Der erste Flug mit dem neuen Quad zeigt zu weiche Rates, und der Laptop liegt zu Hause. Genau für diese Situation gibt es das Lua-Script von Betaflight: Es bringt die Einstellungen des Flight Controllers auf das Display der Fernsteuerung, ohne dass ein Kabel im Spiel ist. Wie die Verbindung zustande kommt, was der Sender dafür mitbringen muss und welche Werte sich am Feld sinnvoll ändern lassen.
Das Wichtigste in Kürze
- Das Script zeigt und ändert Flight-Controller-Einstellungen am Sender: PIDs, Rates, Filter, Flugmodi, VTX.
- Die Daten laufen über den Rückkanal der Funkstrecke, es wird kein Kabel angeschlossen.
- Voraussetzung: EdgeTX ab 2.4.0 oder OpenTX ab 2.3.12, dazu aktive Telemetrie.
- Baudrate 400K bei ExpressLRS, Crossfire und Tracer, sonst ist die Strecke zu langsam.
- Nach der Installation liegt
bf.luaim OrdnerSCRIPTS/TOOLSder SD-Karte.
Was sich damit erledigen lässt
Das Script bildet einen großen Teil dessen ab, was sonst der Configurator am Rechner leistet. Praktisch relevant sind vier Bereiche.
PID-Werte. Sämtliche Regleranteile für Roll, Pitch und Yaw lassen sich anzeigen und verändern. Wer nach dem ersten Flug merkt, dass der Quad nachschwingt, kann direkt reagieren, statt den Tag zu vertagen.
Rates. Die Umrechnung von Knüppelweg in Drehrate ist der Wert, der sich beim Einfliegen am häufigsten ändert. Zusammenhänge und Startwerte stehen im Ratgeber zu Rates und Expo.
Filter. Die Filtereinstellungen sind erreichbar, gehören aber zu den Werten, die man besser am Rechner mit Blackbox-Daten anfasst.
VTX-Einstellungen. Kanal, Band und Sendeleistung lassen sich umstellen, ohne den Quad anzufassen. Das setzt eine passende VTX-Tabelle voraus, und das Herunterladen dieser Tabelle über die Funkstrecke dauert je nach Protokoll spürbar.
Warum das ohne Kabel funktioniert
Eine moderne Funkstrecke überträgt nicht nur vom Sender zum Quad. Sie hat einen Rückkanal, über den normalerweise Telemetriewerte wie Akkuspannung und Empfangsqualität zurücklaufen. Genau diesen Kanal nutzt das Lua-Script, um Anfragen hinzuschicken und Antworten entgegenzunehmen.

Der Hinweg trägt die Anfrage, der Rückweg die Antwort des Flight Controllers. Beide brauchen eine Funkstrecke mit 400K und eine laufende Telemetrie.
Daraus folgt die wichtigste Voraussetzung überhaupt: Ohne funktionierende Telemetrie tut das Script nichts. Der Empfänger muss in Betaflight so eingerichtet sein, dass er Werte zurückmeldet, und der Sender muss diese Sensoren erkannt haben. Ein Blick auf die Telemetrieseite der Fernsteuerung beantwortet das in Sekunden: Stehen dort Werte, ist der Weg frei.
Die zweite Folge ist die Geschwindigkeit. Der Rückkanal ist schmal, und deshalb baut sich eine Seite im Script spürbar langsamer auf als im Configurator. Bei ExpressLRS, Crossfire und Tracer gehört die Baudrate im Sender deshalb auf 400K.
Voraussetzungen im Überblick
| Bereich | Anforderung |
|---|---|
| Sender-Firmware | EdgeTX ab 2.4.0, OpenTX ab 2.3.12 |
| ExpressLRS | ab Version 2.0.1 |
| TBS Crossfire, Tracer | Sender und Empfänger ab 2.11 |
| FrSky | SmartPort-fähige Geräte |
| ImmersionRC Ghost | nur in der Betriebsart Race250 |
| Baudrate | 400K bei ELRS, Crossfire, Tracer |
| Betaflight | Telemetrie für den Empfänger aktiv |
Auf Sendern mit Farbdisplay und EdgeTX ab 2.11.7 beziehungsweise 2.12.1 nutzt das Script eine neuere Oberfläche mit Auswahlfeldern und gewohnter Seitennavigation. Auf einfarbigen Displays bleibt das klassische Layout, der Funktionsumfang ist derselbe. Wie die Sender-Firmware aktualisiert wird, steht am Beispiel im Ratgeber zum Radiomaster Firmware-Update.
Installation auf der SD-Karte
Die Installation besteht aus vier Schritten und ist in fünf Minuten erledigt.
1. Release herunterladen. Auf der Release-Seite des offiziellen Projekts liegt ein fertiges Zip-Archiv. Wichtig: Nicht den Inhalt des Repositorys kopieren, dort fehlen die vorbereiteten Dateien.
2. Archiv entpacken. Im Archiv steckt ein Ordner namens obj. Nur
dessen Inhalt wird gebraucht.
3. Auf die SD-Karte kopieren. Den Inhalt von obj in das
Wurzelverzeichnis der SD-Karte ziehen. Der mitgelieferte Ordner
SCRIPTS verschmilzt dabei mit dem vorhandenen, die Dateien landen so
automatisch an der richtigen Stelle.
4. Kontrollieren. Nach dem Kopieren muss die Datei bf.lua im
Verzeichnis SCRIPTS/TOOLS liegen. Ist das der Fall, war der Rest
richtig.
Bei einem Update auf eine neuere Version wird derselbe Weg gegangen, die alten Dateien werden dabei überschrieben.
Aufruf und Bedienung
Im Systemmenü der Fernsteuerung liegt der Punkt Tools. Dort erscheinen nach der Installation die Einträge des Scripts. Ausgewählt wird mit der Bestätigungstaste.
Damit überhaupt Daten kommen, müssen zwei Dinge zutreffen: Der Quad hängt am Akku, und die Funkverbindung steht. Der Propeller-Hinweis gilt hier genauso wie bei jeder Arbeit am armierten Quad: Die Propeller bleiben ab, solange am Aufbau gearbeitet wird.
Die Bedienung folgt der Logik des Senders. Mit den Navigationstasten wird zwischen den Seiten und Zeilen gewechselt, ein langer Druck öffnet das Menü mit den Befehlen zum Speichern und Neuladen. Änderungen gelten erst nach dem Speichern, und ein Neuladen holt den tatsächlichen Zustand des Flight Controllers zurück auf das Display. Wer sich unsicher ist, ob ein Wert angekommen ist, lädt neu und liest ihn ab.
Betaflight Setup und Betaflight CMS
Das Projekt liefert zwei Werkzeuge, die verschiedene Wege gehen.
Betaflight Setup ist die eigenständige Oberfläche. Sie fragt die Einstellungen über das MSP-Protokoll ab und sortiert sie auf Seiten, die thematisch aufgebaut sind. Dieses Werkzeug funktioniert mit allen unterstützten Funksystemen.
Betaflight CMS spiegelt das Menüsystem, das sonst über eine Knüppelbewegung im OSD erscheint, auf das Senderdisplay. Der Vorteil ist die vollständige Übereinstimmung mit dem OSD-Menü, der Nachteil die Einschränkung: Dieser Zugang setzt TBS Crossfire oder Tracer voraus.
| Betaflight Setup | Betaflight CMS | |
|---|---|---|
| Protokoll | MSP über Telemetrie | CRSF-Menü |
| Funksysteme | alle unterstützten | nur Crossfire, Tracer |
| Darstellung | eigene Seiten | Spiegel des OSD-Menüs |
| Typischer Einsatz | Werte gezielt ändern | im OSD-Menü navigieren |
Was am Feld sinnvoll ist und was nicht
Die technische Möglichkeit, alles zu ändern, macht nicht jede Änderung zu einer guten Idee.
Gut geeignet am Feld:
- Rates anpassen, wenn die Steuerung zu direkt oder zu träge wirkt
- VTX-Kanal wechseln, weil jemand anderes auf derselben Frequenz sendet
- Sendeleistung senken, sobald die Strecke kurz ist
- einen Blick auf die aktuellen Werte werfen, bevor der nächste Pack drankommt
Besser am Rechner:
- Filtereinstellungen, weil ihre Wirkung sich ohne Blackbox-Daten kaum beurteilen lässt
- größere PID-Umbauten, für die der strukturierte Weg im Ratgeber zum PID-Tuning beschrieben ist
- alles, was die Konfiguration insgesamt betrifft
Ein Grundsatz macht die Feldarbeit sicherer: Vorher sichern. Ein Backup der Konfiguration kostet eine Minute am Rechner und macht jeden missglückten Versuch am Feld folgenlos.
Was das Script nicht kann
Die Grenzen ergeben sich aus dem schmalen Rückkanal und daraus, dass kein Datenträger angeschlossen ist.
Firmware flashen. Ein Update des Flight Controllers verlangt eine USB-Verbindung und läuft über den Configurator oder den Installer. Über die Funkstrecke geht das nicht.
Blackbox-Daten lesen. Die Aufzeichnung umfasst Megabyte, der Rückkanal überträgt Bytes je Sekunde. Für die Auswertung bleibt der Weg über die Blackbox am Rechner.
Motoren testen. Der Motortest mit drehenden Propellern gehört auf die Werkbank mit Sichtkontakt, und der Configurator verlangt dafür bewusst eine Bestätigung.
Die Konfiguration sichern. Ein vollständiges Diff lässt sich über die Funkstrecke nicht abziehen. Das Backup entsteht am Rechner, bevor es zum Feld geht.
Praktisch heißt das: Das Script ist das Werkzeug für Korrekturen an bekannten Werten. Der Aufbau eines neuen Quads bleibt Arbeit am Rechner.
Die Alternative ohne Script: das OSD-Menü
Betaflight bringt ein eigenes Menü mit, das sich ohne jedes Zubehör aufrufen lässt. Der Quad hängt dafür am Akku und bleibt disarmiert, dann öffnet eine Knüppelkombination das Menü: Gas in die Mitte, Yaw nach links, Pitch nach oben. Es erscheint im OSD und wird mit den Knüppeln bedient.
| Lua-Script | OSD-Menü | |
|---|---|---|
| Anzeige | Senderdisplay | Brille |
| Voraussetzung | Script auf der SD-Karte | nichts zusätzlich |
| Bedienung | Tasten am Sender | Knüppel |
| Umfang | breiter, thematisch sortiert | kompakter |
| Ablesbarkeit | im Stehen, ohne Brille | Brille muss auf |
Beide Wege führen zum selben Ziel. Der Unterschied liegt im Komfort: Am Senderdisplay liest sich eine Werteliste bequemer als durch die Brille, und die Navigation über Tasten ist eindeutiger als über Knüppelwege.
Wenn das Script nichts findet
Die Fehlersuche hat eine feste Reihenfolge, weil jeder Punkt den nächsten voraussetzt.
1. Hat der Quad Strom? Ohne angesteckten Akku antwortet der Flight Controller nicht. Ein per USB versorgter Aufbau reicht ebenfalls, solange die Funkstrecke steht.
2. Kommt Telemetrie an? Die Telemetrieseite des Senders zeigt es. Stehen dort keine Sensoren, gehört zuerst die Telemetrie in Betaflight und im Empfänger eingeschaltet, danach werden die Sensoren am Sender neu gesucht.
3. Stimmt die Baudrate? Bei ExpressLRS, Crossfire und Tracer muss sie auf 400K stehen. Auf einem niedrigeren Wert erscheinen Seiten gar nicht oder brechen mitten im Aufbau ab.
4. Passen die Versionen? Zu alte Firmware im Funksystem ist eine häufige Ursache. Für ExpressLRS beschreibt der Ratgeber zum ELRS Firmware-Update den Weg, und dort gilt ohnehin, dass Sender und Empfänger dieselbe Hauptversion tragen müssen.
5. Liegt die Datei richtig? bf.lua gehört nach
SCRIPTS/TOOLS. Wurde der Ordner obj selbst kopiert statt sein
Inhalt, taucht der Eintrag im Tools-Menü nicht auf.
Fazit: der Laptop bleibt zu Hause
Das Lua-Script ersetzt den Configurator nicht, und das soll es auch nicht. Es löst ein anderes Problem: den Moment am Feld, in dem eine Zahl offensichtlich nicht passt und der nächste Pack schon geladen ist.
Die Einrichtung ist eine einmalige Angelegenheit von wenigen Minuten, und der entscheidende Punkt daran ist die Telemetrie. Steht sie, steht auch das Script. Wer zusätzlich vor dem ersten Ausflug ein Backup der Konfiguration anlegt, kann am Feld ohne Risiko ausprobieren.
Häufige Fragen
Was macht das Betaflight Lua Script?
Es zeigt die Einstellungen des Flight Controllers auf dem Display deiner Fernsteuerung an und erlaubt, sie dort zu ändern. PID-Werte, Rates, Filter, Flugmodi und VTX-Einstellungen lassen sich damit ohne Rechner anpassen. Die Daten laufen über den Rückkanal der Funkstrecke, es wird also kein Kabel angeschlossen.
Welche Fernsteuerungen und Firmware werden unterstützt?
Sender mit EdgeTX ab Version 2.4.0 oder OpenTX ab 2.3.12. Auf Farbdisplay-Sendern mit EdgeTX 2.11.7 beziehungsweise 2.12.1 und neuer nutzt das Script eine modernere Oberfläche mit Auswahlfeldern, auf einfarbigen Displays bleibt es beim klassischen Layout mit demselben Funktionsumfang.
Welche Funkprotokolle funktionieren?
ExpressLRS ab 2.0.1, TBS Crossfire und Tracer ab Version 2.11, FrSky-SmartPort-Geräte sowie ImmersionRC Ghost in der Betriebsart Race250. Bei Crossfire, Tracer und ExpressLRS muss die Baudrate im Sender auf 400K stehen, sonst ist die Verbindung für die Konfigurationsdaten zu langsam.
Wie installiere ich das Script auf der SD-Karte?
Das fertige Zip-Archiv von der Release-Seite herunterladen, nicht den Inhalt des Repositorys kopieren. Im Archiv steckt ein Ordner obj, dessen Inhalt auf die SD-Karte der Fernsteuerung gehört. Der enthaltene Ordner SCRIPTS verschmilzt dabei mit dem vorhandenen. Richtig gelaufen ist es, wenn danach die Datei bf.lua im Verzeichnis SCRIPTS/TOOLS liegt.
Wo finde ich das Script auf dem Sender?
Im Systemmenü der Fernsteuerung unter dem Punkt Tools. Dort erscheinen die Einträge Betaflight Setup und, sofern das Funksystem es unterstützt, Betaflight CMS. Ein Druck auf die Bestätigungstaste startet den gewählten Eintrag, der Flight Controller muss dabei mit Strom versorgt und die Funkverbindung aufgebaut sein.
Was ist der Unterschied zwischen Betaflight Setup und Betaflight CMS?
Betaflight Setup ist eine eigene Oberfläche mit thematisch sortierten Seiten für PIDs, Rates, Filter und weitere Einstellungen. Betaflight CMS spiegelt dagegen das Menüsystem, das du sonst über die Knüppelbewegung im OSD aufrufst, auf das Senderdisplay. Der CMS-Zugang ist an TBS Crossfire und Tracer gebunden, die übrigen Protokolle nutzen Betaflight Setup.
Warum findet das Script meinen Flight Controller nicht?
In den meisten Fällen fehlt die Telemetrie. Sie muss in Betaflight für den Empfänger aktiv sein und im Sender erkannt worden sein, sonst gibt es keinen Rückkanal für die Daten. Danach lohnt der Blick auf die Baudrate von 400K bei Crossfire, Tracer und ExpressLRS, auf die Firmware-Version des Funksystems und darauf, ob der Flight Controller überhaupt Strom hat.