Betaflight Backup per CLI: sichern und wiederherstellen

Betaflight-Backup über die CLI: warum diff all die richtige Wahl ist, wie du es nach einem Firmware-Update sauber einspielst und wann ein Backup zum Problem wird.

FPV & Racing Veröffentlicht am 5 Min. Lesezeit

Ein Firmware-Update, ein Klick zu viel, und die über Wochen erflogene Abstimmung ist weg. Betaflight bringt für genau diesen Fall eine Sicherung mit, die in unter einer Minute erledigt ist. Sie steckt in der CLI, und die Wahl zwischen zwei Befehlen entscheidet darüber, ob das Backup später hilft oder Ärger macht.

Das Wichtigste in Kürze

  • diff all ist der richtige Befehl, er sichert nur deine Abweichungen vom Werkszustand, meist 50 bis 200 Zeilen.
  • dump schleppt alle Werkseinstellungen mit und überschreibt nach einem Update die neuen Standardwerte mit den alten.
  • Reihenfolge beim Einspielen: erst defaults, dann die Backup-Datei einfügen, zum Schluss save.
  • Target-Wechsel ist die Grenze: Ein Backup vom F405-Board gehört nicht ungeprüft auf ein F722-Board.
  • Die ESC-Einstellungen fehlen im Backup, Motorreihenfolge und Drehrichtung liegen im BLHeli- oder AM32-Speicher.

Warum überhaupt sichern

Der Flight Controller speichert weit mehr als die PID-Werte. Darin stecken die Zuordnung der Flugmodi zu den Schaltern, die Rates, die Filtereinstellungen, die Kalibrierung des Beschleunigungssensors, die OSD-Anordnung, die Failsafe-Konfiguration und die Zuweisung der Anschlüsse. Zusammen ist das die Arbeit mehrerer Abende.

Verloren geht das schneller als gedacht. Ein Firmware-Update setzt den Speicher zurück, ein defaults-Befehl räumt bewusst auf, ein misslungener Flash-Vorgang hinterlässt einen Controller im Werkszustand. In allen drei Fällen kostet eine Textdatei von vier Kilobyte den Unterschied zwischen fünf Minuten und einem verlorenen Abend.

Der Unterschied zwischen dump und diff all

Beide Befehle geben die Konfiguration als Text aus, sie unterscheiden sich im Umfang.

dump listet jede Einstellung, die der Flight Controller kennt, also auch alle Werte, die du nie angefasst hast. Das Ergebnis umfasst je nach Firmware 2.000 bis 3.000 Zeilen.

diff all vergleicht den aktuellen Zustand mit dem Werkszustand und gibt nur die Unterschiede aus. Bei einem gut abgestimmten Quad sind das typischerweise 50 bis 200 Zeilen. Das Zusatzwort all sorgt dafür, dass alle Profile mitkommen, also sämtliche PID- und Rate-Profile statt nur des gerade aktiven.

dumpdiff all
Umfang2.000 bis 3.000 Zeilen50 bis 200 Zeilen
Inhaltalle Werte inklusive Standardnur deine Abweichungen
Nach Firmware-Updateüberschreibt neue Standardwerteneue Standardwerte bleiben
Lesbarkeitunübersichtlichjede Zeile ist eine Entscheidung
Eignung als BackupeingeschränktStandardweg

Warum dump nach einem Update zum Problem wird

Schema zweier Backup-Wege durch ein Firmware-Update. Links der dump-Weg: Die Sicherung enthält deine Abweichungen und zusätzlich alle alten Werkseinstellungen als große Fläche. Nach dem Update auf die neue Firmware werden die verbesserten neuen Standardwerte durch die alten überschrieben, das Ergebnis ist die alte Firmware-Abstimmung im neuen Gewand. Rechts der diff-all-Weg: Die Sicherung enthält ausschließlich deine Abweichungen als schmale Fläche. Nach dem Update bleiben die neuen Standardwerte der Firmware bestehen und nur deine Änderungen kommen darüber. Das Ergebnis kombiniert die neuen Standardwerte mit der eigenen Abstimmung.

Beide Wege sichern deine Einstellungen. Nur einer lässt die Verbesserungen der neuen Firmware durch.

Jede neue Betaflight-Version bringt angepasste Standardwerte mit, vor allem bei den Filtern und der Regelung. Das ist der eigentliche Fortschritt zwischen zwei Versionen, häufig wichtiger als neue Funktionen.

Spielst du nach einem Update ein dump ein, schreibst du sämtliche alten Werte zurück, auch die, die du nie bewusst gesetzt hast. Die Firmware läuft dann in der neuen Version mit der alten Abstimmung. Der Quad fliegt danach oft schlechter als vor dem Update, und die Ursache ist schwer zu finden, weil die Version ja korrekt aktualisiert wurde.

Mit diff all passiert das nicht. Die Datei enthält nur Zeilen, die du selbst verändert hast. Alles andere übernimmt die neue Firmware aus ihren eigenen Vorgaben.

Backup erstellen: der Ablauf

Vier Schritte, unter einer Minute:

  1. Akku abstecken. Der Flight Controller läuft über USB. Ohne Akku können die Motoren nicht anlaufen, falls versehentlich Armierung ausgelöst wird.
  2. Configurator öffnen und verbinden, dann in den Reiter CLI wechseln.
  3. diff all eingeben und mit Enter bestätigen. Die Ausgabe erscheint im Fenster.
  4. Unten auf “Save to File” klicken und die Textdatei ablegen.

Ein sprechender Dateiname zahlt sich später aus. Bewährt hat sich das Muster aus Modell, Firmware-Version und Datum, etwa meteor75-BF4.6-2026-08-28.txt. Wer mehrere Quads fliegt, wird sonst nach einem halben Jahr raten müssen, welche Datei zu welchem Rahmen gehört.

Zum Verlassen der CLI dient exit. Wichtig dabei: diff all ändert nichts am Controller, es liest nur aus. Ein save ist nach dem Backup also nicht nötig.

Backup einspielen: die Reihenfolge entscheidet

Beim Zurückspielen kommt es auf die Abfolge an, weil Betaflight die eingefügten Zeilen der Reihe nach abarbeitet.

  1. defaults eingeben. Der Controller setzt sich zurück und startet neu. Dieser Schritt wirkt überflüssig und ist doch der wichtigste: Erst dadurch werden die Hardware-Zuordnungen passend zum aktuellen Target gesetzt.
  2. Neu verbinden und wieder in die CLI wechseln.
  3. Den kompletten Inhalt der Backup-Datei einfügen und Enter drücken. Bei längeren Dateien dauert das ein paar Sekunden.
  4. save eingeben. Der Controller schreibt die Werte in den Speicher und startet neu.

Danach lohnt eine kurze Kontrolle im Configurator: Stehen die Modi auf den richtigen Schaltern, stimmen die Rates, ist das OSD wie gewohnt angeordnet. Meldet die CLI beim Einfügen einzelne Zeilen als unbekannt, sind das meist Parameter, die zwischen den Firmware-Versionen umbenannt oder entfernt wurden. Betaflight überspringt sie und arbeitet den Rest ab.

Wo das Backup an Grenzen kommt

Ein anderer Target. Die Hardware-Zuordnungen sind boardspezifisch. Ein diff all von einem F405-Board auf ein F722-Board zu spielen führt zu falschen Resource-Zuweisungen, im ungünstigsten Fall drehen danach die Motoren nicht. Wer beim Umbau auf ein neues Board umsteigt, überträgt gezielt einzelne Abschnitte, etwa die PID- und Rate-Profile, und lässt die Zeilen mit resource aus.

Die ESC-Einstellungen. Motorreihenfolge und Drehrichtung liegen im Speicher der Regler, nicht im Flight Controller. Das Betaflight-Backup enthält sie nicht. Wie du diesen Teil änderst, steht im Ratgeber zur Motordrehrichtung in Betaflight.

Die Sensor-Kalibrierung. Der Beschleunigungssensor wird zwar in den Werten mitgesichert, gehört nach einem Board-Tausch aber neu kalibriert, weil er an der konkreten Einbaulage hängt.

Wann sich ein Backup besonders lohnt

Der offensichtliche Moment ist das Firmware-Update. Zwei weitere sind mindestens genauso wichtig.

Der erste ist der Zustand nach einer gelungenen Abstimmung. Sobald ein Quad so fliegt, wie du ihn haben willst, gehört dieser Stand gesichert, bevor die nächste Tuning-Runde beginnt. Wer das versäumt, verliert beim Experimentieren manchmal genau den Punkt, an dem alles stimmte. Die Grundlagen dazu stehen im Ratgeber Betaflight PID einstellen.

Der zweite ist der Aufbau eines zweiten, baugleichen Quads. Steht derselbe Rahmen mit denselben Motoren und demselben Board auf dem Tisch, ist das Backup des ersten die halbe Konfiguration. Rates, Modi, OSD und Filter kommen in einem Rutsch herüber, angepasst wird danach nur, was sich wirklich unterscheidet.

Fazit: eine Textdatei, die Abende rettet

Das Betaflight-Backup ist eine der wenigen Aufgaben, bei denen der Aufwand fast bei null liegt und der Nutzen im Ernstfall vollständig ist. diff all, “Save to File”, ein sprechender Dateiname: mehr gehört nicht dazu.

Wichtig bleibt der Unterschied zu dump. Wer die vollständige Sicherung wählt, nimmt sich beim nächsten Update genau die Verbesserungen, für die er das Update gemacht hat. Vor dem nächsten Flash-Vorgang gehört das Backup deshalb an den Anfang der Liste, direkt neben den geladenen Akku. Wie das Update selbst abläuft, steht im Ratgeber zum Betaflight Firmware-Update.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen diff all und dump in Betaflight?

dump gibt jede einzelne Einstellung des Flight Controllers aus, inklusive aller Werkseinstellungen, und wird schnell 2.000 bis 3.000 Zeilen lang. diff all listet nur die Werte, die vom Werkszustand abweichen, meist 50 bis 200 Zeilen. Für ein Backup ist diff all die richtige Wahl, weil es nach einem Firmware-Update die neuen Standardwerte stehen lässt.

Wie erstelle ich ein Betaflight-Backup über die CLI?

Verbinde die Drohne mit dem Configurator, öffne den Reiter CLI, tippe diff all und drücke Enter. Danach klickst du unten auf "Save to File" und legst die Textdatei ab. Der ganze Vorgang dauert weniger als eine Minute. Wichtig: ohne angeschlossenen Akku arbeiten, damit die Motoren nicht anlaufen können.

Wie spiele ich ein Betaflight-Backup wieder ein?

Zuerst im CLI defaults eingeben und den Neustart abwarten, damit der Flight Controller die Ressourcen für den aktuellen Target sauber setzt. Danach den kompletten Inhalt der Backup-Datei in die CLI einfügen und Enter drücken. Betaflight arbeitet die Zeilen der Reihe nach ab. Zum Schluss save eingeben, der Controller startet neu und die Einstellungen stehen.

Kann ich ein Backup auf einen anderen Flight Controller spielen?

Nur mit Vorsicht. Jeder Target hat eigene Hardware-Zuordnungen für Motoren, UARTs und weitere Anschlüsse. Spielst du ein diff all von einem F405-Board auf ein F722-Board, stimmen die Resource-Zuweisungen nicht und im schlimmsten Fall drehen die Motoren nicht. Übertrage in dem Fall lieber gezielt einzelne Blöcke wie PID- und Rate-Profile statt der ganzen Datei.

Bleibt das Backup nach einem Firmware-Update gültig?

Bei diff all in aller Regel ja. Weil dort nur deine Abweichungen stehen, übernimmt die neue Firmware ihre eigenen, oft verbesserten Standardwerte und deine Änderungen kommen obendrauf. Einzelne Parameter können zwischen Hauptversionen umbenannt oder entfernt werden; Betaflight meldet solche Zeilen dann im CLI als unbekannt und überspringt sie.

Wozu dient die Backup-Funktion im Configurator?

Sie legt eine binäre Komplettsicherung des Speichers an und ist an Firmware-Version und Target gebunden. Als Momentaufnahme vor einem Update ist sie brauchbar, für den Umzug auf eine neue Firmware taugt sie kaum. Der Textweg über diff all ist lesbar, versionierbar und lässt sich zur Not von Hand anpassen.

Warum steht in meinem diff all nichts über die Motoren?

Weil die Motorreihenfolge und die Drehrichtung im ESC gespeichert sind, nicht im Flight Controller. Ein Betaflight-Backup sichert diesen Teil nicht mit. Die ESC-Einstellungen sicherst du separat über den BLHeli- oder AM32-Configurator, dort gibt es eine eigene Speicherfunktion.

Wie oft sollte ich ein Backup machen?

Vor jedem Firmware-Update, vor größeren Tuning-Sitzungen und immer dann, wenn ein Setup zufriedenstellend fliegt. Die Datei ist wenige Kilobyte groß, es gibt also keinen Grund zu sparen. Ein Dateiname mit Modell, Firmware-Version und Datum erspart später das Rätselraten, etwa "meteor75-BF4.6-2026-08-28.txt".

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