Das Wichtigste in Kürze
- Die rasanten Mitfahr-Bilder bei Olympia stammen von FPV-Drohnen: kleine, manuell geflogene Kameradrohnen, deren Piloten über eine Videobrille aus der Drohnenperspektive steuern.
- Premiere: In Paris 2024 setzte die Olympia-Rundfunkgesellschaft OBS FPV-Drohnen erstmals live beim Mountainbike ein, Milano Cortina 2026 war die Premiere bei Winterspielen.
- Umfang 2026: 25 Drohnen, davon 15 FPV-Drohnen für die Verfolgung und 10 klassische Kameradrohnen für Landschaftsbilder.
- Technik: eigens gebaute Cinewhoops mit 243 g, Propellern unter dem Rahmen, zwei Kameras und einer Funkstrecke mit unter 100 ms Verzögerung. Tempo bis rund 140 km/h.
- Akku: 3 bis 6 Minuten, das reicht für etwa zwei Läufe.
Wo FPV-Drohnen bei Olympia fliegen
Die Bilder, die bei den Winterspielen 2026 für Gesprächsstoff sorgten, zeigen Athleten aus einer Perspektive, die früher nur eine Helmkamera lieferte: dicht hinter dem Bob im Eiskanal, knapp über der Piste neben dem Abfahrer, mit im Flug beim Skispringer. Gefilmt hat sie die Olympic Broadcasting Services (OBS), die Rundfunkgesellschaft des IOC, die das Bildsignal für alle Sender weltweit produziert.
Ganz neu war die Technik bei Olympia nicht. Schon 2018 in PyeongChang flogen 1.218 Drohnen die Lichtshow der Eröffnungsfeier, und 2022 in Peking waren Drohnen Teil der Wettkampfbilder. Der Sprung zur FPV-Drohne, die einem Athleten live folgt, kam 2024 in Paris: Dort setzte OBS FPV-Drohnen erstmals in der Live-Übertragung ein, beim Mountainbike.
| Spiele | Drohneneinsatz |
|---|---|
| PyeongChang 2018 | Lichtshow mit 1.218 Drohnen bei der Eröffnungsfeier |
| Peking 2022 | Drohnen in Wettkampfbildern und Zeremonien |
| Paris 2024 | erste FPV-Drohnen live, im Mountainbike |
| Milano Cortina 2026 | 25 Drohnen, davon 15 FPV, in fast allen Outdoor-Sportarten |
Bei Milano Cortina 2026 kam der große Auftritt. Laut OBS waren 25 Drohnen im Einsatz, 15 davon FPV-Drohnen. Sie flogen unter anderem bei Ski alpin, Freestyle und Snowboard, Skispringen, Biathlon, Rodeln, Bob und Skeleton sowie im Eisschnelllauf. heise zufolge begleiteten die Teams alle Wettbewerbe außer Eiskunstlauf, Eishockey und Curling. Die zehn übrigen Drohnen waren klassische Kameradrohnen, die schweben und Landschaft, Stadion und Übergänge zeigen.
Die Technik: ein Cinewhoop mit 243 Gramm
Die Olympia-Drohnen sind Sonderanfertigungen für den Rundfunk. Ihre Bauform ist Hobbypiloten trotzdem vertraut: Es sind Cinewhoops, also kleine FPV-Drohnen mit ummantelten Propellern, die für ruhige Kamerafahrten in engen Räumen gedacht sind. Was diese Bauform ausmacht, beschreibt der Ratgeber Cinewhoop: Technik, Einsatz und Grenzen.
Drei Details stechen bei den Olympia-Modellen heraus:
- Propeller unter dem Rahmen. Die Rotoren sitzen umgekehrt montiert unter dem Rahmen und drücken die Luft nach unten weg. Laut OBS verbessert das die Aerodynamik und die Stabilität in den engen, schnellen Kurven, die eine Skiverfolgung verlangt.
- 243 Gramm Gesamtgewicht. Die Drohnen bleiben knapp unter 250 Gramm, mit Kamera. Geringe Masse heißt wenig Aufprallenergie, und genau darauf kommt es an, wenn eine Drohne wenige Meter hinter einem Menschen fliegt.
- Zwei Kameras vorn. Eine hochauflösende Kamera liefert das Bild für die Übertragung, eine zweite mit niedriger Auflösung speist die Videobrille des Piloten. So bekommt der Pilot ein Bild mit minimaler Verzögerung, während die Broadcast-Kamera die volle Qualität liefert.
Hinzu kommt die Kälte. Laut heise hält ein Akku bei den Winterspielen nur etwa fünf Minuten, OBS-Angaben in anderen Berichten nennen 3 bis 6 Minuten. Das reicht für rund zwei Läufe. Danach tauschen die Teams den Akku, geladen wird in einer beheizten Kabine an der Strecke. Warum Kälte Akkus so zusetzt, steht im Ratgeber Drohne im Winter fliegen. Den Wert einer Drohne beziffert heise auf rund 15.000 Euro.
Wie das Bild live ins Fernsehen kommt
Eine FPV-Drohne erzeugt zwei Videoströme, die unterschiedliche Wege nehmen. Der eine führt in die Brille des Piloten, der andere über die Regie in die Übertragung. Beide müssen schnell sein, aus unterschiedlichen Gründen.
Der Pilot braucht ein Bild nahezu ohne Verzögerung. Er steuert mit Knüppeln und sieht nur, was die Kamera sieht. Käme das Bild eine Zehntelsekunde zu spät, würde er bei 140 km/h fast vier Meter blind fliegen. Die Übertragung wiederum soll live laufen und mit den anderen Kameras der Strecke zusammenpassen. OBS spricht von Funkstrecken mit weniger als 100 Millisekunden Latenz, die trotzdem Bilder in Broadcast-Qualität liefern.

Zwei Kameras, zwei Wege: Der Pilot fliegt mit dem schnellen Brillenbild, die Zuschauer sehen die Broadcast-Kamera.
Praktisch sieht das so aus: Das Signal der Broadcast-Kamera landet bei einem Empfänger in der Kabine an der Strecke. Dort sitzen Regisseur und Techniker vor zwei Monitoren und passen Bildfilter in Echtzeit an Licht und Wetter an, etwa wenn eine Abfahrt vom Schatten in grelle Sonne führt. Von der Kabine geht das Bild an die Produktion von OBS, die es mit den übrigen Kameras mischt und an die Sender weltweit verteilt. Laut CineD setzte OBS in Milano Cortina insgesamt mehr als 810 Kamerasysteme ein.
Bis zu 140 km/h: Tempo halten mit dem Athleten
Eine Verfolgungsaufnahme funktioniert nur, wenn die Drohne das Tempo des Athleten über die ganze Strecke halten kann. Für die Rodel- und Bobverfolgung nennen Berichte auf Basis von OBS-Angaben bis zu 140 km/h, heise spricht von bis zu rund 160 km/h. Wie schnell FPV-Drohnen allgemein werden und wo die Grenzen liegen, steht im Ratgeber Wie schnell fliegt eine Drohne?.
Das Tempo ist nur die halbe Aufgabe. Im Eiskanal fliegen die Drohnen auf kurzen Abschnitten zwischen den Eiswänden, bei der Abfahrt folgen sie Richtungswechseln, Sprüngen und Geländekanten. Die Piloten fliegen dabei rein manuell. Laut heise verzichtet OBS bewusst auf automatische Kollisionsvermeidung oder KI-Unterstützung, weil jede Automatik die Drohne in diesen Situationen träger reagieren lässt. Das Können sitzt beim Menschen an der Fernsteuerung.
Das Team hinter jeder Drohne
Eine Olympia-FPV-Drohne fliegt nie allein. OBS stellt für jede Drohne ein Team aus drei Spezialisten zusammen:
| Rolle | Aufgabe |
|---|---|
| Pilot | fliegt die Drohne manuell mit Videobrille und Fernsteuerung |
| Regisseur | wählt Anflug und Bildausschnitt, hält Kontakt zur Produktion |
| Techniker | Akkus, Funkstrecke, Empfänger, Ersatzdrohne |
Die Teams arbeiten aus Kabinen an der Strecke, mit Ladestation, Ersatzdrohne, Empfänger und zwei Monitoren, und sind über eigene Funkkanäle mit dem Produktionswagen verbunden. Unter den Piloten sind auch frühere Athleten. Beim Skispringen flog etwa der Norweger Jonas Sandell, ehemals Springer im norwegischen Nationalteam. Er wolle, dass das Publikum das Gefühl bekommt, selbst in der Luft zu sein, sagte er der kanadischen Zeitung The Globe and Mail.
Vor den Wettkämpfen trainieren die Teams gemeinsam mit den Athleten an den Wettkampfstätten. Dazu kommen feste Regeln: Die Drohnen folgen den Athleten und fliegen nie vor ihnen, und je nach Sportart gelten vorgegebene Sicherheitsabstände. Wer die Drohnen baut, wurde offiziell nicht bekannt gegeben, ein beteiligter Experte verwies gegenüber AFP auf Vertraulichkeit. Das deutsche Outdoor-Portal outdoormonster.de nennt das niederländische Team Dutch Drone Gods als Entwickler.
Wie Athleten und Zuschauer reagieren
Die meisten Stimmen aus dem Athletenfeld sind positiv. Rodel-Olympiasieger Felix Loch sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Bilder seien anders und sähen wirklich cool aus. Skirennfahrerin Emma Aicher gab an, die Drohne beim Fahren gar nicht zu bemerken, weil sie weit genug weg sei. Ähnlich äußerten sich laut The Globe and Mail zwei kanadische Athletinnen aus Rodeln und Ski alpin.
Kritischer klang es aus dem Snowboard. Einzelne Fahrerinnen empfanden die Drohnen als teils zu nah, eine andere fand die Vogelperspektive für ihre Tricks wenig vorteilhaft. Das IOC hält dagegen, die Drohnen beeinträchtigten das Erlebnis der Athleten nicht wesentlich.
Das auffälligste Nebenprodukt ist der Klang. Das hohe Summen der kleinen, schnell drehenden Propeller war in vielen Übertragungen zu hören und wurde unter Zuschauern lebhaft diskutiert. Die einen störte es, die anderen nahmen es für die Bilder gern in Kauf. Physikalisch ist das Summen der Preis für kleine Propeller mit hoher Drehzahl, die eine leichte Drohne auf 140 km/h bringen.
Ist Drohnenrennen olympisch?
Wer „FPV-Drohne Olympia” sucht, meint manchmal auch den Sport selbst. Drohnenrennen gehört bisher nicht zum olympischen Programm. Die größte Bühne im Umfeld des IOC sind die World Games, die Multisport-Spiele für nicht-olympische Sportarten unter IOC-Schirmherrschaft:
- 2022 in Birmingham (USA) war Drone Racing erstmals dabei.
- 2025 in Chengdu (China) flogen 32 Piloten aus 20 Ländern, darunter 13 Junioren und 8 Frauen, in einer gemeinsamen Wertung. Ein Rennen ging über drei Runden und dauerte rund zwei Minuten, die Strecke hatte die Form eines Pandas.
Zuständiger Weltverband ist die FAI, der Luftsportverband, der auch Weltmeisterschaften im Drohnenrennen ausrichtet. Wie Racing-Drohnen aufgebaut sind und in welchen Klassen geflogen wird, steht im Ratgeber FPV-Racing-Drohne: Technik, Klassen und Rennen.
Was Hobbypiloten davon mitnehmen können
Die Olympia-Bilder zeigen, was ein gut geflogener Cinewhoop leisten kann. Nachfliegen lässt sich die Szene im Hobby aber nur mit klaren Grenzen. In der Offenen Kategorie der EU gilt für FPV-Flüge mit Videobrille: Du brauchst einen Luftraumbeobachter direkt neben dir, der die Drohne ständig im Blick hat. Der Ratgeber FPV-Drohne fliegen erklärt diese Spotter-Regel im Detail.
Das Gewicht der Olympia-Drohnen ist dabei kein Zufall. Unter 250 Gramm gelten die einfachsten Regeln der Unterkategorie A1, wie der Ratgeber FPV-Drohne unter 250 g zeigt. Auch dann bleibt das Überfliegen von Menschenansammlungen verboten, und Überflüge unbeteiligter Personen sind so weit wie möglich zu vermeiden. Einsätze wie bei Olympia, dicht an Sportlern und vor Publikum, laufen deshalb mit eigenen Genehmigungen und abgesperrten Bereichen. Für die eigenen ersten Verfolgungsaufnahmen eignen sich Freunde, die wissen, worauf sie sich einlassen, und ein Gelände ohne Zuschauer.
Fazit: Olympia hat die FPV-Drohne ins Fernsehen gebracht
Die Mitfahr-Bilder von Milano Cortina stammen von 15 FPV-Drohnen mit 243 Gramm, geflogen von Dreier-Teams mit Videobrille und ohne Automatik. Möglich machen das kleine Cinewhoops mit Propellern unter dem Rahmen, zwei Kameras und eine Funkstrecke mit unter 100 Millisekunden Verzögerung. Nach dem Debüt in Paris 2024 war 2026 der Durchbruch bei Winterspielen.
Wer die Technik dahinter selbst ausprobieren will, fängt am besten mit einem Cinewhoop und einem Simulator an. Der Einstieg in die Welt der Videobrillen beginnt beim Ratgeber Was bedeutet FPV?.
Häufige Fragen
Wie schnell sind die FPV-Drohnen bei Olympia?
Die Olympia-Rundfunkgesellschaft OBS nennt nach Berichten von RedShark News und CineD bis zu 140 km/h für die Verfolgung von Rodel- und Bobfahrten, heise berichtet von bis zu rund 160 km/h. Die Werte gelten für die speziell gebauten Broadcast-Drohnen mit Kamera. Entscheidend ist dabei weniger die Spitze als die Fähigkeit, das Tempo der Athleten über eine ganze Fahrt mitzugehen.
Wie viel wiegen die Drohnen, die bei Olympia filmen?
Die FPV-Drohnen von Milano Cortina 2026 wiegen laut Berichten 243 Gramm, also knapp unter der 250-Gramm-Grenze. Das geringe Gewicht senkt die Aufprallenergie und damit das Risiko für Athleten und Zuschauer. Die zehn klassischen Kameradrohnen für Landschaftsaufnahmen sind größer und schwerer.
Wer steuert die FPV-Drohnen bei Olympia?
Jede Drohne betreut ein Team aus drei Leuten: Pilot, Regisseur und Techniker. Der Pilot fliegt manuell mit Fernsteuerung und Videobrille, ohne automatische Kollisionsvermeidung. Unter den Piloten sind auch ehemalige Athleten, bei den Skispringern etwa der Norweger Jonas Sandell, früher selbst Skispringer im Nationalteam.
Stören die Drohnen die Athleten?
Die meisten befragten Athleten sagen nein. Rodel-Olympiasieger Felix Loch lobte gegenüber AFP die neuen Bilder, Skirennfahrerin Emma Aicher gab an, die Drohne beim Fahren nicht zu bemerken. Kritik kam aus dem Snowboard, wo einzelne Fahrerinnen die Drohnen teils als zu nah empfanden. Hörbar sind sie deutlich: Das hohe Summen der kleinen Propeller war in vielen Übertragungen zu hören.
Bei welchen Sportarten kamen FPV-Drohnen 2026 zum Einsatz?
Unter anderem bei Ski alpin, Freestyle und Snowboard, Skispringen, Biathlon, Rodeln, Bob und Skeleton sowie im Eisschnelllauf. Laut heise flogen die Teams bei allen Wettbewerben außer Eiskunstlauf, Eishockey und Curling. Im Eiskanal flogen die Drohnen auf kurzen Abschnitten sogar zwischen den Eiswänden.
Ist Drohnenrennen eine olympische Sportart?
Nein, bei Olympischen Spielen gibt es bisher kein Drohnenrennen. Die höchste Bühne sind die World Games unter der Schirmherrschaft des IOC: Dort war Drone Racing 2022 in Birmingham erstmals dabei und 2025 in Chengdu erneut, mit 32 Piloten aus 20 Ländern. Veranstalter auf Verbandsseite ist der Luftsportverband FAI.
Kann man die Olympia-Drohnen kaufen?
Nein, es sind Einzelstücke, die für den Rundfunkeinsatz gebaut wurden. heise nennt einen Wert von rund 15.000 Euro pro Drohne, getragen vor allem von der Broadcast-Kamera und der Funkstrecke. Die Bauform selbst ist aus dem Hobby bekannt: ein Cinewhoop mit ummantelten Propellern, wie ihn viele FPV-Piloten für Kamerafahrten nutzen.