Wie hoch darf eine Drohne fliegen? 120 Meter und Ausnahmen

Wie hoch darf eine Drohne fliegen? 120 Meter über Grund, gemessen ab dem nächsten Punkt der Erdoberfläche. Alle Ausnahmen, das technische Limit und die Bußgelder.

Recht & Wissen Veröffentlicht am 7 Min. Lesezeit

Die Zahl kennt jeder Pilot: 120 Meter. Interessant wird es bei den Details, denn gemessen wird nicht ab dem Startplatz, und es gibt Situationen, in denen mehr erlaubt ist. Dieser Artikel klärt die rechtliche Grenze, die Ausnahmen und die Frage, wie hoch eine Drohne technisch überhaupt käme.

Das Wichtigste in Kürze

  • 120 Meter über Grund sind das Maximum in der offenen Kategorie, für jede Gewichtsklasse gleich, auch unter 250 Gramm.
  • Gemessen ab dem Boden senkrecht unter der Drohne. Die App rechnet dagegen ab dem Startpunkt, weshalb die Anzeige am Hang und über Tälern von der Rechtslage abweicht.
  • Ausnahme Hindernis: bis 15 Meter über ein künstliches Hindernis, das höher als 105 Meter ist, innerhalb von 50 Metern Abstand und auf Antrag der verantwortlichen Stelle.
  • Technisch möglich sind 4.000 bis 6.000 Meter über dem Meeresspiegel laut Datenblatt gängiger Modelle. Die Rechtsgrenze liegt weit darunter.
  • Der Sichtkontakt zieht meist früher als die Höhe: Ab rund 300 Metern Entfernung wird eine Mini-Drohne am Himmel unsichtbar.

Die 120-Meter-Grenze: was genau gemessen wird

Die Regel steht in der Durchführungsverordnung (EU) 2019/947 und gilt damit in der gesamten EU einheitlich. Der Wortlaut ist entscheidend: Die Drohne darf sich höchstens 120 Meter vom nächstgelegenen Punkt der Erdoberfläche entfernen. Das ist der Boden senkrecht unter dem Fluggerät, in jedem Moment neu.

Die App auf der Fernsteuerung rechnet anders. Sie zeigt die Höhe relativ zum Startpunkt, weil sie den Luftdruck beim Start als Nullpunkt speichert. Solange das Gelände flach ist, stimmen beide Werte überein. Im Gelände driften sie auseinander:

SituationApp zeigtTatsächliche Höhe über GrundFolge
Flach, Start auf der Wiese120 m120 mpasst
Start auf einem Berg, Flug über das Tal120 mdeutlich mehrVerstoß, obwohl die App grün ist
Start im Tal, Flug den Hang hinauf120 mdeutlich wenigerLuft nach oben, die niemand nutzt
Start auf einem Hochhausdach120 m120 m plus GebäudehöheVerstoß ab dem Verlassen des Dachs

Der Fall mit dem Hochhausdach ist der teuerste, weil er sich gut anfühlt: Man startet legal, bleibt laut Anzeige unter dem Limit und ist trotzdem 150 Meter über der Straße. Wer von erhöhten Positionen startet, rechnet die Gebäudehöhe vom eigenen Limit ab.

Höhenband zur maximalen Flughöhe von Drohnen: bis 120 Meter über Grund liegt der erlaubte Korridor der offenen Kategorie, bei 120 Metern endet er hart, bei 150 Metern beginnt die Mindestflughöhe der bemannten Luftfahrt. Rechts die drei Wege legal höher zu fliegen: ein Hindernis über 105 Meter erlaubt bis zu 15 Meter über die Spitze innerhalb von 50 Metern Abstand, ein Modellfluggelände mit Aufstiegserlaubnis der Landesbehörde und die spezielle Kategorie mit Betriebsgenehmigung nach Risikoanalyse.

Zwischen der Drohnengrenze bei 120 Metern und der bemannten Luftfahrt ab 150 Metern liegen nur 30 Meter Puffer.

Warum die Grenze bei 120 Metern liegt

Die Zahl ergibt sich aus dem Luftraum darüber. Bemannte Luftfahrzeuge müssen über unbesiedeltem Gebiet eine Sicherheitsmindesthöhe von 150 Metern einhalten, in der Luftfahrt gerechnet als 500 Fuß. Über Städten und Menschenansammlungen liegt diese Mindesthöhe höher, meist bei 300 Metern.

Zwischen 120 und 150 Metern bleibt damit ein Puffer von 30 Metern. Er ist bewusst schmal, weil sich in dieser Rechnung zwei Toleranzen begegnen: die barometrische Höhenmessung der Drohne und die Höhenanzeige im Cockpit.

Der Puffer hat allerdings Ausnahmen, und die fliegen genau dort, wo Drohnen fliegen. Rettungshubschrauber, Polizeihubschrauber, Agrarflieger und Vermessungsflüge dürfen deutlich tiefer operieren. Wer den Rotor hört, bringt die Drohne sofort herunter, unabhängig von der eigenen Höhe. Das sofortige Sinken ist dabei die einzige Reaktion, die schnell genug wirkt.

Die Hindernis-Ausnahme: 15 Meter über die Spitze

Es gibt genau eine Ausnahme, die ohne Behördengenehmigung auskommt, und sie ist eng gefasst. Wenn ein künstliches Hindernis höher als 105 Meter ist, darf die zulässige Höhe um bis zu 15 Meter über dessen Höhe angehoben werden. Zwei Bedingungen kommen dazu: Die Drohne bleibt innerhalb von 50 Metern horizontalem Abstand zum Hindernis, und die für das Hindernis verantwortliche Stelle hat dies beantragt.

Der letzte Punkt wird gern überlesen. Die Ausnahme ist für die Inspektion gedacht: Ein Betreiber lässt seinen Sendemast, sein Windrad oder seinen Schornstein befliegen. Sie ist kein Freibrief für den Freizeitpiloten, der zufällig neben einem Funkturm steht. Praktisch bedeutet das:

Wo mehr als 120 Meter erlaubt sind

Zwei weitere Wege führen legal höher, beide brauchen Vorlauf.

Modellfluggelände. Ausgewiesene Modellfluggelände haben eine eigene Aufstiegserlaubnis der zuständigen Landesbehörde. In dieser Erlaubnis stehen die Bedingungen des Platzes, häufig auch eine höhere Obergrenze als 120 Meter. Sie gilt nur dort, nur für die dort zugelassenen Betriebsarten und meist nur für Mitglieder oder Gäste des betreibenden Vereins.

Spezielle Kategorie. Wer einen Einsatz jenseits der offenen Kategorie plant, etwa die Prüfung einer Windkraftanlage, beantragt eine Betriebsgenehmigung. Grundlage ist eine Risikoanalyse, üblich ist das Standardszenario oder eine SORA-Bewertung. Der Aufwand ist erheblich, dafür sind Höhe, Sichtverbindung und Abstände verhandelbar. Was gewerbliche Einsätze sonst noch verlangen, steht im Ratgeber Drohne gewerblich nutzen.

Wie hoch kann eine Drohne technisch fliegen?

Die rechtliche Grenze und die physikalische liegen weit auseinander. Drei Faktoren begrenzen die Höhe technisch.

Die Luftdichte. Propeller erzeugen Auftrieb, indem sie Luft nach unten beschleunigen. Mit zunehmender Höhe wird die Luft dünner, die Rotoren müssen schneller drehen, die Stromaufnahme steigt und die Flugzeit bricht ein. Auf 3.000 Metern über dem Meer liegt die Luftdichte bei rund drei Vierteln des Werts auf Meereshöhe. Genau deshalb nennen Hersteller eine maximale Betriebshöhe über dem Meeresspiegel, bei gängigen Kameradrohnen laut Datenblatt meist zwischen 4.000 und 6.000 Metern. Einige Modelle bieten dafür spezielle Hochland-Propeller an.

Die Funkstrecke. Sie ist in der Vertikalen erstaunlich gutmütig, weil keine Hindernisse im Weg stehen. Trotzdem endet irgendwann die Verbindung, und dann startet die Drohne ihren automatischen Rückflug. Was die Reichweite in der Praxis begrenzt, steht im Ratgeber Reichweite von Drohnen.

Das Softwarelimit. In Europa verkaufte Modelle haben die 120-Meter-Grenze als Voreinstellung hinterlegt. Sie lässt sich in den Sicherheitseinstellungen verändern, in vielen Firmware-Versionen aber nicht über den gesetzlichen Wert hinaus.

Die Kombination ergibt eine klare Antwort: Technisch käme eine Consumer-Drohne mehrere Kilometer hoch, praktisch scheitert sie an Akku und Funk, rechtlich ist bei 120 Metern Schluss.

Was die Höhe fürs Bild wirklich bringt

Höher ist selten besser. Ab etwa 60 bis 80 Metern verliert eine Landschaft ihre Tiefenwirkung, weil sich Vorder- und Hintergrund angleichen und Schatten flach werden. Die typischen Postkartenmotive entstehen deutlich tiefer.

HöheBildwirkungTypischer Einsatz
5–20 mstarke Tiefe, Objekte wirken großDetailaufnahmen, Reveal-Shots
20–50 mausgewogene PerspektiveImmobilien, Gebäude, Porträtszenen
50–80 mÜberblick mit noch erkennbarer StrukturLandschaft, Küste, Wald
80–120 mKarten-Perspektive, flache WirkungÜbersicht, Top-Down-Aufnahmen

Wer Höhe braucht, braucht sie meist für Top-Down-Bilder oder um ein großes Objekt vollständig ins Bild zu bekommen. Für alles andere lohnt der Weg nach unten. Wie sich Höhen bei einem konkreten Anwendungsfall verteilen, zeigt der Ratgeber Drohnenaufnahmen für Immobilien.

Der Sichtkontakt zieht früher als die Höhe

In der offenen Kategorie gilt Sichtflugbetrieb: Die Drohne muss ständig ohne Hilfsmittel sichtbar bleiben, damit du Hindernisse und anderen Luftverkehr erkennen kannst. Diese Regel wirkt in der Vertikalen härter als die 120 Meter.

Eine Drohne mit rund 25 Zentimetern Diagonale ist bei klarer Sicht noch auf 150 bis 250 Metern als Punkt erkennbar, danach verschwindet sie gegen den hellen Himmel. Bei bedecktem Wetter geht es schneller. Praktisch heißt das: Senkrecht über dir sind 120 Meter meist noch haltbar, schräg über einem Feld in 300 Metern Entfernung nicht mehr. Die Höhe allein ist also nie die einzige Grenze.

Was ein Verstoß kostet

Das Überschreiten der Höhengrenze ist eine Ordnungswidrigkeit, die die Landesluftfahrtbehörden verfolgen. Der Bußgeldrahmen des Luftverkehrsgesetzes reicht bis 50.000 Euro, der praktische Rahmen für einen einzelnen Verstoß ohne Gefährdung liegt im dreistelligen Bereich und richtet sich nach dem Bußgeldkatalog des jeweiligen Landes.

Ernst wird es in zwei Konstellationen. Kommt es zu einer Gefährdung des Luftverkehrs, etwa weil ein Hubschrauber ausweichen muss, steht ein Straftatbestand im Raum. Und im Schadensfall prüft der Versicherer, ob die Betriebsvorschriften eingehalten wurden. Ein Flug in 250 Metern Höhe ist eine bequeme Begründung, um die Leistung zu kürzen. Was der Vertrag dazu sagt, steht im Ratgeber Drohnen-Haftpflichtversicherung.

Das Höhenlimit sinnvoll einstellen

Die Steuer-Apps bieten ein einstellbares Maximum, das den Steig-Stick hart begrenzt. Drei Einstellungen haben sich bewährt:

Fazit: eine Zahl, drei Fallen

120 Meter sind schnell gemerkt, die Fehler stecken in der Messung. Gerechnet wird ab dem Boden senkrecht unter der Drohne, und genau daran scheitern Flüge vom Berg ins Tal und vom Hochhausdach in die Straßenschlucht. Die Hindernis-Ausnahme hilft nur dem, der im Auftrag des Betreibers fliegt. Und in der Praxis endet der legale Flug meist ohnehin früher, weil der Sichtkontakt schneller reißt als die Höhe erreicht ist. Wer das Limit in der App auf 115 Meter setzt, die Rückkehrhöhe prüft und beim Start auf erhöhten Positionen mitrechnet, hat das Thema dauerhaft erledigt.

Häufige Fragen

Wie hoch darf eine Drohne in Deutschland fliegen?

In der offenen Kategorie gilt eine maximale Höhe von 120 Metern über Grund. Diese Grenze stammt aus der EU-Drohnenverordnung und gilt damit in allen EU-Staaten gleich, unabhängig von Gewicht, Klasse oder Führerschein. Auch eine 249-Gramm-Drohne darf nicht höher. Gemessen wird ab dem nächstgelegenen Punkt der Erdoberfläche, also ab dem Boden direkt unter der Drohne.

Wie wird die Flughöhe gemessen, ab Startpunkt oder ab Boden?

Ab dem nächstgelegenen Punkt der Erdoberfläche unter dem Fluggerät. Das ist ein wichtiger Unterschied zur Anzeige in der App, die die Höhe über dem Startpunkt zeigt. Fliegst du von einem Hügel in ein Tal, wächst dein Abstand zum Boden, obwohl die App weniger anzeigt. Umgekehrt am Hang: Steigt das Gelände unter dir an, verringert sich der Abstand zum Boden und du kannst legal höher steigen, als die App vermuten lässt.

Darf ich höher als 120 Meter fliegen, wenn ein Turm in der Nähe steht?

Nur unter drei Bedingungen gleichzeitig: Das künstliche Hindernis ist höher als 105 Meter, du bleibst innerhalb von 50 Metern horizontalem Abstand dazu, und die für das Hindernis verantwortliche Stelle hat den Flug beantragt beziehungsweise erlaubt. Dann darfst du bis zu 15 Meter über die Spitze des Hindernisses steigen. Ohne diesen Auftrag bleibt es bei 120 Metern, auch wenn der Turm daneben doppelt so hoch ist.

Wie hoch kann eine Drohne technisch fliegen?

Deutlich höher als erlaubt. Die Datenblätter gängiger Kameradrohnen nennen als maximale Betriebshöhe meist 4.000 bis 6.000 Meter über dem Meeresspiegel, das ist die Grenze, ab der die dünne Luft nicht mehr genug Auftrieb liefert. Über Grund begrenzt zusätzlich die Funkstrecke: Ohne Sichtverbindung zur Fernsteuerung bricht die Verbindung ab und die Drohne startet ihren Rückflug. Die praktische Grenze setzt also die Technik, die rechtliche Grenze liegt weit darunter.

Warum sind es ausgerechnet 120 Meter?

Die Zahl ergibt sich aus dem Abstand zur bemannten Luftfahrt. Deren Sicherheitsmindesthöhe liegt über unbesiedeltem Gebiet bei 150 Metern, also 500 Fuß. Zwischen 120 und 150 Metern bleibt damit ein Puffer von 30 Metern, in dem sich beide Welten nicht begegnen sollen. Hubschrauber im Rettungs- oder Polizeieinsatz und Agrarflieger dürfen allerdings tiefer fliegen, weshalb der Sichtkontakt zum eigenen Luftraum wichtiger bleibt als das Vertrauen auf die Zahl.

Gilt die 120-Meter-Grenze auch für Drohnen unter 250 Gramm?

Ja, ohne Abstriche. Die Gewichtsklasse lockert die Regeln zu Abständen, zum Überflug von Personen und zum Führerschein, an der Höhe ändert sie nichts. Viele Modelle unter 250 Gramm haben die Grenze ab Werk als Softwarelimit hinterlegt und lassen sich in Europa nicht ohne Weiteres höher stellen.

Was kostet ein Verstoß gegen die Höhenbegrenzung?

Das Überschreiten der zulässigen Höhe ist eine Ordnungswidrigkeit, die von den Landesluftfahrtbehörden verfolgt wird. Der gesetzliche Rahmen reicht bis 50.000 Euro, in der Praxis bewegen sich Bußgelder für einen einzelnen Verstoß ohne Gefährdung im dreistelligen Bereich. Teuer wird es, wenn eine Gefährdung des Luftverkehrs hinzukommt: Dann steht § 315 StGB im Raum, und das ist eine Straftat.

Wie stelle ich das Höhenlimit in der App ein?

In den Sicherheitseinstellungen der Steuer-App gibt es ein maximales Höhenlimit, das sich meist zwischen 20 und 500 Metern einstellen lässt. In Europa ist es ab Werk auf 120 Meter begrenzt. Sinnvoll ist ein Wert leicht darunter, etwa 115 Meter, weil die Drohne beim Steigen kurz überschwingt und barometrische Höhenmessung ein paar Meter Toleranz mitbringt.

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