Das Wichtigste in Kürze
- RadioMaster FCC oder LBT: In Deutschland ist die LBT-Version die zulässige. Sie kommt mit der ExpressLRS-Domain EU CE 2400 und ist auf 100 mW begrenzt.
- FCC-Version: ISM-Firmware ohne Listen Before Talk, die Höchstleistung hängt von der Hardware ab. Über 100 mW EIRP verlässt sie die deutsche Allgemeinzuteilung.
- Sender und Empfänger: müssen dieselbe Regulatory Domain haben, sonst binden sie nicht.
- Umflashen: Bei ExpressLRS ist die Domain eine Firmware-Option. Eine FCC-Funke wird per Configurator zur LBT-Funke.
- Multiprotokoll: Die CC2500-Version in LBT spricht nur FrSky X/X2 LBT und HoTT LBT, die 4in1-Version zusätzlich DSMX.
Was FCC und LBT bei RadioMaster bedeuten
RadioMaster bietet seine Fernsteuerungen wie Pocket, Boxer und Zorro in zwei Regionen an. Im Shop heißt die Auswahl schlicht FCC oder LBT. FCC steht für die US-Regulierungsbehörde Federal Communications Commission, deren Regeln die Standardversion folgt. LBT steht für Listen Before Talk und bezeichnet die Version für Europa.
Bei den ExpressLRS-Funken beschreibt RadioMaster den Unterschied über die vorinstallierte Firmware:
| Version | Firmware ab Werk | Sendeleistung | Kanalzugriff |
|---|---|---|---|
| ELRS FCC | ExpressLRS mit ISM-Domain (ISM 2400) | abhängig von der Hardware | sendet ohne Prüfung |
| ELRS LBT | ExpressLRS mit EU-Domain (EU CE 2400) | höchstens 100 mW | prüft vor jedem Paket |
| CC2500 LBT | Multiprotokoll | – | nur FrSky X/X2 LBT, HoTT LBT |
| 4in1 LBT | Multiprotokoll | – | nur FrSky X/X2 LBT, HoTT LBT, DSMX |
Bei ExpressLRS ist die Regulatory Domain eine Option, die beim Flashen festgelegt wird. Laut Dokumentation wählt man darüber den Frequenzbereich und das Verfahren, das in der eigenen Region gilt. Die Version beim Kauf legt also fest, mit welcher Firmware die Funke ankommt. Ändern lässt sie sich später durch erneutes Flashen.
So arbeitet Listen Before Talk
Im 2,4-GHz-Band teilen sich viele Geräte die Kanäle, vor allem WLAN und Bluetooth. Die europäische Norm EN 300 328 verlangt deshalb von Funkgeräten dieser Leistungsklasse ein Verfahren, das belegte Kanäle erkennt und meidet. ExpressLRS setzt dafür Listen Before Talk ein.
Der Ablauf ist einfach. Vor jedem Steuerpaket hört das Modul kurz in den Kanal hinein. Ist er frei, sendet es. Ist er belegt, lässt es das Paket aus und versucht es beim nächsten Sprung auf einem anderen Kanal. Die FCC-Firmware sendet dagegen jedes Paket zum geplanten Zeitpunkt, auch wenn der Kanal gerade belegt ist.

Die LBT-Firmware hört vor jedem Paket in den Kanal und lässt es bei Belegung aus. Die FCC-Firmware sendet durch.
Im Flug zeigt sich LBT an der Linkqualität. Auf stark belegten Kanälen, etwa neben vielen WLAN-Netzen oder bei einem Rennen mit vielen Piloten, fallen einzelne Pakete aus, und der Wert schwankt etwas stärker. Ein einzelnes ausgelassenes Paket merkst du am Stick nicht, bei 250 Hz kommt das nächste vier Millisekunden später.
Was in Deutschland gilt
Für das 2,4-GHz-Band gilt eine Allgemeinzuteilung der Bundesnetzagentur. Sie erlaubt die Nutzung ohne Anmeldung und Gebühr, begrenzt aber die abgestrahlte Leistung auf 100 mW EIRP, also 20 dBm einschließlich Antennengewinn. Die LBT-Version hält beides ein, die Leistungsgrenze und die Kanalteilung nach EN 300 328.
Die FCC-Firmware erfüllt diese Vorgaben nicht. Sie kennt kein Listen Before Talk und erlaubt Leistungen über 100 mW, sofern die Hardware sie schafft. Wer sie in Deutschland mit mehr als 100 mW betreibt, funkt außerhalb der Allgemeinzuteilung. Das ist eine Ordnungswidrigkeit nach dem Telekommunikationsgesetz. Die Bundesnetzagentur kann ein Bußgeld verhängen und die Anlage sicherstellen, praktisch wird das vor allem relevant, wenn andere Funkdienste gestört werden. Die übrigen Frequenzregeln für Video und Steuerung fasst der Ratgeber zu den FPV-Frequenzen in Deutschland zusammen.
Für die Drohne selbst ändert die Version nichts. Klasse, Registrierung und Kompetenznachweis hängen am Fluggerät, die Funke betrifft allein das Frequenzrecht.
100 mW gegen 1 W: was die Grenze kostet
Wie viel mehr eine FCC-Funke senden darf, hängt vom Modell ab. RadioMaster nennt für die FCC-Version keinen festen Wert, bei der Boxer mit lüftergekühltem Modul geben Händler bis 30 dBm, also 1 W, an.
| Leistung | dBm | Abstand zu 100 mW | Reichweite im freien Feld, rechnerisch |
|---|---|---|---|
| 100 mW | 20 | – | Bezugswert |
| 250 mW | 24 | 4 dB | knapp das 1,6-Fache |
| 500 mW | 27 | 7 dB | gut das 2,2-Fache |
| 1.000 mW | 30 | 10 dB | knapp das 3,2-Fache |
Die Rechnung folgt einer Faustregel der Funktechnik. Im freien Feld wächst die Dämpfung mit dem Quadrat der Entfernung, sechs Dezibel mehr verdoppeln deshalb die Reichweite. Mit 1 W käme eine Funke rechnerisch gut dreimal so weit wie mit 100 mW.
Zwei Dinge relativieren das. In der offenen Kategorie fliegst du auf Sicht oder mit Beobachter, und dafür reichen 100 mW bei ExpressLRS bei weitem. Und die Paketrate wirkt in derselben Größenordnung. Zwischen 500 Hz mit -105 dBm und 150 Hz mit -112 dBm Empfindlichkeit liegen sieben Dezibel. Wer für weite Strecken die Rate senkt, holt also einen Großteil des Leistungsunterschieds zurück. Die Werte aller Raten stehen im Ratgeber zur ELRS Packet Rate.
Sender und Empfänger müssen zusammenpassen
ExpressLRS schreibt es in seiner Dokumentation deutlich. Sender und Empfänger binden nur, wenn sie dieselbe Hauptversion (etwa 3.x oder 4.x), dieselbe Bindephrase und dieselben Optionen nutzen, ausdrücklich auch die Regulatory Domain. Eine LBT-Funke und ein Empfänger mit FCC-Firmware finden sich also nicht, auch wenn Bindephrase und Version stimmen.
In der Praxis entsteht der Fall oft beim Kauf. Die Funke kommt als LBT-Version, der Empfänger in der Drohne oder aus einem separaten Kauf mit FCC-Firmware. Viele Händlerlistungen nennen die Version gar nicht. Dann gilt:
- Domain prüfen: im Webinterface des Empfängers oder anhand der Firmware-Datei, mit der er zuletzt geflasht wurde.
- Angleichen: den Empfänger mit EU CE 2400 flashen, die Funke bleibt auf LBT.
- Neu binden: mit gleicher Bindephrase verbinden sich beide danach automatisch.
Bei Drohnen mit fest verbautem Empfänger, etwa vielen Tiny Whoops, gilt dasselbe. Sitzt der Empfänger als SPI-Baustein direkt auf dem Flight Controller, hängt die Umstellung an dessen Firmware, den Weg nennt die Anleitung des Herstellers.
Von FCC auf LBT umflashen
Hat die Funke schon FCC-Firmware, lässt sich das bei ExpressLRS ohne neue Hardware ändern. Der Weg führt über den ExpressLRS Configurator:
- Gerät wählen: das interne Modul deiner Funke aus der Geräteliste von RadioMaster, dazu dieselbe Firmware-Version wie bisher.
- Domain setzen: unter den Optionen die Regulatory Domain EU CE 2400 auswählen.
- Bindephrase eintragen: dieselbe wie bisher, damit die Empfänger danach wieder binden.
- Flashen: über WLAN, nachdem das Modul im ExpressLRS-Lua-Skript in den WLAN-Modus geschaltet wurde, oder über USB.
- Empfänger angleichen: jeden Empfänger mit derselben Domain flashen. Ohne Verbindung zum Sender öffnet er nach rund einer Minute ein eigenes WLAN, über das die Datei hochgeladen wird.
Die Schritte im Detail mit Configurator, Web-Flasher und typischen Fehlern beschreibt der Ratgeber zum ELRS Firmware Update. Danach arbeitet die Funke mit denselben Grenzen wie eine ab Werk gelieferte LBT-Version, sie ist auf 100 mW begrenzt und hört vor jedem Paket in den Kanal.
CC2500 und 4in1: LBT bei FrSky und HoTT
Neben ExpressLRS verkauft RadioMaster Funken mit Multiprotokoll-Modulen. Die Version CC2500 spricht ältere 2,4-GHz-Systeme wie FrSky, die Version 4in1 zusätzlich weitere Hersteller. Auch hier gibt es FCC und LBT.
- CC2500 LBT: laut RadioMaster beschränkt auf die LBT-fähigen Protokolle FrSky X/X2 LBT und HoTT LBT.
- 4in1 LBT: dieselben Protokolle plus DSMX.
- FCC-Versionen: alle Protokolle des Multiprotokoll-Moduls.
Für Besitzer älterer FrSky-Empfänger ist das wichtig. Auch FrSky liefert seine Empfänger in einer EU-LBT- und einer FCC-Firmware, und beide Seiten müssen zusammenpassen. Wer einen FrSky-Empfänger mit FCC-Firmware besitzt, flasht ihn auf EU-LBT oder nutzt eine Funke mit passender Version. Für neue Drohnen ist ExpressLRS heute der verbreitete Standard, die Frage stellt sich dort nur über die Domain.
Welche Version solltest du kaufen?
Für Piloten in Deutschland und der EU ist die Antwort eindeutig:
- Neukauf: die LBT-Version. Sie ist ab Werk richtig eingestellt, und der Empfänger muss nur dieselbe Domain haben.
- FCC-Funke schon vorhanden: internes Modul und alle Empfänger auf EU CE 2400 flashen. Neue Hardware ist bei ExpressLRS nicht nötig.
- Reisen außerhalb der EU: Die Domain lässt sich vor Ort wieder ändern. In den USA gilt dann die FCC-Firmware als die passende.
- Multiprotokoll mit alten FrSky-Empfängern: auf die Firmware der Empfänger achten, LBT und FCC lassen sich dort nicht mischen.
Die RadioMaster Pocket ist bei Amazon in der LBT-Version mit ExpressLRS gelistet. Sie wiegt 288 g und arbeitet mit Hall-Gimbals, die ohne verschleißende Schleifkontakte auskommen.
Fazit: LBT kaufen, Domain angleichen
In Deutschland ist die LBT-Version von RadioMaster die passende Wahl. Sie hält die 100 mW EIRP der Allgemeinzuteilung ein und teilt den Kanal mit WLAN und anderen Funkgeräten, wie es die EN 300 328 verlangt. Für Flüge auf Sicht reicht die Leistung bei weitem. Wichtiger als die Version der Funke ist danach der Empfänger. Er braucht dieselbe Domain, sonst bleibt die Verbindung aus. Wer schon eine FCC-Funke besitzt, flasht Modul und Empfänger auf EU CE 2400 und fliegt mit derselben Hardware regelkonform weiter.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen FCC und LBT bei RadioMaster?
RadioMaster verkauft seine Funken in zwei Regionen. Die LBT-Version kommt laut Hersteller mit der ExpressLRS-Firmware für die EU-Domain mit Listen Before Talk und ist auf 100 mW begrenzt. Die FCC-Version nutzt die ISM-Firmware, ihre Höchstleistung hängt von der Hardware ab. Bei den Multiprotokoll-Versionen beschränkt LBT zusätzlich die Protokolle.
Welche RadioMaster-Version brauche ich in Deutschland?
Die LBT-Version. Im 2,4-GHz-Band erlaubt die Allgemeinzuteilung der Bundesnetzagentur höchstens 100 mW EIRP, und die Norm EN 300 328 verlangt ein Verfahren zur Kanalteilung. ExpressLRS erfüllt beides mit der EU-Domain, die RadioMaster bei der LBT-Version vorinstalliert.
Kann ich eine FCC-Funke auf LBT umflashen?
Bei ExpressLRS ja. Die Regulatory Domain ist eine Option beim Flashen der Firmware. Du flashst das interne Modul der Funke und alle Empfänger mit der Domain EU CE 2400, am einfachsten mit dem ExpressLRS Configurator über WLAN oder USB. Danach gelten dieselben Grenzen wie bei einer ab Werk gelieferten LBT-Version.
Warum bindet mein Empfänger nicht mit der LBT-Funke?
Meist stimmt die Regulatory Domain nicht überein. Laut ExpressLRS binden Sender und Empfänger nur, wenn sie dieselbe Hauptversion, dieselbe Bindephrase und dieselben Optionen wie die Domain nutzen. Empfänger gibt es ebenfalls in FCC- und LBT-Version, und viele Händlerlistungen nennen nicht, welche ankommt. Ein Empfänger mit FCC-Firmware muss für eine LBT-Funke auf EU CE 2400 geflasht werden.
Ist die FCC-Version in Deutschland verboten?
Entscheidend ist der Betrieb. Sendet eine Funke mit FCC-Firmware über 100 mW EIRP, liegt sie außerhalb der Allgemeinzuteilung. Das ist eine Ordnungswidrigkeit nach dem Telekommunikationsgesetz, die Bundesnetzagentur kann ein Bußgeld verhängen und die Anlage sicherstellen. Mit LBT-Firmware geflasht arbeitet dieselbe Hardware innerhalb der Grenzen.
Wie viel Reichweite kostet die LBT-Version?
Gegenüber 1 W liegen 100 mW zehn Dezibel tiefer. Im freien Feld halbiert sich die Reichweite rechnerisch alle sechs Dezibel, zehn Dezibel entsprechen knapp einem Drittel der Strecke. Für Flüge auf Sicht reicht das bei weitem, und eine niedrigere Paketrate holt einen Großteil zurück. Bei 150 Hz ist der Empfänger sieben Dezibel empfindlicher als bei 500 Hz.
Gibt es LBT auch für 868 MHz?
Ja. ExpressLRS führt für das europäische 868-MHz-Band die Domain EU 868 und schreibt in seiner Dokumentation, dass die EU-Domains inzwischen LBT-konform sind. Für 868 MHz gelten in Deutschland eigene Grenzen bei Leistung und Sendedauer, die sich von denen im 2,4-GHz-Band unterscheiden.