Bilder, die vom Boden aus nicht möglich sind, mit Landschaft und Horizont aus der Höhe. Wer schwaches Leuchten mit vielen Sekunden Belichtung einfangen will, stellt daneben eine Kamera aufs Stativ. Beide Aufnahmen zusammen erzählen die Nacht vollständiger als jede für sich.

Häufige Fragen

Kann man Polarlichter mit einer Drohne fotografieren?

Ja, mit Einschränkungen. Die meisten DJI-Drohnen belichten ein Foto höchstens 2 s lang, für aktives Polarlicht arbeiten Fotografen auf dem Stativ mit 5 bis 10 s. Die Drohne braucht darum einen höheren ISO-Wert und liefert mehr Rauschen. Gut funktionieren helle, bewegte Polarlichter, Video im Nachtmodus und Bilder, in denen die Landschaft unter dem Himmel die Hauptrolle spielt.

Welche Drohne eignet sich am besten für Polarlichter?

Ein großer Sensor und lange Belichtungszeiten helfen am meisten. Die Mavic 4 Pro hat einen 4/3-Zoll-Sensor und erlaubt bei 25 MP bis 16 s, wobei DJI alles über 2 s als simulierte Langzeitbelichtung ausweist. Die Mavic 3 belichtet bis 8 s. Air 3S und Mini 5 Pro bringen einen 1-Zoll-Sensor mit, echte Belichtungen enden dort bei 2 s. Die Neo 2 kommt im Foto nur auf 1/10 s und scheidet aus.

Wie hoch sind Polarlichter?

Grünes Polarlicht leuchtet laut Deutschem Zentrum für Luft- und Raumfahrt in einem schmalen Bereich um 100 bis 120 km Höhe, rotes erst oberhalb von 200 km. Eine Drohne mit 120 m Flughöhe kommt dem Licht also kein Stück näher. Ihr Vorteil liegt im Blick auf die Landschaft darunter und darin, dass sie über Bäume und Häuser am Horizont hinwegsieht.

Funktioniert meine Drohne bei −20 °C in Lappland?

Laut Herstellerangabe nicht. DJI gibt die Mini 4 Pro, die Air 3, die Air 3S und die Mavic 4 Pro für −10 bis 40 °C frei, und laut Handbuch der Mini 4 Pro lassen sich die Akkus unter −10 °C nicht verwenden. Zwischen −10 und 5 °C sinkt die Kapazität deutlich. Wer im Landesinneren Lapplands fliegt, braucht warme Akkus, kurze Flüge und eine Nacht, die nicht kälter als −10 °C ist.

Darf ich in Norwegen nachts für Polarlichter fliegen?

Ja. Norwegen wendet als EWR-Staat die EU-Drohnenregeln an, Nachtflüge in der offenen Kategorie sind mit eingeschaltetem grünem Blinklicht erlaubt. Die Drohne muss in Sichtweite bleiben, zu Flugplätzen gilt ohne Freigabe ein Abstand von 5 km. Prüfen lässt sich jeder Startplatz in den Karten auf flydrone.no.

Welche Einstellungen nutze ich für Polarlicht-Fotos aus der Drohne?

RAW und manuelle Belichtung mit der längsten echten Verschlusszeit, bei vielen DJI-Modellen 2 s. Den ISO-Wert hebst du nur so weit, bis das Polarlicht im Histogramm sichtbar wird, bei hellem Licht genügen mittlere Werte. Der Weißabgleich bleibt fest, damit eine Serie einheitlich aussieht. Fotografiert wird im ruhigen Schwebeflug, Wind und nahe Bäume im Bild führen zu Unschärfe.

Sieht man Polarlichter auch in Deutschland?

Ja, bei starken geomagnetischen Stürmen. Im Mai 2024 erreichte der Kp-Index den Höchstwert 9, und Polarlichter waren in ganz Deutschland zu sehen. Im Norden reichen für Fotos oft schon Werte von 5 bis 6, im ganzen Land sichtbar werden sie meist erst bei 8 oder 9. Gesucht wird tief am Nordhorizont.

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