Drohne mit Zoom: optisch, digital und was er taugt

Zoom an Kameradrohnen: Was Telekameras mit 3x und 7x wirklich leisten, wo Digitalzoom nur Pixel streckt und warum der Zoom in manchen Aufnahmemodi gesperrt bleibt.

Kameradrohnen Veröffentlicht am 5 Min. Lesezeit

Im Datenblatt steht oft eine beeindruckende Zahl: 9x Zoom, teilweise mehr. Was davon aus einer echten Linse kommt und was die Software dazurechnet, steht dort selten. Der Unterschied entscheidet darüber, ob die Aufnahme noch etwas taugt, und er ist bei Drohnen größer als bei jedem Smartphone.

Das Wichtigste in Kürze

  • Optischer Zoom kommt aus einer zweiten Kamera mit längerer Brennweite, die Auflösung bleibt voll erhalten.
  • Digitalzoom schneidet aus dem Bild aus und rechnet hoch, ohne zusätzliche Information zu gewinnen.
  • Telekameras haben die größeren Modelle: Air 3 und Air 3S mit 3x, die Mavic 3 Pro zusätzlich mit 7x (166 mm).
  • Die Mini-Klasse zoomt nur digital, weil unter 250 Gramm kein Platz für ein zweites Objektiv bleibt.
  • Zoom ersetzt keine Abstandsregel: Sie hängt an der Position der Drohne, nicht am Bildausschnitt.

Die zwei Arten von Zoom

Optischer Zoom entsteht in der Hardware. Eine zweite Kamera mit längerer Brennweite bildet einen engeren Ausschnitt der Szene auf ihren vollen Sensor ab. Das Motiv wird größer abgebildet, und die Auflösung steht ihm dabei komplett zur Verfügung. Die Drohne schaltet also nicht am Bild, sie schaltet die Kamera um.

Digitalzoom arbeitet im fertigen Bild. Die Software nimmt einen Ausschnitt und skaliert ihn auf die Zielauflösung hoch. Was auf dem Display größer wirkt, enthält exakt die Bildinformation des Ausschnitts, nur auf mehr Pixel verteilt. Jeder weitere Schritt kostet Detail.

Der praktische Unterschied wird bei 100 Prozent Ansicht am Rechner sichtbar, spätestens beim Zuschneiden in der Bearbeitung. Auf dem Handydisplay während des Flugs sehen beide Varianten zunächst ähnlich aus, was die Verwechslung erklärt.

Schema der Bildwinkel dreier Brennweiten an einer Kameradrohne, dargestellt als drei geschachtelte Sichtkegel von der Drohne zum Boden. Die Hauptkamera mit 24 Millimetern Kleinbildäquivalent erfasst den weitesten Bereich. Die Telekamera mit 70 Millimetern, entsprechend dreifachem Zoom, erfasst einen deutlich engeren Ausschnitt darin. Die zweite Telekamera mit 166 Millimetern, entsprechend siebenfachem Zoom, erfasst den engsten Ausschnitt in der Mitte. Rechts daneben stehen drei Bildrahmen, die zeigen, wie groß dasselbe Motiv in der jeweiligen Brennweite abgebildet wird: klein im Weitwinkel, mittelgroß bei dreifachem Zoom und formatfüllend bei siebenfachem Zoom. Ein Hinweis stellt heraus, dass diese Ausschnitte aus einer eigenen Linse stammen und die volle Auflösung behalten, während Digitalzoom denselben Ausschnitt aus dem Weitwinkelbild schneiden würde und dabei Detail verliert.

Jede Telebrennweite ist eine eigene Kamera mit eigenem Sensor. Der Ausschnitt behält damit die volle Auflösung.

Welche Drohne wie zoomt

Die Ausstattung hängt an der Größenklasse, denn eine zweite Kamera braucht Bauraum und Gewicht.

KlasseOptischer ZoomDigitalzoom
Mini-Klasse unter 250 gkeinertypisch 2x bis 4x
Air-Klasse3x Telekamerabis etwa 9x
Mavic-Spitzenmodelle3x und 7x Telekameradarüber hinaus
FPV-Modellekeinereingeschränkt

Konkret bei den verbreiteten Modellen: Die Air 3 und Air 3S haben neben der Hauptkamera eine Telelinse mit dreifacher Brennweite, digital lässt sich darüber hinaus bis etwa 9x gehen. Die Mavic 3 Pro bringt drei Kameras mit: die Hauptkamera im Vier-Drittel-Format bei 24 mm, eine 48-Megapixel-Telekamera mit 70 mm und eine dritte mit 166 mm, also 7x.

Die Mini-Reihe verzichtet auf die zweite Linse. Das ist eine Folge der 250-Gramm-Grenze, die den Modellen ihre rechtlichen Erleichterungen sichert. Wer in dieser Klasse zoomt, schneidet zu.

Was der Zoom für die Bildwirkung tut

Der unterschätzte Teil: Eine lange Brennweite verändert die Bildwirkung, nicht nur die Motivgröße. Sie komprimiert die Tiefe. Vorder- und Hintergrund rücken optisch zusammen, Bergketten schieben sich übereinander, eine Häuserzeile wirkt dichter gestaffelt.

Dieser Effekt lässt sich mit der Weitwinkel-Hauptkamera durch keinen Standortwechsel nachbauen. Wer näher heranfliegt und weitwinklig aufnimmt, bekommt ein größeres Motiv, aber weiterhin die gedehnte Tiefe des Weitwinkels. Genau darin liegt der eigentliche Wert einer Telekamera an einer Drohne.

Umgekehrt gilt: Der Weitwinkel bleibt die Wahl, wenn Raum und Weite wirken sollen, etwa bei Küstenlinien oder Aufnahmen im Panoramamodus.

Wann der Zoom gesperrt bleibt

Eine häufige Meldung lautet sinngemäß, dass Zoom im aktuellen Aufnahmemodus nicht unterstützt wird. Dahinter steckt eine Kopplung an die Aufnahmeparameter, kein Defekt.

Typische Auslöser:

Der Weg zurück führt fast immer über eine niedrigere Bildrate oder das Standard-Farbprofil. Wer den Zoom im Video sicher braucht, stellt die Kombination vor dem Start ein und prüft sie am Boden.

Praxis: ruhige Telefahrten

Mit der Brennweite wächst die Wirkung jeder Bewegung. Bei siebenfacher Brennweite schlägt eine Böe siebenmal stärker ins Bild durch als bei der Hauptkamera. Das macht Teleaufnahmen anfällig für genau die Störungen, die im Weitwinkel unsichtbar bleiben.

Was hilft:

Wenig Wind. Teleaufnahmen sind das erste, was bei Böen unbrauchbar wird, noch vor Panoramen. Mehr dazu im Artikel Drohne bei Wind fliegen.

Schweben statt fahren. Eine Telefahrt braucht sehr gleichmäßige Bewegung. Deutlich sicherer gelingt ein ruhiger Schwebeflug mit langsamem Gimbal-Schwenk.

Langsam zoomen oder gar nicht. Ein Zoomfahrt während der Aufnahme wirkt schnell unruhig, zumal beim Wechsel zwischen den Kameras oft ein sichtbarer Sprung entsteht. Sauberer ist, die Brennweite vor dem Dreh zu wählen und den Wechsel im Schnitt zu setzen.

ND-Filter mitdenken. Die Telekamera hat oft eine andere Blende als die Hauptkamera, was die Belichtungszeit verschiebt. Der passende ND-Filter unterscheidet sich damit je nach verwendeter Kamera.

Der bessere Digitalzoom entsteht am Rechner

Wer über den optischen Faktor hinaus will, hat zwei Wege, und sie sind nicht gleichwertig.

In der Drohne zoomen. Die Kamera schneidet zu und skaliert das Ergebnis auf die eingestellte Auflösung hoch. Was auf der Karte landet, ist bereits hochgerechnet, der verlorene Detailgrad lässt sich nicht zurückholen.

Am Rechner zuschneiden. Die Aufnahme läuft ohne Digitalzoom in der höchsten verfügbaren Auflösung, der Ausschnitt entsteht in der Bearbeitung. Bei einem 4K-Video, das am Ende in Full HD ausgespielt wird, sind so etwa zwei Zoomstufen verlustfrei drin, weil 4K die vierfache Pixelzahl von Full HD hat.

Der zweite Weg ist fast immer der bessere. Er kostet Speicherplatz und einen Arbeitsschritt, dafür bleibt die Entscheidung über den Ausschnitt offen, bis das Material gesichtet ist. Praktisch heißt das: Den Digitalzoom im Flug nur nutzen, um ein Motiv zu finden, und die Aufnahme selbst auf der optischen Stufe machen.

Bei Fotos gilt dasselbe in noch deutlicherer Form, weil die Ausgangsauflösung höher liegt. Ein 48-Megapixel-Foto verträgt einen kräftigen Beschnitt und liegt danach immer noch über dem, was die meisten Verwendungen brauchen.

Was der Zoom rechtlich nicht ändert

Ein verbreiteter Irrtum: Wer per Tele aus der Ferne filmt, umgehe die Abstandsregeln. Das Gegenteil trifft zu, weil sich die Regeln auf die Position des Fluggeräts beziehen.

Praktisch nützt die Telekamera trotzdem: Sie erlaubt, den geforderten Abstand einzuhalten und trotzdem ein brauchbares Bild zu bekommen. Sie ist damit ein Werkzeug, die Regeln bequemer einzuhalten.

Fazit: die erste Zahl zählt

Von den Zoomangaben im Datenblatt ist die optische Zahl die einzige, die Bildqualität garantiert. Alles darüber ist Zuschnitt, brauchbar bis etwa zum doppelten optischen Wert und danach vor allem zum Anvisieren.

Wer regelmäßig auf Distanz arbeitet, für Architektur, Landschaft mit Tiefenwirkung oder Motive, an die man nicht heranfliegen darf, fährt mit einer echten Telekamera deutlich besser. Für alles andere reicht die Hauptkamera, und die Bildqualität einer Mini-Drohne bleibt davon unberührt.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen optischem und digitalem Zoom?

Optischer Zoom kommt aus der Hardware: Eine zweite Kamera mit längerer Brennweite bildet einen kleineren Ausschnitt auf den vollen Sensor ab, die Auflösung bleibt dabei erhalten. Digitalzoom schneidet aus dem vorhandenen Bild einen Ausschnitt heraus und rechnet ihn hoch. Das Ergebnis wirkt näher, enthält aber keine zusätzlichen Bildinformationen und verliert mit jedem Schritt an Detail.

Welche Drohnen haben eine echte Telekamera?

Die Telekamera ist ein Merkmal der größeren Modelle. Die DJI Air 3 und Air 3S haben neben der Hauptkamera eine Telelinse mit dreifacher Brennweite. Die Mavic 3 Pro geht weiter und bringt zwei Telekameras mit, eine mit 70 mm entsprechend 3x und eine mit 166 mm entsprechend 7x. Kompakte Modelle unter 250 Gramm wie die Mini-Reihe arbeiten dagegen mit einer einzigen Kamera und bieten nur Digitalzoom.

Wie viel Zoom ist noch brauchbar?

Bis zum optischen Faktor der Telekamera bleibt die Qualität voll erhalten. Darüber hinaus rechnet die Drohne, und bis etwa zum doppelten optischen Wert bleiben die Ergebnisse für Web und Social brauchbar. Die höchsten angebotenen Stufen, oft 9x oder mehr, taugen in der Praxis eher zum Anvisieren eines Motivs als für die fertige Aufnahme.

Warum lässt sich der Zoom in manchen Modi nicht nutzen?

Weil er an bestimmte Kombinationen aus Kamera, Auflösung und Bildrate gebunden ist. Meldet die App, dass Zoom im aktuellen Aufnahmemodus nicht unterstützt wird, liegt das meist an einer hohen Bildrate, an aktiviertem Log-Profil oder an einem Foto-Sondermodus wie Panorama. Ein Wechsel auf eine niedrigere Bildrate oder das Standard-Farbprofil gibt den Zoom in der Regel wieder frei.

Ersetzt die Telekamera das Näherfliegen?

Rechtlich ist sie sogar der bessere Weg. Die Telekamera holt Motive heran, während die Drohne auf Abstand bleibt, und das hilft bei Abständen zu Personen und in sensiblen Bereichen. Sie ersetzt aber weder den Sichtkontakt zur Drohne noch die geltenden Abstandsregeln, denn beide hängen an der Position des Fluggeräts, nicht am Bildausschnitt.

Ist die Telekamera so gut wie die Hauptkamera?

Meist nicht. Telekameras haben in der Regel kleinere Sensoren und lichtschwächere Objektive als die Hauptkamera. Bei gutem Licht fällt der Unterschied kaum auf, in der Dämmerung dagegen deutlich: mehr Bildrauschen, weniger Dynamik. Wer die Wahl hat, nimmt bei wenig Licht die Hauptkamera und nähert sich dem Motiv über die Position statt über die Brennweite.

Wackelt das Bild beim Zoomen stärker?

Ja, und zwar überproportional. Mit der Brennweite wächst auch die Wirkung jeder kleinen Bewegung: Bei siebenfacher Brennweite fällt eine Windböe siebenmal stärker ins Bild als bei der Hauptkamera. Für ruhige Telefahrten braucht es deshalb wenig Wind, langsame Steuerbewegungen und möglichst einen ruhenden Schwebeflug statt einer Fahrt.

Wozu ist eine Telekamera an einer Drohne überhaupt gut?

Für zwei Dinge. Erstens für Distanz zu Motiven, an die man nicht heranfliegen darf oder will, etwa Gebäude, Tiere oder belebte Bereiche. Zweitens für die Bildwirkung: Eine lange Brennweite komprimiert die Tiefe, Vorder- und Hintergrund rücken optisch zusammen. Dieser Effekt lässt sich mit der Weitwinkel-Hauptkamera durch keinen Standortwechsel nachbauen.

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