Flugverbotszonen USA: die Drohnen-Karte richtig lesen

Welche Karte zeigt Flugverbotszonen für Drohnen in den USA? B4UFLY, UAS Facility Maps, Sectional Charts und TFR-Suche im Zusammenspiel, plus die Lücke, die keine Karte schließt.

Recht & Wissen Veröffentlicht am 8 Min. Lesezeit

In Deutschland reicht ein Blick in die dipul-Karte, und die Frage nach dem erlaubten Startplatz ist beantwortet. In den USA gibt es diese eine Karte nicht. Stattdessen liegen vier Informationsebenen übereinander, die von verschiedenen Stellen gepflegt werden und verschiedene Fragen beantworten. Dieser Artikel zeigt, welche App du installierst, was sie dir sagt und an welcher Stelle du trotzdem selbst recherchieren musst.

Das Wichtigste in Kürze

  • B4UFLY ist der offizielle Dienst, ausgeliefert von fünf FAA-zugelassenen Anbietern: Airspace Link, Aloft, AutoPylot, Avision und UASidekick. Alle kostenlos, die eigene FAA-App wurde am 1. Februar 2024 abgeschaltet.
  • Die App zeigt die Lage, sie erteilt keine Freigabe. In kontrolliertem Luftraum kommt LAANC als eigener Schritt dazu, Antwort meist in Sekunden.
  • Das Höhenraster heißt UAS Facility Map und nennt je Zelle die automatisch freigebbare Höhe von 0 bis 400 Fuß.
  • Kurzfristige Sperren laufen über TFR, etwa bei Waldbränden, VIP-Bewegungen oder Sportereignissen. Am Flugtag prüfen.
  • Keine Luftraumkarte zeigt das Bodenrecht. Ob du an deinem Startpunkt stehen darfst, entscheidet der Flächenverwalter, und Nationalparks sind vollständig gesperrt.

Warum es in den USA vier Karten statt einer gibt

Der Grund liegt in der Zuständigkeitsteilung. Die Federal Aviation Administration (FAA) regelt ausschließlich den Luftraum, und zwar bundesweit einheitlich. Wer eine Fläche betreten, dort starten und landen darf, entscheidet dagegen der Eigentümer oder Verwalter der Fläche, oft nach Recht des Bundesstaates, des Countys oder der Gemeinde.

Aus dieser Teilung folgt die praktische Konsequenz: Eine grüne Anzeige in der Luftraum-App sagt aus, dass die FAA keine Einwände hat. Über den Boden unter dir sagt sie nichts. Genau in dieser Lücke landen die meisten Reisenden, weil sie aus Europa ein anderes System gewohnt sind.

Die vier Ebenen im Überblick:

EbeneBeantwortetQuelleÄnderungsrhythmus
Sectional ChartWelche Luftraumklasse liegt hier?FAAalle 56 Tage
UAS Facility MapBis zu welcher Höhe geht die automatische Freigabe?FAAalle 56 Tage
TFR und NOTAMGilt hier gerade eine kurzfristige Sperre?FAAstündlich möglich
FlächenverwaltungDarf ich hier überhaupt starten?NPS, BLM, Bundesstaat, Kommuneuneinheitlich

Die guten Apps legen die ersten drei Ebenen zusammen und zeigen dir ein gemeinsames Bild. Die vierte fehlt in allen, weil es keinen bundesweiten Datensatz dazu gibt.

Schema der vier Informationsebenen für Drohnenflüge in den USA: Die B4UFLY-Apps legen Sectional Chart mit den Luftraumklassen, das UAS-Facility-Map-Höhenraster und die kurzfristigen TFR-Sperren übereinander. Die vierte Ebene, die Verwaltung der Bodenfläche durch National Park Service, Bureau of Land Management, Bundesstaat oder Kommune, liegt außerhalb der App und muss getrennt geprüft werden. Daneben ein Ausschnitt des UAS-Facility-Map-Rasters mit Zellen von null Fuß direkt am Flughafen über hundert und zweihundert Fuß bis vierhundert Fuß am Rand des kontrollierten Luftraums. Hinweis: Eine grüne Anzeige in der App bezieht sich immer nur auf den Luftraum.

Drei Ebenen liefert die App, die vierte recherchierst du selbst. Genau dort scheitern die meisten USA-Flüge.

B4UFLY: was der Dienst heute ist

B4UFLY war jahrelang eine App der FAA. Diese App wurde am 1. Februar 2024 abgeschaltet. Der Name lebt als Dienst weiter: Die FAA legt fest, welche Daten ein B4UFLY-Anbieter zeigen muss, und zertifiziert Unternehmen, die das umsetzen. Aktuell sind fünf Anbieter zugelassen:

Alle fünf bieten iOS- und Android-Apps, die meisten zusätzlich eine Webansicht am Rechner. Die Luftraumprüfung ist bei allen kostenlos, bei einigen sogar ohne Benutzerkonto. Sie greifen auf dieselben amtlichen Datensätze zu, unterscheiden sich also in der Bedienung und in Zusatzfunktionen, kaum im Inhalt.

Was der Dienst anzeigt:

Was der Dienst ausdrücklich nicht leistet: Er registriert keine Drohne, er nimmt keinen TRUST-Test ab und er erteilt für sich genommen keine Freigabe. Die App ist eine Karte. Die Freigabe bleibt ein eigener Schritt. Wer die Formalitäten vor der Reise erledigen will, findet sie im Überblick zu den Drohnen-Regeln in den USA.

Das Höhenraster verstehen: UAS Facility Maps

Die UAS Facility Map (UASFM) ist der Datensatz, der die Freigabepraxis in den USA erklärt. Über dem kontrollierten Luftraum liegt ein Raster aus Zellen, jede Zelle trägt eine Zahl in Fuß über Grund. Diese Zahl nennt die Höhe, bis zu der die Flugsicherung eine Freigabe automatisch erteilen kann.

Die Werte gehen in 50er-Schritten von 0 bis 400 Fuß. Eine Zelle mit 400 Fuß entspricht dem regulären Höchstwert der US-Regeln, dort schränkt der Flughafen praktisch nichts ein. Eine Zelle mit 100 Fuß lässt Flüge zu, aber eben nur bis gut 30 Meter über Grund.

Der wichtigste Wert ist die Null. Sie hält die Automatik an dieser Stelle an. Eine Freigabe ist weiterhin möglich, nur läuft sie als Einzelantrag über die FAA und dauert typischerweise mehrere Wochen. Für eine Urlaubsreise ist das gleichbedeutend mit einem Nein.

RasterwertUmgerechnetPraktische Bedeutung
400 ftrund 120 mvolle Höhe, LAANC in Sekunden
200 ftrund 60 mFreigabe ja, Höhe halbiert
100 ftrund 30 mTiefflug, für Landschaftsbilder meist zu wenig
0 ftnur manuelle Freigabe, Bearbeitung in Wochen

Die Werte steigen mit dem Abstand zum Flughafen und enden am Rand des kontrollierten Luftraums. Dahinter beginnt unkontrollierter Luftraum der Klasse G, dort gilt die reguläre Grenze von 400 Fuß ganz ohne Freigabe.

LAANC: die Freigabe in Sekunden

LAANC steht für Low Altitude Authorization and Notification Capability und ist der automatisierte Freigabeweg für kontrollierten Luftraum. Der Ablauf dauert unter einer Minute:

  1. In der App das geplante Gebiet markieren.
  2. Gewünschte Höhe eintragen, sie muss zum Rasterwert passen.
  3. Zeitfenster wählen, üblicherweise ein bis wenige Stunden.
  4. Absenden. Das System prüft gegen die UASFM, gegen aktive TFRs und gegen die NOTAM-Lage.
  5. Die Freigabe kommt zurück, meist in Sekunden.

LAANC deckt inzwischen mehrere hundert Flughäfen ab. Drei Punkte verdienen Aufmerksamkeit:

Die Freigabe ist zeitgebunden. Sie gilt für das beantragte Fenster, nicht für den Tag. Wer länger bleibt, beantragt neu.

Sie gilt für das beantragte Gebiet. Fliegst du aus dem markierten Feld heraus, endet ihre Wirkung, auch wenn die Nachbarzelle denselben Wert trägt.

Sie ersetzt kein Bodenrecht. Eine LAANC-Freigabe über einem Stadtpark sagt nichts darüber aus, ob die Stadt das Starten in diesem Park erlaubt.

Kurzfristige Sperren: TFR und NOTAM

Die Ebene, die am ehesten übersehen wird, sind die Temporary Flight Restrictions. Sie entstehen kurzfristig und aus ganz unterschiedlichen Anlässen:

Alle B4UFLY-Anbieter zeigen aktive TFRs. Die amtliche Quelle bleibt die NOTAM-Suche der FAA, erreichbar über tfr.faa.gov. Der praktische Ratschlag lautet: Prüfe am Morgen des Flugtags, kurz bevor du losfährst.

Die Lücke: Bodenrecht steht in keiner Luftraumkarte

Hier liegt der Unterschied, der USA-Reisen mit Drohne wirklich prägt. Selbst eine vollständig grüne App-Anzeige beantwortet die Frage nicht, ob du an deinem Startpunkt stehen darfst.

National Park Service. Auf allen NPS-Flächen sind Start, Landung und Betrieb verboten, Rechtsgrundlage ist 36 CFR 1.5. Betroffen sind neben den 63 Nationalparks auch National Monuments, National Seashores, National Recreation Areas und historische Stätten. Grand Canyon, Yosemite, Zion und Arches fallen darunter. Im Luftraum-Datensatz der FAA taucht das nicht auf.

Bureau of Land Management. Rund 100 Millionen Hektar, überwiegend im Westen, Drohnen grundsätzlich erlaubt, ausgenommen ausgewiesene Wilderness Areas. Viele der eindrucksvollsten Formationen in Utah, Arizona und Nevada liegen auf BLM-Land.

National Forests. Der US Forest Service erlaubt Drohnen ebenfalls, außerhalb von Wilderness Areas und außerhalb aktiver Brandeinsätze.

State Parks und Kommunen. Vollkommen uneinheitlich. Manche Bundesstaaten erlauben, andere verbieten, wieder andere verlangen eine Genehmigung je Park. Hier hilft nur die Website des konkreten Parks.

Die praktische Methode lautet deshalb: erst den Flächenverwalter bestimmen, dann die Luftraum-App öffnen. Die umgekehrte Reihenfolge führt zu Startplätzen, die luftrechtlich einwandfrei und grundstücksrechtlich verboten sind.

So läuft die Prüfung vor Ort ab

Ein Ablauf, der sich im Urlaub bewährt:

  1. Abends vorher: Fläche klären. Wem gehört der Startplatz? Nationalpark bedeutet Abbruch. Bei State Parks kurz die Park-Website öffnen.
  2. Abends vorher: Luftraum grob prüfen. App öffnen, Ort suchen, Klasse und Rasterwert notieren. Steht dort eine Null, plane einen zweiten Spot ein.
  3. Am Flugtag: TFR prüfen. Dieselbe App, jetzt mit Blick auf aktive Sperren. Im Westen im Sommer: Gibt es Brände in der Nähe?
  4. Am Spot: LAANC beantragen, falls kontrollierter Luftraum. Zeitfenster großzügig wählen, die Freigabe ist kostenlos.
  5. Vor dem Start: Sichtprüfung. Menschen, Straßen, Wildtiere. Die Abstandsregeln gelten unabhängig von jeder Karte.

Wer den Ablauf einmal durchgespielt hat, braucht dafür nachher fünf Minuten. Für die allgemeine Reisevorbereitung lohnt zusätzlich der Beitrag zur Drohne im Urlaub, für den Transport der zur Drohne im Flugzeug.

Was die Karten bewusst nicht anzeigen

Drei Punkte bleiben auch bei perfekter App-Nutzung deine Aufgabe:

Privatgrundstücke. Die Rechtslage zu Überflug und Privatsphäre ist in den USA Sache der Bundesstaaten, und zahlreiche Staaten haben eigene Gesetze zu Überwachung und Grundstücken erlassen. Eine Karte dafür gibt es nicht.

Sichtkontakt. Die Pflicht, die Drohne zu sehen, beendet viele Flüge früher als jede Höhengrenze. Sie steht in keiner Zone.

Wildtiere und Brutzeiten. Manche Flächen sind saisonal gesperrt, etwa an Brutfelsen oder Robbenstränden. Diese Sperren stehen als Schild am Zugang. In den Luftraum-Datensatz finden sie keinen Weg.

Fazit: drei Ebenen aus der App, eine aus dem Kopf

Die amerikanische Kartenlage wirkt zersplittert und ist es auch. In der Praxis reduziert sich das auf zwei Handgriffe: eine B4UFLY-App installieren, die Sectional Chart, Höhenraster und TFR zusammenlegt, und vor jedem Spot die Frage nach dem Flächenverwalter stellen.

Der zweite Handgriff ist der entscheidende. Die App sagt dir zuverlässig, was der Luftraum erlaubt, und sie sagt es kostenlos und in Sekunden. Über den Boden unter deinen Füßen schweigt sie. Wer die Route von vornherein entlang von BLM-Land und National Forests plant, bekommt beides zusammen: freien Luftraum und einen legalen Startplatz. Wie die Zonenprüfung in Deutschland funktioniert, zeigt der Beitrag zum dipul Map Tool, die europäische Perspektive liefert die Drohnen-Karte für Europa.

Häufige Fragen

Gibt es eine offizielle FAA-App für Flugverbotszonen?

Die eigenständige B4UFLY-App der FAA wurde am 1. Februar 2024 abgeschaltet. Seitdem liefern fünf von der FAA zugelassene Anbieter denselben Dienst unter dem Namen B4UFLY aus: Airspace Link, Aloft, AutoPylot, Avision und UASidekick. Alle fünf sind kostenlos, laufen auf iOS und Android und arbeiten mit denselben amtlichen Datensätzen. Welche du nimmst, ist eine Frage der Bedienung.

Was kostet die Luftraumprüfung in den USA?

Nichts. B4UFLY ist bei allen fünf Anbietern kostenlos, ebenso die LAANC-Freigabe im kontrollierten Luftraum. Die UAS Facility Maps, die Sectional Charts und die NOTAM-Suche der FAA stehen ohnehin frei im Netz. Kosten entstehen nur bei kostenpflichtigen Zusatzfunktionen der Apps, etwa Flottenverwaltung oder Protokollierung für gewerbliche Betreiber.

Ersetzt eine grüne Anzeige in der App die Freigabe?

Nein. B4UFLY zeigt dir die Lage, es erteilt keine Genehmigung. Liegt dein Startpunkt in kontrolliertem Luftraum der Klassen B, C, D oder E, brauchst du zusätzlich eine LAANC-Freigabe. Die lässt sich in derselben App beantragen und kommt meist in Sekunden zurück, sie ist aber ein eigener Schritt mit eigener Bestätigung.

Warum zeigt die App in Nationalparks keine Sperre?

Weil das Verbot des National Park Service kein Luftraumverbot ist. Der NPS untersagt Start, Landung und Betrieb auf seinen Flächen über das Hausrecht nach 36 CFR 1.5, und diese Regel steht in keinem Luftraum-Datensatz der FAA. Viele Apps blenden die Parkgrenzen inzwischen als Zusatzebene ein, verlassen solltest du dich darauf nicht. Die Parkgrenze prüfst du getrennt.

Wie aktuell sind die Kartendaten?

Die Luftraumstruktur folgt dem 56-Tage-Zyklus der FAA, dem sogenannten AIRAC-Rhythmus. Alle 56 Tage erscheint eine neue Ausgabe der Sectional Charts und der UAS Facility Maps. Kurzfristige Sperren laufen dagegen über NOTAM und TFR und können binnen Stunden entstehen, etwa bei einem Waldbrand oder einem Präsidentenbesuch. Darum gehört die TFR-Prüfung an den Morgen des Flugtags.

Was ist eine UAS Facility Map?

Die UAS Facility Map ist ein Raster über dem kontrollierten Luftraum. Jede Zelle trägt eine Zahl in Fuß über Grund: die maximale Höhe, bis zu der die FAA eine LAANC-Freigabe automatisch erteilen kann. Die Werte reichen von 0 bis 400 Fuß in 50er-Schritten. Eine Null lässt weiterhin eine manuelle Freigabe zu, und die dauert Wochen.

Gilt in den USA auch eine Stadion-Sperre?

Ja, und sie überrascht Reisende regelmäßig. Rund um Stadien mit mindestens 30.000 Sitzplätzen gilt bei Spielen der großen Ligen eine Sperre im Radius von drei nautischen Meilen bis 3.000 Fuß. Sie beginnt eine Stunde vor Anpfiff und endet eine Stunde nach Spielende. Rechtlich läuft sie als National Defense Airspace, Verstöße werden entsprechend ernst verfolgt.

Wie prüfe ich Washington D.C.?

Für die Hauptstadtregion gilt eine Sonderregel, die jede App anzeigt: die Special Flight Rules Area im Umkreis von 30 Meilen um den Reagan National Airport. Im inneren Ring von 15 Meilen sind Drohnenflüge ohne ausdrückliche FAA-Genehmigung verboten, und diese Genehmigung bekommt praktisch kein Tourist. Die gesamte Innenstadt inklusive National Mall liegt in diesem Ring.

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