Das Wichtigste in Kürze
- Geran-2: je nach Quelle 1.000 bis 2.500 km Reichweite. Häufige Schätzungen liegen bei 970 bis 1.500 km, die 2.500 km gelten als theoretischer Höchstwert.
- Schwerer Sprengkopf, kürzere Strecke: Die russische Version mit 90 kg Sprengkopf kommt nach Schätzungen auf 650 bis 1.000 km.
- Tempo: rund 185 km/h. Für 1.000 km braucht eine Geran-2 gut fünf Stunden.
- Geran-3: Strahltriebwerk, 300 bis 370 km/h, rund 1.000 km laut russischen Angaben, israelische Analysten schätzen 750 km.
- Navigation ohne Fernsteuerung: Die Drohne folgt einer programmierten Route per Trägheits- und Satellitennavigation, die Strecke begrenzt allein der Tank.
Was die Geran-2 ist
Die Geran-2 ist die russische Bezeichnung für die iranische Shahed-136, eine Einwegdrohne mit Sprengkopf. Russland setzt sie seit Herbst 2022 im Krieg gegen die Ukraine ein. Anfangs kamen die Drohnen aus Iran, heute baut Russland sie selbst, vor allem in der Sonderwirtschaftszone Alabuga in Tatarstan.
Technisch ist die Geran-2 ein kleines Flugzeug. Sie hat einen Deltaflügel mit 2,5 Metern Spannweite, ist 3,5 Meter lang und wiegt rund 200 Kilogramm. Am Heck sitzt ein Schubpropeller, den ein Kolbenmotor vom Typ MD-550 antreibt. Dieser Motor gilt als Nachbau des Limbach L550E, eines Vierzylinder-Zweitakters aus Deutschland mit 550 Kubikzentimetern, wie er auch in Motorseglern steckt. Gestartet wird die Drohne von einer Rampe oder einem Katapult.
Mit Kameradrohnen hat die Geran-2 nur den Namen gemeinsam. Eine Hobbydrohne fliegt mit Akku und Rotoren eine halbe Stunde, die Geran-2 mit Benzinmotor und Tragflächen viele Stunden. Wie Multikopter im Unterschied dazu funktionieren, erklärt der Ratgeber Wie funktioniert eine Drohne?.
Die Reichweite: was die Quellen angeben
Eine offizielle Angabe gibt es nicht. Weder Russland noch Iran veröffentlichen Datenblätter, alle Werte stammen aus Schätzungen von Analysten, Geheimdiensten und aus der Untersuchung abgeschossener Drohnen. Entsprechend weit liegen sie auseinander:
| Angabe | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Shahed-136, theoretischer Höchstwert | 2.500 km | Wikipedia (Datenzusammenstellung) |
| häufige Schätzungen, Standardversion | 970 bis 1.500 km | Wikipedia (Datenzusammenstellung) |
| Geran-2 laut Fachportal | mehr als 970 km | hartpunkt |
| Geran-2 laut Überblick | 1.000 bis 2.500 km | Euronews |
| russische Version mit 90 kg Sprengkopf | 650 bis 1.000 km | Wikipedia (Datenzusammenstellung) |
Als belastbare Größenordnung gelten damit rund 1.000 Kilometer, darüber hängt alles von Version und Beladung ab. Die 2.500 Kilometer sind ein theoretischer Höchstwert, der Umwege und schwere Sprengköpfe nicht berücksichtigt.
Warum die Angaben so weit auseinanderliegen
Drei Faktoren erklären den größten Teil der Spanne.
Sprengkopf gegen Treibstoff. Die Geran-2 hat ein festes Startgewicht. Was davon der Sprengkopf belegt, fehlt dem Tank. Die iranische Grundversion trägt rund 50 Kilogramm, russische Versionen seit 2024 bis zu 90 Kilogramm. Mit dem schwereren Sprengkopf sinkt die Reichweite nach Schätzungen auf 650 bis 1.000 Kilometer, je nachdem, wie viel Tankvolumen übrig bleibt.
Umwege um die Luftabwehr. Die Drohnen fliegen selten auf direktem Weg. Laut hartpunkt planen die Einsätze gezielt Kurswechsel ein, um Lücken in der Luftabwehr auszunutzen und aus mehreren Richtungen anzufliegen. Jeder Umweg kostet Strecke. Die Luftlinie zum Ziel ist deshalb immer kürzer als die geflogene Strecke.
Flughöhe. Ursprünglich flogen die Drohnen tief. Später stiegen sie höher, um mobilen Abwehrwaffen am Boden auszuweichen. In größerer Höhe ist die Luft dünner, das senkt den Luftwiderstand und damit den Verbrauch. Euronews berichtet für die neuere Geran-4 von einem dokumentierten Flug über rund 960 Kilometer, bei dem genau diese Höhenstrategie die Reichweite gestreckt habe.

Die Reichweite hängt an der Beladung: Als belastbare Größenordnung gelten rund 1.000 Kilometer, 2.500 Kilometer sind der theoretische Höchstwert.
Flugzeit: was 185 km/h für die Strecke bedeuten
Die Geran-2 ist langsam. Ihr Tempo liegt bei rund 185 km/h, etwa so schnell wie ein Kleinflugzeug im Reiseflug. Daraus ergeben sich lange Flugzeiten:
| Strecke | Flugzeit bei 185 km/h |
|---|---|
| 300 km | rund 1 Stunde 40 Minuten |
| 600 km | rund 3 Stunden 15 Minuten |
| 1.000 km | rund 5 Stunden 25 Minuten |
| 1.500 km | rund 8 Stunden 5 Minuten |
| 2.000 km | rund 10 Stunden 50 Minuten |
| 2.500 km | rund 13 Stunden 30 Minuten |
Die Werte sind reine Rechnung bei gleichbleibendem Tempo, ohne Gegenwind und ohne Umwege. In der Praxis sind die Drohnen länger unterwegs.
Für die Verteidigung sind diese Stunden ein Vorteil. Eine Drohne, die fünf Stunden bis zum Ziel braucht, kann auf ihrem Weg mehrfach entdeckt und bekämpft werden. Genau hier setzen die neueren Versionen an: Mit Strahltriebwerk verkürzt sich die Flugzeit auf etwa die Hälfte, dafür sinkt die Reichweite.
Wie die Geran über 1.000 Kilometer navigiert
Die Geran-2 folgt einer vorab programmierten Route und braucht für den Flug keine Fernsteuerung. Die Position bestimmt sie mit einem Trägheitsnavigationssystem, das laufend mit Satellitensignalen von GPS und GLONASS abgeglichen wird. Die iranische Grundversion nutzte dafür handelsübliche Empfänger, die sich leicht stören ließen.
Die russischen Versionen haben aufgerüstet. Laut hartpunkt nutzen sie das Navigationssystem Kometa-M mit Antennengruppen, deren Zahl von 4 über 8 und 12 auf 16 Elemente gewachsen ist. Mehr Elemente machen die Satellitennavigation widerstandsfähiger gegen Störsender. Seit Ende 2023 tauchten zudem Drohnen mit SIM-Karten und Mobilfunkmodems auf, über die sie Flugdaten übertragen. Spätere Versionen tragen laut Berichten auch Kameras und kleine Bordcomputer.
Für die Reichweite heißt das: Die Geran-2 braucht keine Funkverbindung zu einer Bodenstation, um anzukommen. Ihre Strecke begrenzt allein der Treibstoff. Ein ähnliches Prinzip beschreibt der Ratgeber zur Reichweite der Reaper-Drohne, die im Einsatz über Satellit gesteuert wird und deshalb ebenfalls nur vom Tank begrenzt ist.
Geran-3 und neuere Versionen: schneller, dafür kürzer
Die Geran-3 basiert auf der iranischen Shahed-238 und fliegt mit einem Strahltriebwerk. Ihre Reisegeschwindigkeit liegt bei 300 bis 370 km/h, also etwa doppelt so hoch wie bei der Geran-2. Das verkürzt die Vorwarnzeit für die Luftabwehr erheblich.
Der Preis ist der Verbrauch. Ein Strahltriebwerk braucht deutlich mehr Treibstoff als ein Kolbenmotor. Russische Angaben nennen für die Geran-3 rund 1.000 Kilometer, israelische Analysten halten etwa 750 Kilometer für realistisch. Dazu kommen höhere Kosten und eine stärkere Wärmesignatur, die Infrarotsensoren leichter erfassen.
Für die noch neuere Geran-4 nennt Euronews Reichweiten von 450 bis 850 Kilometern bei 300 bis 350 km/h, mit einem dokumentierten Flug über rund 960 Kilometer im August 2026. Die Entwicklung zeigt eine klare Richtung: Die jüngeren Versionen tauschen Reichweite gegen Tempo.
| Version | Antrieb | Tempo | Reichweite |
|---|---|---|---|
| Geran-2 (Shahed-136) | Kolbenmotor MD-550 | rund 185 km/h | 970 bis 2.500 km |
| Geran-2 mit 90 kg Sprengkopf | Kolbenmotor MD-550 | rund 185 km/h | 650 bis 1.000 km |
| Geran-3 (Shahed-238) | Strahltriebwerk | 300 bis 370 km/h | 750 bis 1.000 km |
| Geran-4 | Strahltriebwerk | 300 bis 350 km/h | 450 bis 850 km |
| Gerbera | Kolbenmotor | bis 160 km/h | 300 bis 600 km |
Gerbera: der billige Doppelgänger
Neben der Geran fliegt oft eine zweite Drohne mit, die ihr ähnlich sieht: die Gerbera, ein Täuschkörper aus Sperrholz und Styropor mit geschätzten 300 bis 600 Kilometern Reichweite. In großer Zahl gestartet, bindet sie die Luftabwehr, die zwischen echten Angriffsdrohnen und Attrappen unterscheiden muss. Bekannt wurde sie in Mitteleuropa im September 2025, als Drohnen in den polnischen Luftraum eindrangen.
Reichweite und Europa
Die Reichweite der Geran-Familie ist längst ein europäisches Thema. Im Juli 2025 stürzten Drohnen in Litauen nahe der Grenze zu Belarus ab, in der Nacht zum 10. September 2025 drangen Drohnen in den polnischen Luftraum ein, und NATO-Kampfflugzeuge gingen erstmals über Bündnisgebiet gegen sie vor. Laut Euronews traf im Mai 2026 eine Geran-2 ein Wohnhaus in Rumänien.
Für zivile Drohnenpiloten in Deutschland hat das eine praktische Folge: Behörden und Bevölkerung reagieren sensibel auf unbekannte Drohnen, besonders nahe an Flughäfen, Kasernen und kritischer Infrastruktur. Wer selbst fliegt, sollte Flugverbotszonen deshalb besonders genau kennen. Die Karte dazu erklärt der Ratgeber Flugverbotszonen für Drohnen.
Fazit: rund 1.000 Kilometer, mit viel Spielraum
Die Geran-2 fliegt je nach Quelle 1.000 bis 2.500 Kilometer weit. Realistisch sind rund 1.000 Kilometer, mit schwerem Sprengkopf auch weniger, weil Sprengstoff und Treibstoff um dasselbe Gewicht konkurrieren. Bei rund 185 km/h dauert ein solcher Flug gut fünf Stunden.
Die neueren Versionen mit Strahltriebwerk sind etwa doppelt so schnell und kommen dafür weniger weit. Wie die Reichweite ziviler Drohnen zustande kommt und was davon in Europa erlaubt ist, steht im Ratgeber Drohnen-Reichweite.
Häufige Fragen
Wie weit fliegt eine Geran-2?
Die Angaben reichen von knapp 1.000 bis 2.500 Kilometer. Häufig genannte Schätzungen liegen zwischen 970 und 1.500 Kilometern, die 2.500 Kilometer gelten als theoretischer Höchstwert. Die russische Version mit schwerem 90-Kilogramm-Sprengkopf kommt nach Schätzungen nur auf 650 bis 1.000 Kilometer, weil der Sprengkopf Gewicht belegt, das sonst Treibstoff tragen könnte.
Wie schnell ist eine Geran-2?
Rund 185 km/h. Für 1.000 Kilometer braucht sie damit gut fünf Stunden, für 2.000 Kilometer fast elf Stunden. Das niedrige Tempo verschafft der Luftabwehr viel Vorwarnzeit, einer der Gründe, warum Russland schnellere Versionen mit Strahltriebwerk entwickelt hat.
Was ist der Unterschied zwischen Shahed-136 und Geran-2?
Die Geran-2 ist die russische Bezeichnung für die iranische Shahed-136. Anfangs lieferte Iran die Drohnen, inzwischen baut Russland sie in großer Stückzahl selbst, vor allem in der Sonderwirtschaftszone Alabuga in Tatarstan. Die russischen Versionen wurden seitdem weiterentwickelt, unter anderem mit störfesterer Satellitennavigation und schwereren Sprengköpfen.
Welcher Motor steckt in der Geran-2?
Ein Kolbenmotor vom Typ MD-550, gebaut im Iran. Er ist nach übereinstimmenden Berichten ein Nachbau des Limbach L550E, eines 550-Kubikzentimeter-Vierzylinder-Zweitakters aus Deutschland, wie er auch in Motorseglern und größeren Drohnen steckt. Der Motor treibt einen Schubpropeller am Heck an.
Was kostet eine Geran-2?
Die Schätzungen gehen weit auseinander. Für iranische Exportlieferungen wurden rund 193.000 US-Dollar pro Stück genannt, für die russische Eigenproduktion Werte zwischen etwa 20.000 und 80.000 US-Dollar. Genaue Zahlen gibt es nicht, weil weder Russland noch Iran Preise offenlegen.
Wie weit fliegt die Geran-3?
Russische Angaben nennen rund 1.000 Kilometer, israelische Analysten halten etwa 750 Kilometer für realistisch. Die Geran-3 nutzt ein Strahltriebwerk und fliegt mit 300 bis 370 km/h fast doppelt so schnell wie die Geran-2. Dafür verbraucht sie mehr Treibstoff, die Reichweite fällt deshalb geringer aus.