Cinewhoop vs. Freestyle: zwei Bauformen im Vergleich

Cinewhoop oder Freestyle-Quad? Gewicht, Flugzeit, Tempo und Bildwirkung im direkten Vergleich, dazu die rechtliche Einordnung und die Frage, welche Bauform zuerst sinnvoll ist.

FPV & Racing Veröffentlicht am 7 Min. Lesezeit

Beide Bauformen tragen eine Kamera, beide werden mit Brille geflogen, und beide heißen im Gespräch einfach FPV-Drohne. Trotzdem sind es zwei verschiedene Werkzeuge, die sich in Gewicht, Tempo und Einsatzort kaum überschneiden. Dieser Artikel stellt Cinewhoop und Freestyle-Quad Kriterium für Kriterium gegenüber und endet mit einer klaren Zuordnung, welche Bauform zu welchem Ziel passt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Gewicht: Cinewhoop 180 bis 400 g, Freestyle-Quad rund 540 g ohne und 630 g mit Actioncam.
  • Tempo: 3-Zoll-Cinewhoop auf 4S etwa 50 bis 60 km/h, der 5-Zoll-Freestyle ein Vielfaches davon.
  • Flugzeit: Cinewhoop 4 bis 7 Minuten, Freestyle-Quad 4 bis 5 Minuten bei zügiger Fahrweise.
  • Der Duct bringt 15 bis 25 % mehr Standschub im Schwebeflug und kostet bei Tempo genau diesen Vorteil wieder.
  • Rechtlich liegen beide über 250 Gramm und damit in derselben Pflichtenklasse.

Der Unterschied in einem Satz

Der Cinewhoop ist eine Kameraplattform für den Nahbereich, der Freestyle-Quad ein Sportgerät für den freien Raum. Alles andere folgt aus dieser Auslegung.

Der Cinewhoop umschließt seine Propeller mit Ducts, bleibt klein und opfert Tempo für Schub im Schwebeflug und für die Möglichkeit, dicht an Objekten und Menschen zu fliegen. Der Freestyle-Quad lässt seine Propeller frei laufen, bleibt leicht im Verhältnis zur Motorleistung und kauft sich damit ein Schub-Gewichts-Verhältnis, das Dives, Flips und Rolls trägt.

Die Kernwerte gegenübergestellt

MerkmalCinewhoop (3 Zoll)Freestyle (5 Zoll)
Propeller63 bis 76 mm im Duct, 5 Blätter5 Zoll offen, 3 Blätter
Startgewicht250 bis 350 grund 540 g, mit GoPro rund 630 g
Frame allein150 bis 200 g80 bis 130 g
Motoren1404 bis 1505, 3600 bis 4000 KV auf 4S2207 oder 2306, 1800 bis 1950 KV auf 6S
Akku4S, rund 850 mAh6S, 1300 bis 1500 mAh
Flugzeit4 bis 7 Minuten4 bis 5 Minuten
Höchstgeschwindigkeitetwa 50 bis 60 km/hein Vielfaches davon
EinsatzortInnenräume, enge Lücken, nah an Objektenfreies Gelände, Höhe, Tempo

Werte nach Bauleitfäden und Herstellerangaben. Der Frame-Anteil ist die aussagekräftigste Zeile: Beim Cinewhoop steckt rund die Hälfte des Leergewichts im Rahmen mit seinen Ducts, beim Freestyle-Quad deutlich weniger.

Maßstäbliche Gegenüberstellung zweier FPV-Drohnen in der Draufsicht, beide Silhouetten im selben Maßstab zueinander. Links ein Cinewhoop mit vier kreisrunden, geschlossenen Ducts an den Ecken, in denen die Propeller vollständig verschwinden, Gesamtbreite rund 18 Zentimeter, die Kamera sitzt vorn mittig auf dem Rahmen. Rechts ein Freestyle-Quad mit vier offenen Propellerkreisen an ausgestellten Auslegern, deren Kreise sich frei drehen und deutlich größer sind, Gesamtbreite rund 28 Zentimeter, ebenfalls mit Kamera vorn. Unter beiden Silhouetten liegen drei waagerechte Vergleichsbalken auf gemeinsamen Achsen: Startgewicht, wobei der Cinewhoop mit 250 bis 350 Gramm einen kürzeren Balken hat als der Freestyle-Quad mit 540 bis 630 Gramm. Höchstgeschwindigkeit, wobei der Cinewhoop mit 50 bis 60 Kilometern je Stunde einen kurzen Balken hat und der Freestyle-Balken ohne Zahlenwert über die volle Achse läuft und in einer Pfeilspitze mit der Beschriftung ein Vielfaches endet. Flugzeit, wo beide Balken fast gleich lang sind, der Cinewhoop bei vier bis sieben Minuten und der Freestyle-Quad bei vier bis fünf Minuten. Zwischen den Silhouetten und den Balken steht die Merkzeile, dass der Duct im Schwebeflug 15 bis 25 Prozent mehr Standschub bringt und bei Tempo derselbe Duct bremst. Hinweisleiste: Der Duct verschiebt Leistung vom Vorwärtsflug in den Schwebeflug. Schematisch, nicht maßstäblich in den Balken.

Der Cinewhoop baut kleiner und leichter, verliert aber genau dort, wo der Freestyle-Quad seine Stärke hat: beim Tempo.

Was die Ducts bringen und was sie kosten

Ein Duct ist eine Wand rund um die Blattspitze. Sie unterbindet den Randwirbel, der an einem offenen Propeller Energie kostet. Der Cinewhoop-Bauleitfaden von UAVMODEL beziffert den Gewinn eines gut ausgelegten Ducts auf 15 bis 25 Prozent mehr Standschub gegenüber einem offenen Propeller gleichen Durchmessers.

Dieser Gewinn gilt im Schwebeflug. Sobald sich die Drohne bewegt, strömt Luft schräg gegen den Kanal, und derselbe Duct wird zur Bremsfläche. Genau deshalb sind die beiden Bauformen so klar getrennt:

Dazu kommt das Gewicht der Ducts selbst. Ein 3-Zoll-Cinewhoop-Frame wiegt 150 bis 200 Gramm, ein 5-Zoll-Freestyle-Frame aus Carbon deutlich weniger, obwohl er größer ist. Wie sich Material, Spalt und Bauform im Detail auswirken, behandelt der Artikel zum Cinewhoop-Frame.

Flugverhalten: träge Präzision gegen Reserve

Am Knüppel fühlen sich die beiden Bauformen gegensätzlich an.

Der Cinewhoop reagiert gedämpft. Die Masse im Verhältnis zur Propellerfläche ist hoch, die Ducts wirken auf jede Drehbewegung, und die fünfblättrigen Propeller liefern ihren Schub gleichmäßig. Das Ergebnis ist eine Maschine, die sich gut anhalten und fein positionieren lässt. Schnelle Richtungswechsel und harte Bremsmanöver liegen ihr weniger.

Der Freestyle-Quad hat Reserve im Überfluss. Mit 2207er-Motoren um 1850 KV auf 6S und Spitzenströmen von 100 bis 120 Ampere trägt er ein Mehrfaches seines Gewichts. Diese Reserve ist die Voraussetzung für Flips und Rolls, sie verlangt aber auch Kontrolle: Ein Fehler wird bei diesem Tempo und dieser Masse teuer.

Die Abstimmung unterscheidet sich entsprechend. Ein Cinewhoop wird auf Ruhe getrimmt, mit gedämpften Filtern und flachen Ratenkurven. Wie das konkret aussieht, steht in den Betaflight-Einstellungen für den Cinewhoop.

Das Bild: zwei verschiedene Erzählweisen

Der sichtbarste Unterschied steckt im Material, das am Ende herauskommt.

Cinewhoop-Aufnahmen leben von Nähe. Die Kamera fährt durch einen Türrahmen, an einer Wand entlang, um eine Person herum. Die Bewegung ist langsam und gleichmäßig, weil die Bauform genau das gut kann. Der begrenzte Flugbereich ist dabei die Einschränkung: Weite Schwenks über Landschaft liegen außerhalb des Einsatzprofils.

Freestyle-Aufnahmen leben von Bewegung. Dives an Gebäuden entlang, schnelle Verfolgungen, Höhenwechsel. Das Material braucht mehr Nachbearbeitung, weil Vibrationen bei hohem Tempo im Bild landen und weil der Horizont sich ständig neigt.

Beide Bauformen tragen typischerweise eine Actioncam zusätzlich zur FPV-Kamera, denn das Signal in der Brille ist zum Fliegen gedacht. Das gilt für digitale Systeme genauso wie für eine analoge Videostrecke, die bei sehr kleinen Aufbauten weiterhin die leichteste Lösung ist. Bei den 630 Gramm des Freestyle-Aufbaus mit GoPro Hero 11 Mini ist die Actioncam bereits eingerechnet.

Lärm und Nähe zu Menschen

Hier hat der Cinewhoop seinen deutlichsten Vorteil, und er ist der Grund für seine Existenz.

Die Ducts umschließen die Propeller vollständig. Eine streifende Berührung an einer Wand, einem Vorhang oder einem Arm trifft Kunststoff statt einer rotierenden Kante. Das macht Flüge in Innenräumen und Aufnahmen nah an Personen überhaupt erst vertretbar. Ein 5-Zoll-Freestyle mit offenen Propellern in derselben Situation ist eine andere Größenordnung von Risiko.

Beim Geräusch hilft die hohe Blattzahl. Fünf Blätter erzeugen denselben Schub bei niedrigerer Drehzahl, und die Blattspitzengeschwindigkeit ist die Hauptquelle des Lärms. Welche Größen, Blattzahlen und Drehrichtungen dabei zur Wahl stehen, steht im Artikel zu den Cinewhoop-Propellern. Der Duct selbst hat allerdings eine Eigenresonanz, laut UAVMODEL bei 3-Zoll-Frames typisch im Bereich 180 bis 220 Hertz, die als Brummen hörbar bleibt.

Was die Bauform trotzdem nicht ändert: Der rechtliche Rahmen bemisst sich nach Gewicht und Kategorie, unabhängig davon, ob die Propeller umschlossen sind.

Rechtlich: dieselbe Klasse, dieselben Pflichten

Beide Bauformen liegen über 250 Gramm Startgewicht. Damit greift für beide derselbe Pflichtenkatalog:

Der letzte Punkt trifft beide Bauformen gleichermaßen und ist der praktisch einschneidendste. Die Details zum FPV-Betrieb stehen im Artikel zum FPV-Drohne fliegen, die Kategorien und ihre Abstände in der Übersicht zur offenen Kategorie.

Ein Cinewhoop unter 250 Gramm ist bei sehr kompakten 2,5-Zoll-Aufbauten mit nackter Kamera erreichbar und verschiebt die Einordnung deutlich. Sobald eine GoPro mitfliegt, ist diese Grenze allerdings vergeben.

Kosten, Reparatur und Ersatzteile

Beim Anschaffungspreis nehmen sich beide wenig, im laufenden Betrieb unterscheiden sie sich deutlich.

Der Freestyle-Quad ist im Schadensfall der einfachere Fall. Sein Rahmen besteht aus wenigen Carbonplatten, meist ist ein einzelner Arm oder die Bodenplatte einzeln nachbestellbar. Motoren, Regler und Flightcontroller sind zwischen den Herstellern weitgehend kompatibel.

Der Cinewhoop hängt stärker an seinem Frame. Die Ducts sind Teil des Rahmens, gespritzt oder gedruckt, und passen nur zum eigenen Modell. Bricht ein Duct, ist häufig der ganze Frame fällig. Dafür schützen genau diese Ducts die Propeller und Motoren bei den Streifkontakten, die im Innenraum häufig sind.

Bei den Verbrauchsteilen dreht sich das Verhältnis: Ein Satz Ducted-Propeller ist günstig, ein gebrochener 5-Zoll-Propeller nach einem Baumkontakt ebenfalls. Ersatzteile für beide Bauformen behandelt der Artikel zu Ersatzteilen für Drohnen.

Welche Bauform für welches Ziel

Dein ZielPassende Bauform
Kamerafahrten in Wohnungen, Hallen, TreppenhäusernCinewhoop
Aufnahmen nah an Personen und ObjektenCinewhoop
Immobilien- und Werbeaufnahmen in InnenräumenCinewhoop
Akrobatik, Dives, BandosFreestyle
Verfolgungsaufnahmen bei TempoFreestyle
Fliegen lernen mit kleinem Budgetkeines von beiden, erst Tinywhoop
Startgewicht unter 250 Gramm haltenCinewhoop in 2,5 Zoll ohne GoPro

Vor beiden Bauformen steht der günstigste Lernweg: erst ein FPV-Simulator, dann ein Tiny Whoop im Wohnzimmer. Wer die Steuerung dort beherrscht, weiß außerdem selbst, welche der beiden Richtungen ihn mehr reizt. Die Abgrenzung zwischen Tinywhoop und Cinewhoop behandelt der direkte Vergleich der beiden Whoop-Bauformen.

Fazit: das Ziel entscheidet, nicht die Technik

Cinewhoop und Freestyle-Quad konkurrieren kaum miteinander. Der eine tauscht Tempo gegen Schub im Schwebeflug und gegen die Möglichkeit, dicht an Dingen entlangzufliegen. Der andere tauscht Sicherheit im Nahbereich gegen Reserve, Höhe und Geschwindigkeit.

Für Kamerafahrten in Räumen und nah an Menschen gibt es zum Cinewhoop keine sinnvolle Alternative. Für Akrobatik und Tempo im freien Gelände gilt dasselbe umgekehrt für den 5-Zoll-Freestyle. Wer beides will, kauft am Ende beides, und die meisten FPV-Piloten landen genau dort. Wichtig ist allein, dass der erste Aufbau zum ersten Ziel passt, denn mit der falschen Bauform lernt man vor allem, dass sie das Falsche gut kann.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Cinewhoop und Freestyle?

Der Cinewhoop hat umschlossene Propeller in Ducts, misst 2,5 bis 3,5 Zoll und wiegt startklar 180 bis 400 Gramm. Der Freestyle-Quad fliegt mit offenen Propellern, misst meist 5 Zoll und wiegt startklar rund 540 Gramm ohne und rund 630 Gramm mit Actioncam. Daraus folgt alles Weitere: Der eine ist für langsame Kamerafahrten in engen Räumen gebaut, der andere für Tempo, Höhe und Akrobatik.

Welche Bauform ist schneller?

Der Freestyle-Quad deutlich. Ein 3-Zoll-Cinewhoop auf 4S erreicht etwa 50 bis 60 km/h, während ein 5-Zoll-Freestyle auf 6S ein Vielfaches davon schafft. Die Ducts wirken bei steigendem Tempo als Luftwiderstand und nehmen dem Cinewhoop genau die Reserve, die ihn im Schwebeflug stark macht.

Welche Bauform fliegt länger?

Beide liegen kurz beieinander, der Freestyle-Quad meist knapp vorn. Ein 3-Zoll-Cinewhoop schafft mit einem 4S-Akku von 850 mAh etwa vier bis sieben Minuten, ein 5-Zoll-Freestyle mit 6S 1300 mAh etwa vier bis fünf Minuten bei zügiger Fahrweise. Der Cinewhoop trägt Duct-Gewicht mit kleinen Propellern, der Freestyle-Quad hat mehr Gewicht, arbeitet dafür effizienter.

Ist ein Cinewhoop sicherer als ein Freestyle-Quad?

Die Ducts umschließen die Propeller und verhindern den direkten Kontakt mit einer rotierenden Kante. Das entschärft Streifkontakte an Wänden, Möbeln und Personen und ist der Grund, warum Cinewhoops in Innenräumen und nah an Menschen eingesetzt werden. Rechtlich ändert die Bauform an der Gewichtsklasse und den Abstandsregeln allerdings nichts.

Womit sollte ich anfangen?

Vor beidem steht der Simulator und danach ein Tinywhoop, weil dort ein Crash nichts kostet. Zwischen Cinewhoop und Freestyle entscheidet das Ziel: Wer verwertbare Kamerafahrten in Räumen will, baut einen Cinewhoop. Wer Akrobatik und Tempo im Freien sucht, baut einen 5-Zoll-Freestyle. Der Freestyle-Quad ist dabei der teurere Fehler, weil er mehr Masse und mehr Energie mitbringt.

Wie unterscheiden sich die Aufnahmen?

Der Cinewhoop liefert ruhige, langsame Fahrten dicht an Objekten vorbei, weil die Ducts Schub im Schwebeflug erzeugen und die fünfblättrigen Propeller gleichmäßig arbeiten. Der Freestyle-Quad liefert schnelle Bewegungen, Dives und weite Schwenks. Beide brauchen Nachbearbeitung, der Cinewhoop wegen des begrenzten Blickwinkels, der Freestyle-Quad wegen der Vibrationen bei hohem Tempo.

Brauche ich für beide eine Genehmigung?

Beide liegen über 250 Gramm Startgewicht und benötigen damit die Registrierung als Betreiber beim Luftfahrt-Bundesamt sowie den Kompetenznachweis A1/A3. Ohne C-Klassifizierung, was bei Selbstbauten und den meisten FPV-Modellen der Fall ist, fällt der Betrieb in die Unterkategorie A3 mit 150 Metern Abstand zu Wohn-, Gewerbe- und Industriegebieten. Für den Flug mit Brille kommt ein Beobachter neben dir dazu.

Was ist beim Reparieren einfacher?

Der Freestyle-Quad. Sein Carbon-Rahmen besteht aus wenigen Platten, die einzeln nachbestellbar sind, und die Bauteile sind über alle Hersteller hinweg weitgehend austauschbar. Beim Cinewhoop sind die Ducts oft Teil eines gedruckten oder gespritzten Rahmens und passen nur zum eigenen Modell. Ein gebrochener Duct bedeutet deshalb häufiger einen kompletten Frame-Tausch.

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