Tinywhoop analog: VTX, Kanäle und die passende Brille

Analoges Video im Tinywhoop: Was ein AIO aus Kamera und Sender wiegt, welche Kanäle in Deutschland zulässig sind und warum Video und ELRS getrennte Funkstrecken sind.

FPV & Racing Veröffentlicht am 9 Min. Lesezeit

Der Whoop hängt an der Werkbank, das Bild in der Brille rauscht leicht an den Rändern, und trotzdem fliegt es sich damit präzise. Analoges Video ist bei den kleinsten FPV-Drohnen weiterhin die verbreitetste Lösung. Dieser Artikel sortiert, woraus so eine Strecke besteht, was sie wiegt, welche Kanäle in Deutschland zulässig sind und wo ihre Grenzen liegen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Analog meint allein die Videostrecke vom Quad zur Brille auf 5,8 GHz. Die Steuerung läuft getrennt davon über ein eigenes System.
  • Eine AIO-Einheit aus Kamera und Sender wiegt 2,1 bis 4,2 Gramm, je nach Modell zwischen 22 und 28 US-Dollar.
  • In Deutschland zulässig sind 5725 bis 5875 MHz mit maximal 25 mW EIRP, also Kanäle aus den Bändern A, B, F und Raceband.
  • Die Verzögerung liegt unter 10 Millisekunden, deutlich unter den 14 bis 40 Millisekunden einer DJI-Strecke.
  • Analog und ELRS passen zusammen: Sehr viele AIO-Boards tragen beides auf einer Platine.

Was analog beim Whoop genau meint

Analog beschreibt die Art, wie das Kamerabild zur Brille kommt. Die Kamera erzeugt ein Videosignal im PAL- oder NTSC-Format, der Videosender moduliert es auf eine Trägerfrequenz im 5,8-GHz-Band, und die Brille holt es dort wieder heraus. Zwischen Sensor und Auge sitzt kein Encoder, kein Puffer und kein Decoder.

Daraus folgen die drei Eigenschaften, die diese Technik im Whoop halten:

Der Preis dafür ist die Bildqualität. Feine Strukturen, Kanten und dunkle Ecken kommen deutlich schlechter durch als bei einem digitalen System.

Die zwei Bauformen im Whoop

Analoge Hardware kommt im Whoop in zwei Varianten vor, und der Unterschied entscheidet darüber, was du beim Aufbau überhaupt tauschen kannst.

AIO-Kamera mit integriertem Sender. Ein kleiner Block trägt Objektiv, Sensor, Videosender und Antennenanschluss. Er wird über zwei Kabel mit Strom versorgt und per SmartAudio vom Flightcontroller gesteuert. Diese Bauform sitzt in fast allen fertig gekauften Whoops im Bereich 65 bis 75 Millimeter.

Videosender auf dem AIO-Flightcontroller. Hier steckt der Sender bereits auf der Hauptplatine, die zugleich Flightcontroller, vier Regler und oft auch den ELRS-Empfänger trägt. Der Happymodel X12 kombiniert beispielsweise ELRS, 5-Ampere-Regler und einen Videosender mit 25 bis 400 mW auf einem Board. Angeschlossen wird dann nur noch eine reine Kamera ohne eigenen Sender, etwa die 2 Gramm leichte Caddx Ant mit 1200 TVL.

ModellGewichtAuflösungLeistungKanälePreis
FX806T2,1 gohne Angabe25 mW40 bis 48rund 40 $
Eachine TX062,8 gohne Angabe25 mW40 bis 48rund 23 $
Caddx Beetle3,0 gohne Angabe25 mW40 bis 48ohne Angabe
BetaFPV T013,3 gohne Angabe25 mW40 bis 48rund 22 $
Eachine F73,4 gohne Angabe25 mW40 bis 48rund 23 $
BetaFPV H023,6 gohne Angabe25 mW40 bis 48rund 25 $
Caddx Firefly4,2 g1200 TVL25 mW40 bis 48rund 25 $
BetaFPV Z024,2 g600 TVL25 bis 200 mW40 bis 48rund 28 $

Werte nach der AIO-Übersicht von Oscar Liang. Alle genannten Einheiten liefern Betaflight-OSD, die Modelle Z02, TX06, F7 und Firefly zusätzlich SmartAudio zur Kanalumschaltung über die Fernsteuerung.

Analoges Video und ELRS: zwei Strecken, die nichts teilen

Die Suchanfrage nach analogem Video in Verbindung mit ELRS taucht regelmäßig auf, und dahinter steckt ein verbreitetes Missverständnis. Beides bezeichnet unterschiedliche Dinge:

Getrennte Bänder, getrennte Antennen, getrennte Hardware. Ein Whoop mit ELRS und analoger Videostrecke ist die häufigste Kombination überhaupt, und der Aufbau des Empfängers auf dem AIO-Board ist im Detail im Artikel zu ELRS im Tinywhoop beschrieben.

Praktisch wichtig ist die Konsequenz aus der Trennung: Beide Strecken fallen unabhängig voneinander aus.

Schematische Darstellung der zwei getrennten Funkstrecken an einem analogen Tinywhoop. In der Mitte der Whoop in Draufsicht mit vier umschlossenen Propellern und einer grün markierten Kamera vorn, die als Quelle der Videostrecke farblich zu ihr gehört; links davon die Fernsteuerung, rechts die FPV-Brille. Von der Fernsteuerung führt ein durchgezogener Pfeil nach rechts zum Whoop, beschriftet mit Steuerbefehle, ELRS auf 2,4 GHz oder 868 MHz mit bis zu 100 Milliwatt EIRP. Ein dünnerer gestrichelter Pfeil führt vom Whoop zurück zur Fernsteuerung, beschriftet mit Telemetrie, also Akkuspannung und Signalqualität. Vom Whoop führt ein breiter Pfeil nach rechts zur Brille, beschriftet mit Videobild, analog auf 5,8 GHz mit maximal 25 Milliwatt EIRP, ausdrücklich nur in eine Richtung. Unter den beiden Strecken steht jeweils, was ihr Ausfall bedeutet: Reißt die Videostrecke ab, bleibt die Drohne steuerbar und wird blind geflogen. Reißt die Steuerstrecke ab, greift der Failsafe und die Motoren stoppen. Eine Trennlinie zwischen den beiden Bändern verdeutlicht, dass sie sich weder Antenne noch Empfänger teilen. Hinweisleiste: Zwei Bänder, zwei Antennen, zwei getrennte Ausfallarten. Schematisch, nicht maßstäblich.

Steuerung und Video laufen über zwei völlig getrennte Funkstrecken. Deshalb bleibt der Whoop steuerbar, wenn das Bild verschwindet.

Bricht das Video weg, fliegt der Whoop weiter. Du siehst nur nichts mehr. Bei einem Indoor-Flug bedeutet das meist eine Landung nach Gehör oder ein Abstellen der Motoren.

Bricht die Steuerung weg, greift der Failsafe. Beim Whoop ist die übliche Einstellung ein sofortiger Motorstopp, weil ein 25-Gramm-Quad im Innenraum besser fällt als weiterfliegt.

Bänder, Kanäle und das deutsche Fenster

Analoge Sender bieten typisch 40 bis 48 Kanäle, verteilt auf fünf bis sechs Bänder mit den Kürzeln A, B, E, F und R. Diese Bänder stammen aus der internationalen Gerätewelt und decken zusammen ungefähr 5,3 bis 5,9 GHz ab.

In Deutschland ist davon nur ein Ausschnitt nutzbar: 5725 bis 5875 MHz mit maximal 25 mW EIRP, festgelegt in der Allgemeinzuteilung der Bundesnetzagentur für Funkanwendungen geringer Reichweite. Kanäle unterhalb von 5725 MHz liegen außerhalb, und das betrifft das komplette Band E sowie die unteren Kanäle mehrerer anderer Bänder.

Entscheidend ist zusätzlich das Kürzel EIRP: Die Grenze gilt für die abgestrahlte Leistung inklusive Antennengewinn. Ein Sender auf 25 mW mit einer Antenne von 2 dBi Gewinn liegt bereits bei rund 40 mW EIRP und damit über dem Limit. Welche Kanalnummern konkret ins Fenster fallen und wie sich der Antennengewinn gegenrechnet, steht im Artikel zu den FPV-Frequenzen in Deutschland.

Sendeleistung: warum 25 mW im Whoop meist genügt

Ein Whoop fliegt im Wohnzimmer, in der Halle oder auf dem Parkplatz, selten weiter als 50 bis 100 Meter vom Piloten entfernt. Für diese Distanz sind 25 mW ausreichend dimensioniert, solange die Antenne intakt ist und keine Wand aus Stahlbeton dazwischensteht.

Bevor du die Leistung anhebst, lohnen drei Prüfungen, die praktisch mehr bringen:

Erst wenn diese drei Punkte sauber sind, ist die Sendeleistung überhaupt der begrenzende Faktor. Und dann endet sie in Deutschland bei 25 mW EIRP.

Die Kamera: was TVL beschreibt

Die Auflösungsangabe analoger Kameras lautet TVL, also Fernsehzeilen. Sie beschreibt, wie viele senkrechte Linien nebeneinander noch unterscheidbar dargestellt werden. Aktuelle Nano-Kameras wie die Caddx Ant liegen bei 1200 TVL, ältere und sehr einfache AIO-Einheiten bei 600 TVL.

Der Wert beschreibt allerdings die Kamera. Die analoge Übertragung selbst begrenzt das Ergebnis zusätzlich, weshalb zwischen einer 600er- und einer 1200er-Kamera in der Brille weniger Unterschied ankommt, als die Zahlen vermuten lassen.

Wichtiger für den Whoop-Einsatz sind drei andere Kameraeigenschaften:

Der Blickwinkel wirkt außerdem auf die Neigung, mit der die Kamera verbaut wird. Wie sich Kamerawinkel und Fluggeschwindigkeit bedingen, behandelt der Artikel zum FPV-Kamerawinkel.

Die Brille als eigentlicher Kostenpunkt

Der Sender kostet 22 bis 28 US-Dollar, die Kamera ähnlich wenig. Die Brille ist der Posten, der die Rechnung bestimmt.

Für analoges Video reicht eine Box-Brille mit eingebautem 5,8-GHz-Empfänger. Sie ist groß, sitzt auf dem Gesicht wie eine Taucherbrille und liefert ein einfaches Bild. Zwei Ausstattungsmerkmale lohnen den Aufpreis:

Wer bereits eine digitale Brille besitzt, kommt an ein analoges Signal nur über ein passendes Empfängermodul oder einen analogen Eingang. Manche digitale Brille bietet das gar nicht, und bei den Modellen mit festem Ökosystem entfällt der Weg ganz. Die Systemwahl und ihre Auswirkung auf die Brille ist der Kern des Artikels zu FPV-Brillen analog oder digital.

Wann analog die richtige Wahl bleibt

Am 65-Millimeter-Whoop ist die Rechnung eindeutig. Ein analoges Videosystem wiegt rund ein Gramm mehr als der nackte Aufbau, ein digitales System sechs bis acht Gramm. Bei einem Startgewicht von 25 Gramm sind das 25 bis 30 Prozent zusätzliche Masse, und die Flugzeit sinkt entsprechend von etwa vier auf drei Minuten.

Drei Situationen sprechen für analog:

Ab etwa 75 Millimeter Radstand kippt die Rechnung, weil der Aufbau die zusätzlichen Gramm besser verkraftet. Der direkte Vergleich der digitalen Systeme mit Gewichten und Preisen steht im Artikel zu digitalen Tiny Whoops.

Typische Störungsbilder und ihre Ursachen

Analoge Strecken zeigen ihre Probleme direkt im Bild, und die Muster sind eindeutig genug, um daraus die Ursache abzulesen.

Bild in der BrilleWahrscheinliche Ursache
Rauschen nimmt mit Entfernung zunormale Reichweitengrenze, Antenne oder Kanal prüfen
Flackern synchron zum GasSpannungseinbruch am Sender oder Antenne im Motorkabel
Schräge, wandernde Streifenfremder Sender auf einem benachbarten Kanal
Bild kippt zeilenweiseSignal zu schwach, Empfänger verliert die Synchronisation
Bild plötzlich schwarzSender abgeschaltet, Kabel gelöst oder Überhitzung
Farbstich oder Schwarzweißfalsche Norm eingestellt, PAL gegen NTSC

Der häufigste Fall in der Werkstatt ist die Überhitzung. Ein Videosender im Whoop hat kaum Kühlfläche und braucht Luftstrom. Läuft er am Boden mit angesteckter Antenne mehrere Minuten ohne zu fliegen, schaltet er im ungünstigen Fall ab. Ohne Antenne geht er schnell kaputt, weil die Sendeleistung ins Bauteil zurückgeworfen wird.

Fazit: die leichteste Bildstrecke, die es gibt

Analoges Video hält sich im Whoop, weil es dort seine Stärken ausspielt: rund ein Gramm Gewicht, unter 10 Millisekunden Verzögerung und ein Ausfallverhalten, das dem Piloten Zeit zur Reaktion lässt. Die Bildqualität liegt klar hinter HDZero, Walksnail und DJI, im Innenraum auf kurze Distanz fällt das weniger ins Gewicht als die gesparten Gramm.

Für den Aufbau bedeutet das eine kurze Liste: eine AIO-Einheit oder ein Board mit integriertem Sender, eine intakte Dipol-Antenne, ein Kanal aus dem Bereich 5725 bis 5875 MHz und eine Leistung von 25 mW EIRP. Damit ist die Strecke rechtlich sauber und praktisch ausreichend. Wächst der Radstand später auf 75 Millimeter, lohnt der zweite Blick auf digitale Systeme.

Häufige Fragen

Was bedeutet analog beim Tinywhoop?

Analog beschreibt die Videostrecke vom Quad zur Brille. Die Kamera liefert ein Signal im PAL- oder NTSC-Format, der Sender moduliert es direkt auf eine Trägerfrequenz im 5,8-GHz-Band, und die Brille demoduliert es wieder. Dazwischen liegt keine Kompression und kein Decoder, deshalb liegt die Verzögerung unter 10 Millisekunden. Mit der Steuerung hat das nichts zu tun, die läuft über ein eigenes Funksystem.

Wie viel wiegt ein analoges Videosystem im Whoop?

Eine AIO-Einheit aus Kamera und Sender wiegt je nach Modell 2,1 bis 4,2 Gramm. Der FX806T liegt bei 2,1 Gramm, der Eachine TX06 bei 2,8 Gramm, die Caddx Firefly und der BetaFPV Z02 bei je 4,2 Gramm. Sitzt der Sender bereits auf dem AIO-Flightcontroller, kommt nur die Kameraeinheit dazu und die Rechnung fällt noch günstiger aus.

Kann ein Tinywhoop analoges Video und ELRS gleichzeitig nutzen?

Ja, und das ist der Normalfall. ELRS ist ein Steuerfunksystem auf 2,4 GHz oder 868 MHz, analoges Video läuft auf 5,8 GHz. Beide Strecken teilen sich weder Band noch Antenne noch Empfänger. Viele AIO-Boards für Whoops vereinen ELRS-Empfänger, Flightcontroller, Regler und den analogen Videosender auf einer Platine.

Welche Kanäle darf ich in Deutschland nutzen?

Frei nutzbar ist allein der Bereich 5725 bis 5875 MHz mit maximal 25 mW EIRP. Darin liegen Kanäle aus den Bändern A, B, F und Raceband. Die Bänder E, L, O und U liegen ganz oder teilweise außerhalb und sind ohne gesonderte Zuteilung nicht zulässig. Die Grenze gilt inklusive Antennengewinn.

Reichen 25 mW für den Innenraum?

Für eine Wohnung, eine Halle oder einen Keller reichen 25 mW meist aus. Kritisch sind massive Wände, Stahlbeton und Regale voller Metall, die das Signal dämpfen. Bevor die Leistung steigt, lohnt der Blick auf die Antenne: Eine gebrochene oder abgeknickte Antennenspitze kostet mehr Bild als die Differenz zwischen 25 und 200 mW.

Ist analog schlechter als digital?

Analog liefert ein weicheres, rauschendes Bild mit deutlich weniger Detail als HDZero, Walksnail oder DJI. Dafür wiegt es rund ein Gramm statt sechs bis acht, verzögert weniger und bricht sanft ab statt schlagartig einzufrieren. Bei einem 65-Millimeter-Whoop entscheidet dieses Gewicht spürbar über Flugzeit und Agilität.

Welche Brille brauche ich für analoges Video?

Eine analoge Brille mit 5,8-GHz-Empfänger. Einfache Box-Brillen mit eingebautem Empfänger beginnen im niedrigen dreistelligen Bereich, Modelle mit Diversity-Empfang und getrennten Antennen liegen darüber. Digitale Brillen für HDZero, Walksnail oder DJI zeigen ein analoges Signal nur, wenn ein passendes Empfängermodul steckt oder ein analoger Eingang vorhanden ist.

Was bedeuten die 1200 TVL in der Kameraangabe?

TVL steht für Fernsehzeilen und beschreibt die horizontale Auflösung, die eine analoge Kamera unterscheidbar darstellen kann. 1200 TVL ist bei aktuellen Nano-Kameras üblich, 600 TVL findet sich an einfacheren AIO-Einheiten. Der Wert beschreibt die Kamera, die Bandbreite der analogen Strecke begrenzt das Ergebnis in der Brille zusätzlich.

Warum flackert mein Bild, sobald ich Gas gebe?

Meist liegt die Ursache in der Stromversorgung des Senders. Unter Last bricht die Akkuspannung ein, und ein Sender ohne eigene Spannungsregelung überträgt das direkt ins Bild. Ein zweiter Verdacht ist die Antenne: Sitzt sie im Propellerkreis oder liegt ihr Kabel auf einem Motorkabel, entstehen Störungen genau bei hoher Drehzahl.

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