Ein Firmware-Update, ein Klick zu viel, und die über Wochen erflogene Abstimmung ist weg. Betaflight bringt für genau diesen Fall eine Sicherung mit, die in unter einer Minute erledigt ist. Sie steckt in der CLI, und die Wahl zwischen zwei Befehlen entscheidet darüber, ob das Backup später hilft oder Ärger macht.
Das Wichtigste in Kürze
diff allist der richtige Befehl, er sichert nur deine Abweichungen vom Werkszustand, meist 50 bis 200 Zeilen.dumpschleppt alle Werkseinstellungen mit und überschreibt nach einem Update die neuen Standardwerte mit den alten.- Reihenfolge beim Einspielen: erst
defaults, dann die Backup-Datei einfügen, zum Schlusssave.- Target-Wechsel ist die Grenze: Ein Backup vom F405-Board gehört nicht ungeprüft auf ein F722-Board.
- Die ESC-Einstellungen fehlen im Backup, Motorreihenfolge und Drehrichtung liegen im BLHeli- oder AM32-Speicher.
Warum überhaupt sichern
Der Flight Controller speichert weit mehr als die PID-Werte. Darin stecken die Zuordnung der Flugmodi zu den Schaltern, die Rates, die Filtereinstellungen, die Kalibrierung des Beschleunigungssensors, die OSD-Anordnung, die Failsafe-Konfiguration und die Zuweisung der Anschlüsse. Zusammen ist das die Arbeit mehrerer Abende.
Verloren geht das schneller als gedacht. Ein Firmware-Update setzt
den Speicher zurück, ein defaults-Befehl räumt bewusst auf, ein
misslungener Flash-Vorgang hinterlässt einen Controller im
Werkszustand. In allen drei Fällen kostet eine Textdatei von vier
Kilobyte den Unterschied zwischen fünf Minuten und einem verlorenen
Abend.
Der Unterschied zwischen dump und diff all
Beide Befehle geben die Konfiguration als Text aus, sie unterscheiden sich im Umfang.
dump listet jede Einstellung, die der Flight Controller kennt,
also auch alle Werte, die du nie angefasst hast. Das Ergebnis umfasst
je nach Firmware 2.000 bis 3.000 Zeilen.
diff all vergleicht den aktuellen Zustand mit dem Werkszustand
und gibt nur die Unterschiede aus. Bei einem gut abgestimmten Quad
sind das typischerweise 50 bis 200 Zeilen. Das Zusatzwort all sorgt
dafür, dass alle Profile mitkommen, also sämtliche PID- und
Rate-Profile statt nur des gerade aktiven.
dump | diff all | |
|---|---|---|
| Umfang | 2.000 bis 3.000 Zeilen | 50 bis 200 Zeilen |
| Inhalt | alle Werte inklusive Standard | nur deine Abweichungen |
| Nach Firmware-Update | überschreibt neue Standardwerte | neue Standardwerte bleiben |
| Lesbarkeit | unübersichtlich | jede Zeile ist eine Entscheidung |
| Eignung als Backup | eingeschränkt | Standardweg |
Warum dump nach einem Update zum Problem wird

Beide Wege sichern deine Einstellungen. Nur einer lässt die Verbesserungen der neuen Firmware durch.
Jede neue Betaflight-Version bringt angepasste Standardwerte mit, vor allem bei den Filtern und der Regelung. Das ist der eigentliche Fortschritt zwischen zwei Versionen, häufig wichtiger als neue Funktionen.
Spielst du nach einem Update ein dump ein, schreibst du sämtliche
alten Werte zurück, auch die, die du nie bewusst gesetzt hast. Die
Firmware läuft dann in der neuen Version mit der alten Abstimmung. Der
Quad fliegt danach oft schlechter als vor dem Update, und die Ursache
ist schwer zu finden, weil die Version ja korrekt aktualisiert wurde.
Mit diff all passiert das nicht. Die Datei enthält nur Zeilen, die du
selbst verändert hast. Alles andere übernimmt die neue Firmware aus
ihren eigenen Vorgaben.
Backup erstellen: der Ablauf
Vier Schritte, unter einer Minute:
- Akku abstecken. Der Flight Controller läuft über USB. Ohne Akku können die Motoren nicht anlaufen, falls versehentlich Armierung ausgelöst wird.
- Configurator öffnen und verbinden, dann in den Reiter CLI wechseln.
diff alleingeben und mit Enter bestätigen. Die Ausgabe erscheint im Fenster.- Unten auf “Save to File” klicken und die Textdatei ablegen.
Ein sprechender Dateiname zahlt sich später aus. Bewährt hat sich das
Muster aus Modell, Firmware-Version und Datum, etwa
meteor75-BF4.6-2026-08-28.txt. Wer mehrere Quads fliegt, wird sonst
nach einem halben Jahr raten müssen, welche Datei zu welchem Rahmen
gehört.
Zum Verlassen der CLI dient exit. Wichtig dabei: diff all ändert
nichts am Controller, es liest nur aus. Ein save ist nach dem Backup
also nicht nötig.
Backup einspielen: die Reihenfolge entscheidet
Beim Zurückspielen kommt es auf die Abfolge an, weil Betaflight die eingefügten Zeilen der Reihe nach abarbeitet.
defaultseingeben. Der Controller setzt sich zurück und startet neu. Dieser Schritt wirkt überflüssig und ist doch der wichtigste: Erst dadurch werden die Hardware-Zuordnungen passend zum aktuellen Target gesetzt.- Neu verbinden und wieder in die CLI wechseln.
- Den kompletten Inhalt der Backup-Datei einfügen und Enter drücken. Bei längeren Dateien dauert das ein paar Sekunden.
saveeingeben. Der Controller schreibt die Werte in den Speicher und startet neu.
Danach lohnt eine kurze Kontrolle im Configurator: Stehen die Modi auf den richtigen Schaltern, stimmen die Rates, ist das OSD wie gewohnt angeordnet. Meldet die CLI beim Einfügen einzelne Zeilen als unbekannt, sind das meist Parameter, die zwischen den Firmware-Versionen umbenannt oder entfernt wurden. Betaflight überspringt sie und arbeitet den Rest ab.
Wo das Backup an Grenzen kommt
Ein anderer Target. Die Hardware-Zuordnungen sind boardspezifisch.
Ein diff all von einem F405-Board auf ein F722-Board zu spielen
führt zu falschen Resource-Zuweisungen, im ungünstigsten Fall drehen
danach die Motoren nicht. Wer beim Umbau auf ein neues Board
umsteigt, überträgt gezielt einzelne Abschnitte, etwa die PID- und
Rate-Profile, und lässt die Zeilen mit resource aus.
Die ESC-Einstellungen. Motorreihenfolge und Drehrichtung liegen im Speicher der Regler, nicht im Flight Controller. Das Betaflight-Backup enthält sie nicht. Wie du diesen Teil änderst, steht im Ratgeber zur Motordrehrichtung in Betaflight.
Die Sensor-Kalibrierung. Der Beschleunigungssensor wird zwar in den Werten mitgesichert, gehört nach einem Board-Tausch aber neu kalibriert, weil er an der konkreten Einbaulage hängt.
Wann sich ein Backup besonders lohnt
Der offensichtliche Moment ist das Firmware-Update. Zwei weitere sind mindestens genauso wichtig.
Der erste ist der Zustand nach einer gelungenen Abstimmung. Sobald ein Quad so fliegt, wie du ihn haben willst, gehört dieser Stand gesichert, bevor die nächste Tuning-Runde beginnt. Wer das versäumt, verliert beim Experimentieren manchmal genau den Punkt, an dem alles stimmte. Die Grundlagen dazu stehen im Ratgeber Betaflight PID einstellen.
Der zweite ist der Aufbau eines zweiten, baugleichen Quads. Steht derselbe Rahmen mit denselben Motoren und demselben Board auf dem Tisch, ist das Backup des ersten die halbe Konfiguration. Rates, Modi, OSD und Filter kommen in einem Rutsch herüber, angepasst wird danach nur, was sich wirklich unterscheidet.
Fazit: eine Textdatei, die Abende rettet
Das Betaflight-Backup ist eine der wenigen Aufgaben, bei denen der
Aufwand fast bei null liegt und der Nutzen im Ernstfall vollständig
ist. diff all, “Save to File”, ein sprechender Dateiname: mehr
gehört nicht dazu.
Wichtig bleibt der Unterschied zu dump. Wer die vollständige
Sicherung wählt, nimmt sich beim nächsten Update genau die
Verbesserungen, für die er das Update gemacht hat. Vor dem nächsten
Flash-Vorgang gehört das Backup deshalb an den Anfang der Liste, direkt
neben den geladenen Akku. Wie das Update selbst abläuft, steht im
Ratgeber zum
Betaflight Firmware-Update.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen diff all und dump in Betaflight?
dump gibt jede einzelne Einstellung des Flight Controllers aus, inklusive aller Werkseinstellungen, und wird schnell 2.000 bis 3.000 Zeilen lang. diff all listet nur die Werte, die vom Werkszustand abweichen, meist 50 bis 200 Zeilen. Für ein Backup ist diff all die richtige Wahl, weil es nach einem Firmware-Update die neuen Standardwerte stehen lässt.
Wie erstelle ich ein Betaflight-Backup über die CLI?
Verbinde die Drohne mit dem Configurator, öffne den Reiter CLI, tippe diff all und drücke Enter. Danach klickst du unten auf "Save to File" und legst die Textdatei ab. Der ganze Vorgang dauert weniger als eine Minute. Wichtig: ohne angeschlossenen Akku arbeiten, damit die Motoren nicht anlaufen können.
Wie spiele ich ein Betaflight-Backup wieder ein?
Zuerst im CLI defaults eingeben und den Neustart abwarten, damit der Flight Controller die Ressourcen für den aktuellen Target sauber setzt. Danach den kompletten Inhalt der Backup-Datei in die CLI einfügen und Enter drücken. Betaflight arbeitet die Zeilen der Reihe nach ab. Zum Schluss save eingeben, der Controller startet neu und die Einstellungen stehen.
Kann ich ein Backup auf einen anderen Flight Controller spielen?
Nur mit Vorsicht. Jeder Target hat eigene Hardware-Zuordnungen für Motoren, UARTs und weitere Anschlüsse. Spielst du ein diff all von einem F405-Board auf ein F722-Board, stimmen die Resource-Zuweisungen nicht und im schlimmsten Fall drehen die Motoren nicht. Übertrage in dem Fall lieber gezielt einzelne Blöcke wie PID- und Rate-Profile statt der ganzen Datei.
Bleibt das Backup nach einem Firmware-Update gültig?
Bei diff all in aller Regel ja. Weil dort nur deine Abweichungen stehen, übernimmt die neue Firmware ihre eigenen, oft verbesserten Standardwerte und deine Änderungen kommen obendrauf. Einzelne Parameter können zwischen Hauptversionen umbenannt oder entfernt werden; Betaflight meldet solche Zeilen dann im CLI als unbekannt und überspringt sie.
Wozu dient die Backup-Funktion im Configurator?
Sie legt eine binäre Komplettsicherung des Speichers an und ist an Firmware-Version und Target gebunden. Als Momentaufnahme vor einem Update ist sie brauchbar, für den Umzug auf eine neue Firmware taugt sie kaum. Der Textweg über diff all ist lesbar, versionierbar und lässt sich zur Not von Hand anpassen.
Warum steht in meinem diff all nichts über die Motoren?
Weil die Motorreihenfolge und die Drehrichtung im ESC gespeichert sind, nicht im Flight Controller. Ein Betaflight-Backup sichert diesen Teil nicht mit. Die ESC-Einstellungen sicherst du separat über den BLHeli- oder AM32-Configurator, dort gibt es eine eigene Speicherfunktion.
Wie oft sollte ich ein Backup machen?
Vor jedem Firmware-Update, vor größeren Tuning-Sitzungen und immer dann, wenn ein Setup zufriedenstellend fliegt. Die Datei ist wenige Kilobyte groß, es gibt also keinen Grund zu sparen. Ein Dateiname mit Modell, Firmware-Version und Datum erspart später das Rätselraten, etwa "meteor75-BF4.6-2026-08-28.txt".