Die Wetter-App auf dem Handy sagt 12 km/h, und oben steht die Drohne trotzdem schräg im Wind. Der Grund steckt in einer Fußnote, die keine App anzeigt: Der Standardwert gilt für zehn Meter über Grund, und geflogen wird bis 120. Dieser Artikel zeigt, welche Dienste die richtigen Zahlen liefern, was sie kosten und welche Werte auf dem Display wirklich zählen.
Das Wichtigste in Kürze
- Standard-Wetter-Apps messen in 10 m und geben den Mittelwind über zehn Minuten aus. Beides passt nicht zum Drohnenflug.
- Windy ist kostenlos, bietet 16 Höhenstufen und vergleicht die Modelle ECMWF, ICON und GFS. Premium ca. 29 €/Jahr.
- UAV Forecast bündelt Wind, Böen, GPS-Satelliten und Kp-Index mit Ampel-Logik, kostenlos aber stark eingeschränkt; Abos ab 10,49 €/Jahr.
- Die entscheidende Zahl ist die Böe in Flughöhe.
- ICON-D2 rechnet für Mitteleuropa am feinsten und ist deshalb für kleinräumiges Gelände die bessere Wahl.
Warum die normale Wetter-App danebenliegt
Wetterdienste geben Wind nach einer festen Konvention aus: als Mittelwind über zehn Minuten in zehn Metern Höhe. Diese Definition stammt aus der Meteorologie und ist für ihren Zweck sinnvoll. Für einen Drohnenflug bringt sie zwei systematische Fehler mit.
Der erste ist die Höhe. Die Luftschichten über dem Boden bremsen sich gegenseitig aus, je näher an der Oberfläche, desto stärker. Zwischen zehn und hundert Metern liegt regelmäßig eine ganze Beaufort-Stufe, an der Küste und über offenem Gelände auch mehr.
Der zweite ist die Mittelung. Ein Mittelwind von 6 m/s bedeutet, dass es zwischendurch deutlich stärker weht. Böen erreichen verbreitet das Anderthalbfache des Mittelwerts, und aushalten muss die Drohne die Böe. Was daraus für die Praxis folgt, steht im Artikel Drohne bei Wind fliegen.
Die Dienste im Überblick
| Dienst | Kosten | Stärke | Für |
|---|---|---|---|
| Windy | kostenlos, Premium ca. 29 €/Jahr | 16 Höhenstufen, Modellvergleich | Planung |
| UAV Forecast | Abo ab 10,49 €/Jahr | Wind, Böen, Kp, Satelliten, Ampel | Flugtag |
| Drone Forecast | Abo ab 29,99 €/Jahr | Böen und Richtung, deutschsprachig | Flugtag |
| Steuer-App der Drohne | im Lieferumfang | Rückmeldung aus dem Flug | Warnung im Flug |
Windy: der Kartendienst für die Planung
Windy ist in der Grundfassung kostenlos und werbefrei, und die Wettermodelle stehen dort ohne Aufpreis zur Verfügung. Der Dienst bietet 16 Höhenstufen von der Oberfläche bis 13,5 Kilometer an, womit sich der Wind genau für die Flughöhe ablesen lässt statt nur am Boden.
Der zweite Vorteil ist der Modellvergleich. Windy stellt ECMWF, ICON und GFS nebeneinander. Für Deutschland ist ICON des Deutschen Wetterdienstes die feinere Rechnung, weil es mit deutlich kleineren Gitterzellen arbeitet und Täler, Waldkanten und Küstenlinien besser auflöst als globale Modelle.
Aus diesem Vergleich ergibt sich eine praktische Regel: Zeigen zwei Modelle für denselben Zeitpunkt sehr verschiedene Werte, ist die Wetterlage unsicher. Das allein ist ein Grund, einen Ersatztermin einzuplanen.
Premium kostet rund 29 Euro im Jahr und bringt Vorhersageschritte im Ein-Stunden-Raster, häufigere Aktualisierungen und einen längeren Radar-Rückblick. Für die Drohnenplanung genügt in den meisten Fällen die kostenlose Fassung, weil der Drei-Stunden-Schritt für eine Tagesplanung ausreicht.
UAV Forecast: der Dienst für die Startentscheidung
UAV Forecast ist auf Drohnen zugeschnitten und bündelt genau die Werte, die vor dem Start zusammenkommen müssen: Wind- und Böengeschwindigkeit am Boden und in wählbarer Höhe, Wolken, Sichtweite, die Zahl der sichtbaren GPS-Satelliten inklusive Galileo und GLONASS sowie den Kp-Index für die geomagnetische Aktivität. Dazu kommt eine Farblogik, die den Zeitraum als geeignet oder ungeeignet einordnet, und stündliche Vorhersagen bis zu 15 Tage voraus.
Der Haken steckt im Preismodell. Die App kostet nichts, die kostenlose Fassung liefert allerdings nur eingeschränkte Daten. Der volle Umfang läuft über Abonnements, die im App Store gestaffelt angeboten werden, von 10,49 Euro im Jahr in der günstigsten Stufe bis zu 59,99 Euro im Jahr für die Profistufe. Die App steht bei 4,2 von 5 Sternen aus 549 Bewertungen, und der Preis taucht in Nutzerrückmeldungen regelmäßig als Kritikpunkt auf.
Drone Forecast: die deutschsprachige Alternative
Drone Forecast des Entwicklers Aleksandr Alekseev zeigt Windgeschwindigkeit, maximale Böen und Richtung sowie Sonnenauf- und -untergang für das gewählte Gebiet, mit Vorhersage über drei Tage. Die App ist auf Deutsch verfügbar und steht bei 4,4 von 5 Sternen aus 1.002 Bewertungen. Die Abos reichen von rund 1,49 bis 1,99 Euro für eine Woche über etwa 29,99 Euro im Jahr bis zu einer Lifetime-Option im Bereich von 69,99 bis 89,99 Euro.
Die Steuer-App: Warnung statt Vorhersage
Die App zur Drohne, etwa DJI Fly, meldet starken Wind zuverlässig, tut das allerdings erst im Flug. Sie leitet die Warnung aus der Belastung der Regelung ab, also aus dem, was die Drohne gerade aushalten muss. Als letzte Rückmeldung ist das wertvoll. Die Frage, ob sich die Fahrt zum Startplatz lohnt, beantwortet erst eine Vorhersage.
Welche Werte auf dem Display wirklich zählen
Unabhängig vom Dienst gilt dieselbe Lesereihenfolge:
- Böenwert ablesen. Er ist die Zahl, gegen die die Drohne arbeiten muss.
- Höhenschicht auf die geplante Flughöhe einstellen, üblicherweise zwischen 50 und 120 Metern.
- Windrichtung in Bezug auf den geplanten Rückweg. Der Rückflug gegen den Wind ist der kritische Teil, weil er am meisten Akku kostet.
- Tagesgang prüfen. Über Land ist der frühe Morgen regelmäßig die ruhigste Zeit.
- Kp-Index und Satellitenzahl, wenn die App sie zeigt.
Was die einzelnen Windwerte im Flug bedeuten und ab wann es kritisch wird, steht ausführlich unter Drohne bei Wind fliegen. Zu den Rechtsfragen am Startplatz führt die Übersicht Flugverbotszonen für Drohnen.
Die eigene Wiese kalibrieren
Jede Vorhersage rechnet mit einem Gitter, und dein Startplatz liegt irgendwo darin. Wie stark er vom Gitterwert abweicht, lässt sich mit wenig Aufwand herausfinden: Ein Handanemometer für unter 30 Euro misst den Wind direkt am Boden. Zwei oder drei Vergleichsmessungen gegen die Vorhersage genügen, um zu wissen, ob der eigene Platz regelmäßig darüber oder darunter liegt.
Der Wert dieser Kalibrierung liegt darin, dass sie dauerhaft funktioniert. Wer weiß, dass seine Lieblingswiese zwei Meter pro Sekunde draufschlägt, braucht danach kein Messgerät mehr.
Fazit: kostenlos planen, gezielt entscheiden
Für die meisten reicht eine kostenlose Kombination. Windy liefert Höhenwind, Böen und den Modellvergleich, ohne dass ein Abo nötig wird, und deckt damit die Planung ab. Die Steuer-App warnt im Flug, falls doch etwas durchrutscht. Wer regelmäßig fliegt und dabei auf Termine angewiesen ist, findet in UAV Forecast die Bündelung aus Wetter, Satelliten und Kp-Index, die eine Startentscheidung in Sekunden erlaubt, und zahlt dafür je nach Stufe zwischen 10 und 60 Euro im Jahr.
Die wichtigste Einstellung kostet gar nichts: Stelle die Höhenschicht auf deine Flughöhe und lies den Böenwert statt des Mittelwinds. Damit allein verschwindet der größte Teil der Überraschungen, die eine Standard-Wetter-App produziert.
Häufige Fragen
Welche App zeigt den Wind für Drohnenpiloten am besten?
Für die Planung eignet sich Windy, weil es 16 Höhenstufen von der Oberfläche bis 13,5 Kilometer anbietet und die Wettermodelle ECMWF, ICON und GFS vergleichbar macht. Für den Flugtag selbst ist UAV Forecast praktischer, weil es Wind, Böen, GPS-Satelliten und den Kp-Index zusammen mit einer Ampel-Einordnung anzeigt. Wer beides kombiniert, deckt Planung und Startentscheidung ab.
Warum zeigt meine Wetter-App zu wenig Wind an?
Weil der Standardwert für 10 Meter über Grund gilt und als Mittelwind über zehn Minuten gemessen wird. Geflogen wird bis 120 Meter, und dort weht es regelmäßig eine ganze Beaufort-Stufe stärker. Dazu kommt, dass der Mittelwind nichts über Böen sagt, die das Anderthalbfache erreichen. Für die Drohne sind Böenwert und Höhenwind die relevanten Zahlen.
Ist UAV Forecast kostenlos?
Die App selbst kostet nichts, in der kostenlosen Fassung sind die Vorhersagedaten allerdings stark eingeschränkt. Der volle Funktionsumfang läuft über Abonnements, die im App Store je nach Stufe von 10,49 Euro im Jahr bis zu 59,99 Euro im Jahr reichen. Wer nur gelegentlich fliegt, kommt mit dem kostenlosen Windy in Kombination mit der Windanzeige der Steuer-App weiter.
Was kostet Windy?
Windy ist in der Grundfassung kostenlos und werbefrei, alle Wettermodelle stehen zur Verfügung. Premium kostet rund 29 Euro im Jahr und bringt Vorhersageschritte im Ein-Stunden-Raster, häufigere Aktualisierungen und einen längeren Radar-Rückblick. Für die Drohnenplanung reicht die kostenlose Fassung in den meisten Fällen aus.
Welche Höhe muss ich in der App einstellen?
Sinnvoll ist die Höhe, in der du tatsächlich fliegst, meist zwischen 50 und 120 Metern. In Windy lässt sich die Ebene direkt wählen, verbreitet sind Oberfläche, 100 Meter und die Druckflächen darüber. Wer nur den Bodenwert liest, unterschätzt die Belastung im Steigflug und erlebt die Überraschung erst, wenn die Drohne oben steht.
Wozu dient der Kp-Index in einer Drohnen-App?
Er beschreibt die geomagnetische Aktivität. Hohe Werte gehen mit Störungen der Satellitennavigation einher, was sich als ungenaue Positionshaltung, driftendes Schweben oder fehlerhafte Rückkehrfunktion zeigen kann. UAV Forecast zeigt ihn zusammen mit der Zahl der sichtbaren GPS-Satelliten an, ein Wert im grünen Bereich gehört zur Startentscheidung wie der Wind.
Warnt die Steuer-App der Drohne nicht selbst vor Wind?
Sie warnt, allerdings erst im Flug. Die App misst die Belastung an der Drohne und meldet starken Wind, wenn die Regelung an ihre Grenze kommt. Das ist eine Rückmeldung aus dem laufenden Flug. Für die Frage, ob sich die Fahrt zum Startplatz überhaupt lohnt, braucht es eine Wetter-App mit Böen- und Höhenwerten.
Welches Wettermodell ist für Deutschland am genauesten?
Für kleinräumiges Gelände in Mitteleuropa gilt ICON-D2 des Deutschen Wetterdienstes als das brauchbarste, weil es mit deutlich feinerem Gitter rechnet als globale Modelle. Windy macht die Modelle direkt vergleichbar. Weichen ICON und ein globales Modell stark voneinander ab, ist das selbst ein Signal: Die Lage ist unsicher, und ein Ersatztermin lohnt sich.