Drohne landen: Automatik, Handlandung und Untergrund

Sicher landen mit der Drohne: warum der letzte Meter der kritischste ist, wann die Handlandung die richtige Wahl ist und welcher Untergrund die Sensoren in die Irre führt.

Kameradrohnen Veröffentlicht am 5 Min. Lesezeit

Der Start ist unspektakulär, der Flug meist auch. Die meisten Schäden entstehen auf dem letzten halben Meter, wenn Bodeneffekt, Sensorik am Anschlag und ein ungeeigneter Untergrund zusammenkommen. Dieser Artikel sortiert die Landeverfahren und die Untergründe, auf denen sie scheitern.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der letzte halbe Meter ist der kritischste, dort wirkt der Bodeneffekt und die Sensoren arbeiten an ihrer Grenze.
  • Die Handlandung ist ein reguläres Verfahren, immer dann, wenn der Untergrund nicht taugt.
  • Immer von unten greifen, außerhalb der Propellerkreise, nie von oben.
  • Schnee, Wasser und einfarbige Flächen führen die optischen Bodensensoren in die Irre.
  • Return-to-Home landet auf ein bis drei Meter genau, ohne zu prüfen, was dort steht.

Warum die Landung der kritischste Teil ist

Drei Effekte treffen kurz über dem Boden zusammen.

Der Bodeneffekt. Unterhalb von etwa einem halben Meter wird der Abwind der Propeller vom Boden zurückgeworfen und staut sich unter der Drohne. Sie bekommt zusätzlichen Auftrieb, der ungleichmäßig wirkt und das Gerät kippeln lässt. Wer in dieser Phase gegensteuert, verstärkt die Unruhe meist.

Die Sensorik am Anschlag. Die nach unten gerichteten Sensoren messen über Bildvergleich und Infrarot. Direkt über dem Boden liegt der Abstand am unteren Rand des Messbereichs, und aufgewirbelter Staub stört zusätzlich.

Der aufgewirbelte Untergrund. Sand, Staub, trockene Erde und Schnee werden von den Propellern hochgerissen. Was dabei in Motorlager und Gimbal gelangt, wirkt langfristig wie Schmirgelpapier.

Die vier Landeverfahren

Übersicht von Landeuntergründen mit Bewertung und passendem Verfahren. Als geeignet dargestellt sind kurzer Rasen, fester Waldboden, Beton und Asphalt mit sichtbarer Struktur sowie ein Landepad, hier funktioniert die normale Landung mit Bodensensoren. Als kritisch dargestellt sind hohes Gras, loser Sand, Kies mit gleichmäßiger Körnung und nasses Laub, hier wird die Handlandung empfohlen, weil sich Halme in Propellern verfangen und aufgewirbelte Partikel in Motoren und Gimbal gelangen. Als ungeeignet dargestellt sind frisch gefallener Schnee, ruhiges Wasser, einfarbige glatte Flächen und stark gemusterte Untergründe, hier ist die Handlandung die einzige sichere Wahl, weil die optischen Bodensensoren keinen Bildbezug finden und die Drohne beim Absetzen driftet. Zusätzlich ist im Querschnitt der Bodeneffekt dargestellt: Unterhalb von etwa einem halben Meter wird der Abwind der Propeller vom Boden zurückgeworfen, staut sich unter der Drohne und erzeugt einen ungleichmäßigen zusätzlichen Auftrieb, der das Gerät kippeln lässt.

Der Untergrund entscheidet über das Verfahren. Wo die Sensoren keinen Bildbezug finden, bleibt die Handlandung.

Normale Landung. Die Drohne über dem Landepunkt stabilisieren, dann gleichmäßig sinken lassen. Auf etwa zwei Metern kurz halten, Position prüfen, dann durchziehen. Nach dem Aufsetzen die Motoren aktiv stoppen, statt zu warten.

Handlandung. Das Standardverfahren auf schwierigem Untergrund, dazu unten mehr.

Return-to-Home. Die Drohne fliegt zum gespeicherten Startpunkt und landet dort selbstständig. Genauigkeit typisch ein bis drei Meter, mit Präzisionslandung besser. Details im Artikel Return to Home bei DJI.

Landung auf dem Landepad. Die komfortabelste Variante, wenn der Platz es zulässt.

Handlandung: das Verfahren

Die Handlandung hat einen schlechten Ruf als Notbehelf. Tatsächlich ist sie auf vielen Untergründen die sicherere Variante, weil sie Gerät und Umgebung schont.

So läuft sie ab:

  1. Die Drohne auf Brusthöhe vor dich bringen und dort stabilisieren lassen. Nicht höher, sonst greifst du über Kopf.
  2. Mit der Nase zu dir ausrichten, damit du die Propellerkreise im Blick hast.
  3. Von unten und leicht seitlich mit ausgestrecktem Arm unter das Gerät greifen. Gefasst wird die Unterseite oder ein Ausleger, niemals von oben in die Propellerebene hinein.
  4. Sinkbefehl halten, bis die Motoren stoppen. Viele Modelle erkennen die stabile Auflage und schalten selbst ab.
  5. Erst dann loslassen, wenn die Propeller stehen.

Zwei Punkte, die regelmäßig schiefgehen: Wer die Drohne von oben greift, kommt zwangsläufig in die Propellerebene. Und wer mit lockerem Griff fasst, riskiert, dass das Gerät bei einer Böe aus der Hand rutscht, während die Motoren noch laufen.

Bei Modellen mit Handstart und Handlandung ab Werk, etwa der Neo-Reihe, übernimmt die Drohne den Vorgang selbst: flache Hand darunter halten, sie erkennt die Fläche und setzt auf. Mehr dazu in Drohne ohne Fernsteuerung fliegen.

Der Untergrund entscheidet

Die optischen Bodensensoren arbeiten über Bildvergleich: Sie fotografieren den Boden und errechnen aus der Verschiebung zwischen zwei Bildern die Bewegung. Dafür brauchen sie erkennbare Struktur.

UntergrundProblemVerfahren
Kurzer Rasen, fester Bodenkeinsnormale Landung
Beton, Asphalt mit Strukturkeinsnormale Landung
Hohes GrasHalme in den PropellernHandlandung
Loser Sand, trockene ErdeAufwirbelung in MotorenHandlandung
Kies gleichmäßiger Körnungwenig BildbezugHandlandung
Frischer Schneekein Kontrast, AufwirbelungHandlandung
Ruhiges Wasserkein fester BezugHandlandung
Einfarbige glatte Flächenkein BildbezugHandlandung
Stark gemusterte Flächenfalsche ZuordnungHandlandung
Boot, Fahrzeugbewegter BezugspunktHandlandung

Der letzte Fall ist der unterschätzte: Auf einem fahrenden oder schaukelnden Untergrund misst die Drohne die Bewegung des Untergrunds und versucht, sie auszugleichen. Sie driftet dann von der Plattform weg.

Das Landepad

Für 15 bis 30 Euro löst ein Landepad mehrere Probleme gleichzeitig: Es gibt den Sensoren ein eindeutiges Muster, hält Staub und Gras aus den Motoren, markiert den Landepunkt sichtbar und schützt die Kamera vor Nässe von unten.

Worauf es ankommt:

Details zur Auswahl stehen im Artikel Landepad für die Drohne, eine Selbstbau-Variante in Landepad selber bauen.

Landen bei Wind

Bei Wind gilt: zügig und gegen den Wind. Eine Drohne, die lange über dem Landepunkt steht, wird ständig versetzt und verbraucht Reserve, die sie am Ende des Flugs nicht mehr hat.

Bewährtes Vorgehen: den Anflug leicht gegen den Wind legen, auf etwa zwei Meter sinken, kurz stabilisieren und dann durchziehen. Wer auf die perfekte Position wartet, landet mit leerem Akku.

Ab kräftigem Wind ist die Handlandung die zuverlässigere Variante, weil du das Gerät aktiv aus der Bö nimmst. Was Wind sonst noch verändert, steht in Drohne bei Wind fliegen.

Wenn es schiefgeht

Die Drohne kippt beim Aufsetzen. Sofort die Motoren stoppen, in der Regel durch Ziehen beider Knüppel nach innen unten oder über die Not-Stopp-Funktion. Jede weitere Umdrehung bei gekipptem Gerät kostet Propeller und belastet die Motorlager.

Ein Propeller hat Bodenkontakt gehabt. Ersetzen, auch ohne sichtbaren Schaden. Ein angeschlagener Propeller läuft unrund, das überträgt sich als Vibration ins Bild und belastet die Lager. Ersatz kostet wenig, siehe Drohnen-Propeller.

Das Gimbal hängt oder klackert. Nicht weiterfliegen. Die Mechanik ist empfindlich, ein verklemmtes Gimbal kann sich beim nächsten Start weiter beschädigen. Vorgehen dazu in Gimbal blockiert.

Nach jeder harten Landung lohnt ein kurzer Schwebetest in Kniehöhe: Läuft das Gerät ruhig, sind Vibrationen im Bild sichtbar, klingt ein Motor anders als die übrigen?

Fazit: der Untergrund bestimmt das Verfahren

Landungen scheitern selten am Können und meist an der Fläche. Wer vor dem Sinkflug kurz prüft, was unter der Drohne liegt, entscheidet sich in den kritischen Fällen für die Handlandung und spart sich den häufigsten Reparaturfall überhaupt.

Für alles andere reicht die normale Landung, und ein Landepad im Rucksack macht sie auch auf Wiese, Sand und Schotter unproblematisch.

Häufige Fragen

Warum ist die Landung der kritischste Teil des Flugs?

Weil kurz über dem Boden zwei Effekte zusammenkommen. Der Bodeneffekt macht die Drohne im letzten halben Meter unruhig, weil der Abwind der Propeller vom Boden zurückgeworfen wird. Gleichzeitig arbeiten die Bodensensoren dort an der Grenze ihres Messbereichs. Dazu kommt aufgewirbelter Staub oder Sand, der in Motoren und Gimbal gelangt. Statistisch passieren die meisten Schäden beim Landen, nicht im Flug.

Wann sollte ich in der Hand landen?

Immer dann, wenn der Untergrund nicht taugt: hohes Gras, das sich in Propeller wickelt, loser Sand oder Staub, Schnee, nasses Laub, unebenes Geröll oder ein Boot. Auch bei starkem Seitenwind ist die Handlandung oft die sicherere Wahl, weil du das Gerät aus der Bö nimmst, statt zu warten, bis es von allein aufsetzt. Die Handlandung ist ein reguläres Verfahren, kein Notbehelf.

Wie funktioniert die Handlandung richtig?

Die Drohne auf Brusthöhe vor dich bringen und dort stabilisieren lassen. Dann mit ausgestrecktem Arm von unten und leicht von der Seite unter das Gerät greifen, es an der Unterseite oder an einem Ausleger fassen und mit der anderen Hand den Sinkflug halten, bis die Motoren stoppen. Der Griff erfolgt immer außerhalb der Propellerkreise, deshalb von unten und nie von oben.

Welcher Untergrund führt die Sensoren in die Irre?

Alles, was wenig Kontrast oder kein festes Muster hat. Frisch gefallener Schnee, ruhiges Wasser, einfarbiger Asphalt, Kies mit gleichmäßiger Körnung und stark gemusterte Flächen wie Schachbrettmuster oder bewegtes Laub. Die optischen Bodensensoren arbeiten über Bildvergleich und brauchen erkennbare Strukturen. Fehlt der Bezug, meldet die Drohne eine eingeschränkte Positionierung oder driftet beim Absetzen.

Was bringt ein Landepad?

Es löst gleich mehrere Probleme: Es gibt den Sensoren ein eindeutiges Muster, hält Staub und Gras aus den Motoren, markiert den Landepunkt sichtbar und schützt Gimbal und Kamera vor Nässe von unten. Für den Preis von etwa 15 bis 30 Euro ist es das wirksamste Zubehör gegen Landeschäden. Wichtig ist, es gegen Wegfliegen zu sichern, üblicherweise mit Heringen oder Steinen.

Landet Return-to-Home zuverlässig?

Die Rückkehr ja, die Landung nur bedingt. Return-to-Home fliegt die Drohne zum gespeicherten Startpunkt und setzt dort auf. Die Genauigkeit hängt am GPS-Signal und liegt typisch bei ein bis drei Metern, mit Präzisionslandung besser. Steht in diesem Radius ein Hindernis, ein Auto oder eine Person, landet die Drohne trotzdem. Deshalb gilt: Nach Möglichkeit die letzten Meter manuell übernehmen.

Wie lande ich bei starkem Wind?

Mit der Nase gegen den Wind und zügig. Eine Drohne, die im Wind lange über dem Landepunkt steht, wird ständig versetzt und verbraucht dabei Reserve. Sinnvoll ist, den Anflug leicht gegen den Wind zu legen, auf etwa zwei Meter zu sinken, kurz zu stabilisieren und dann durchzuziehen. Bei kräftigem Wind ist die Handlandung die zuverlässigere Variante.

Was tun, wenn die Drohne beim Landen kippt?

Sofort die Motoren stoppen, in der Regel durch Ziehen beider Steuerknüppel nach innen und unten oder über die Not-Stopp-Funktion. Je länger die Propeller bei gekipptem Gerät drehen, desto größer der Schaden an Motoren und Propellern. Danach das Gerät prüfen: verbogene Propeller ersetzen, Gimbal auf Spiel und Geräusche kontrollieren, vor dem nächsten Start einen kurzen Schwebetest machen.

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