Reaper-Drohne Reichweite: 1.850 km und über 27 Stunden

Wie weit fliegt die MQ-9 Reaper? Laut US Air Force 1.000 Seemeilen, rund 1.850 km, dazu über 27 Stunden Flugdauer. Was die Zahlen bedeuten.

Recht & Wissen Veröffentlicht am 6 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Reichweite: 1.000 Seemeilen, also rund 1.850 km, laut aktuellem Datenblatt der US Air Force für die MQ-9 Reaper.
  • Ältere Angabe: Das Air-Force-Datenblatt von 2008 nannte noch 3.200 Seemeilen (rund 5.900 km). Die Zahlen messen offenbar Unterschiedliches, eine Definition liefert die Air Force nicht.
  • Flugdauer: über 27 Stunden laut Hersteller General Atomics, mit Zusatztanks 34 Stunden.
  • Funk begrenzt nicht: Gesteuert wird per Satellit, deshalb setzt der Treibstoff die Grenze.
  • Nachfolger MQ-9B: bis 40 Stunden und 6.000 Seemeilen (rund 11.100 km) laut Hersteller.

Welche Reichweite die US Air Force angibt

Die MQ-9 Reaper ist eine unbemannte Kampf- und Aufklärungsdrohne des US-Herstellers General Atomics. Die US Air Force setzt sie seit Oktober 2007 ein und veröffentlicht ihre Eckdaten in einem offiziellen Datenblatt. Dort steht als Reichweite: 1.150 Meilen, 1.000 Seemeilen. Umgerechnet sind das rund 1.850 Kilometer.

Wer weiter sucht, stößt auf eine zweite, deutlich größere Zahl. Das Air-Force-Datenblatt vom September 2008 nannte 3.682 Meilen bzw. 3.200 Seemeilen, das wären rund 5.900 Kilometer. Beide Angaben stammen von derselben Quelle, sie beschreiben aber offenbar verschiedene Dinge. Die Air Force erklärt nicht, ob sie eine einfache Strecke, einen Hin- und Rückflug oder einen Einsatzradius mit Verweilzeit meint.

Eine Umrechnung hilft beim Einordnen:

AngabeSeemeilenKilometerQuelle
Reichweite MQ-9 (aktuell)1.000rund 1.850US Air Force
Reichweite MQ-9 (2008)3.200rund 5.900US Air Force, Datenblatt 2008
Reichweite MQ-9B6.000rund 11.100General Atomics

Eine Seemeile misst 1.852 Meter. In der Luftfahrt ist sie die übliche Einheit, weil sie sich direkt aus den Breitengraden ableitet. Wer die Zahlen mit Autokilometern vergleichen will, rechnet grob mal 1,85.

Greifbarer werden die Werte mit Entfernungen, die man kennt. Rund 1.850 Kilometer entsprechen etwa der Luftlinie Berlin–Madrid. Die 5.900 Kilometer aus dem alten Datenblatt kommen knapp an die Strecke Frankfurt–New York heran, und die 11.100 Kilometer der MQ-9B reichen weiter als von Frankfurt nach Singapur. Für eine Drohne, die ohne Pilot an Bord fliegt, sind das Dimensionen eines Langstreckenflugs.

Warum die Reaper in Stunden gemessen wird

Für eine Drohne wie die Reaper ist die Reichweite nur die halbe Geschichte. Sie gehört zur Klasse MALE, kurz für Medium Altitude, Long Endurance: mittlere Flughöhe, lange Verweildauer. Ihr Zweck ist, stundenlang über einem Gebiet zu kreisen, zu beobachten und bei Bedarf einzugreifen. Die wichtigste Kennzahl ist deshalb die Flugdauer.

General Atomics gibt für die MQ-9A mehr als 27 Stunden an. Die Version Extended Range mit zusätzlichen Treibstofftanks an den Flügeln bleibt 34 Stunden in der Luft. Die neuere MQ-9B schafft laut Datenblatt bis zu 40 Stunden.

Wie Strecke und Verweildauer zusammenhängen, zeigt ein Rechenbeispiel. Liegt das Einsatzgebiet 1.000 Kilometer vom Startplatz entfernt, dauert der Anflug bei 370 km/h Reisegeschwindigkeit knapp drei Stunden, der Rückflug ebenso. Von 27 Stunden Flugdauer bleiben dann rund 21 Stunden über dem Einsatzgebiet. Jeder zusätzliche Kilometer Anflug kostet also Verweilzeit, und genau diese Abwägung steckt hinter jeder Reichweitenangabe.

Per Satellit gesteuert: wie die Reaper auf Distanz kommt

Bei einer Kameradrohne begrenzt die Funkstrecke zur Fernsteuerung die Reichweite, in Europa meist auf wenige Kilometer. Bei der Reaper spielt diese Grenze keine Rolle, weil sie im Einsatz über Satellit gesteuert wird. Die US Air Force teilt die Arbeit dafür auf zwei Crews auf:

Jede Crew besteht laut Air Force aus zwei Personen: einem Piloten und einem Sensorbediener, der Kameras, Infrarotsensor und Laser-Zielmarkierung bedient. Die Aufteilung hat einen technischen Grund. Über Satellit kommt jedes Steuersignal mit gut einer Sekunde Verzögerung an. Für den Reiseflug ist das unkritisch, für Start und Landung wäre es zu träge.

Zweiteilige Grafik zur MQ-9 Reaper. Oben ein Schema der Steuerung: Links der Einsatzflughafen mit der Crew für Start und Landung, verbunden mit der Drohne über eine direkte Funkverbindung mit Sichtlinie. Die Drohne fliegt nach rechts ins Einsatzgebiet, rund 1.850 Kilometer Reichweite laut US Air Force. Über ihr ein Satellit, der die Verbindung zur Bodenstation in den USA herstellt, etwa der Creech Air Force Base in Nevada, mit Pilot und Sensorbediener. Die Satellitenstrecke hat gut eine Sekunde Verzögerung. Unten ein Balkendiagramm der maximalen Flugdauer: typische Kameradrohne rund eine halbe Stunde, German Heron TP der Bundeswehr 27 Stunden, MQ-9A Reaper über 27 Stunden, MQ-9A Extended Range 34 Stunden, MQ-9B 40 Stunden.

Im Einsatz hängt die Reaper am Satelliten. Die Grenze setzt deshalb der Treibstoff, und der reicht für mehr als einen Tag.

Wie weit eine zivile Drohne per Funk kommt und warum in Europa nur ein Bruchteil davon erlaubt ist, erklärt der Ratgeber Drohnen-Reichweite: 20 km auf dem Papier, 500 m erlaubt.

Treibstoff, Turbine und Nutzlast

Angetrieben wird die Reaper von einer Propellerturbine vom Typ Honeywell TPE331-10 mit laut Air Force bis zu 900 Wellen-PS. Der Propeller sitzt am Heck und schiebt die Drohne an. Die Turbine verbrennt Kerosin, und davon passt eine Menge an Bord: Das Datenblatt von 2008 nennt 4.000 Pfund Treibstoff, rund 1.800 Kilogramm.

Treibstoff und Nutzlast konkurrieren dabei um dasselbe Gewicht. Die Reaper wiegt leer rund 2.200 Kilogramm und darf mit höchstens 4.760 Kilogramm starten. Dazwischen müssen Treibstoff, Sensoren und Außenlasten Platz finden. General Atomics nennt eine Nutzlast von bis zu 1.746 Kilogramm, davon 1.361 Kilogramm an den Außenstationen unter den Flügeln. Was außen hängt, erhöht Gewicht und Luftwiderstand und verkürzt damit Flugdauer und Reichweite.

Genau hier setzt die Extended-Range-Version an: Sie trägt zusätzliche Tanks an den Flügeln und kommt so von 27 auf 34 Stunden. Die MQ-9B geht den Weg über mehr Spannweite und mehr internen Treibstoff, laut Hersteller 2.722 Kilogramm.

Flughöhe und Tempo im Vergleich

Die Reaper fliegt in Höhen, die mit ziviler Drohnenfliegerei nichts gemein haben. Die US Air Force nennt eine Dienstgipfelhöhe von bis zu 50.000 Fuß, also 15.240 Meter. Die Reisegeschwindigkeit liegt laut Air Force bei rund 370 km/h.

MQ-9A ReaperMQ-9B SkyGuardianGerman Heron TPtypische Kameradrohne
Spannweite20,1 m24 m26 munter 0,5 m
max. Flugdauerüber 27 h (ER: 34 h)40 h27 hrund 30 min
Reichweiterund 1.850 kmrund 11.100 kmFunk: meist bis 10 km (EU)
max. Höhe15.240 m12.192 mca. 12.500 mgesetzlich 120 m
TempoReise ca. 370 km/hbis ca. 390 km/hbis ca. 400 km/hmeist bis 70 km/h
Startgewichtbis 4.760 kgbis 5.670 kgbis 5.400 kgmeist unter 1 kg

Quellen: US Air Force (MQ-9A), General Atomics (MQ-9A Flugdauer, MQ-9B), Bundeswehr (Heron TP). Für die Heron TP nennt die Bundeswehr keine Reichweite, das Feld bleibt deshalb leer. Die Werte der Kameradrohne sind typische Größenordnungen für Modelle der Offenen Kategorie.

Die Tabelle zeigt, wie weit die Welten auseinanderliegen. Die Reaper hat die Spannweite eines Segelflugzeugs und startet mit mehreren Tonnen von einer Startbahn. Wie hoch und wie schnell Hobbydrohnen fliegen dürfen, erklären die Ratgeber zur Flughöhe von Drohnen und zur Geschwindigkeit von Drohnen.

Wer die Reaper einsetzt

Die US Air Force ist der größte Nutzer. Laut dem Datenblatt von 2008 kostete ein Paket aus vier Drohnen mit Sensoren damals 53,5 Millionen US-Dollar, in Preisen des Haushaltsjahres 2006.

In Europa fliegen unter anderem Großbritannien, Frankreich und Italien Varianten der MQ-9. Die Bundeswehr gehört nicht dazu. Sie setzt als große Aufklärungsdrohne die German Heron TP des israelischen Herstellers IAI ein, stationiert auf dem Fliegerhorst Jagel in Schleswig-Holstein. In Flugdauer und Größe spielt sie in derselben Klasse wie die Reaper.

Wie sich die Größenordnungen militärischer Drohnen von der kleinsten bis zur größten Klasse verteilen, zeigt auch der Blick auf das andere Ende der Skala: Die Mini-Drohne Black Hornet wiegt 70 Gramm und fliegt eine halbe Stunde.

Fazit: 1.850 km, gemessen in Stunden

Die offizielle Antwort auf die Frage nach der Reichweite lautet 1.000 Seemeilen, rund 1.850 Kilometer, so steht es im aktuellen Datenblatt der US Air Force. Die ältere Angabe von 3.200 Seemeilen zeigt, wie stark solche Zahlen von ihrer Definition abhängen.

Aussagekräftiger ist die Flugdauer von über 27 Stunden. Weil die Reaper im Einsatz über Satellit gesteuert wird, begrenzt kein Funk die Strecke, nur der Treibstoff. Wer verstehen will, warum eine Hobbydrohne nach einer halben Stunde landen muss, findet die Grundlagen im Ratgeber Wie funktioniert eine Drohne?.

Häufige Fragen

Wie weit kann eine Reaper-Drohne fliegen?

Das aktuelle Datenblatt der US Air Force nennt für die MQ-9 Reaper eine Reichweite von 1.150 Meilen bzw. 1.000 Seemeilen, das sind rund 1.850 Kilometer. Ein älteres Datenblatt von 2008 gab noch 3.200 Seemeilen an, rund 5.900 Kilometer. Welche Definition hinter den Zahlen steckt, erklärt die Air Force nicht. Der Nachfolger MQ-9B kommt laut Hersteller auf 6.000 Seemeilen, rund 11.100 Kilometer.

Wie lange kann eine Reaper in der Luft bleiben?

Laut Hersteller General Atomics mehr als 27 Stunden. Die Version mit größerer Reichweite (Extended Range) schafft mit Zusatztanks 34 Stunden, die neuere MQ-9B bis zu 40 Stunden. Mit schwerer Außenlast an den Flügeln sinkt die Flugdauer, weil Gewicht und Luftwiderstand den Verbrauch erhöhen.

Wie hoch fliegt die MQ-9 Reaper?

Die US Air Force gibt eine Dienstgipfelhöhe von bis zu 50.000 Fuß an, das sind 15.240 Meter. Das liegt über der Reiseflughöhe von Verkehrsflugzeugen. Die MQ-9B erreicht laut Hersteller 40.000 Fuß, rund 12.200 Meter. Zum Vergleich: Kameradrohnen dürfen in der EU in der Offenen Kategorie höchstens 120 Meter hoch fliegen.

Wie schnell ist die Reaper?

Die US Air Force nennt eine Reisegeschwindigkeit von rund 230 Meilen pro Stunde bzw. 200 Knoten, das sind etwa 370 km/h. General Atomics gibt für die MQ-9A bis zu 240 Knoten an, rund 440 km/h. Das Tempo ist bewusst moderat gewählt: Die Reaper ist auf lange Verweildauer ausgelegt.

Von wo wird die Reaper gesteuert?

Aus einer Bodenkontrollstation mit zwei Leuten: Pilot und Sensorbediener. Start und Landung übernimmt eine Crew am Einsatzflughafen per direkter Funkverbindung. Den eigentlichen Einsatz steuert eine zweite Crew über Satellit, oft Tausende Kilometer entfernt, etwa von der Creech Air Force Base in Nevada. Über Satellit kommt das Signal mit gut einer Sekunde Verzögerung an.

Hat die Bundeswehr Reaper-Drohnen?

Nein. Die Bundeswehr setzt als große Aufklärungsdrohne die German Heron TP aus Israel ein, stationiert im schleswig-holsteinischen Jagel. Sie fliegt laut Bundeswehr bis zu 27 Stunden, bis 41.000 Fuß hoch und bis 217 Knoten schnell. In Europa nutzen unter anderem Großbritannien, Frankreich und Italien Varianten der MQ-9.

Was ist der Unterschied zwischen MQ-9A und MQ-9B?

Die MQ-9B ist die neuere Generation. Sie hat mit 24 Metern längere Flügel, mehr Treibstoff an Bord und fliegt laut Hersteller bis zu 40 Stunden bei 6.000 Seemeilen Reichweite. Außerdem ist sie nach dem NATO-Lufttüchtigkeitsstandard STANAG 4671 zulassungsfähig und mit einem System zur Kollisionsvermeidung für den allgemeinen Luftraum ausgelegt. Dafür erreicht sie mit 40.000 Fuß eine geringere Höhe als die MQ-9A.

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