SD-Karte für die Drohne: welche Klasse, welche Größe

Welche SD-Karte braucht eine Drohne? V30 und U3 als Mindestklasse, die Rechnung von Bitrate zu Schreibrate, Kapazitätsgrenzen je Modell und die häufigsten Fehler.

Zubehör Veröffentlicht am 8 Min. Lesezeit

Der Kartenkauf ist die letzte Entscheidung vor dem ersten Flug und die einzige, bei der sich sparen sofort rächt: Eine zu langsame Karte bricht die Aufnahme mitten im Schwenk ab. Die gute Nachricht ist, dass die Anforderung seit Jahren stabil bei einer einzigen Kennzeichnung liegt. Dieser Artikel rechnet vor, warum das reicht, und zeigt, welche Größe zu welchem Flugverhalten passt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Mindestklasse ist U3 beziehungsweise V30: 30 MB pro Sekunde Dauerschreibrate, das fordern alle aktuellen Kameradrohnen.
  • Warum das reicht: Selbst 150 Mbit/s Videobitrate entsprechen nur 18,75 MB pro Sekunde, V30 hat also Reserve.
  • 128 GB sind der Standardfall: rund 170 Minuten in 4K bei 30 Bildern, deutlich mehr als ein Akkusatz hergibt.
  • Kapazitätsgrenze beachten: Ältere Modelle enden bei 128 oder 256 GB, neuere Serien nehmen bis zu 1 TB.
  • Immer in der Drohne formatieren, nie am Computer: Das ist die häufigste Ursache für abbrechende Aufnahmen.

Die drei Angaben, auf die es ankommt

Auf einer microSD-Karte stehen bis zu sechs Symbole, und die meisten davon sind für Drohnen bedeutungslos. Relevant sind drei:

Die Geschwindigkeitsklasse. Gesucht ist die 3 im U-Symbol (U3) oder die 30 im V-Symbol (V30). Beide Angaben garantieren dieselbe Zahl: 30 MB pro Sekunde Mindestschreibrate im Dauerbetrieb. Genau das fordern DJI, Potensic und Holy Stone in ihren Datenblättern.

Die App Performance Class. A1 oder A2 beschreiben, wie viele kleine Zugriffe die Karte pro Sekunde verarbeitet. Für die Videodatei selbst spielt das kaum eine Rolle, beim Blättern durch Aufnahmen in der App macht A2 den Unterschied spürbar.

Die Kapazität. Hier gilt die Obergrenze des Herstellers, die je nach Modellgeneration bei 128 GB, 256 GB, 512 GB oder 1 TB liegt. Eine größere Karte wird oft gar nicht erkannt.

Alles andere auf dem Aufdruck ist Geschichte oder Marketing. Die Angabe “Class 10” stammt aus der Zeit vor den U-Klassen und garantiert lediglich 10 MB pro Sekunde. Die groß gedruckte Zahl wie “200 MB/s” beschreibt die Lesegeschwindigkeit im Idealfall und sagt über das Schreiben nichts aus.

Warum V30 mit Reserve reicht

Kamerahersteller geben Bitraten in Megabit pro Sekunde an, Speicherkarten ihre Leistung in Megabyte pro Sekunde. Der Faktor zwischen beiden Einheiten ist 8, und genau dieser Umrechnungsschritt sorgt regelmäßig für Verwirrung.

AufnahmemodusBitrateNötige SchreibrateV30 erfüllt?
1080p/6060 Mbit/s7,5 MB/sja, vierfach
4K/30100 Mbit/s12,5 MB/sja, zweieinhalbfach
4K/60150 Mbit/s18,75 MB/sja, mit 60 % Reserve
4K/60 in D-Log200 Mbit/s25 MB/sja, knapp

Selbst der anspruchsvollste Modus einer Consumer-Drohne bleibt unter der garantierten Dauerschreibrate einer V30-Karte. Die Reserve ist kein Luxus: Speicherkarten werden im Betrieb warm und drosseln dann, außerdem sinkt die Schreibleistung, je voller die Karte wird. Wer die Klasse knapp wählt, landet im ungünstigen Moment unter dem geforderten Wert.

Balkengrafik, die vier Aufnahmemodi einer Drohnenkamera nach benötigter Schreibrate vergleicht: 1080p mit 60 Bildern benötigt 7,5 Megabyte pro Sekunde, 4K mit 30 Bildern 12,5 Megabyte pro Sekunde, 4K mit 60 Bildern 18,75 Megabyte pro Sekunde und 4K mit 60 Bildern in D-Log 25 Megabyte pro Sekunde. Eine senkrechte Linie markiert die garantierte Dauerschreibrate einer V30-Karte bei 30 Megabyte pro Sekunde. Alle vier Balken bleiben unter dieser Linie, der anspruchsvollste Modus mit 25 Megabyte pro Sekunde am knappsten.

Alle gängigen Aufnahmemodi bleiben unter der garantierten Dauerschreibrate einer V30-Karte.

Für Karten oberhalb von V30 gibt es bei Drohnen kaum ein Argument. V60 und V90 zahlen sich bei Kameras aus, die intern in ProRes oder RAW aufzeichnen. Eine Kameradrohne komprimiert dagegen in H.264 oder H.265, und diese Datenmenge ist um ein Vielfaches kleiner.

Wie groß die Karte sein sollte

Aus der Bitrate folgt direkt der Platzbedarf pro Minute. Bei 100 Mbit/s schreibt die Kamera 0,75 GB je Minute, bei 150 Mbit/s rund 1,1 GB.

Kapazität4K/30 (100 Mbit/s)4K/60 (150 Mbit/s)Einordnung
64 GBca. 85 minca. 58 minreicht für zwei Flugtage
128 GBca. 170 minca. 115 minder Standardfall
256 GBca. 340 minca. 230 minfür Reisen ohne Laptop
512 GBca. 680 minca. 460 minfür Dauereinsatz

Der Bezugspunkt ist der Akkusatz, nicht der Kalender. Drei Akkus ergeben etwa 75 bis 90 Minuten Flugzeit, und selbst wer durchgehend filmt, füllt damit keine 128-GB-Karte. Die größere Karte kauft man für Situationen ohne Sicherungsmöglichkeit: eine Woche unterwegs, kein Laptop im Gepäck, keine Zeit fürs Ausleeren.

Zwei kleinere Karten schlagen dabei eine große. Fällt eine Karte aus oder geht verloren, bleibt der halbe Materialbestand erhalten. Der Preisunterschied zwischen zweimal 128 GB und einmal 256 GB ist gering.

Was die Hersteller konkret freigeben

DJI führt eine Liste geprüfter Karten je Modell. Die Geschwindigkeitsanforderung ist über alle Serien hinweg gleich, die Kapazitätsgrenze unterscheidet sich deutlich:

ModellAnforderungMaximale Kapazität
Mini 3 / Mini 3 ProUHS-I U3 / V30512 GB
Mini 4 ProUHS-I U3 / V30512 GB
Mini 5 ProUHS-I, A2 V301 TB
Air 3 / Air 3SUHS-I U3 / V30512 GB
Mavic 3 / 3 ProUHS-I U3 / V30512 GB
Mavic 4 ProUHS-I, A2 V301 TB
Avata 2UHS-I U3 / V30512 GB
DJI FPV / AvataUHS-I U3 / V30256 GB

Namentlich empfiehlt DJI unter anderem die Lexar Silver Plus mit 128 GB* und die Variante mit 256 GB*, beide mit A2 und V30, sowie die SanDisk Extreme microSDXC*. Karten dieser Klasse liegen bei 128 GB üblicherweise im Bereich von 15 bis 25 Euro, bei 256 GB etwa beim Doppelten.

Die Liste ist eine Empfehlung, keine Sperre. Karten anderer Hersteller funktionieren, solange die Klasse stimmt. Der praktische Wert der Liste liegt woanders: Sie nennt Modelle, die im Dauerbetrieb bei Erwärmung nicht einbrechen.

Karte formatieren: in der Drohne, nicht am PC

Das Formatieren am Computer ist die häufigste vermeidbare Fehlerquelle. Windows und macOS legen exFAT nach eigenen Vorgaben an, mit einer Clustergröße und Partitionsstruktur, die von der Erwartung der Drohne abweichen kann. Das Ergebnis sind abbrechende Aufnahmen, fehlende Dateien oder ein Slot, der die Karte gar nicht erst meldet.

Der richtige Weg führt über die Steuer-App. In der DJI Fly App sitzt der Punkt in den Kameraeinstellungen unter dem Speicher-Symbol, bei Potensic und Holy Stone an vergleichbarer Stelle. Der Ablauf:

  1. Karte im ausgeschalteten Zustand einsetzen, bis sie hörbar einrastet.
  2. Drohne und Fernsteuerung starten, Verbindung abwarten.
  3. In den Kameraeinstellungen “Speicherkarte formatieren” wählen.
  4. Nach dem Formatieren eine kurze Testaufnahme machen und in der Wiedergabe prüfen.

Formatieren löscht alles. Das Material gehört vorher gesichert, und zwar auf zwei Datenträger, bevor die Karte wieder in die Drohne wandert. Wie du danach mit dem Material weiterarbeitest, steht im Ratgeber Drohnenvideos bearbeiten.

Als Rhythmus hat sich alle zehn bis zwanzig Flüge bewährt. Das Dateisystem einer Karte fragmentiert mit jeder Aufnahme, und ein frisches Format stellt die volle Schreibleistung wieder her.

Drohne oder Fernsteuerung: wo die Karte hingehört

Der Kartenslot der Drohne sitzt je nach Modell neben dem Akkufach, an der Rückseite unter einer Gummiklappe oder seitlich am Rumpf. Bei den kompakten Modellen ist er absichtlich schwer zugänglich, damit er im Flug geschlossen bleibt.

Fernsteuerungen mit eingebautem Display wie die DJI RC 2 haben teilweise einen eigenen Slot. Dort landet der Mitschnitt des Übertragungsbilds, also eine stark komprimierte Fassung mit 1080p und geringer Bitrate. Als Notfallreserve ist das brauchbar, wenn die Drohne verloren geht. Als Arbeitsmaterial taugt es nicht, dafür fehlen Auflösung und Farbtiefe.

Bei Modellen mit internem Speicher, etwa der DJI Neo mit 22 GB, ist die Karte optional. Der interne Speicher ist schnell voll, außerdem ist das Auslesen per Kabel langsamer als der Kartenwechsel. Wer regelmäßig filmt, setzt eine Karte ein.

Fünf Fehler, die den Flugtag kosten

Die Karte rastet nicht ein. Ein halb sitzender Kontakt meldet sich als “keine Karte gefunden” oder bricht die Aufnahme nach Sekunden ab. Die Karte muss hörbar einrasten und plan im Slot liegen.

Die Karte ist gefälscht. Angebote weit unter Marktpreis melden eine Kapazität, die der Chip nicht hat. Ab einem bestimmten Füllstand überschreiben sie alte Daten, und das fällt erst beim Sichten auf. Ein Durchlauf mit einem Prüfprogramm wie H2testw oder F3 klärt das vor dem ersten Flug.

Die Karte ist zu voll. Speicherzellen brauchen freien Platz zum Umsortieren. Ab etwa 90 Prozent Füllstand sinkt die Schreibrate messbar, in ungünstigen Fällen unter die geforderten 30 MB pro Sekunde.

Die Karte wandert zwischen Geräten. Eine Karte, die abwechselnd in Drohne, Actioncam und Handy steckt, sammelt Dateisystemreste. Eine Karte je Gerät kostet wenig und erspart die Fehlersuche.

Der Adapter bleibt drin. Der mitgelieferte SD-Adapter gehört an den Kartenleser, nie in die Drohne. In den Slot passt ausschließlich die microSD-Karte selbst.

Was bei Kälte und Feuchtigkeit passiert

Speicherkarten sind robuster als der Rest der Drohne. Die Datenblätter nennen Betriebsbereiche von −25 bis 85 °C, damit deckt die Karte jedes Wetter ab, bei dem Fliegen im Winter überhaupt sinnvoll ist.

Das eigentliche Risiko ist Kondenswasser. Kommt die durchgekühlte Drohne in einen warmen Innenraum, schlägt sich Feuchtigkeit auf allen Oberflächen nieder, auch auf den Kontakten im Kartenslot. Die Drohne sollte deshalb geschlossen im Rucksack bleiben, bis sie Raumtemperatur erreicht hat. Erst danach wird die Karte entnommen.

Fazit: eine Klasse, zwei Karten, ein Formatierweg

Die Kaufentscheidung ist schneller getroffen, als die Auswahl vermuten lässt: U3 oder V30, gern mit A2, und eine Kapazität innerhalb der Herstellergrenze. Alles darüber löst kein Problem, das eine Drohnenkamera hätte.

Wichtiger als die letzten zehn Prozent Schreibrate sind zwei Gewohnheiten. Zwei Karten statt einer halbieren den Schaden, wenn eine ausfällt. Und das Formatieren gehört in die Drohne, nicht an den Computer. Wer beides beherzigt, hat mit dem Thema Speicherkarte nie wieder zu tun. Welches Zubehör sonst noch vor dem ersten Start sinnvoll ist, steht im Ratgeber Drohne kaufen: worauf achten.

Häufige Fragen

Welche SD-Karte braucht eine Drohne?

Eine microSD-Karte der Geschwindigkeitsklasse UHS-I mit U3 oder V30, das ist bei allen aktuellen Kameradrohnen die Mindestanforderung des Herstellers. V30 garantiert 30 MB pro Sekunde Dauerschreibrate, das entspricht 240 Mbit/s und liegt damit deutlich über dem, was gängige Drohnenkameras produzieren. Zusätzlich lohnt die Kennzeichnung A2, weil solche Karten kleine Dateien schneller ablegen. Karten ohne V- oder U-Kennzeichnung sind für Video ungeeignet.

Wie viele Minuten 4K passen auf eine 128-GB-Karte?

Bei 100 Mbit/s Bitrate, dem typischen Wert für 4K mit 30 Bildern pro Sekunde, schreibt die Drohne rund 0,75 GB pro Minute. Auf 128 GB passen damit etwa 170 Minuten. In 4K mit 60 Bildern und 150 Mbit/s sind es rund 1,1 GB pro Minute und damit etwa 115 Minuten. Beide Werte liegen weit über dem, was ein Akkusatz an Flugzeit hergibt.

Was bedeuten U3, V30 und A2 auf einer Speicherkarte?

U3 steht für UHS Speed Class 3 und garantiert 30 MB pro Sekunde Mindestschreibrate. V30 aus der Video Speed Class sagt exakt dasselbe, die Klassen existieren parallel. A2 gehört zur App Performance Class und beschreibt die Zahl der Zugriffe pro Sekunde bei kleinen Dateien. Für Drohnen zählen U3 beziehungsweise V30 als Pflicht, A2 als Zugabe.

Muss die SD-Karte in die Drohne oder in die Fernsteuerung?

In die Drohne. Der Kartenslot sitzt bei den meisten Modellen neben dem Akku oder unter einer Klappe an der Rückseite, in Flugrichtung gesehen. Fernsteuerungen mit eigenem Display haben teilweise einen zweiten Slot, dort landet lediglich der niedrig aufgelöste Übertragungs-Mitschnitt. Das eigentliche Videomaterial in voller Qualität speichert immer die Drohne selbst.

Wo formatiert man die SD-Karte einer Drohne?

Direkt im Gerät über die Steuer-App, bei DJI unter den Kameraeinstellungen im Speicher-Menü. Das Formatieren am Computer erzeugt eine Dateisystemstruktur, die von der Drohne abweichen kann, und ist eine häufige Ursache für abbrechende Aufnahmen. Eine neue Karte gehört vor dem ersten Flug einmal in der Drohne formatiert, danach etwa alle zehn bis zwanzig Einsätze erneut.

Warum erkennt die Drohne die Speicherkarte nicht?

Vier Ursachen decken fast alle Fälle ab: Die Karte sitzt nicht vollständig im Slot und rastet nicht hörbar ein, sie ist mit exFAT statt im geräteeigenen Format beschrieben, sie überschreitet die vom Hersteller genannte Maximalkapazität, oder die Kontakte sind verschmutzt. Bringt das Neuformatieren in der Drohne keine Besserung, hilft der Gegentest mit einer zweiten Karte, um Slot und Karte auseinanderzuhalten.

Sind teure Karten mit V60 oder V90 sinnvoll?

Für Consumer-Drohnen bringen sie keinen Vorteil, weil die Kameras die zusätzliche Bandbreite gar nicht anfordern. Interessant werden V60 und V90 erst bei Kameras, die intern in ProRes oder RAW aufzeichnen, und bei Modellen mit sehr hohen Bildraten. Das Geld ist bei einer Drohne besser in einer zweiten Karte derselben Klasse angelegt, damit ein Kartendefekt nie den ganzen Flugtag kostet.

Wie erkenne ich eine gefälschte Speicherkarte?

Auffällig sind Kapazitäten, die deutlich unter dem Marktpreis liegen, fehlerhafte Aufdrucke und Verpackungen ohne Seriennummer. Der verlässliche Test läuft über ein Prüfprogramm wie H2testw oder F3, das die Karte einmal komplett vollschreibt und wieder ausliest. Fälschungen melden eine hohe Kapazität, überschreiben aber ab einem bestimmten Punkt alte Daten. Dieser Test dauert bei 128 GB rund eine Stunde und lohnt sich vor dem ersten Flug.

Verliert eine SD-Karte bei Kälte an Leistung?

Die Karte selbst bleibt in der Regel unauffällig, die meisten Hersteller nennen einen Betriebsbereich von −25 bis 85 °C. Auffälliger ist der Akku, der bei Frost weniger Leistung liefert. Kritisch wird Kälte in Verbindung mit Kondenswasser: Kommt die kalte Drohne in einen warmen Raum, schlägt sich Feuchtigkeit auch im Kartenslot nieder. Die Drohne sollte deshalb geschlossen im Rucksack akklimatisieren, bevor sie geöffnet wird.

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