Auf Linux ist die Frage nach dem FPV-Simulator selten die nach der Auswahl. Die Titel sind da, ein gutes Dutzend läuft sogar nativ. Die Frage ist, warum der Funksender im Simulator nicht auftaucht, obwohl das System ihn längst sieht. Dieser Artikel listet auf, was nativ läuft, was über Proton geht, und löst die eine Hürde, an der fast alle hängen bleiben.
Das Wichtigste in Kürze
- Zwölf FPV-Titel auf Steam führen einen nativen Linux-Build, drei davon kostenlos.
- VelociDrone gibt es als Debian-Paket, für andere Distributionen über ein Installationsskript oder das Arch User Repository.
- Liftoff verlangt Ubuntu 18.04 oder neuer und eine Grafikkarte ab RTX 2060 beziehungsweise RX Vega 56.
- Windows-Titel laufen über Proton, brauchen dann aber die HID-Freigabe in den Startoptionen.
- Die häufigste Ursache für einen stummen Sender ist eine fehlende udev-Regel, nicht der Simulator.
Zwölf Titel mit nativem Linux-Build
Die verlässlichste Liste liefert Steam selbst, weil dort jeder Entwickler hinterlegt, für welche Systeme er ausliefert. Der Betriebssystem-Filter auf Linux ergibt diese Auswahl (Stand September 2026):
| Simulator | Preis | Einordnung |
|---|---|---|
| FPV SkyDive | kostenlos | Gratis-Einstieg mit Freiflug-Karten |
| SPLIT FPV: Drone Racing | kostenlos | Rennfokus, junger Titel |
| Liftoff - DJI FPV | kostenlos | bildet die DJI-FPV-Steuerung nach |
| CurryKitten FPV Simulator | 1,59 € | schlank, sehr genügsam |
| SITL Forge – External FC: Betaflight | 8,51 € | Zusatzmodul, echte Firmware |
| FPV SkyDive - Micro Drone Edition | 9,75 € | Whoop-Klasse, Innenräume |
| FPV SkyDive - Flight School | 10,79 € | Übungen mit Lernpfad |
| SITL Forge - FPV Laboratory | 12,75 € | Simulator um echte Firmware herum |
| The Zone | 13,79 € | Freestyle-Karten |
| Liftoff: Micro Drones | 15,99 € | Whoop-Ableger von Liftoff |
| Liftoff: FPV Drone Racing | 19,99 € | größter Umfang, große Community |
Dazu kommt die kostenlose Demo von SITL Forge. Bemerkenswert an der Liste ist ihre Breite: Vom Gratis-Einstieg über die Whoop-Klasse bis zum Renntitel mit großer Community fehlt keine Kategorie.
Was Liftoff unter Linux verlangt
Liftoff ist der Titel mit dem größten Umfang und zugleich der mit den höchsten Ansprüchen. Der Entwickler nennt für Linux ausdrücklich:
| Anforderung | Angabe |
|---|---|
| Betriebssystem | Ubuntu 18.04 oder neuer |
| Prozessor | Intel 8. Generation oder AMD Ryzen 1. Generation, ab 2,4 GHz |
| Arbeitsspeicher | 8 GB |
| Grafik | GeForce RTX 2060 oder AMD RX Vega 56, 4 GB Videospeicher |
| Speicherplatz | 25 GB |
Die Angabe “Ubuntu 18.04 oder neuer” beschreibt eine Untergrenze bei den Systembibliotheken. Aktuelle Distributionen aus anderen Familien erfüllen sie in aller Regel ebenfalls.
Wichtiger ist die Grafikkarte. Eine RTX 2060 als Minimum ist für einen Trainingssimulator hoch gegriffen. Wer schwächere Hardware hat, findet in CurryKitten FPV Simulator für 1,59 Euro den genügsamsten Titel der Liste, und FPV SkyDive kostet nichts. Für den Lerneffekt zählt ohnehin eine gleichmäßige Bildrate mehr als die Optik, weil jede Ruckelphase eine Reaktion auslöst, die es an der echten Drohne nicht gibt.
VelociDrone: Debian-Paket und der Weg daneben
VelociDrone läuft bewusst außerhalb von Steam und gilt unter Racern als Referenz für die Flugphysik. Für Linux liefert der Anbieter ein Debian-Paket, das sich auf Debian und Ubuntu direkt installieren lässt.
Für alles außerhalb dieser Familie gibt es zwei eingespielte Wege:
- Ein quelloffenes Installationsskript auf GitHub, das den offiziellen Client auf Distributionen einrichtet, die der Anbieter selbst nicht nennt.
- Ein Paket im Arch User Repository für Arch und dessen Ableger.
Beide greifen auf den offiziellen Client zurück und bauen nichts nach. Wer regelmäßig Rennen gegen andere Piloten fliegen möchte, kommt an diesem Titel schwer vorbei, weil sich dort die meisten Mitflieger treffen.
FPV Freerider über itch.io
FPV Freerider Recharged wird über die Plattform itch.io verkauft und bringt neben Windows und macOS eine Linux-Fassung mit. Der Preis beginnt bei 9,99 US-Dollar, der Entwickler stellt die Linux-Variante als experimentellen Build bereit. Eine kostenlose Demo steht ebenfalls als Linux-Version zum Download.
Der Titel ist seit Jahren der Standard-Tipp für den allerersten Kontakt mit dem Acro-Modus, weil er auf praktisch jeder Hardware läuft. Er bringt Flüge auf Sicht und aus der Brillenperspektive mit, dazu Selbstausgleich und Acro sowie einen Editor für eigene Strecken.
Die Windows-Titel über Proton
Mehrere bekannte Simulatoren erscheinen nie für Linux, darunter Uncrashed, TRYP FPV, der DRL Simulator, Aster FPV, FPV LOGIC und XFlight. Für sie führt der Weg über Proton, die Übersetzungsschicht in Steam.
Grafisch macht das selten Ärger. Der Stolperstein sitzt bei der Eingabe: Proton reicht rohe HID-Geräte nur weiter, wenn du es ausdrücklich erlaubst. Dafür trägst du in den Eigenschaften des Spiels unter den Startoptionen ein:
PROTON_ENABLE_HIDRAW=0x1209/0x4f54 SDL_JOYSTICK_HIDAPI=0 %command%
Die beiden Werte hinter PROTON_ENABLE_HIDRAW sind Hersteller- und
Produkt-ID deines Senders. Die hier gezeigten gehören zu einem
verbreiteten EdgeTX-Gerät, deine eigenen liest du mit lsusb aus.
Wo es einen nativen Build gibt, ist er die bessere Wahl. Er umgeht die Übersetzungsschicht, startet zuverlässiger und macht beim Einlesen der Eingabegeräte weniger Umstände.
Die eigentliche Hürde: der Sender bleibt stumm
Hier hängen die meisten fest, und die Ursache liegt fast nie am
Simulator. Ein EdgeTX-Sender meldet sich am USB-Anschluss als
HID-Gerät an. Linux bindet ihn ein, lsusb zeigt ihn, und trotzdem
bleiben die Achsen im Spiel leer.
Der Grund ist eine Berechtigungsfrage: Dein Benutzerkonto darf das rohe HID-Gerät nicht auslesen. Eine udev-Regel hebt das dauerhaft auf:
sudo tee /etc/udev/rules.d/71-edgetx-hidraw.rules <<EOF
# EdgeTX/OpenTX Radio
KERNEL=="hidraw*", ATTRS{idVendor}=="1209", ATTRS{idProduct}=="4f54", TAG+="uaccess"
EOF
sudo udevadm control --reload-rules
sudo udevadm trigger
Ersetze die beiden IDs durch die Werte aus deiner lsusb-Ausgabe. Das
Kürzel uaccess weist das System an, dem gerade angemeldeten Benutzer
Zugriff auf das Gerät zu geben.

Beide Wege führen zum Ziel, beide scheitern an derselben Stelle: ohne udev-Regel bleibt der Sender stumm.
Zwei weitere Auffälligkeiten begegnen dir in diesem Zusammenhang häufig:
- Nur sechs Achsen werden erkannt. Das ist eine Begrenzung auf der Systemseite. Für die vier Flugachsen plus zwei Schalter reicht es, für umfangreiche Schalterbelegungen wird es eng.
- Die Achsen liegen falsch. Der Simulator fragt beim ersten Start jede Achse einzeln ab. Für Mode 2 gilt: linker Knüppel senkrecht ist Gas, linker waagerecht ist Gieren, rechter senkrecht ist Nicken, rechter waagerecht ist Rollen.
Am Sender selbst muss nach dem Anstecken der Modus USB Joystick aktiv sein. Beide Funkmodule schalten dabei ab, der Mischer läuft im Joystick-Betrieb mit 1000 Hz.
Steam Deck: der eingebaute Controller drängelt
Das Steam Deck läuft auf SteamOS und spielt die nativen Titel ohne Weiteres. Sein eigener Controller stellt sich allerdings vor den angesteckten Funksender, sodass das Spiel die Knüppel des Decks liest und den Sender ignoriert.
Der Ausweg führt wieder über die Startoptionen:
SteamDeck=0 SDL_GAMECONTROLLER_IGNORE_DEVICES=0x28de/0x1205,0x28de/0x11ff
Damit blendest du den internen Controller für dieses eine Spiel aus. Danach greift der Sender wie an jedem anderen Rechner. Rechenleistung ist auf dem Deck selten das Thema, weil die genügsamen Titel der Liste dort problemlos laufen.
SITL Forge: der Sonderfall für Bastler
Ein Titel in der Liste fällt aus dem Rahmen und verdient eine eigene Erwähnung. SITL Forge führt echte Flugsteuerungs-Firmware im Software-in-the-Loop-Betrieb aus. Die Grundfassung kostet 12,75 Euro, daneben steht eine kostenlose Demo, und ein Zusatzmodul für 8,51 Euro bindet Betaflight ein.
Der praktische Nutzen liegt im Ausprobieren von Einstellungen, die sonst einen Flug kosten: Rates, Expo und PID-Werte lassen sich am Rechner verändern und sofort erfliegen. Wie diese Werte zusammenwirken, erklären die Artikel zu Rates und Expo in Betaflight und zum PID-Einstellen.
Für den reinen Trainingszweck ist der Titel zu speziell. Wer aber ohnehin an seinem Tuning arbeitet, bekommt hier eine Übungsumgebung, die es auf keiner anderen Plattform in dieser Form gibt.
Fazit: die Auswahl ist da, die Hürde ist eine Zeile
Linux ist bei FPV-Simulatoren längst kein Randfall mehr. Zwölf Titel mit nativem Build, dazu VelociDrone als Debian-Paket und FPV Freerider über itch.io decken jeden Trainingsplan ab, und drei der Titel kosten nichts.
Der Ablauf, der sich bewährt hat: mit einem kostenlosen Titel prüfen, ob Bildrate und Bedienung passen, dann die udev-Regel einrichten und erst danach über einen Kauf nachdenken. Die Regel ist einmal getippt und gilt anschließend für jeden Simulator auf dem Rechner. Welche Programme es insgesamt gibt und wie ein Trainingsplan aussieht, der den Transfer zur echten Drohne schafft, steht im Überblick zum FPV-Simulator. Wer ganz ohne Installation starten will, findet die Titel im Artikel zum FPV-Simulator im Browser.
Häufige Fragen
Welche FPV-Simulatoren laufen nativ unter Linux?
Im Steam-Store führen zwölf FPV-Titel einen nativen Linux-Build, darunter Liftoff für 19,99 Euro, The Zone für 13,79 Euro, Liftoff Micro Drones für 15,99 Euro und der CurryKitten FPV Simulator für 1,59 Euro. Kostenlos sind FPV SkyDive, SPLIT FPV und Liftoff - DJI FPV. Außerhalb von Steam kommen VelociDrone mit Debian-Paket und FPV Freerider Recharged über itch.io dazu.
Läuft VelociDrone unter Linux?
Ja. Der Anbieter stellt neben den Fassungen für Windows und macOS einen Linux-Client als Debian-Paket bereit, das sich auf Debian und Ubuntu direkt installieren lässt. Für Distributionen außerhalb dieser Familie gibt es ein quelloffenes Installationsskript auf GitHub sowie ein Paket im Arch User Repository.
Warum erkennt der Simulator meinen Funksender unter Linux nicht?
Meist fehlt die Leseberechtigung auf das rohe HID-Gerät. Der Sender ist am System sichtbar, dein Benutzerkonto darf ihn aber nicht direkt auslesen. Eine udev-Regel mit dem Eintrag TAG+="uaccess" für die Vendor- und Produkt-ID deines Senders behebt das dauerhaft. Die IDs liest du mit dem Befehl lsusb aus.
Welche Systemanforderungen nennt Liftoff für Linux?
Liftoff verlangt als Minimum Ubuntu 18.04 oder neuer, einen Prozessor ab Intel achter Generation oder AMD Ryzen erster Generation mit 2,4 GHz, 8 GB Arbeitsspeicher, 25 GB Speicherplatz und eine Grafikkarte auf dem Niveau einer GeForce RTX 2060 oder AMD RX Vega 56 mit 4 GB Videospeicher.
Kann ich Windows-Simulatoren über Proton spielen?
In vielen Fällen ja. Titel ohne Linux-Build wie Uncrashed, TRYP FPV oder der DRL Simulator lassen sich über Proton starten. Der Stolperstein bleibt der Funksender: Proton reicht rohe HID-Geräte nur weiter, wenn du es ausdrücklich erlaubst. Dafür trägst du in den Startoptionen des Spiels PROTON_ENABLE_HIDRAW mit der ID deines Senders ein.
Funktioniert ein FPV-Simulator auf dem Steam Deck?
Ja, mit einer Besonderheit. Das Steam Deck bringt einen eigenen Controller mit, der sich vor den angesteckten Funksender drängt. Über die Startoptionen lässt sich der interne Controller für dieses Spiel ausblenden, danach greift der Sender. Gerechnet bekommt das Deck die nativen Titel ohne Weiteres.
Sollte ich einen nativen Build oder Proton bevorzugen?
Den nativen Build, wenn es ihn gibt. Er umgeht die Übersetzungsschicht komplett, startet zuverlässiger und macht beim Einlesen der Eingabegeräte weniger Umstände. Proton ist der Weg für Titel, die es für Linux nie gab, und funktioniert dort gut genug, sobald die Sender-Freigabe eingerichtet ist.
Was ist SITL Forge?
SITL Forge ist ein Simulator, der echte Flugsteuerungs-Firmware im Software-in-the-Loop-Betrieb ausführt. Die Grundfassung kostet 12,75 Euro, eine kostenlose Demo steht daneben, und ein Zusatzmodul für 8,51 Euro bindet Betaflight ein. Damit lassen sich PID-Werte und Rates am Rechner ausprobieren.