DJI ActiveTrack beim Skifahren: Tempo, Hang und Regeln

DJI ActiveTrack beim Skifahren (Skiing): bis 12 m/s Verfolgungstempo, warum der Hang die 120-m-Grenze sprengt, Kontrast im Schnee und was Bergbahnen erlauben.

Kameradrohnen Veröffentlicht am 7 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • DJI ActiveTrack beim Skifahren (Skiing): funktioniert, solange der Fahrer langsamer ist als das Verfolgungstempo. Mini 4 Pro und Neo 2 schaffen bis 12 m/s, die erste Neo im Follow-Me bis 8 m/s.
  • Wer zu schnell ist: Fortgeschrittene fahren im Mittel 44,5 km/h, also 12,4 m/s. Sie sind der Drohne oft schon davon.
  • Höhenfalle am Hang: Die App misst die Höhe ab Startpunkt, das Gesetz die 120 m über Grund. Bergab startend ist die Grenze auf einer roten Piste nach rund 275 m Strecke erreicht.
  • Kontrast: Bunte oder dunkle Kleidung, eine weiße Jacke im Schnee verliert die Erkennung leicht.
  • Erlaubnis: Bergbahnen können Drohnen auf ihrem Gelände verbieten oder genehmigen lassen. Vorher fragen, möglichst schriftlich.

Kann ActiveTrack einem Skifahrer folgen?

Ja, mit Einschränkungen. ActiveTrack ist DJIs automatische Verfolgung: Die Drohne erkennt über die Kamera einen Menschen, ein Fahrzeug oder ein Boot, hält Abstand und richtet Kamera und Flugbahn auf das Motiv aus. Laut DJI-Support beherrschen das in der DJI Fly App unter anderem Neo, Neo 2, Flip, Mini 3 Pro, Mini 4 Pro, Mini 5 Pro, die Air-Reihe, die Mavic-Modelle sowie Lito 1 und Lito X1.

Beim Skifahren treffen drei Faktoren aufeinander, die bei keiner anderen Sportart so zusammenkommen: hohes Tempo, ein Hang, der unter der Drohne wegfällt, und ein weißer Hintergrund. Jeder Faktor hat seinen eigenen Abschnitt in diesem Ratgeber. Wie ActiveTrack grundsätzlich arbeitet und welche Modi es gibt, erklärt der Ratgeber ActiveTrack bei DJI.

Das Tempo: wann der Skifahrer davonfährt

Die wichtigste Zahl ist das Verfolgungstempo. Ist der Fahrer schneller, verliert die Drohne den Anschluss, das Motiv wird kleiner und die Verfolgung bricht im ungünstigen Fall ab.

ModellVerfolgungstempoQuelle
DJI Neo (Follow Me)bis 8 m/s, rund 29 km/hHandbuch
DJI Neo 2bis 12 m/s, rund 43 km/hHerstellerangabe
DJI Mini 4 Pro (ActiveTrack)bis 12 m/s, rund 43 km/hHandbuch

Wie schnell Skifahrer wirklich unterwegs sind, hat eine Studie in JSAMS Plus von 2023 gemessen: 4.164 Messungen auf präparierten Pisten in acht US-Skigebieten. Der Mittelwert über alle Fahrer lag bei 34,9 km/h, Skifahrer waren mit 35,8 km/h etwas schneller als Snowboarder mit 33,0 km/h. Am stärksten wirkte das Können:

FahrkönnenMittelwertin m/stypische Spanne
Anfänger19,9 km/h5,5 m/s3,5 bis 7,5 m/s
mittleres Niveau32,4 km/h9,0 m/s6,3 bis 11,8 m/s
fortgeschritten44,5 km/h12,4 m/s9,1 bis 15,6 m/s

Die typische Spanne entspricht dem Mittelwert plus und minus einer Standardabweichung aus der Studie.

Waagerechte Geschwindigkeitsskala von 0 bis 16 Meter pro Sekunde. Drei Balken zeigen das Tempo von Skifahrern laut einer Studie mit 4.164 Messungen: Anfänger im Mittel 5,5 Meter pro Sekunde mit einer typischen Spanne von 3,5 bis 7,5, mittleres Niveau 9,0 mit einer Spanne von 6,3 bis 11,8, Fortgeschrittene 12,4 mit einer Spanne von 9,1 bis 15,6. Senkrechte Linien markieren das Verfolgungstempo der Drohnen: 8 Meter pro Sekunde bei der DJI Neo im Follow-Me-Modus, 12 Meter pro Sekunde bei DJI Mini 4 Pro und Neo 2. Anfänger bleiben vollständig unter allen Grenzen, mittlere Fahrer unter 12 Meter pro Sekunde, aber teils über 8, Fortgeschrittene liegen im Mittel bereits über 12. Hinweis: Für schnelle Fahrer die Drohne seitlich parken und im Spotlight-Modus mitschwenken lassen.

Anfänger und mittlere Fahrer bleiben unter der 12-m/s-Grenze, wer sportlich fährt, liegt im Mittel schon darüber.

Für die Praxis heißt das: Kurze Schwünge auf einer blauen Piste begleitet die Drohne problemlos. Bei Schussfahrten, Carving auf roten Pisten oder Rennläufen stößt sie an ihre Grenze. Dann hilft ein anderer Ansatz: Die Drohne bleibt seitlich an einem festen Punkt, und der Spotlight-Modus schwenkt nur die Kamera mit. So entsteht eine Vorbeifahrt, die kein Tempolimit kennt.

Die Höhenfalle: warum der Hang die 120 Meter sprengt

Dieser Punkt wird beim Skifahren am häufigsten übersehen. DJI-Drohnen messen ihre Höhe relativ zum Startpunkt. Das Höhenlimit in der App bezieht sich auf diesen Wert. Das Gesetz dagegen begrenzt die Flughöhe auf 120 Meter über dem nächstgelegenen Punkt der Erdoberfläche.

Auf flachem Land fallen beide Werte zusammen. Am Hang laufen sie auseinander. Startest du oben an der Piste und die Drohne hält ihre Höhe, während der Skifahrer abfährt, wächst der Abstand zum Boden mit jedem Meter. DJI beschreibt ActiveTrack zwar so, dass die Drohne Abstand und Höhe zum Motiv hält. Pilotenberichte zu älteren Modellen zeigen aber, dass die Drohne beim Bergabfahren auf ihrer Höhe blieb. Verlassen solltest du dich auf die automatische Anpassung deshalb nicht.

Seitenansicht eines Hangs mit 25 Prozent Gefälle, schematisch. Oben links startet die Drohne 10 Meter über dem Skifahrer. Die Drohne fliegt waagerecht weiter, während der Hang abfällt. Senkrechte Maßlinien zeigen den wachsenden Abstand zum Boden: 10 Meter am Start, 60 Meter nach 200 Metern Strecke, 120 Meter nach 440 Metern. Ab dort ist der Bereich orange markiert, die Drohne ist über der gesetzlichen Grenze von 120 Metern über Grund, obwohl die App weiterhin nur 10 Meter Höhe über dem Startpunkt anzeigt. Eine kleine Tabelle nennt die Strecke bis zur Grenze: 733 Meter bei 15 Prozent Gefälle, 440 Meter bei 25 Prozent, 275 Meter bei 40 Prozent. Hinweis: Das Höhenlimit der App schützt am Hang nicht, die Höhe über Grund muss der Pilot im Blick behalten.

Die App zeigt weiter 10 Meter an, der Boden liegt nach 440 Metern auf einer blauen Piste aber schon 120 Meter tiefer.

Die Rechnung ist einfach: Ausgehend von 10 Metern über dem Skifahrer am Start bleiben 110 Meter Reserve. Pistengefälle wird in Prozent angegeben, 25 Prozent heißt 25 Meter Höhenverlust auf 100 Meter waagerechte Strecke. In Österreich gilt laut Pistennorm: blaue Pisten bis 25 Prozent, rote bis 40 Prozent, schwarze darüber.

GefälleBeispielStrecke bis 120 m über Grund
15 %flacher Ziehwegrund 733 m
25 %steilste Stellen einer blauen Pisterund 440 m
40 %steilste Stellen einer roten Pisterund 275 m

Eine typische Abfahrt ist deutlich länger als diese Strecken. Darum gilt: Am Hang immer die Höhe über Grund im Blick behalten, kurze Sequenzen fliegen und die Drohne zwischendurch manuell nachführen. Umgekehrt gilt die Falle auch für die Rückkehrfunktion: Ihre Höhe bezieht sich ebenfalls auf den Startpunkt. Startest du im Tal und fliegst den Hang hinauf, muss die Rückkehrhöhe über allen Hindernissen bergauf liegen.

Schnee, Licht und Kontrast

ActiveTrack erkennt das Motiv über die Kamera. Die Erkennung lebt vom Kontrast zwischen Person und Hintergrund. Auf Schnee entscheidet deshalb die Kleidung mit:

Auch die Sensorik hat im Schnee ihre Grenzen. Die optischen Sensoren nach unten brauchen Struktur am Boden, frischer, gleichmäßig weißer Schnee bietet wenig davon. Das kann die Höhenhaltung knapp über dem Boden unruhig machen. Was Kälte, Kondenswasser und Schneelandungen für die Drohne bedeuten, erklärt der Ratgeber Drohne im Winter fliegen.

Hindernisse auf der Piste

Eine Skipiste wirkt offen, steckt aber voller Hindernisse für eine Drohne: Liftmasten, Seile von Sessel- und Schleppliften, Schneekanonen, Absperrnetze, Bäume am Pistenrand und Funkmasten. DJI empfiehlt für FocusTrack ausdrücklich eine offene, freie Umgebung.

Besonders tückisch sind Seile. Dünne Objekte wie Kabel, Drähte oder feine Äste erkennen die Sensoren laut DJI-Handbüchern schlecht oder gar nicht. Ein Liftseil quer zur Flugbahn ist darum ein echtes Risiko, auch bei Drohnen mit Rundum-Hinderniserkennung. Daraus folgen drei Praxisregeln:

  1. Abfahrten ohne Lift im Bild wählen oder die Drohne so führen, dass kein Seil die Flugbahn kreuzt.
  2. Mit Abstand zur Piste fliegen, seitlich vom Fahrer und abseits der Falllinie.
  3. Distanzlimit setzen. Erreicht die Drohne das in der App eingestellte Distanzlimit, stoppt sie und schwebt. Das begrenzt, wie weit sie dem Fahrer ins Unbekannte folgt.

Was erlaubt ist: Bergbahn, Menschen, Hubschrauber

In Deutschland, Österreich und Italien gilt dasselbe EU-Recht für die offene Kategorie. Eine eigene Regel für Skigebiete enthält es nicht. Entscheidend sind vier Punkte:

RegelWas sie auf der Piste bedeutet
Hausrecht der BergbahnStart, Landung und Flug über dem Gelände kann der Betreiber verbieten oder genehmigen lassen
keine MenschenansammlungenLiftschlangen, Hütten-Terrassen, Rennen und Talstationen bleiben tabu
120 m über Grundam Hang über dem Boden gemessen, siehe Höhenfalle
Vorrang für RettungRettungshubschrauber sind im Skigebiet häufig unterwegs, sofort landen

Die Haltung der Bergbahnen ist unterschiedlich. Die SkiWelt Wilder Kaiser-Brixental erlaubt Drohnen auf den Pisten nur mit ausdrücklicher Zustimmung, Flüge in Eigenregie sind dort untersagt. Andere Betreiber haben kein ausdrückliches Verbot, erwarten aber die Einhaltung aller Regeln. Der sichere Weg ist eine Anfrage beim Liftbetreiber, möglichst mit schriftlicher Antwort. Die Besonderheiten für Österreich, von Austro Control bis zu Naturschutzgebieten, fasst der Ratgeber Drohnen-Regeln in Österreich zusammen.

Für Drohnen unter 250 Gramm ist der Überflug unbeteiligter Personen in der Unterkategorie A1 erlaubt, über Menschenansammlungen nie. Bei schwereren Drohnen mit Klassenkennzeichnung C1 soll der Überflug unbeteiligter Personen vermieden werden. Auf einer belebten Piste ist deshalb ein früher Morgen oder eine ruhige Nebenpiste die bessere Wahl, fürs Bild wie fürs Recht.

So gelingt die Aufnahme

Mit den Grenzen im Kopf lässt sich ein Skivideo gut planen:

Fazit: langsam fahren, kurz fliegen, Höhe im Blick

ActiveTrack begleitet Skifahrer zuverlässig, solange das Tempo unter rund 12 m/s bleibt. Das passt für Anfänger und die meisten Fahrer auf mittlerem Niveau. Die größere Gefahr ist die Höhe: Am Hang zeigt die App den Abstand zum Startpunkt, das Gesetz zählt den Abstand zum Boden. Kurze Sequenzen, bunte Kleidung, Abstand zu Liftseilen und eine Erlaubnis der Bergbahn machen aus der Idee ein Video, das ohne Ärger endet.

Häufige Fragen

Kann eine DJI-Drohne mit ActiveTrack einem Skifahrer folgen?

Ja, solange der Skifahrer langsamer ist als die Drohne verfolgen kann. Die Mini 4 Pro fliegt laut Handbuch im ActiveTrack bis 12 m/s, die Neo 2 ebenfalls bis 12 m/s, die erste Neo im Follow-Me-Modus bis 8 m/s. Anfänger und mittlere Skifahrer bleiben im Schnitt darunter, sportliche Fahrer liegen mit rund 12,4 m/s schon an oder über der Grenze.

Wie schnell fahren Skifahrer im Durchschnitt?

Eine Studie mit 4.164 Geschwindigkeitsmessungen in acht US-Skigebieten, erschienen 2023 in JSAMS Plus, ermittelte im Mittel 34,9 km/h. Anfänger fuhren rund 19,9 km/h, mittlere Fahrer 32,4 km/h und fortgeschrittene 44,5 km/h. Umgerechnet sind das 5,5, 9,0 und 12,4 Meter pro Sekunde.

Fliegt die Drohne beim ActiveTrack den Hang hinunter mit?

Das hängt vom Modell und der Situation ab. DJI beschreibt ActiveTrack so, dass die Drohne Abstand und Höhe zum Motiv hält. Ältere Modelle blieben laut Pilotenberichten aber auf ihrer Höhe, während der Skifahrer abfuhr. Bleibt die Drohne oben, wächst ihr Abstand zum Boden mit jedem Meter Abfahrt, auf einer roten Piste mit 40 Prozent Gefälle um 40 Meter je 100 Meter Strecke.

Darf ich auf der Skipiste eine Drohne fliegen?

Das EU-Recht kennt kein eigenes Pistenverbot. Die Bergbahn kann Drohnen als Betreiber auf ihrem Gelände untersagen oder an eine Erlaubnis knüpfen. Die SkiWelt Wilder Kaiser-Brixental etwa erlaubt Drohnen auf den Pisten nur mit ausdrücklicher Zustimmung. Dazu kommen die allgemeinen Regeln: höchstens 120 Meter über Grund, kein Flug über Menschenansammlungen wie Liftschlangen, Rettungshubschrauber haben immer Vorrang.

Welche Kleidung hilft ActiveTrack im Schnee?

Kräftige, dunkle oder bunte Farben, die sich deutlich vom weißen Schnee abheben. ActiveTrack erkennt das Motiv über die Kamera und braucht Kontrast. Eine weiße oder hellgraue Jacke auf frischem Schnee ist der ungünstigste Fall, ein rotes, blaues oder schwarzes Outfit der beste.

Wie lange hält der Drohnen-Akku in der Kälte?

Spürbar kürzer als im Sommer, weil Lithium-Akkus bei Kälte weniger Leistung abgeben. Mini 5 Pro und Neo 2 sind laut Datenblatt für Temperaturen ab minus 10 Grad freigegeben. Akkus warm in der Innentasche tragen, erst kurz vor dem Start einsetzen und die Rückkehr deutlich früher planen als gewohnt.

Welcher ActiveTrack-Modus eignet sich zum Skifahren?

Für Abfahrten meist Trace, bei dem die Drohne hinter oder vor dem Fahrer bleibt und seiner Linie folgt. Parallel hält einen festen seitlichen Winkel und ergibt die typische Mitfahr-Perspektive, braucht aber freien Raum neben der Piste, wo oft Bäume, Lifte oder Schneekanonen stehen.

Das könnte dich auch interessieren