Ein Wochenende, gutes Licht, ein Startplatz am Waldrand: Bleibt die Frage, ob dort überhaupt geflogen werden darf. Die Antwort steht in der amtlichen Karte der Deutschen Flugsicherung, dem Map Tool auf dipul.de. Dieser Artikel zeigt, wie du sie in zwei Minuten liest und an welcher Stelle sie dich bewusst allein lässt.
Das Wichtigste in Kürze
- Das Map Tool ist die amtliche Karte der geografischen Gebiete nach § 21h LuftVO, betrieben von der DFS, kostenlos und ohne Anmeldung unter maptool-dipul.dfs.de.
- Jede Farbe steht für einen Zonentyp, sie ist keine Ampel: Der Klick in die Fläche nennt Rechtsgrundlage, Bedingung und zuständige Behörde.
- Eine eigene App gibt es nicht. Die Karte läuft im mobilen Browser und lässt sich als Verknüpfung auf den Startbildschirm legen.
- Wohngrundstücke fehlen bewusst. Die häufigste Verbotszone Deutschlands ist kein Kartenobjekt, sie entscheidet sich vor Ort.
- Am Flugtag prüfen: Kurzfristige Flugbeschränkungsgebiete für Veranstaltungen oder Übungen erscheinen oft erst wenige Tage vorher.
Was dipul ist und wer dahintersteht
dipul ist die Abkürzung für „Digitale Plattform Unbemannte Luftfahrt”. Sie wurde vom Bundesverkehrsministerium ins Leben gerufen und wird von der DFS Deutsche Flugsicherung betrieben. Die Plattform bündelt drei Dinge: die Betriebsregeln im Klartext, die Antragswege zu Behörden und das Map Tool als kartografische Darstellung der geografischen Gebiete.
Die Bedeutung liegt in der Amtlichkeit. Es gibt Dutzende Drohnen-Karten im Netz, die meisten sind Sekundärdarstellungen mit unklarem Aktualisierungsstand. Das Map Tool speist sich aus den Datensätzen, welche die zuständigen Stellen selbst liefern. Wenn eine Behörde eine Zone meldet, landet sie hier.
Zu unterscheiden sind zwei Adressen, die beide funktionieren: Die Informationsseiten liegen unter dipul.de, die Karte selbst öffnet sich unter maptool-dipul.dfs.de. Das Map Tool ist der Teil, den du vor jedem Flug brauchst.
Die Karte in zwei Minuten bedienen
Der Ablauf ist immer derselbe und funktioniert am Handy genauso wie am Rechner.
- Karte öffnen. Es erscheint eine Deutschlandkarte mit den eingefärbten Zonen. Eine Anmeldung gibt es nicht.
- Ort finden. Über das Suchfeld eine Adresse, einen Ortsnamen oder Koordinaten eingeben. Alternativ direkt in die Karte zoomen oder den eigenen Standort bestimmen lassen.
- Punkt setzen. Ein Klick oder Tipp auf die Zielposition setzt eine Markierung. Das Infofenster listet dann alle Zonen, die genau an dieser Stelle liegen.
- Ebenen filtern. Über das Ebenen-Symbol lassen sich Zonentypen einzeln ein- und ausblenden. Das lohnt sich, weil sich in Ballungsräumen mehrere Flächen überlagern und die Karte sonst unübersichtlich wird.
- Eintrag lesen. Jede Zone bringt eine Kurzbeschreibung, die Rechtsgrundlage und den Hinweis, ob und bei wem eine Zustimmung einzuholen ist.
Der letzte Schritt ist der wichtigste und wird am häufigsten übersprungen. Eine eingefärbte Fläche bedeutet nicht automatisch Verbot.
Farbige Fläche heißt nicht automatisch Verbot
Das ist das größte Missverständnis rund um die Karte. Der Gesetzgeber nennt diese Flächen geografische Gebiete, und der Begriff ist bewusst weiter gefasst als ein Verbot. In vielen dieser Gebiete ist der Flug erlaubt, sobald eine Bedingung erfüllt ist.
| Zone | Typische Bedingung | Wer zustimmt |
|---|---|---|
| Kontrollzone eines Flughafens | Flugverkehrskontrollfreigabe | Flugsicherung bzw. Flugplatzbetreiber |
| Naturschutzgebiet | Zustimmung der Naturschutzbehörde | untere Naturschutzbehörde des Kreises |
| Industrieanlage, Kraftwerk | Zustimmung des Betreibers | Betreiber der Anlage |
| Bundesfernstraße, Bahnanlage | Abstand einhalten oder Zustimmung | Straßenbaulastträger, Bahn |
| Behörden, Militär, JVA | Zustimmung der Stelle | jeweilige Dienststelle |
| Flugbeschränkungsgebiet (ED-R) | meist echtes Verbot auf Zeit | keine kurzfristige Freigabe |
Das echte Verbot ohne Ausweg ist der Ausnahmefall. Für die Praxis heißt das: Wer früh genug fragt, bekommt für viele Zonen eine Freigabe. Wer am Flugtag improvisiert, hat sie nicht. Welche Zonen es im Einzelnen gibt und welche Abstände dahinterstehen, steht ausführlich im Ratgeber Flugverbotszonen für Drohnen.

Die Karte deckt die amtlich abgegrenzten Gebiete ab. Vier entscheidende Beschränkungen bleiben beim Piloten.
Die vier Lücken, die keine Karte schließt
Kein Kartendienst der Welt kann diese vier Punkte anzeigen. Wer sie kennt, vermeidet die teuersten Fehler.
Wohngrundstücke. § 21h Absatz 3 Nummer 7 LuftVO verbietet den Betrieb über Wohngrundstücken, sobald die Drohne über 250 Gramm wiegt oder Signale aufzeichnen kann. Das trifft praktisch jede Kameradrohne. Diese Flächen liegen in keinem Datensatz, weil sich das Verbot an die Nutzung knüpft und flächendeckend gilt. Die Details stehen im Ratgeber Drohne im Wohngebiet fliegen.
Menschenansammlungen. Sie entstehen spontan. Ein Feldweg ohne Zone in der Karte kann am Sonntagnachmittag ein Volksfest tragen.
Das Privatrecht der Startfläche. Luftrecht und Eigentumsrecht sind zwei getrennte Ebenen. Ein Acker ohne jede Zone gehört trotzdem jemandem, und Starten wie Landen brauchen die Erlaubnis des Eigentümers. Bei Wald kommt Landesrecht dazu, bei Kommunalflächen oft eine Satzung.
Das Wetter. Wind, Sicht und Temperatur entscheiden über den Flug genauso wie Zonen. Was bei welcher Windstärke noch geht, steht im Ratgeber Drohne bei Wind fliegen.
Kurzfristige Zonen: warum der Vorabend nicht reicht
Ein Teil der Beschränkungen ist dauerhaft, ein anderer entsteht kurzfristig. Flugbeschränkungsgebiete werden für Staatsbesuche, Großdemonstrationen, Fußballspiele, Militärübungen oder Waldbrandeinsätze eingerichtet und laufen danach wieder aus. Sie erscheinen im Map Tool, sobald die zuständige Stelle sie veröffentlicht hat, teils nur wenige Tage vorher.
Daraus folgt eine simple Routine: Die Karte gehört an den Flugtag selbst. Wer eine Tour vorbereitet, prüft zweimal, einmal beim Planen und einmal am Morgen des Flugs.
Bei größeren Vorhaben lohnt zusätzlich der Blick in die Luftfahrt-Bekanntmachungen, die NOTAM. Die Karte übersetzt diese Meldungen in Flächen, im Grenzfall enthält der Originaltext aber Details wie exakte Zeitfenster und Höhenstaffelungen.
Datenexport, WMS und WFS für Fortgeschrittene
Die Geodaten stehen nicht nur als Kartenbild bereit. Über die Schnittstellen WMS (Web Map Service, liefert fertige Kartenbilder) und WFS (Web Feature Service, liefert die Geometrien selbst) lassen sich die Zonen in eigene Anwendungen holen: in QGIS für die Flugplanung, in eine Betriebssoftware oder in eine eigene Karte. Zusätzlich gibt es Downloads der Datensätze.
Für Freizeitpiloten ist das Beiwerk, für gewerbliche Betreiber der eigentliche Wert: Wer regelmäßig plant, dokumentiert damit nachvollziehbar, welcher Datenstand einer Flugfreigabe zugrunde lag. Was bei gewerblichen Einsätzen sonst noch dazugehört, steht im Ratgeber Drohne gewerblich nutzen.
Map Tool, Hersteller-App und Drittanbieter
In der Praxis begegnen dir drei Kartenquellen, und sie widersprechen sich regelmäßig.
| Quelle | Datenbasis | Rechtliche Rolle |
|---|---|---|
| dipul Map Tool | Meldungen der zuständigen Stellen | maßgeblich für Deutschland |
| App des Drohnenherstellers | eigene Datenbank des Herstellers | steuert Warnungen und Sperren am Gerät |
| Drittanbieter-Apps | abgeleitete Daten, Stand variiert | Komfortlösung ohne Verbindlichkeit |
Der häufigste Konflikt: Die Hersteller-App gibt einen Startplatz frei, über dem nach LuftVO eine Zone liegt. Das Gerät hebt ab, der Verstoß bleibt trotzdem einer. Umgekehrt kommt es vor, dass die App eine Sperre setzt, wo rechtlich nichts entgegensteht. Im Zweifel gilt die amtliche Karte für die Rechtsfrage und die App für die Frage, ob die Drohne technisch startet. Wie sich Sperren in der Hersteller-Software auswirken, behandelt der Ratgeber Drohnen-Klassen C0 bis C4.
Fünf Fehler, die sich mit der Karte vermeiden lassen
- Nur den Startpunkt prüfen. Die Zone gilt für die gesamte geflogene Strecke, also auch weit ab von deinem Standort. Bei längeren Flügen mehrere Punkte antippen.
- Ebenen ausgeblendet lassen und deshalb eine Zone übersehen. Vor der Bewertung alle relevanten Ebenen einschalten.
- Der Farbe vertrauen statt dem Text. Der Klick ins Infofenster ist der eigentliche Arbeitsschritt.
- Zoomstufe zu grob. Kleine Zonen, etwa um ein Umspannwerk, werden erst bei näherem Zoom sichtbar.
- Screenshot vergessen. Ein Bild mit sichtbarem Datum kostet drei Sekunden und ist im Streitfall das einzige, was deine Prüfung belegt.
Ausland: die Karte endet an der Grenze
Das Map Tool bildet Deutschland ab. Jeder EU-Staat betreibt eine eigene Plattform mit eigenen Zonen, teils mit sehr unterschiedlicher Qualität. Die Betriebsregeln der EU-Drohnenverordnung gelten zwar überall gleich, die geografischen Gebiete legt aber jeder Staat selbst fest, und genau dort liegen die Unterschiede. Vor einer Reise gehört deshalb die nationale Karte des Ziellands auf den Bildschirm. Einen Überblick über die Länderregeln gibt der Ratgeber Drohne im Urlaub.
Fazit: die Karte klärt die Hälfte, der Blick die andere
Das Map Tool ist das beste kostenlose Werkzeug für die Frage, ob an einem Ort eine amtliche Zone liegt, und es ist die einzige Quelle, die für Deutschland verbindlich ist. Zwei Handgriffe reichen: Ort suchen, Punkt setzen, Infofenster lesen. Danach beginnt der zweite Teil der Prüfung, den kein Bildschirm übernimmt. Wohngrundstücke, Menschen und der Eigentümer der Startwiese entscheiden sich vor Ort. Wer beides zur Routine macht, die Karte am Flugtag und den Rundblick vor dem Start, fliegt sauber und muss sich um Post von der Landesluftfahrtbehörde keine Gedanken machen.
Häufige Fragen
Was ist dipul?
dipul steht für "Digitale Plattform Unbemannte Luftfahrt". Sie ist das offizielle Informationsangebot des Bundesverkehrsministeriums rund um den Drohnenbetrieb in Deutschland und wird von der DFS Deutsche Flugsicherung betrieben. Auf der Plattform findest du die Betriebsregeln, die Antragswege zu den Behörden und das Map Tool, also die amtliche Karte der geografischen Gebiete. Die Nutzung ist kostenlos und verlangt keine Registrierung.
Ist das dipul Map Tool kostenlos?
Ja, vollständig. Du brauchst weder ein Konto noch eine Anmeldung, die Karte öffnet sich direkt im Browser. Auch die Downloads der Geodaten und die Schnittstellen WMS und WFS, mit denen Entwickler die Zonen in eigene Anwendungen holen, stehen ohne Gebühr bereit. Kosten entstehen erst bei Anträgen, etwa einer Ausnahmegenehmigung bei der Landesluftfahrtbehörde.
Gibt es eine dipul-App für Android und iOS?
Eine eigene dipul-App für den Play Store oder App Store gibt es nicht. Das Map Tool ist eine Webanwendung und läuft im mobilen Browser, es passt sich dem Bildschirm an und lässt sich als Lesezeichen oder Startbildschirm-Verknüpfung ablegen. Damit hast du den Effekt einer App, ohne eine installieren zu müssen. Wer eine echte App bevorzugt, greift zu Drittanbietern, sollte aber wissen, dass deren Daten nicht immer taggleich zur amtlichen Quelle stehen.
Was bedeuten die Farben in der dipul-Karte?
Jeder Zonentyp hat eine eigene Farbe, die Farbe steht also für die Art der Beschränkung und nicht für einen Schweregrad wie bei einer Ampel. Rot-/Brauntöne markieren typischerweise Luftraumthemen wie Flugplätze und Flugbeschränkungsgebiete, Blau- und Grüntöne die Schutz- und Infrastrukturzonen. Entscheidend ist der Klick in die Fläche: Das Infofenster nennt Rechtsgrundlage, Bedingung und zuständige Stelle im Klartext.
Zeigt die Karte auch kurzfristige Flugverbote?
Ja, kurzfristige Beschränkungen wie Flugbeschränkungsgebiete für Großveranstaltungen, Staatsbesuche oder militärische Übungen erscheinen als eigene Flächen, sobald sie veröffentlicht sind. Genau deshalb lohnt der Blick am Flugtag statt am Vorabend: Eine Zone, die gestern noch nicht existierte, kann heute über deinem Startplatz liegen.
Warum sind Wohngrundstücke nicht in der Karte eingezeichnet?
Weil sie sich nicht als amtlicher Datensatz abbilden lassen. Das Verbot aus § 21h Absatz 3 Nummer 7 LuftVO knüpft an die Nutzung eines Grundstücks an und gilt bundesweit für jedes einzelne Wohngrundstück. Die Karte kann dir hier nichts abnehmen: Ob unter dir ein Garten oder ein Feld liegt, entscheidest du vor Ort mit dem eigenen Blick.
Reicht das Map Tool als Nachweis, dass mein Flug erlaubt war?
Es ist ein starkes Argument, aber kein Freibrief. Die Karte belegt, dass an deinem Startpunkt keine kartierte Zone lag. Sie sagt nichts über Flughöhe, Sichtkontakt, Abstände zu Personen, Wohngrundstücke oder das Privatrecht der Startfläche. Ein Screenshot mit Datum ist trotzdem sinnvoll, weil er im Streitfall zeigt, dass du die amtliche Quelle geprüft hast.
Was ist der Unterschied zwischen dipul und der DJI-Karte in der App?
Die Zonen in der Hersteller-App stammen aus einer eigenen Datenbank und dienen vor allem der Gerätesteuerung, etwa Warnungen oder Startsperren. Sie decken sich nicht immer mit der deutschen Rechtslage: Manche Verbotszone nach LuftVO fehlt dort, und umgekehrt sperrt die App gelegentlich Flächen, über denen du legal fliegen dürftest. Rechtlich maßgeblich sind die geografischen Gebiete nach LuftVO, also die Darstellung im Map Tool.