Cinewhoop Props: Größe, Blattzahl und props in oder out

Welche Propeller passen an einen Cinewhoop? Warum fünf Blätter und wenig Steigung, was die Zollangabe verschweigt und was die Drehrichtung props in gegen props out ändert.

FPV & Racing Veröffentlicht am 8 Min. Lesezeit

Ein Cinewhoop steht und fällt mit seinen Propellern. Sie sitzen in einem Kanal, der sie umschließt, sie haben mehr Blätter und weniger Steigung als alles, was auf einer Freestyle-Maschine steckt, und die Verpackungsangabe in Zoll hilft beim Kauf kaum weiter. Dieser Artikel klärt, welcher Propeller in welchen Duct gehört, warum die Blattzahl so hoch ausfällt und was hinter der Frage nach props in gegen props out steckt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Duct-Innendurchmesser entscheidet, nicht die Zollklasse. Verbreitet sind 63 mm und 76 mm Propellerdurchmesser.
  • Fünf Blätter sind die Norm, weil sie bei niedrigerer Drehzahl denselben Schub liefern und den Duct leiser machen.
  • Der Spalt zur Duct-Wand sollte über 1,5 mm liegen. Unter 1 mm wird es im Flug kritisch.
  • Betaflight läuft ab Werk auf props in. Props out hält die Kameralinse länger sauber und wirkt in engen Kurven ruhiger.
  • Weniger Steigung als beim Freestyle: Ducted-Propeller sind auf gleichmäßigen Schub im Schwebeflug ausgelegt.

Was einen Ducted-Propeller vom offenen unterscheidet

Ein offener Propeller arbeitet in freier Luft. An seiner Blattspitze entweicht Luft vom Überdruck unter dem Blatt zum Unterdruck darüber, und es entsteht ein Randwirbel, der Energie kostet.

Ein Duct schneidet genau diesen Weg ab. Die Wand steht so nah an der Blattspitze, dass der Wirbel sich nicht ausbilden kann. Der Bauleitfaden von UAVMODEL beziffert den Gewinn für einen gut ausgelegten Duct auf 15 bis 25 Prozent mehr Standschub gegenüber einem offenen Propeller gleichen Durchmessers im Schwebeflug. Bei höherem Tempo dreht sich der Effekt um, weil der Kanal dann als Luftwiderstand wirkt.

Für den Propeller selbst folgt daraus eine andere Auslegung:

Größen: warum du in Millimetern denken solltest

Die Zollangabe auf der Verpackung führt bei Ducted-Propellern regelmäßig in die Irre. Drei Zoll entsprechen 76,2 Millimetern. Der verbreitete Gemfan D63 misst 63 Millimeter, rechnerisch also 2,48 Zoll, und wird trotzdem als 3-Zoll-Propeller verkauft. Der Grund liegt in der Klassenlogik: Der Frame heißt 3 Zoll, der Duct belegt einen Teil der Fläche, und der Propeller darin fällt kleiner aus.

PropellerDurchmesserBlätterGewichtAufnahme
Gemfan D6363 mm51,76 gT-Mount, 1,5 mm Welle
Gemfan D7676 mm5ohne AngabeT-Mount, 1,5 mm und 5 mm
HQProp Duct-33 Zoll3ohne Angabefür Cinewhoop-Ducts

Werte nach Hersteller- und Händlerangaben. Der D63 wird als Satz mit je vier links- und vier rechtsdrehenden Propellern geliefert, der D76 üblicherweise im Viererpack.

Die verbindliche Angabe steht im Datenblatt des Frames. Duct und Propeller sind als Paar ausgelegt, und ein kleinerer Propeller im selben Duct vergrößert den Spalt und kostet den Schubgewinn. Welche Frame-Größen es gibt und wie der Spalt technisch wirkt, steht im Artikel zum Cinewhoop-Frame.

Als grobe Zuordnung über die Klassen hinweg:

Blattzahl: warum fünf Blätter die Norm sind

Am offenen Freestyle-Quad sind drei Blätter der Standard. Im Duct finden sich regelmäßig fünf. Der Grund steckt in der Beziehung zwischen Blattzahl, Drehzahl und Schub.

Mehr Blätter bedeuten mehr Fläche pro Umdrehung. Für denselben Schub genügt deshalb eine niedrigere Drehzahl. Daraus folgen drei Effekte, die einem Cinewhoop entgegenkommen:

Bezahlt wird das mit Wirkungsgrad. Fünf Blätter ziehen mehr Strom als drei, das Motordrehmoment muss höher liegen, und die Flugzeit sinkt. Bei einer Bauform, die ohnehin bei vier bis sieben Minuten liegt, wiegt dieser Nachteil weniger schwer als der Gewinn an Ruhe. Warum die Flugzeiten so kurz ausfallen, rechnet der Artikel zur Cinewhoop-Flugzeit durch.

Dreiblättrige Ducted-Propeller wie der HQProp Duct-3 sind die Gegenposition: mehr Wirkungsgrad, etwas mehr Reserve nach oben, dafür lauter und im Schwebeflug einen Tick unruhiger.

Steigung: weniger als beim Freestyle

Die Zahlenreihe auf der Nabe eines FPV-Propellers lautet Durchmesser mal Steigung mal Blattzahl. Die Steigung beschreibt, wie weit sich der Propeller theoretisch pro Umdrehung durch die Luft schrauben würde.

Freestyle-Propeller haben viel Steigung, weil sie Vortrieb bei hohem Tempo erzeugen sollen. Ducted-Propeller haben bewusst weniger. Der Bauleitfaden von UAVMODEL empfiehlt für Cinewhoops ausdrücklich Propeller mit geringerer Steigung als bei Freestyle-Aufbauten. Woher dieser Unterschied im Einsatzprofil kommt, zeigt der Vergleich von Cinewhoop und Freestyle-Quad.

Die Begründung liegt im Einsatzprofil. Ein Cinewhoop schwebt, driftet und fliegt langsame Kamerafahrten. Er verbringt den größten Teil des Flugs im Bereich niedriger Fluggeschwindigkeit, und dort liefert eine flache Steigung den besseren Wirkungsgrad, die feinere Gasauflösung und weniger Neigung zum Strömungsabriss. Hohe Steigung würde Spitzentempo bringen, das der Duct ohnehin wieder abbremst.

Props in oder props out: was die Drehrichtung ändert

Ein Quadrocopter hat zwei links- und zwei rechtsdrehende Propeller, diagonal gepaart. Welches Paar in welche Richtung dreht, ist eine freie Entscheidung, und sie hat einen eigenen Namen.

Props in ist die Werkseinstellung in Betaflight. Der vordere linke und der hintere rechte Propeller drehen im Uhrzeigersinn, die beiden anderen dagegen. Die vorderen Propeller laufen an ihrer Vorderkante nach innen, zur Mittellinie hin.

Props out dreht alle vier um. Die vorderen Propeller laufen an ihrer Vorderkante nach außen.

Zwei schematische Draufsichten eines Cinewhoops nebeneinander, jeweils mit vier kreisrunden Ducts an den Ecken, der Kamera vorn in der Mitte und dem Elektronikstapel im Zentrum. Linke Darstellung, überschrieben props in: Gebogene Drehrichtungspfeile am Rand jedes Ducts zeigen, dass der vordere linke und der hintere rechte Duct im Uhrzeigersinn laufen und die beiden anderen gegen den Uhrzeigersinn. Die Vorderkanten der beiden vorderen Propeller laufen dabei nach innen zur Mittellinie zusammen, und zwei gestrichelte Pfeile markieren in Rot, dass aufgewirbelter Staub und Tropfen dadurch eher auf der Kameralinse landen. Rechte Darstellung, überschrieben props out: Alle vier Drehrichtungen sind umgekehrt, die Vorderkanten der vorderen Propeller laufen nach außen, und zwei gestrichelte Pfeile in Grün führen von den vorderen Ducts nach hinten zum Elektronikstapel in der Mitte, der damit statt der Linse zum Ziel des Schmutzwegs wird. Unter beiden Darstellungen steht je eine Kurzbewertung: props in als Werkseinstellung von Betaflight und vertraute Referenz, props out mit sauberer Linse und ruhigerer Steuerung in engen Kurven bei kleinen Quads mit wenig Motordrehmoment. Hinweisleiste: Die Drehrichtung entscheidet, wo der Dreck landet, auf der Linse oder auf dem Stack. Schematisch, nicht maßstäblich.

Die Drehrichtung entscheidet, wo aufgewirbelter Schmutz landet. Bei props out trifft es den Elektronikstapel statt der Linse.

Die praktischen Unterschiede sind überschaubar, am Cinewhoop aber spürbar:

Kriteriumprops inprops out
Betaflight-Standardjanein, Mixer umstellen
Schmutz und Tropfeneher auf der Kameralinseeher auf dem Elektronikstapel
Enge Kurvenan kleinen Quads unruhigersauberer bei wenig Motordrehmoment
HindernisseÄste und Tore greifen eherKollision streift eher ab
Turtle-ModeLinse bleibt geschütztDrehrichtung kehrt um, Linse trifft es

Für Cinewhoops gilt eine besondere Empfehlung. Oscar Liang rät bei auffälligem Flugverhalten ausdrücklich, beide Konfigurationen auszuprobieren, weil der Wechsel bei dieser Bauform häufig die Lösung ist. Der Grund liegt im Duct: Die Luft im Kanal ist bereits geführt, und die Wechselwirkung zwischen Drehrichtung, Kanalströmung und Rahmengeometrie lässt sich schwer vorhersagen.

Die Drehrichtung in Betaflight umstellen

Der Wechsel besteht aus zwei Teilen, und beide sind nötig. Wer nur einen davon macht, hat einen Quad, der beim Armen sofort umkippt.

  1. In Betaflight umstellen. Im Configurator unter Konfiguration im Bereich Mixer die Option für die umgekehrte Motordrehrichtung aktivieren und speichern.
  2. Die Motoren umdrehen. Bei BLHeli-Reglern über den ESC Configurator die Drehrichtung jedes Motors ändern. Alternativ lassen sich zwei der drei Motorkabel tauschen, was bei festgelöteten Whoop-Motoren allerdings Lötarbeit bedeutet.
  3. Im Motor-Tab prüfen. Jeden Motor einzeln kurz anlaufen lassen und die Richtung gegen die Anzeige im Configurator kontrollieren, bevor Propeller montiert werden.

Fertig gekaufte Cinewhoops kommen gelegentlich ab Werk auf props out konfiguriert. Nach einem Firmware-Update oder dem Einspielen eines fremden Diff kippt diese Einstellung zurück auf den Standard, und der Quad fliegt nicht mehr. Ein Betaflight-Backup vor jedem Update fängt genau diesen Fall ab.

Montage: die Punkte, die zählen

Ducted-Propeller an Cinewhoops sitzen fast immer auf einer T-Mount- Aufnahme, also gerade auf der Motorwelle mit einer Schraube von oben. Verbreitet sind Wellendurchmesser von 1,5 Millimetern in der kompakten Klasse und 5 Millimetern bei größeren Motoren. Der Gemfan D76 wird für beide Varianten angeboten, was beim Kauf zu beachten ist.

Verschleiß: wann ein Propeller raus muss

Fünfblättrige Ducted-Propeller haben pro Blatt wenig Fläche, deshalb wirkt sich eine Beschädigung stärker aus als an einem Dreiblatt-Propeller mit derselben Kerbe. Getauscht wird bei:

Die Grundlagen zu Größencode, Blattzahl und Material für alle FPV-Klassen stehen im Artikel zu FPV-Propellern.

Fazit: erst der Duct, dann alles andere

Der Frame gibt den Propeller vor. Steht der Duct-Innendurchmesser fest, ist die Größe entschieden, und dann bleiben zwei echte Stellschrauben: die Blattzahl und die Drehrichtung.

Fünf Blätter sind für Kamerafahrten und Innenräume die naheliegende Wahl, weil sie leiser laufen und den Schub gleichmäßiger abgeben. Drei Blätter lohnen sich, wenn Flugzeit und Reserve wichtiger sind als Ruhe. Bei der Drehrichtung ist props in der Standard und props out einen Versuch wert, sobald die Linse regelmäßig zugestaubt ist oder der Quad in engen Kurven unsauber wirkt. Der Umbau kostet zehn Minuten und lässt sich jederzeit zurücknehmen.

Häufige Fragen

Welche Propeller passen an einen Cinewhoop?

Maßgeblich ist der Duct-Innendurchmesser des Frames, nicht die Zollklasse auf der Verpackung. Verbreitet sind Ducted-Propeller mit 63 Millimetern für kompakte Aufbauten und 76 Millimetern für die 3-Zoll-Klasse mit GoPro. Der Frame-Hersteller nennt die passende Größe im Datenblatt, und diese Angabe ist verbindlich, weil Duct und Propeller als Paar ausgelegt sind.

Warum haben Cinewhoop-Propeller fünf Blätter?

Mehr Blätter erzeugen bei niedrigerer Drehzahl denselben Schub. Das senkt die Spitzengeschwindigkeit der Blattspitze im Duct, beruhigt das Geräusch und macht den Schub gleichmäßiger, was das Videobild ruhiger hält. Bezahlt wird das mit höherem Strombedarf und geringerem Wirkungsgrad, was bei einem Cinewhoop mit vier bis sieben Minuten Flugzeit hingenommen wird.

Was bedeutet props in und props out?

Die Begriffe beschreiben die Drehrichtung aller vier Propeller. Bei props in laufen die beiden vorderen Propeller an ihrer Vorderkante nach innen zur Mittellinie, bei props out nach außen. Betaflight arbeitet ab Werk mit props in. Umgestellt wird die Richtung im Configurator unter Konfiguration im Bereich Mixer über die Option für umgekehrte Motordrehrichtung, danach müssen alle vier Motoren neu geflasht oder umgedreht werden.

Was bringt props out am Cinewhoop?

Zwei Effekte werden regelmäßig genannt: Aufgewirbelter Schmutz landet eher am Elektronikstapel als auf der Kameralinse, und in engen Kurven wirkt die Steuerung an kleinen Quads mit wenig Motordrehmoment sauberer. Oscar Liang empfiehlt bei ungewöhnlichem Flugverhalten am Cinewhoop ausdrücklich, beide Richtungen auszuprobieren, weil das häufig die Lösung ist.

Wie viel Spalt braucht der Propeller zum Duct?

Der Cinewhoop-Bauleitfaden von UAVMODEL nennt weniger als 1,5 Millimeter als kritisch und warnt vor Kombinationen unter 1 Millimeter, weil dort schon eine leichte Verformung im Flug zum Anschlagen führt. Gemessen wird mit einer Fühlerlehre bei aufgesteckten Propellern. Ein zu großer Spalt kostet dagegen genau den Schubgewinn, für den der Duct gebaut wurde.

Warum steht auf einem 63-Millimeter-Propeller 3 Zoll?

Drei Zoll entsprechen 76,2 Millimetern, ein 63-Millimeter-Propeller misst rechnerisch 2,48 Zoll. Verkauft wird er trotzdem für die 3-Zoll-Klasse, weil sich die Klassenangabe bei Ducted-Aufbauten am Frame orientiert und der Duct den Rest der Fläche belegt. Für den Kauf gilt deshalb der Millimeterwert, die Zollangabe taugt hier nur zur groben Einordnung.

Kann ich normale Freestyle-Propeller in einen Duct stecken?

Technisch passen sie, wenn Durchmesser und Aufnahme stimmen, sinnvoll ist es selten. Freestyle-Propeller haben mehr Steigung und weniger Blätter, sie sind auf Vortrieb im freien Luftstrom ausgelegt. Im Duct erzeugen sie mehr Lärm, mehr Vibration und eine unruhigere Schubentwicklung, die im Video als Zittern sichtbar wird.

Wann muss ein Cinewhoop-Propeller getauscht werden?

Sobald ein Blatt einen Riss, eine Kerbe an der Vorderkante oder eine sichtbare Verformung zeigt. Bei fünfblättrigen Ducted-Propellern reicht ein einzelnes beschädigtes Blatt für spürbare Unwucht, weil die Blätter einzeln wenig Fläche haben. Getauscht wird immer der komplette Satz eines Motors, gemischte Zustände erzeugen Vibrationen im Videobild.

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