Der Quad zeigt 15,4 Volt, das Multimeter sagt 15,0. Auf dem Papier sind das drei Prozent, in der Praxis der Unterschied zwischen einem Akku, der zwanzig Zyklen mehr hält, und einem, der nach der halben Saison aufgebläht in der Ecke liegt. Die Kalibrierung dauert fünf Minuten und braucht nichts außer einem Multimeter.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Formel: neuer Scale = alter Scale × (Multimeter-Spannung ÷ Betaflight-Spannung).
- Der Wert steht im Reiter Power & Battery unter Voltage Meter, üblicher Ausgangswert ist 110.
- Ursache der Abweichung ist der Spannungsteiler auf dem Board, dessen Widerstände ein bis zwei Prozent streuen.
- 0,3 Volt Fehler bei 4S verschieben die Landeschwelle um rund 0,08 Volt je Zelle.
- Der Stromsensor wird getrennt abgeglichen, über die nachgeladene Kapazität.
Warum die Anzeige überhaupt abweicht
Ein Flight Controller kann die Akkuspannung nicht direkt messen, weil sie weit über dem liegt, was der Mikrocontroller verträgt. Zwischen Akku und Messeingang sitzt deshalb ein Spannungsteiler aus zwei Widerständen, der die Spannung in einem festen Verhältnis herunterteilt.
Dieses Verhältnis kennt Betaflight über den Wert Voltage Scale. Das Problem sind die Widerstände selbst: Sie haben eine Fertigungstoleranz, üblich ist ein Prozent, bei günstigen Bauteilen auch mehr. Zwei Boards derselben Serie liefern deshalb leicht unterschiedliche Werte.
Bei einem 4S-Akku mit 16,8 Volt bedeuten zwei Prozent bereits 0,34 Volt. Verteilt auf vier Zellen sind das 0,085 Volt je Zelle, und genau in diesem Bereich liegen die Entscheidungen über Landen oder Weiterfliegen.
Was eine falsche Anzeige anrichtet

Ein Anzeigefehler von 0,08 Volt je Zelle verschiebt den Landezeitpunkt in den schädigenden Bereich.
Die Spannung ist der einzige Anhaltspunkt, den du im Flug über den Ladezustand hast. An ihr hängen drei Dinge gleichzeitig:
Die OSD-Warnung. Sie erscheint bei einer eingestellten Zellspannung, meist 3,5 Volt. Zeigt der Controller zu viel an, kommt die Warnung zu spät.
Der spannungsabhängige Failsafe. Manche Aufbauten lösen bei Unterspannung eine automatische Landung aus. Auch diese Schwelle verschiebt sich mit.
Die Restkapazitätsanzeige. Betaflight rechnet aus Spannung und gezähltem Strom eine verbleibende Kapazität. Ein Fehler in der Spannung geht direkt in diese Schätzung ein.
Der teure Teil ist die Tiefentladung. Ein LiPo, der regelmäßig unter 3,3 Volt je Zelle gefahren wird, verliert Kapazität und Innenwiderstand verschlechtert sich. Sichtbar wird das erst nach Wochen, und die Ursache ist dann kaum noch zuzuordnen. Wie Ladezustand und Lagerspannung zusammenhängen, steht im Ratgeber LiPo-Akku laden.
Die Kalibrierung Schritt für Schritt
Du brauchst ein Multimeter und einen geladenen Akku. Propeller bleiben ab.
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Akku anstecken und den Quad mit dem Configurator verbinden.
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Am Akkustecker messen. Die Messspitzen an Plus und Minus des XT60 halten und den Wert notieren, etwa 16,80 Volt.
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Im Reiter Power & Battery die von Betaflight angezeigte Spannung ablesen, etwa 16,50 Volt.
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Rechnen:
neuer Scale = alter Scale × (Multimeter ÷ Betaflight) neuer Scale = 110 × (16,80 ÷ 16,50) = 112 -
Wert eintragen und speichern. Die Anzeige aktualisiert sich sofort.
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Gegenprüfen. Stimmt die Anzeige jetzt auf 0,05 Volt genau, passt es. Andernfalls die Rechnung mit den neuen Werten wiederholen.
Wer nicht rechnen will, kommt auch durch Ausprobieren ans Ziel: Der Scale wird in Schritten von drei bis fünf verändert, bis die Anzeige passt. Ein höherer Scale bedeutet eine höhere angezeigte Spannung.
Sinnvoll ist die Messung bei halb geladenem Akku, also um 3,8 Volt je Zelle. Dort liegt der Bereich, in dem die Anzeige im Flug wirklich zählt. Am oberen Ende der Skala kalibriert, kann die Abweichung im unteren Bereich größer ausfallen.
Den Stromsensor abgleichen
Der zweite Wert im Power-Reiter betrifft den Stromsensor. Er zählt die entnommenen Milliamperestunden und ist die genauere Grundlage für die Restkapazität, weil er von Lastspitzen unabhängig ist.
Der Abgleich läuft über einen kompletten Zyklus:
- Einen Akku im Flug normal leerfliegen, bis die Warnschwelle erreicht ist.
- Den von Betaflight gezählten Verbrauch notieren, etwa 1.050 mAh.
- Den Akku vollständig laden und ablesen, wie viel das Ladegerät tatsächlich eingeladen hat, etwa 1.150 mAh.
- Den Current Scale im selben Verhältnis anpassen: gezählter Wert geteilt durch tatsächlichen Wert, multipliziert mit dem alten Scale.
Eine Abweichung von fünf bis zehn Prozent ist bei Serienboards normal. Wer den Verbrauch als Hauptindikator nutzt, hat nach diesem Abgleich eine deutlich verlässlichere Anzeige als über die Spannung allein.
Ruhespannung und Spannung unter Last
Ein Punkt sorgt regelmäßig für Verwirrung: Der Wert im OSD springt im Flug deutlich, obwohl die Kalibrierung stimmt. Das ist normal und hat nichts mit der Messung zu tun.
Jeder Akku hat einen Innenwiderstand. Fließt Strom, fällt an diesem Widerstand Spannung ab, und zwar proportional zur Stromstärke. Bei Vollgas zieht ein 5-Zöller schnell 60 bis 100 Ampere, und die angezeigte Spannung bricht dabei um ein halbes Volt je Zelle oder mehr ein. Nimmst du das Gas weg, erholt sie sich innerhalb von Sekunden wieder.
Daraus folgen zwei praktische Regeln:
Beurteile den Ladezustand im Schwebeflug, nicht während einer Beschleunigung. Nur dort ist die Last halbwegs konstant und der Wert aussagekräftig.
Setze die Warnschwelle auf die Spannung unter Last. Die üblichen 3,5 Volt je Zelle beziehen sich auf den Flug, nicht auf den ruhenden Akku. Ein Akku, der im Schweben 3,5 Volt zeigt, kommt nach der Landung auf etwa 3,7 bis 3,8 Volt zurück. Genau deshalb wirkt ein frisch gelandeter Akku am Ladegerät voller, als er sich im Flug angefühlt hat.
Ein alternder Akku hat einen höheren Innenwiderstand und bricht stärker ein. Wenn ein Pack, der früher 3,6 Volt im Schweben hielt, plötzlich auf 3,3 Volt fällt, ist das ein Verschleißzeichen und kein Kalibrierungsproblem.
Typische Stolpersteine
Messen unter Last verfälscht. Die Spannung bricht ein, sobald die Motoren laufen. Kalibriert wird im Ruhezustand, mit Propellern ab und ohne Armierung.
Der Videosender zieht mit. Bei manchen Aufbauten hängt der VTX direkt am Akku und beeinflusst die Messung leicht. Für die Kalibrierung ist das unkritisch, solange bei beiden Messungen derselbe Zustand herrscht.
Ein defekter Spannungsteiler lässt sich nicht wegkalibrieren. Weicht die Anzeige um mehr als zehn Prozent ab oder springt sie, ist meist ein Bauteil beschädigt, häufig nach einem Kurzschluss. Dann hilft kein Scale-Wert.
Nach dem Board-Tausch neu kalibrieren. Der Wert gehört zum Flight Controller. Er steckt zwar im Betaflight-Backup und wird beim Einspielen mitgeschrieben, passt dann aber zum alten Board. Wie du die übrige Konfiguration sicherst, steht im Ratgeber zum Betaflight-Backup.
Fazit: fünf Minuten für die Akku-Lebensdauer
Die Spannungskalibrierung gehört zu den Arbeiten, die genau einmal anfallen und danach still im Hintergrund wirken. Der Aufwand besteht aus einer Messung und einer Multiplikation, der Nutzen aus einer Anzeige, auf die im Flug Verlass ist.
Wer den Stromsensor beim nächsten Zyklus gleich mit abgleicht, hat danach zwei unabhängige Angaben zum Ladezustand. Das ist besonders dann wertvoll, wenn ein Akku älter wird und seine Spannung unter Last stärker einbricht als früher.
Häufige Fragen
Wie kalibriere ich die Akkuspannung in Betaflight?
Miss die Spannung am Akkustecker mit einem Multimeter und lies den Wert ab, den Betaflight im Power-Reiter anzeigt. Dann rechnest du: neuer Scale gleich alter Scale mal Multimeter-Spannung geteilt durch Betaflight-Spannung. Zeigt Betaflight bei einem Scale von 110 genau 16,5 Volt und das Multimeter 16,8 Volt, ergibt das 110 mal 16,8 geteilt durch 16,5, also gerundet 112.
Wo finde ich den Voltage Scale im Configurator?
Im Reiter Power & Battery unter Voltage Meter. Dort steht das Feld Scale, meist mit einem Wert um 110. Änderst du ihn, aktualisiert sich die angezeigte Spannung sofort, sodass du dich in kleinen Schritten annähern kannst. Nicht vergessen, die Einstellung zu speichern.
Warum zeigt Betaflight eine andere Spannung als mein Multimeter?
Der Flight Controller misst die Spannung über einen Spannungsteiler aus zwei Widerständen. Deren tatsächliche Werte weichen fertigungsbedingt vom Sollwert ab, üblich sind ein bis zwei Prozent. Bei einem 4S-Akku sind das schon 0,2 bis 0,3 Volt. Die Kalibrierung gleicht genau diese Abweichung aus.
Welche Zellspannung ist bei einem LiPo kritisch?
Voll geladen liegt eine Zelle bei 4,2 Volt, die Nennspannung beträgt 3,7 Volt. Unter Last sind 3,5 Volt pro Zelle der übliche Zeitpunkt zum Landen. Dauerhaft unter 3,3 Volt beginnt die Schädigung, unter 3,0 Volt gilt eine Zelle als tiefentladen und verliert messbar Kapazität.
Was passiert bei falscher Kalibrierung?
Zeigt Betaflight zu viel Spannung an, fliegst du länger als gedacht und entlädst den Akku tiefer als beabsichtigt. Das kostet Kapazität und im Wiederholungsfall den Akku. Zeigt es zu wenig, warnt das OSD zu früh und du verschenkst Flugzeit. In beiden Fällen greift auch der spannungsabhängige Failsafe zum falschen Zeitpunkt.
Muss ich den Stromsensor separat kalibrieren?
Ja, er hat eine eigene Einstellung. Im Power-Reiter stehen unter Current Meter die Felder Scale und Offset. Zum Abgleich fliegst du einen Akku leer und vergleichst die von Betaflight gezählten Milliamperestunden mit der Menge, die das Ladegerät danach wieder einlädt. Weichen die Werte ab, passt du den Scale im selben Verhältnis an.
Gilt die Kalibrierung für alle Akkus?
Ja, sie hängt am Flight Controller und nicht am Akku. Einmal richtig eingestellt, stimmt die Anzeige für 4S, 6S und jede andere Zellenzahl, die das Board verträgt. Wechselst du den Flight Controller, kalibrierst du neu, weil die Widerstände des neuen Boards andere Abweichungen haben.
Wie oft muss ich nachkalibrieren?
Im Normalfall einmal beim Aufbau. Die Widerstände altern kaum. Nachprüfen lohnt nach einem Crash mit Beschädigung im Bereich der Stromversorgung, nach dem Tausch des Flight Controllers und dann, wenn die angezeigten Werte plötzlich unplausibel wirken.