Betaflight Blackbox auswerten: Logs lesen und verstehen

Die Blackbox zeichnet auf, was der Quad wirklich getan hat. Wo die Logs landen, womit du sie öffnest, seit 2026.6 direkt in der Betaflight App, und welche vier Kurven zählen.

FPV & Racing Veröffentlicht am 5 Min. Lesezeit

Der Quad wackelt in schnellen Kurven, das Tuning nach Gefühl kommt nicht weiter, und in Foren heißt es: Log mal mit. Die Blackbox zeichnet auf, was im Flight Controller tatsächlich passiert ist, bis auf die einzelne Regelschleife hinunter. Wie du an die Daten kommst, womit du sie öffnest und welche vier Kurven die Arbeit machen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Blackbox protokolliert den inneren Zustand: Gyro roh und gefiltert, Sollwert, PID-Anteile, Motorausgabe, Spannung, Strom.
  • Speicherort: Onboard-Flash (typisch 8 bis 32 MB) oder SD-Karte, je nach Board.
  • Der Explorer steckt seit Version 2026.6 in der Betaflight App als Blackbox-Viewer-Tab. Die eigenständige Anwendung bleibt als eingefrorener Stand erreichbar.
  • Der Debug Mode entscheidet, welche Zusatzwerte im Log landen. Ohne den passenden fehlt genau das, was du sehen wolltest.
  • Flash nach dem Sichern löschen, sonst zeichnet der Quad beim nächsten Flug nichts mehr auf.

Was im Log steht

Betaflight rechnet mehrere tausend Mal je Sekunde eine Regelschleife durch. Die Blackbox schreibt bei jedem Durchlauf mit, was in dieser Schleife passiert ist. Vier Wertegruppen tragen dabei fast jede Auswertung:

Gyro roh und gefiltert. Was der Sensor gemessen hat und was nach den Filtern davon übrig blieb. Der Abstand zwischen beiden Kurven zeigt, wie viel Arbeit die Filter leisten müssen.

Setpoint. Die Drehrate, die deine Knüppelstellung angefordert hat. Sie ist das Ziel, das der Regler treffen soll, und sie hängt direkt an den eingestellten Rates.

PID-Anteile. P, I und D getrennt aufgezeichnet. Damit lässt sich sehen, welcher Anteil bei einem Problem ausschlägt.

Motorausgabe. Was jeder der vier Motoren tun sollte. Die wichtigste Frage dabei ist, ob ein Motor am Anschlag hing und der Regler deshalb keine Reserve mehr hatte.

Dazu kommen Spannung, Strom, RC-Eingaben und, je nach Debug Mode, vier frei belegbare Zusatzkanäle.

Wo die Daten landen

Es gibt zwei Speicherorte, und welcher zur Verfügung steht, hängt am Flight Controller.

SpeicherortKapazitätAuslesen
Onboard-Flashje nach Board typisch 8 bis 32 MBüber USB im Configurator
SD-Karteso groß wie die KarteKarte entnehmen oder über USB

Der Onboard-Flash ist der Normalfall. Er reicht für einige Minuten bei hoher Aufzeichnungsrate und muss danach geleert werden. Genau das ist die häufigste Stolperfalle: Ein voller Flash zeichnet still nichts mehr auf.

Eine SD-Karte nimmt deutlich mehr auf und lässt sich am Rechner schneller einlesen. Der Slot ist allerdings nur auf einem Teil der Boards vorhanden.

Zum Auslesen den Quad per USB verbinden, im Configurator den Reiter Blackbox öffnen und den Flash als Datei sichern. Die Datei mit der Endung BFL enthält alle Aufzeichnungen seit dem letzten Löschen, und danach gehört der Flash geleert.

Womit du die Logs öffnest

Hier hat sich zuletzt etwas geändert, und die Suche nach einem Download führt inzwischen ins Leere.

Seit der Betaflight-Version 2026.6 ist der Blackbox Explorer in die Betaflight App eingebaut, als eigener Blackbox-Viewer-Tab. Das ist der gepflegte Weg, und er erspart die Installation eines zweiten Programms.

Die eigenständige Anwendung bleibt unter der bekannten Adresse blackbox.betaflight.com erreichbar, allerdings als eingefrorener Stand. Das zugehörige Projekt ist funktional abgeschlossen und soll zum 1. Dezember 2026 archiviert werden. Wer noch eine installierte Fassung für Windows, macOS oder Linux hat, kann sie weiter nutzen; neue Funktionen kommen dort nicht mehr an.

PIDtoolbox ist das Werkzeug für den nächsten Schritt. Es berechnet Frequenzspektren, Sprungantworten und Rauschanalysen aus denselben Logdateien und geht damit deutlich über die Kurvenansicht hinaus. Für gezieltes Filter- und PID-Tuning ist es die naheliegende Ergänzung.

Die vier Kurven, die die Arbeit machen

Schemagrafik zur Auswertung eines Betaflight-Blackbox-Logs mit vier übereinanderliegenden Kurvenfeldern auf gemeinsamer Zeitachse. Im ersten Feld laufen zwei Kurven übereinander: das rohe Gyro-Signal als zappelige Linie und das gefilterte Gyro-Signal als ruhige Linie darunter. Der Abstand zwischen beiden ist als Rauschanteil markiert, den die Filter wegnehmen müssen. Im zweiten Feld liegen der Sollwert aus den Knüppeln als Stufenlinie und das gefilterte Gyro-Signal als Antwort darauf übereinander; die Verzögerung zwischen Sprung und Antwort ist mit einem waagerechten Doppelpfeil als Sprungantwort beschriftet, das Überschwingen danach als Überschwinger markiert. Im dritten Feld sind die drei PID-Anteile P, I und D als getrennte Linien gezeigt, wobei die D-Linie an der Stelle des Überschwingers am stärksten ausschlägt. Im vierten Feld liegen die Ausgabewerte der vier Motoren übereinander, und an einer Stelle berührt eine Motorlinie den oberen Rand des Feldes; dieser Bereich ist als Sättigung gekennzeichnet mit dem Hinweis, dass der Regler dort keine Reserve mehr hat. Eine senkrechte Markierungslinie durch alle vier Felder verbindet denselben Zeitpunkt und zeigt, dass Überschwinger, D-Ausschlag und Motorsättigung zusammengehören.

Der Wert der Blackbox liegt in der gemeinsamen Zeitachse: Ein Befund oben findet seine Ursache eine Kurve tiefer.

Gyro roh gegen gefiltert. Liegen beide Kurven eng beieinander, ist der Quad mechanisch sauber. Zappelt die rohe Kurve deutlich, arbeiten die Filter hart, und das kostet Verzögerung im Regelkreis. Die Ursache liegt fast nie in der Software: unwuchtige Propeller, lose Schrauben, ein beschädigter Motor oder ein verzogener Rahmen.

Setpoint gegen Gyro. Diese beiden Kurven zeigen die Sprungantwort: Wie schnell folgt der Quad einem Knüppelsprung, und schießt er dabei über? Eine träge Antwort deutet auf zu wenig P, ein Überschwingen mit Nachschwingen auf zu wenig D oder zu viel P.

Die PID-Anteile. Hier zeigt sich, welcher Regelanteil bei einem Problem laut wird. Ein D-Anteil, der ständig große Ausschläge zeigt, verstärkt in Wahrheit Rauschen statt zu dämpfen.

Die Motorausgabe. Der wichtigste Einzelbefund heißt Sättigung. Berührt eine Motorlinie den oberen Anschlag, kann der Regler dort nicht mehr gegensteuern, egal wie gut die PIDs sind. Das ist die typische Ursache für Prop Wash beim Absinken und für unruhiges Verhalten bei hoher Last.

Die Stärke der Blackbox liegt in der gemeinsamen Zeitachse. Ein Überschwinger oben, ein D-Ausschlag in der Mitte und eine Sättigung unten am selben Zeitpunkt ergeben zusammen eine Diagnose, die keine der Kurven allein liefert.

Einstellungen vor dem Loggen

Logging Rate. Für Filter- und PID-Arbeit sind hohe Raten nötig, weil die interessanten Frequenzen bei einigen hundert Hertz liegen. Verbreitet sind 2 kHz. Für einfache Fehlersuche reicht deutlich weniger, und der Speicher hält länger.

Debug Mode. Er bestimmt, was in den vier Zusatzkanälen landet, und er ist der Punkt, an dem der erste Logversuch am häufigsten scheitert. Ohne passenden Debug Mode fehlt genau der Wert, dessentwegen geloggt wurde.

ZweckDebug Mode
Filter und RauschenGYRO_SCALED
RPM-Filter prüfenRPM_FILTER
Antrieb und ReglerESC_SENSOR

Blackbox-Schalter. Die Aufzeichnung lässt sich im Reiter Modes auf einen Schalter legen. Das spart Speicher, weil nur die interessanten Flüge im Flash landen.

Wann sich der Aufwand lohnt

Nicht jeder Quad braucht eine Blackbox-Analyse. Wer fliegt und zufrieden ist, kann sie ausgeschaltet lassen.

Sinnvoll wird sie in drei Situationen:

Für Cinewhoops mit ihrer eigenen Abstimmungslogik lohnt der Blick in die Cinewhoop-Settings, bevor die Blackbox drankommt.

Fazit: das Log beantwortet die Frage nach dem Warum

Ohne Blackbox arbeitet man mit Symptomen und Vermutungen. Mit ihr bekommt man den zeitlichen Verlauf, und damit lässt sich Ursache von Wirkung trennen: Der Quad wackelt nicht einfach, er wackelt, weil ein Motor bei einer bestimmten Last am Anschlag hing.

Der Einstieg ist seit der Integration in die Betaflight App kürzer geworden. Wer den Reiter kennt, den Debug Mode passend setzt und den Flash nach jedem Auslesen leert, hat den ganzen Ablauf beisammen.

Häufige Fragen

Was zeichnet die Blackbox in Betaflight auf?

Sie protokolliert den inneren Zustand des Flight Controllers Schritt für Schritt: das rohe und das gefilterte Gyro-Signal, den Sollwert aus deinen Knüppeln, die einzelnen PID-Anteile, die Ausgabe an jeden Motor sowie Spannung und Strom. Damit lässt sich nachträglich rekonstruieren, was der Quad wollte, was er getan hat und woran die Differenz lag.

Wo werden die Blackbox-Logs gespeichert?

Entweder im Onboard-Flash des Flight Controllers oder auf einer SD-Karte, falls das Board einen Slot hat. Der Onboard-Flash fasst je nach Board typischerweise 8 bis 32 Megabyte, was für einige Minuten Aufzeichnung reicht. Eine SD-Karte nimmt entsprechend mehr auf und lässt sich schneller auslesen.

Womit öffne ich Blackbox-Logs?

Seit der Betaflight-Version 2026.6 steckt der Blackbox Explorer als Blackbox-Viewer-Tab direkt in der Betaflight App. Die frühere eigenständige Anwendung bleibt unter blackbox.betaflight.com als eingefrorener Stand erreichbar; ihr Projekt ist funktional abgeschlossen und soll zum 1. Dezember 2026 archiviert werden. Für tiefere Analysen nutzen viele zusätzlich PIDtoolbox.

Wie hole ich die Logs vom Flight Controller?

Per USB verbinden, im Configurator den Reiter Blackbox öffnen und dort den Flash-Speicher als Datei sichern. Die Datei trägt die Endung BFL und enthält alle Aufzeichnungen seit dem letzten Löschen. Nach dem Sichern den Flash löschen, sonst füllt er sich und neue Flüge werden nicht mehr aufgezeichnet.

Welche Logging Rate ist sinnvoll?

Für PID- und Filterarbeit ist eine hohe Rate nötig, weil die interessanten Frequenzen im Bereich einiger hundert Hertz liegen. Üblich sind 2 kHz für Filteranalysen, für reine Fehlersuche reicht deutlich weniger. Je höher die Rate, desto schneller ist der Speicher voll, deshalb gehört die Einstellung zum jeweiligen Zweck.

Was ist der Debug Mode in der Blackbox?

Neben den Standardwerten kann Betaflight vier zusätzliche Kanäle aufzeichnen, deren Inhalt der Debug Mode festlegt. Für Filterarbeit ist GYRO_SCALED verbreitet, für den RPM-Filter RPM_FILTER, für Antriebsprobleme ESC_SENSOR. Ohne passenden Debug Mode fehlen im Log genau die Werte, wegen derer man geloggt hat.

Woran erkenne ich zu viel Rauschen im Log?

Am Vergleich der beiden Gyro-Kurven. Liegt das rohe Signal deutlich zappeliger über dem gefilterten, arbeiten die Filter hart. Deutlicher wird es im Frequenzspektrum: Ein breiter Berg im Bereich einiger hundert Hertz deutet auf mechanische Ursachen hin, scharfe Spitzen auf einzelne Motoren oder Propeller.

Lohnt sich die Blackbox für jeden Quad?

Für den ersten Aufbau selten. Wer fliegt und zufrieden ist, braucht kein Log. Sinnvoll wird sie, wenn ein Problem bleibt, das sich über Symptome nicht einkreisen lässt, wenn ein Quad ohne erkennbaren Grund abgestürzt ist oder wenn du das Tuning über den Punkt hinaustreiben willst, an dem das Fluggefühl allein weiterhilft.

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