Beide Bauformen tragen eine Kamera, beide werden mit Brille geflogen, und beide heißen im Gespräch einfach FPV-Drohne. Trotzdem sind es zwei verschiedene Werkzeuge, die sich in Gewicht, Tempo und Einsatzort kaum überschneiden. Dieser Artikel stellt Cinewhoop und Freestyle-Quad Kriterium für Kriterium gegenüber und endet mit einer klaren Zuordnung, welche Bauform zu welchem Ziel passt.
Das Wichtigste in Kürze
- Gewicht: Cinewhoop 180 bis 400 g, Freestyle-Quad rund 540 g ohne und 630 g mit Actioncam.
- Tempo: 3-Zoll-Cinewhoop auf 4S etwa 50 bis 60 km/h, der 5-Zoll-Freestyle ein Vielfaches davon.
- Flugzeit: Cinewhoop 4 bis 7 Minuten, Freestyle-Quad 4 bis 5 Minuten bei zügiger Fahrweise.
- Der Duct bringt 15 bis 25 % mehr Standschub im Schwebeflug und kostet bei Tempo genau diesen Vorteil wieder.
- Rechtlich liegen beide über 250 Gramm und damit in derselben Pflichtenklasse.
Der Unterschied in einem Satz
Der Cinewhoop ist eine Kameraplattform für den Nahbereich, der Freestyle-Quad ein Sportgerät für den freien Raum. Alles andere folgt aus dieser Auslegung.
Der Cinewhoop umschließt seine Propeller mit Ducts, bleibt klein und opfert Tempo für Schub im Schwebeflug und für die Möglichkeit, dicht an Objekten und Menschen zu fliegen. Der Freestyle-Quad lässt seine Propeller frei laufen, bleibt leicht im Verhältnis zur Motorleistung und kauft sich damit ein Schub-Gewichts-Verhältnis, das Dives, Flips und Rolls trägt.
Die Kernwerte gegenübergestellt
| Merkmal | Cinewhoop (3 Zoll) | Freestyle (5 Zoll) |
|---|---|---|
| Propeller | 63 bis 76 mm im Duct, 5 Blätter | 5 Zoll offen, 3 Blätter |
| Startgewicht | 250 bis 350 g | rund 540 g, mit GoPro rund 630 g |
| Frame allein | 150 bis 200 g | 80 bis 130 g |
| Motoren | 1404 bis 1505, 3600 bis 4000 KV auf 4S | 2207 oder 2306, 1800 bis 1950 KV auf 6S |
| Akku | 4S, rund 850 mAh | 6S, 1300 bis 1500 mAh |
| Flugzeit | 4 bis 7 Minuten | 4 bis 5 Minuten |
| Höchstgeschwindigkeit | etwa 50 bis 60 km/h | ein Vielfaches davon |
| Einsatzort | Innenräume, enge Lücken, nah an Objekten | freies Gelände, Höhe, Tempo |
Werte nach Bauleitfäden und Herstellerangaben. Der Frame-Anteil ist die aussagekräftigste Zeile: Beim Cinewhoop steckt rund die Hälfte des Leergewichts im Rahmen mit seinen Ducts, beim Freestyle-Quad deutlich weniger.

Der Cinewhoop baut kleiner und leichter, verliert aber genau dort, wo der Freestyle-Quad seine Stärke hat: beim Tempo.
Was die Ducts bringen und was sie kosten
Ein Duct ist eine Wand rund um die Blattspitze. Sie unterbindet den Randwirbel, der an einem offenen Propeller Energie kostet. Der Cinewhoop-Bauleitfaden von UAVMODEL beziffert den Gewinn eines gut ausgelegten Ducts auf 15 bis 25 Prozent mehr Standschub gegenüber einem offenen Propeller gleichen Durchmessers.
Dieser Gewinn gilt im Schwebeflug. Sobald sich die Drohne bewegt, strömt Luft schräg gegen den Kanal, und derselbe Duct wird zur Bremsfläche. Genau deshalb sind die beiden Bauformen so klar getrennt:
- Der Cinewhoop verschiebt Leistung in den Schwebeflug. Er hält eine Position, kriecht durch eine Türöffnung und driftet an einer Fassade entlang.
- Der Freestyle-Quad verschiebt Leistung in den Vorwärtsflug. Er beschleunigt, steigt und trägt Fahrt durch eine Figur.
Dazu kommt das Gewicht der Ducts selbst. Ein 3-Zoll-Cinewhoop-Frame wiegt 150 bis 200 Gramm, ein 5-Zoll-Freestyle-Frame aus Carbon deutlich weniger, obwohl er größer ist. Wie sich Material, Spalt und Bauform im Detail auswirken, behandelt der Artikel zum Cinewhoop-Frame.
Flugverhalten: träge Präzision gegen Reserve
Am Knüppel fühlen sich die beiden Bauformen gegensätzlich an.
Der Cinewhoop reagiert gedämpft. Die Masse im Verhältnis zur Propellerfläche ist hoch, die Ducts wirken auf jede Drehbewegung, und die fünfblättrigen Propeller liefern ihren Schub gleichmäßig. Das Ergebnis ist eine Maschine, die sich gut anhalten und fein positionieren lässt. Schnelle Richtungswechsel und harte Bremsmanöver liegen ihr weniger.
Der Freestyle-Quad hat Reserve im Überfluss. Mit 2207er-Motoren um 1850 KV auf 6S und Spitzenströmen von 100 bis 120 Ampere trägt er ein Mehrfaches seines Gewichts. Diese Reserve ist die Voraussetzung für Flips und Rolls, sie verlangt aber auch Kontrolle: Ein Fehler wird bei diesem Tempo und dieser Masse teuer.
Die Abstimmung unterscheidet sich entsprechend. Ein Cinewhoop wird auf Ruhe getrimmt, mit gedämpften Filtern und flachen Ratenkurven. Wie das konkret aussieht, steht in den Betaflight-Einstellungen für den Cinewhoop.
Das Bild: zwei verschiedene Erzählweisen
Der sichtbarste Unterschied steckt im Material, das am Ende herauskommt.
Cinewhoop-Aufnahmen leben von Nähe. Die Kamera fährt durch einen Türrahmen, an einer Wand entlang, um eine Person herum. Die Bewegung ist langsam und gleichmäßig, weil die Bauform genau das gut kann. Der begrenzte Flugbereich ist dabei die Einschränkung: Weite Schwenks über Landschaft liegen außerhalb des Einsatzprofils.
Freestyle-Aufnahmen leben von Bewegung. Dives an Gebäuden entlang, schnelle Verfolgungen, Höhenwechsel. Das Material braucht mehr Nachbearbeitung, weil Vibrationen bei hohem Tempo im Bild landen und weil der Horizont sich ständig neigt.
Beide Bauformen tragen typischerweise eine Actioncam zusätzlich zur FPV-Kamera, denn das Signal in der Brille ist zum Fliegen gedacht. Das gilt für digitale Systeme genauso wie für eine analoge Videostrecke, die bei sehr kleinen Aufbauten weiterhin die leichteste Lösung ist. Bei den 630 Gramm des Freestyle-Aufbaus mit GoPro Hero 11 Mini ist die Actioncam bereits eingerechnet.
Lärm und Nähe zu Menschen
Hier hat der Cinewhoop seinen deutlichsten Vorteil, und er ist der Grund für seine Existenz.
Die Ducts umschließen die Propeller vollständig. Eine streifende Berührung an einer Wand, einem Vorhang oder einem Arm trifft Kunststoff statt einer rotierenden Kante. Das macht Flüge in Innenräumen und Aufnahmen nah an Personen überhaupt erst vertretbar. Ein 5-Zoll-Freestyle mit offenen Propellern in derselben Situation ist eine andere Größenordnung von Risiko.
Beim Geräusch hilft die hohe Blattzahl. Fünf Blätter erzeugen denselben Schub bei niedrigerer Drehzahl, und die Blattspitzengeschwindigkeit ist die Hauptquelle des Lärms. Welche Größen, Blattzahlen und Drehrichtungen dabei zur Wahl stehen, steht im Artikel zu den Cinewhoop-Propellern. Der Duct selbst hat allerdings eine Eigenresonanz, laut UAVMODEL bei 3-Zoll-Frames typisch im Bereich 180 bis 220 Hertz, die als Brummen hörbar bleibt.
Was die Bauform trotzdem nicht ändert: Der rechtliche Rahmen bemisst sich nach Gewicht und Kategorie, unabhängig davon, ob die Propeller umschlossen sind.
Rechtlich: dieselbe Klasse, dieselben Pflichten
Beide Bauformen liegen über 250 Gramm Startgewicht. Damit greift für beide derselbe Pflichtenkatalog:
- Registrierung als Betreiber beim Luftfahrt-Bundesamt, mit der e-ID sichtbar an der Drohne.
- Kompetenznachweis A1/A3, der kleine Drohnenführerschein.
- Haftpflichtversicherung, die für Drohnen ohnehin ab dem ersten Gramm vorgeschrieben ist.
- Unterkategorie A3 bei Modellen ohne C-Klassifizierung, also bei praktisch allen Selbstbauten und FPV-Aufbauten. Daraus folgen 150 Meter Abstand zu Wohn-, Gewerbe- und Industriegebieten.
- Ein Beobachter neben dir beim Flug mit Brille, weil der Sichtkontakt zur Drohne durchgehend bestehen muss.
Der letzte Punkt trifft beide Bauformen gleichermaßen und ist der praktisch einschneidendste. Die Details zum FPV-Betrieb stehen im Artikel zum FPV-Drohne fliegen, die Kategorien und ihre Abstände in der Übersicht zur offenen Kategorie.
Ein Cinewhoop unter 250 Gramm ist bei sehr kompakten 2,5-Zoll-Aufbauten mit nackter Kamera erreichbar und verschiebt die Einordnung deutlich. Sobald eine GoPro mitfliegt, ist diese Grenze allerdings vergeben.
Kosten, Reparatur und Ersatzteile
Beim Anschaffungspreis nehmen sich beide wenig, im laufenden Betrieb unterscheiden sie sich deutlich.
Der Freestyle-Quad ist im Schadensfall der einfachere Fall. Sein Rahmen besteht aus wenigen Carbonplatten, meist ist ein einzelner Arm oder die Bodenplatte einzeln nachbestellbar. Motoren, Regler und Flightcontroller sind zwischen den Herstellern weitgehend kompatibel.
Der Cinewhoop hängt stärker an seinem Frame. Die Ducts sind Teil des Rahmens, gespritzt oder gedruckt, und passen nur zum eigenen Modell. Bricht ein Duct, ist häufig der ganze Frame fällig. Dafür schützen genau diese Ducts die Propeller und Motoren bei den Streifkontakten, die im Innenraum häufig sind.
Bei den Verbrauchsteilen dreht sich das Verhältnis: Ein Satz Ducted-Propeller ist günstig, ein gebrochener 5-Zoll-Propeller nach einem Baumkontakt ebenfalls. Ersatzteile für beide Bauformen behandelt der Artikel zu Ersatzteilen für Drohnen.
Welche Bauform für welches Ziel
| Dein Ziel | Passende Bauform |
|---|---|
| Kamerafahrten in Wohnungen, Hallen, Treppenhäusern | Cinewhoop |
| Aufnahmen nah an Personen und Objekten | Cinewhoop |
| Immobilien- und Werbeaufnahmen in Innenräumen | Cinewhoop |
| Akrobatik, Dives, Bandos | Freestyle |
| Verfolgungsaufnahmen bei Tempo | Freestyle |
| Fliegen lernen mit kleinem Budget | keines von beiden, erst Tinywhoop |
| Startgewicht unter 250 Gramm halten | Cinewhoop in 2,5 Zoll ohne GoPro |
Vor beiden Bauformen steht der günstigste Lernweg: erst ein FPV-Simulator, dann ein Tiny Whoop im Wohnzimmer. Wer die Steuerung dort beherrscht, weiß außerdem selbst, welche der beiden Richtungen ihn mehr reizt. Die Abgrenzung zwischen Tinywhoop und Cinewhoop behandelt der direkte Vergleich der beiden Whoop-Bauformen.
Fazit: das Ziel entscheidet, nicht die Technik
Cinewhoop und Freestyle-Quad konkurrieren kaum miteinander. Der eine tauscht Tempo gegen Schub im Schwebeflug und gegen die Möglichkeit, dicht an Dingen entlangzufliegen. Der andere tauscht Sicherheit im Nahbereich gegen Reserve, Höhe und Geschwindigkeit.
Für Kamerafahrten in Räumen und nah an Menschen gibt es zum Cinewhoop keine sinnvolle Alternative. Für Akrobatik und Tempo im freien Gelände gilt dasselbe umgekehrt für den 5-Zoll-Freestyle. Wer beides will, kauft am Ende beides, und die meisten FPV-Piloten landen genau dort. Wichtig ist allein, dass der erste Aufbau zum ersten Ziel passt, denn mit der falschen Bauform lernt man vor allem, dass sie das Falsche gut kann.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Cinewhoop und Freestyle?
Der Cinewhoop hat umschlossene Propeller in Ducts, misst 2,5 bis 3,5 Zoll und wiegt startklar 180 bis 400 Gramm. Der Freestyle-Quad fliegt mit offenen Propellern, misst meist 5 Zoll und wiegt startklar rund 540 Gramm ohne und rund 630 Gramm mit Actioncam. Daraus folgt alles Weitere: Der eine ist für langsame Kamerafahrten in engen Räumen gebaut, der andere für Tempo, Höhe und Akrobatik.
Welche Bauform ist schneller?
Der Freestyle-Quad deutlich. Ein 3-Zoll-Cinewhoop auf 4S erreicht etwa 50 bis 60 km/h, während ein 5-Zoll-Freestyle auf 6S ein Vielfaches davon schafft. Die Ducts wirken bei steigendem Tempo als Luftwiderstand und nehmen dem Cinewhoop genau die Reserve, die ihn im Schwebeflug stark macht.
Welche Bauform fliegt länger?
Beide liegen kurz beieinander, der Freestyle-Quad meist knapp vorn. Ein 3-Zoll-Cinewhoop schafft mit einem 4S-Akku von 850 mAh etwa vier bis sieben Minuten, ein 5-Zoll-Freestyle mit 6S 1300 mAh etwa vier bis fünf Minuten bei zügiger Fahrweise. Der Cinewhoop trägt Duct-Gewicht mit kleinen Propellern, der Freestyle-Quad hat mehr Gewicht, arbeitet dafür effizienter.
Ist ein Cinewhoop sicherer als ein Freestyle-Quad?
Die Ducts umschließen die Propeller und verhindern den direkten Kontakt mit einer rotierenden Kante. Das entschärft Streifkontakte an Wänden, Möbeln und Personen und ist der Grund, warum Cinewhoops in Innenräumen und nah an Menschen eingesetzt werden. Rechtlich ändert die Bauform an der Gewichtsklasse und den Abstandsregeln allerdings nichts.
Womit sollte ich anfangen?
Vor beidem steht der Simulator und danach ein Tinywhoop, weil dort ein Crash nichts kostet. Zwischen Cinewhoop und Freestyle entscheidet das Ziel: Wer verwertbare Kamerafahrten in Räumen will, baut einen Cinewhoop. Wer Akrobatik und Tempo im Freien sucht, baut einen 5-Zoll-Freestyle. Der Freestyle-Quad ist dabei der teurere Fehler, weil er mehr Masse und mehr Energie mitbringt.
Wie unterscheiden sich die Aufnahmen?
Der Cinewhoop liefert ruhige, langsame Fahrten dicht an Objekten vorbei, weil die Ducts Schub im Schwebeflug erzeugen und die fünfblättrigen Propeller gleichmäßig arbeiten. Der Freestyle-Quad liefert schnelle Bewegungen, Dives und weite Schwenks. Beide brauchen Nachbearbeitung, der Cinewhoop wegen des begrenzten Blickwinkels, der Freestyle-Quad wegen der Vibrationen bei hohem Tempo.
Brauche ich für beide eine Genehmigung?
Beide liegen über 250 Gramm Startgewicht und benötigen damit die Registrierung als Betreiber beim Luftfahrt-Bundesamt sowie den Kompetenznachweis A1/A3. Ohne C-Klassifizierung, was bei Selbstbauten und den meisten FPV-Modellen der Fall ist, fällt der Betrieb in die Unterkategorie A3 mit 150 Metern Abstand zu Wohn-, Gewerbe- und Industriegebieten. Für den Flug mit Brille kommt ein Beobachter neben dir dazu.
Was ist beim Reparieren einfacher?
Der Freestyle-Quad. Sein Carbon-Rahmen besteht aus wenigen Platten, die einzeln nachbestellbar sind, und die Bauteile sind über alle Hersteller hinweg weitgehend austauschbar. Beim Cinewhoop sind die Ducts oft Teil eines gedruckten oder gespritzten Rahmens und passen nur zum eigenen Modell. Ein gebrochener Duct bedeutet deshalb häufiger einen kompletten Frame-Tausch.