Blaue Stunde, Lichter in der Stadt, ein Fluss mit Reflexionen: Die besten Motive liegen nach Sonnenuntergang. Das deutsche Nachtflugverbot für Drohnen ist längst Geschichte, geblieben ist eine einzige Zusatzpflicht und eine Handvoll praktischer Punkte, an denen Nachtflüge tatsächlich scheitern. Dieser Artikel sortiert beides.
Das Wichtigste in Kürze
- Nachtflug ist in der offenen Kategorie erlaubt, ohne Sondergenehmigung und ohne zusätzlichen Führerschein.
- Pflicht ist ein grünes Blinklicht an der Drohne (UAS.OPEN.060 Nr. 2 Buchst. g, gilt seit 1. Juli 2022).
- Nacht beginnt mit dem Ende der bürgerlichen Dämmerung, rund 30 bis 40 Minuten nach Sonnenuntergang.
- Alle übrigen Regeln bleiben: 120 Meter, ständiger Sichtkontakt, Abstände der Unterkategorie, Zonen.
- Die Sensorik fällt aus: Hindernis- und Bodensensoren arbeiten im Dunkeln eingeschränkt oder gar nicht.
Nachtflug ist erlaubt, seit die EU-Regeln gelten
Bis Ende 2020 galt in Deutschland ein grundsätzliches Nachtflugverbot für unbemannte Fluggeräte, Ausnahmen brauchten eine Erlaubnis der Landesluftfahrtbehörde. Mit der EU-Drohnenverordnung ist diese Konstruktion entfallen. Die offene Kategorie kennt keine Tageszeitbeschränkung mehr, und damit ist der Nachtflug für jeden Freizeitpiloten zugänglich.
Der Gesetzgeber hat den Wegfall des Verbots mit einer einzigen technischen Anforderung verbunden. Sie steht im Anhang der Durchführungsverordnung (EU) 2019/947 unter UAS.OPEN.060 Nummer 2 Buchstabe g und verlangt vom Fernpiloten, bei Nachtbetrieb ein grünes Blinklicht eingeschaltet zu halten. Anwendbar ist die Regel seit dem 1. Juli 2022.
Der Zweck ist Erkennbarkeit in zwei Richtungen: Menschen am Boden sollen die Drohne sehen, und die bemannte Luftfahrt soll sie von einem Flugzeug unterscheiden können. Grün ist gewählt, weil diese Farbe in der Positionsbefeuerung bemannter Luftfahrzeuge nur an der rechten Tragfläche vorkommt und ein blinkendes grünes Einzellicht deshalb eindeutig bleibt.
Wann für die Drohne die Nacht beginnt
Die Frage klingt banal und entscheidet über die Pflicht. Maßgeblich ist die luftfahrtrechtliche Definition: Nacht ist die Zeit zwischen dem Ende der bürgerlichen Abenddämmerung und dem Beginn der bürgerlichen Morgendämmerung. Dieser Punkt ist erreicht, wenn die Mitte der Sonnenscheibe 6 Grad unter dem Horizont steht.

Zwischen Sonnenuntergang und rechtlicher Nacht liegen rund 30 bis 40 Minuten, in denen die Blinklicht-Pflicht noch nicht greift.
In Deutschland liegt dieser Zeitpunkt je nach Jahreszeit und Breitengrad rund 30 bis 40 Minuten nach Sonnenuntergang, im Hochsommer im Norden auch später. Wetter-Apps und Fotografie-Werkzeuge zeigen die bürgerliche Dämmerung meist als eigene Zeile an, oft unter dem Begriff „blaue Stunde”.
Praktisch bedeutet das: Der klassische Sonnenuntergangsflug fällt noch in den Tag. Wer danach weiterfliegt, um die Lichter der Stadt mitzunehmen, rutscht in die Nacht hinein, meist ohne es zu merken. Ein Blinklicht von Anfang an löst dieses Problem, ohne dass jemand auf die Uhr sehen muss.
Das Blinklicht: was es können muss
Die Verordnung nennt Farbe und Blinken, verzichtet für die offene Kategorie aber auf technische Detailwerte wie Lichtstärke oder Frequenz. Aus der Praxis haben sich folgende Anhaltspunkte etabliert:
| Merkmal | Bewährte Auslegung |
|---|---|
| Farbe | grün, klar erkennbar, ohne Mischfarben |
| Frequenz | 1–2 Blitze pro Sekunde |
| Sichtbarkeit | aus allen Richtungen, also oben montiert oder rundum abstrahlend |
| Laufzeit | mindestens die Dauer aller Akkus eines Abends |
| Gewicht | so gering wie möglich, siehe 250-Gramm-Grenze |
Klassifizierte Drohnen, die für den Betrieb bei Nacht ausgelegt sind, bringen das Licht ab Werk mit und schalten es über die App zu. Ältere Modelle ohne Klassenkennzeichen brauchen ein Aufsteck- oder Klebelicht. Solche Module kosten wenig, wiegen zwischen 5 und 15 Gramm und laufen mit einer eigenen Knopfzelle oder einem kleinen Akku.
Zwei Montagehinweise sparen Ärger: Das Licht gehört auf die Oberseite, damit es von oben und aus der Ferne sichtbar bleibt und die Kamera nicht anleuchtet. Und es darf keine Sensoren verdecken, weder die Bodensensoren an der Unterseite noch die Antennen in den Auslegern.
Die 250-Gramm-Falle beim Nachrüsten
Der wichtigste Praxispunkt betrifft Mini-Drohnen. Viele Modelle kommen mit 246 bis 249 Gramm auf die Waage, bewusst knapp unter der Grenze. Ein Blinklicht mit 8 Gramm hebt die Startmasse über 250 Gramm, und damit ändert sich die Rechtslage komplett: Der Kompetenznachweis wird Pflicht, die Abstandsregeln zu unbeteiligten Personen verschärfen sich, und je nach Klasse ändert sich die Unterkategorie.
Was die Grenze im Einzelnen bewirkt, steht im Ratgeber Drohne unter 250 g: wo du fliegen darfst. Für den Nachtflug heißt es konkret: Wiege die fertig ausgerüstete Drohne mit Akku, Propellern und Licht auf einer Küchenwaage. Der Wert auf dem Datenblatt hilft dir bei einer Kontrolle nicht weiter.
Wer diese Grenze halten will, findet Lichter mit 3 bis 5 Gramm oder weicht auf Modelle aus, die das grüne Blinklicht bereits integriert haben.
Was bei Nacht unverändert gilt
Der Nachtflug lockert nichts. Alle Betriebsregeln gelten weiter, und zwei davon werden im Dunkeln schwieriger.
- Ständiger Sichtkontakt. Die Drohne muss ohne Hilfsmittel sichtbar bleiben. Nachts siehst du das Blinklicht deutlich weiter als die Drohne selbst, verlierst aber die Orientierung: Ein blinkender Punkt verrät weder Ausrichtung noch Entfernung.
- 120 Meter Höhe. Die Grenze bleibt, und sie wird nachts schwerer einzuschätzen. Details stehen im Ratgeber Wie hoch darf eine Drohne fliegen?.
- Abstände zu Personen nach deiner Unterkategorie A1, A2 oder A3.
- Geografische Gebiete. Zonen gelten rund um die Uhr, kurzfristige Beschränkungen ebenso.
- Registrierung, Kennzeichnung und Versicherung wie am Tag.
Ein Punkt kommt nachts hinzu: Die Ausnahme, mit der ein Flug über Wohngrundstücken in mindestens 100 Metern Höhe zulässig sein kann, verlangt ausdrücklich den Betrieb außerhalb der Nachtzeit. Nachts entfällt sie damit ersatzlos.
Die Sensorik macht Feierabend
Der technisch wichtigste Unterschied steht in keiner Vorschrift. Kameradrohnen erkennen Hindernisse über den Vergleich von Bildern aus mehreren Objektiven, und dieses Verfahren braucht Licht und Kontrast. Bei Dunkelheit melden die Systeme eingeschränkte Funktion oder schalten sich ab.
Betroffen sind drei Funktionen:
| Funktion | Verhalten bei Nacht | Konsequenz |
|---|---|---|
| Hinderniserkennung | abgeschaltet oder stark eingeschränkt | Bäume, Masten, Leitungen selbst im Blick behalten |
| Bodensensoren | erkennen keinen Untergrund | Landung wird ungenau, Höhenhaltung driftet |
| Objektverfolgung | findet kein Ziel | Automatikmodi meiden |
Daraus folgen drei Gewohnheiten, die jeden Nachtflug entspannen: Den Startplatz bei Tageslicht ansehen, damit du Hindernisse kennst, bevor sie unsichtbar werden. Den Landeplatz ausleuchten, eine Stirnlampe oder ein beleuchtetes Landepad genügt. Und senkrecht steigen und sinken, statt schräge Anflüge zu fliegen.
Dazu kommt der Akku: Nachts ist es kälter, und Kälte kostet Kapazität. Wie stark, zeigt der Ratgeber Drohne im Winter fliegen.
Naturschutz: der unterschätzte Punkt
Nachts sind andere Tiere unterwegs als am Tag. Fledermäuse jagen im freien Luftraum, Eulen und Wildtiere reagieren empfindlich auf Lärm und Licht. In Naturschutzgebieten, Nationalparks und Vogelschutzgebieten gelten ohnehin eigene Regeln, und viele Landesnaturschutzgesetze verbieten das Stören wildlebender Tiere ausdrücklich.
Für die Praxis heißt das: Waldränder, Gewässer und Wiesen sind nachts die schlechteren Startplätze. Stadtnahe Flächen mit Grundbeleuchtung sind besser, dort gibt es weniger nachtaktive Fauna und mehr optische Referenzpunkte. Welche Gebiete betroffen sind, klärt der Ratgeber Drohne im Naturschutzgebiet.
Nachtaufnahmen: was die Kamera braucht
Rechtlich ist der Flug erledigt, fotografisch beginnt die Arbeit. Kleine Sensoren rauschen bei wenig Licht schnell, und der einzige verlässliche Weg zu sauberen Bildern ist eine ruhige Drohne.
- Manueller Modus statt Automatik. Die Belichtungsautomatik pumpt bei wechselnden Lichtquellen sichtbar.
- ISO niedrig halten, lieber die Verschlusszeit verlängern. Im Schwebeflug sind bei ruhiger Luft 1/10 bis 1/4 Sekunde für Einzelbilder machbar.
- Video braucht Kompromisse: Verschlusszeit doppelt zur Bildrate, dafür höherer ISO-Wert. ND-Filter bleiben nachts im Koffer, der Ratgeber ND-Filter für Drohnen erklärt, warum.
- In RAW fotografieren, weil sich Rauschen und Weißabgleich nachträglich deutlich besser korrigieren lassen. Der Ratgeber Drohnenvideos bearbeiten zeigt den Weg für Bewegtbild.
- Blaue Stunde nutzen. Zwischen Sonnenuntergang und echter Nacht liegt der Zeitraum mit dem besten Verhältnis aus Restlicht am Himmel und eingeschalteten Lichtern am Boden.
Fünf Fehler, die Nachtflüge kosten
- Ohne Blinklicht starten, weil die eingebauten LEDs so hell wirken. Sie erfüllen die Anforderung meist nicht.
- Das Zusatzgewicht ignorieren und damit eine 249-Gramm-Drohne in die nächste Gewichtsklasse heben.
- Auf die Hinderniserkennung vertrauen. Sie ist im Dunkeln abgeschaltet, die Warnung dazu überliest man leicht.
- Die Orientierung verlieren. Nach einer 180-Grad-Drehung ist am blinkenden Punkt nicht mehr ablesbar, wohin die Nase zeigt. Hilfe bringt der Blick auf die Kartenansicht in der App.
- Zu spät landen. Kälte und Wind nehmen nach Sonnenuntergang zu, die Restkapazität sinkt schneller als die Anzeige vermuten lässt.
Fazit: erlaubt, mit einem Licht und mehr Vorbereitung
Der Nachtflug gehört zu den entspanntesten Regeln der EU-Drohnenverordnung: kein Antrag, keine Genehmigung, keine zusätzliche Prüfung. Ein grünes Blinklicht auf der Oberseite genügt, und die Pflicht beginnt erst, wenn die bürgerliche Dämmerung endet. Der eigentliche Aufwand liegt in der Vorbereitung, weil die Assistenzsysteme ausfallen und die Orientierung schwieriger wird. Wer den Startplatz bei Tageslicht ansieht, den Landeplatz ausleuchtet und die Drohne mit montiertem Licht nachwiegt, hat den Abend im Griff und bekommt die Motive, die tagsüber niemand fotografieren kann.
Häufige Fragen
Darf man eine Drohne nachts fliegen?
Ja. In der offenen Kategorie ist der Nachtflug ohne Sondergenehmigung erlaubt, seit die EU-Drohnenverordnung das alte deutsche Nachtflugverbot abgelöst hat. Die einzige zusätzliche Pflicht ist ein grünes Blinklicht an der Drohne. Alle anderen Regeln gelten unverändert weiter: 120 Meter Höhe, ständiger Sichtkontakt, die Abstände deiner Unterkategorie und die geografischen Gebiete.
Ab wann gilt der Flug rechtlich als Nachtflug?
Nacht ist die Zeit zwischen dem Ende der bürgerlichen Abenddämmerung und dem Beginn der bürgerlichen Morgendämmerung. Diese Grenze ist erreicht, wenn die Sonnenmitte 6 Grad unter dem Horizont steht, in Deutschland je nach Jahreszeit und Breitengrad rund 30 bis 40 Minuten nach Sonnenuntergang. Der Sonnenuntergang selbst löst die Blinklicht-Pflicht also noch nicht aus.
Welches Licht braucht eine Drohne bei Nacht?
Ein grünes Blinklicht, das die Drohne für Beobachter am Boden und in der Luft erkennbar macht und sie von einem bemannten Luftfahrzeug unterscheidbar hält. Die Pflicht steht in UAS.OPEN.060 Nummer 2 Buchstabe g der EU-Durchführungsverordnung 2019/947 und gilt seit dem 1. Juli 2022. Eine konkrete Blinkfrequenz schreibt die Vorschrift für die offene Kategorie nicht vor, üblich sind ein bis zwei Blitze pro Sekunde.
Reichen die eingebauten LEDs meiner Drohne für den Nachtflug?
Meist nicht. Die werkseitigen Positions- und Statuslichter sind auf kurze Distanz ausgelegt und blinken oft rot oder gelb. Gefordert ist ein grünes Blinklicht mit ausreichender Wirkung. Klassifizierte Drohnen, die für den Nachtbetrieb ausgelegt sind, bringen es mit; ältere Modelle ohne Klassenkennzeichen brauchen ein aufgesetztes Licht, das per Klettband, Magnet oder Klebepad an der Oberseite sitzt.
Kann ein Zusatzlicht meine 249-Gramm-Drohne über die Gewichtsgrenze bringen?
Ja, und das ist die häufigste Falle beim Nachrüsten. Viele Mini-Drohnen liegen mit 246 bis 249 Gramm knapp unter der Grenze, ein LED-Modul mit Akku wiegt 5 bis 15 Gramm. Damit überschreitest du die 250-Gramm-Marke und verlierst alle Erleichterungen dieser Klasse, vom Führerschein bis zu den Abständen. Vor dem Kauf lohnt der Blick auf das Gewicht des Lichts und danach ein Nachwiegen auf einer Küchenwaage.
Funktionieren die Hindernissensoren bei Dunkelheit?
Die optischen Sensoren der meisten Kameradrohnen arbeiten mit Bildvergleich und brauchen dafür Kontrast und Licht. Bei Dunkelheit schalten sie sich ab oder melden eine eingeschränkte Funktion, ebenso die Bodensensoren für die Höhenhaltung beim Landen. Rechne bei Nacht mit dem Fluggerät ohne Assistenz: Landeplatz vorher ausleuchten, Hindernisse aus der Hellphase im Kopf haben und Automatikmodi mit Objektverfolgung meiden.
Darf ich nachts über Wohngebiete fliegen?
Der Überflug fremder Wohngrundstücke ist ohnehin gesperrt, sobald die Drohne über 250 Gramm wiegt oder aufzeichnen kann. Die Ausnahme für Flüge in mindestens 100 Metern Höhe verlangt ausdrücklich den Betrieb außerhalb der Nachtzeit und fällt damit nachts weg. Über öffentlichem Grund im Wohngebiet bleibt der Flug möglich, praktisch stört er aber die Nachtruhe und provoziert Beschwerden.
Brauche ich für den Nachtflug einen anderen Drohnenführerschein?
Nein, es gibt keinen gesonderten Nachtflug-Nachweis. Es gilt der Kompetenznachweis, den deine Drohne und deine Unterkategorie ohnehin verlangen, also der kleine Drohnenführerschein A1/A3 oder das Fernpilotenzeugnis A2. Die Prüfungsinhalte behandeln Nachtflug als Teil der allgemeinen Betriebsregeln.