Return to Home bei DJI-Drohnen: so funktioniert RTH

Return to Home bei DJI: die drei Auslöser, das Verhalten je nach Entfernung, die richtige RTH-Höhe und die fünf Situationen, in denen die Automatik an ihre Grenzen kommt.

Kameradrohnen Veröffentlicht am 6 Min. Lesezeit

Der RTH-Knopf ist die beliebteste Notbremse im Hobby und zugleich die am häufigsten missverstandene Funktion. Sie holt die Drohne zuverlässig zurück, solange drei Voraussetzungen stimmen. Dieser Artikel zeigt, welche das sind, wie sich die Drohne je nach Entfernung verhält und in welchen Situationen die Automatik an ihre Grenzen stößt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Drei Auslöser: manuell per Knopfdruck, automatisch bei niedrigem Akku, automatisch bei Signalverlust.
  • Das Verhalten hängt an der Entfernung: unter 5 m landet sie sofort, bis 50 m fliegt sie auf aktueller Höhe, darüber steigt sie erst auf RTH-Höhe.
  • Die RTH-Höhe muss über das höchste Hindernis: in der Stadt eher 80 bis 100 m, im offenen Gelände reichen 40 bis 60 m.
  • Failsafe braucht Zeit: Je nach Modell vergehen 3 bis 11 Sekunden Signalverlust, bevor die Rückkehr startet.
  • RTH ersetzt keinen Sichtkontakt: Ohne Satellitenempfang oder gegen starken Wind kommt die Automatik nicht an.

Die drei Auslöser im Überblick

Smart RTH. Du löst selbst aus, indem du die RTH-Taste an der Fernsteuerung gedrückt hältst oder das Symbol in der App antippst. Das ist der Normalfall am Ende eines Flugs oder bei aufziehendem Wetter.

Low Battery RTH. Die Drohne rechnet laufend, wie viel Energie der Rückweg kostet, und meldet sich, sobald genau dieser Rest übrig ist. Der Countdown läuft dabei einige Sekunden. Wer ihn wegklickt, fliegt auf eigenes Risiko weiter: Bei kritischem Ladestand erzwingt die Drohne später eine Landung an Ort und Stelle.

Failsafe RTH. Fällt die Funkverbindung aus, wartet die Drohne eine modellabhängige Zeitspanne und startet dann die Rückkehr. Kehrt das Signal zurück, lässt sich die Automatik abbrechen.

ModellWartezeit bis Failsafe RTH
DJI Mini 3 Proca. 3 s
DJI Avata / Avata 2ca. 3,5 s
DJI Air 3ca. 6 s
DJI Mini 2, Mini 3, Air 2Sca. 11 s

Die Unterschiede erklären sich aus dem Einsatzzweck: Eine FPV-Drohne bewegt sich schnell und soll nicht sekundenlang weiterrasen, eine ruhige Kameradrohne bekommt mehr Zeit, damit ein kurzer Aussetzer keinen Rückflug auslöst.

Was die Drohne je nach Entfernung tut

Der wichtigste Punkt zum Verständnis: RTH bedeutet nicht in jedem Fall Aufsteigen. Die Drohne unterscheidet drei Bereiche.

Seitenansicht mit drei Rückflugbahnen einer Drohne zum Startpunkt. Unter 5 Metern Entfernung landet die Drohne sofort senkrecht an Ort und Stelle. Zwischen 5 und 50 Metern fliegt sie auf ihrer aktuellen Höhe waagerecht zum Startpunkt und hält dabei mindestens 2 Meter Abstand zum Boden. Über 50 Metern Entfernung steigt sie zunächst senkrecht auf die eingestellte RTH-Höhe, fliegt dann waagerecht über alle Hindernisse hinweg zum Startpunkt und sinkt dort senkrecht ab.

Erst jenseits von 50 Metern Entfernung steigt die Drohne auf die eingestellte RTH-Höhe.

Unter 5 Metern landet sie sofort dort, wo sie steht. Das ist sinnvoll, weil ein Aufstieg auf 100 Meter für drei Meter Rückweg Unsinn wäre. Es überrascht allerdings jeden, der die Funktion zum Testen direkt über dem Startplatz auslöst.

Zwischen 5 und 50 Metern hält sie ihre aktuelle Höhe und fliegt waagerecht zum Home-Punkt, mit einem Mindestabstand von 2 Metern zum Boden. Genau in diesem Bereich kollidieren Drohnen mit Zäunen, Hecken und Autos, wenn der Pilot mit einem Steigflug rechnet.

Über 50 Metern startet die vollständige Sequenz: senkrecht auf die eingestellte RTH-Höhe steigen, drehen, waagerecht zurückfliegen, über dem Home-Punkt absinken und landen.

Die RTH-Höhe richtig einstellen

Die RTH-Höhe steht in den Sicherheitseinstellungen der DJI Fly App und ist ab Werk oft auf einen Wert eingestellt, der für den eigenen Startplatz zu niedrig ist.

Die Regel lautet: über dem höchsten Hindernis auf der Strecke. Praktische Richtwerte:

UmgebungEmpfohlene RTH-Höhe
offenes Feld, freie Küste40 bis 60 m
Landschaft mit Baumreihen60 bis 80 m
Wohngebiet, Wald, Hügel80 bis 100 m

Nach oben setzt die gesetzliche Grenze den Rahmen: Auch im Automatikflug gelten 120 Meter über Grund, mehr dazu im Ratgeber Wie hoch darf eine Drohne fliegen. Ein Wert knapp darunter, etwa 110 Meter, lässt Luft für das Überschwingen beim Steigen.

Zwei Fallen lauern im Gelände. Steht der Startplatz im Tal und die Drohne über einem Hang, misst sie die Höhe relativ zum Startpunkt und kann dem ansteigenden Gelände zu nahe kommen. Und Windräder, Hochspannungsmasten und Kräne überragen jede sinnvolle RTH-Höhe: Hier hilft nur, sie bewusst nicht zu überfliegen.

Advanced RTH und Original Route RTH

Neuere Modelle ab der Mini-3-Pro-Generation planen den Rückweg aktiv statt stur geradeaus zu fliegen.

Advanced RTH wertet die Bilder der Sensoren aus, sucht eine freie Bahn und weicht Hindernissen aus. Die Drohne wählt ihre Rückflughöhe dabei selbst, oft niedriger als die eingestellte RTH-Höhe, weil sie freie Sicht erkennt. Das spart Akku und Zeit.

Original Route RTH fliegt die eingeflogene Strecke rückwärts ab, standardmäßig rund 50 Meter weit, und wechselt danach auf die direkte Linie. Diesen Modus wählt die Drohne, wenn die Sensoren wegen schwachen Lichts oder kontrastarmer Umgebung nicht zuverlässig arbeiten. Der Gedanke dahinter: Der Weg, auf dem sie hergekommen ist, war nachweislich frei.

Beide Verfahren brauchen funktionierende Sichtsensoren. In der Dämmerung, bei Nebel und über spiegelndem Wasser fällt die Drohne auf den einfachen Geradeausflug zurück. Was das für Nachtflüge bedeutet, steht im Ratgeber Drohne nachts fliegen.

Der Home-Punkt: die Grundlage von allem

Ohne korrekt gesetzten Home-Punkt fliegt RTH ins Leere. Gesetzt wird er automatisch beim Start, sobald genug Satelliten empfangen werden, und die App bestätigt das per Ansage und Symbol auf der Karte.

Drei Situationen verlangen Aufmerksamkeit:

  1. Start ohne festen Empfang. Startet die Drohne, bevor die Position steht, fehlt der Home-Punkt. RTH landet dann bestenfalls dort, wo die Drohne gerade steht.
  2. Der Pilot bewegt sich. Auf einem Boot, im Auto oder nach einem Fußmarsch stimmt der ursprüngliche Punkt nicht mehr. In den Sicherheitseinstellungen lässt sich der Home-Punkt auf die Position der Fernsteuerung umsetzen.
  3. Startplatz mit Hindernis darüber. Wer unter einem Baum oder einem Vordach startet, bekommt beim Rückflug ein Problem: Die Drohne sinkt senkrecht über dem Home-Punkt ab und trifft das Hindernis. Der Startplatz gehört ins Freie.

Fünf Situationen, in denen RTH nicht rettet

Kein Satellitenempfang. Zwischen Hochhäusern, in engen Tälern und in Hallen fehlt die Positionsbestimmung. Ohne sie gibt es keinen Rückflug, die Drohne verharrt oder sinkt langsam ab.

Gegenwind stärker als die Reisegeschwindigkeit. Die Drohne fliegt den Rückweg mit fester Geschwindigkeit. Steht mehr Wind dagegen, kommt sie kaum voran und leert dabei den Akku. Wie viel Wind eine Drohne verträgt, steht im Ratgeber Drohne bei Wind fliegen.

Zu niedrige RTH-Höhe. Der klassische Fall: Werkseinstellung 30 Meter, Rückweg führt über eine Baumreihe mit 35 Metern.

Hindernisse ohne Sensorabdeckung. Dünne Äste, Stromleitungen und Netze erkennt keine Sensorik zuverlässig. Auch Modelle mit Rundumerfassung haben hier eine Lücke.

Akku schon im roten Bereich. RTH kostet Energie, besonders der Steigflug. Wer erst bei 15 Prozent auslöst, kommt bei Gegenwind nicht mehr an. Die Faustregel lautet, spätestens bei 30 Prozent den Rückweg anzutreten.

Bleibt die Drohne trotz allem aus, hilft der Ratgeber Drohne verloren mit dem Suchablauf über die letzten bekannten Koordinaten.

Was andere Hersteller anders machen

RTH ist keine DJI-Erfindung, die Umsetzung unterscheidet sich aber im Detail. Modelle von Potensic und Holy Stone lösen den Rückflug ebenfalls über die drei bekannten Auslöser aus, planen die Route allerdings ohne Hinderniserkennung und fliegen konsequent auf der eingestellten Höhe geradeaus. Die eingestellte RTH-Höhe hat dort deshalb noch mehr Gewicht.

FPV-Drohnen wie die DJI Avata 2 bringen RTH mit, Selbstbau-Modelle in aller Regel nicht: Dort fehlen Satellitenmodul und Kompass, sofern sie nicht bewusst verbaut wurden. Für diese Klasse gilt die Handregel, immer in Sichtweite und mit Blick auf die Akkuspannung zu fliegen.

Fazit: einmal einstellen, dann verlassen

Return to Home ist zuverlässig, wenn drei Dinge vor dem Start stimmen: fester Satellitenempfang mit bestätigtem Home-Punkt, eine RTH-Höhe über dem höchsten Hindernis und ein freier Startplatz ohne Dach darüber.

Der häufigste Fehler liegt beim Timing. RTH gehört ausgelöst, solange Reserve da ist, also spätestens bei 30 Prozent Akku und bevor die Wolken am Horizont zur Front geworden sind. Wer die Funktion einmal in ruhiger Umgebung bewusst ausprobiert hat, weiß im Ernstfall, was passiert. Wie sich das systematisch üben lässt, steht im Ratgeber Drohne fliegen lernen.

Häufige Fragen

Was bedeutet Return to Home bei einer Drohne?

Return to Home, kurz RTH, ist die automatische Rückkehr zum gespeicherten Startpunkt. Die Drohne merkt sich beim Start ihre Position per Satellitennavigation und kann diese Koordinate jederzeit selbstständig ansteuern. Ausgelöst wird die Funktion auf drei Wegen: vom Piloten per Knopfdruck, automatisch bei niedrigem Akkustand und automatisch bei längerem Verlust der Fernsteuerverbindung.

Wie hoch steigt die Drohne beim Return to Home?

Das hängt von der Entfernung ab. Über 50 Meter vom Startpunkt steigt sie zunächst auf die in der App eingestellte RTH-Höhe und fliegt erst dann zurück. Zwischen 5 und 50 Metern behält sie ihre aktuelle Höhe bei und hält dabei mindestens 2 Meter Abstand zum Boden. Unter 5 Metern Entfernung landet sie sofort an Ort und Stelle, ohne vorher zu steigen.

Welche RTH-Höhe ist sinnvoll?

Sie muss über dem höchsten Hindernis zwischen Drohne und Startpunkt liegen. In offenem Gelände reichen 40 bis 60 Meter, in einer Stadt mit Häuserzeilen und Bäumen sind 80 bis 100 Meter angebracht. Der Wert gehört vor jedem Flug an die Umgebung angepasst, weil er ab Werk oft bei 30 oder 50 Metern steht. Nach oben begrenzt die zulässige Flughöhe von 120 Metern die Einstellung.

Wann löst Failsafe RTH nach Signalverlust aus?

Die Wartezeit unterscheidet sich je nach Modell erheblich. DJI nennt für die Mini 3 Pro rund 3 Sekunden, für die Avata und Avata 2 etwa 3,5 Sekunden, für die Air 3 rund 6 Sekunden und für Mini 2, Mini 3 und Air 2S rund 11 Sekunden. Kehrt das Signal während der Rückkehr zurück, lässt sich RTH abbrechen und die Drohne wieder manuell steuern.

Wie aktualisiere ich den Home-Punkt?

Der Home-Punkt wird beim Start automatisch auf die aktuelle Position gesetzt, sobald die Satellitenverbindung stark genug ist. Bestätigt wird das durch eine Ansage in der App. Verändert sich der Standort während des Flugs, etwa auf einem Boot oder nach einem Fußmarsch, lässt er sich in den Sicherheitseinstellungen manuell auf die Position der Drohne oder der Fernsteuerung setzen.

Was ist der Unterschied zwischen Advanced RTH und Original Route RTH?

Advanced RTH plant die Rückkehr aktiv mit den Kamerasensoren und weicht Hindernissen aus, dabei wählt die Drohne auch ihre Rückflughöhe selbst. Original Route RTH fliegt stattdessen die eingeflogene Strecke rückwärts ab, standardmäßig etwa 50 Meter weit, und wechselt danach auf die direkte Linie. Die Drohne greift auf diesen Modus zurück, wenn die Sensorik wegen schlechter Lichtverhältnisse nicht zuverlässig arbeitet.

Kann ich Return to Home abbrechen?

Ja, solange die Verbindung zur Fernsteuerung steht. Ein erneuter Druck auf die RTH-Taste oder das Antippen des Abbruchsymbols in der App beendet die Automatik, danach reagiert die Drohne wieder auf die Knüppel. Eine Ausnahme ist die erzwungene Landung bei kritischem Akkustand: Diese lässt sich lediglich seitlich versetzen, aber nicht abbrechen.

Warum landet die Drohne beim RTH neben dem Startpunkt?

Die Satellitennavigation hat eine Genauigkeit von wenigen Metern, dazu kommen Wind und die Trägheit beim Absinken. Modelle mit nach unten gerichteten Sensoren gleichen das über Bildvergleich aus und treffen den Startplatz oft auf unter einen Meter genau. Voraussetzung ist ein kontrastreicher Untergrund: Frischer Schnee, gleichmäßiger Rasen und Wasser liefern zu wenig Struktur für diesen Abgleich.

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