Drohne mit Hochdruckreiniger: so arbeiten Reinigungsdrohnen

Reinigungsdrohnen spülen Fassaden und Dächer mit bis zu 200 bar. Wie die Versorgung über den Schlauch läuft, was der Rückstoß bedeutet und wo die Technik an Grenzen stößt.

Kameradrohnen Veröffentlicht am 5 Min. Lesezeit

Eine Fassade in 30 Metern Höhe zu reinigen bedeutet normalerweise: Gerüst stellen, Gehweg sperren, Genehmigung einholen, zwei Wochen Standzeit. Reinigungsdrohnen greifen genau diesen Aufwand an. Sie fliegen die Düse an die Wand, während Pumpe und Wasser am Boden bleiben. Wie das technisch funktioniert und wo die Grenzen liegen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Drohne trägt nur die Düse. Pumpe, Tank und Wasseraufbereitung stehen am Boden, der Schlauch verbindet beides.
  • Druckangaben der Anbieter: bis 200 bar am Schlauchende (CopterClean), 300 bar Druckbeständigkeit (MK-PowerClean), bis 350 bar und 90 °C Heißwasser an der Station (WINDRON).
  • Flächenleistung: je nach Anbieter bis 600 bzw. bis 1.000 m² pro Stunde.
  • Der Schlauch begrenzt die Höhe. 50 m Hochdruckschlauch sind ein üblicher Wert, darüber entscheidet die Zulassung.
  • Der Rückstoß ist die Konstruktionsaufgabe. Er wirkt dauerhaft und muss über Fluglage und Masse ausgeglichen werden.

Warum die Drohne die Pumpe nicht mitnimmt

Der naheliegende Gedanke wäre eine Drohne mit Tank und Pumpe an Bord. Er scheitert an der Arithmetik. Ein Hochdruckreiniger, der eine Fassade abspült, setzt in der Größenordnung zehn bis zwanzig Liter Wasser pro Minute um. Ein Tank für nur fünf Minuten Arbeit wöge damit 50 bis 100 Kilogramm, dazu käme die Pumpe.

Die Lösung ist die Arbeitsteilung. Am Boden steht eine Versorgungsstation mit Pumpe, Tank, Filterung und je nach System einer Heißwassererzeugung. Die Drohne führt nur das Schlauchende samt Düse an die Fläche. Sie ist damit ein fliegender Düsenhalter, und ihre Nutzlast beschränkt sich auf Düse, Schlauchstück und die Kraft, die sie gegen den Rückstoß aufbringen muss.

Auch das Schlauchgewicht trägt überwiegend der Boden. Der Schlauch hängt in einem Bogen und wird nachgeführt, statt vollständig an der Drohne zu ziehen. Genau darin unterscheidet sich der Aufbau von den Transportdrohnen, die ihre Last komplett tragen müssen.

Der Rückstoß: die eigentliche Konstruktionsaufgabe

Jeder Wasserstrahl erzeugt eine Gegenkraft. Wer schon einmal einen Gartenschlauch losgelassen hat, kennt den Effekt im Kleinen. Bei Arbeitsdrücken im dreistelligen bar-Bereich wird daraus eine Kraft, die dauerhaft auf die Drohne wirkt und sie von der Fassade wegdrückt.

Zweiteilige Schemagrafik zur Reinigungsdrohne. Oben eine Seitenansicht: Rechts steht eine Gebäudefassade mit Fensterreihen, links am Boden die Versorgungsstation mit Pumpe, Tank und Wasseraufbereitung. Von der Station führt ein Hochdruckschlauch in einem Bogen nach oben zur Drohne, die auf halber Fassadenhöhe schwebt und eine Düse zur Wand richtet. Der Sprühkegel trifft die Fassade. Zwei Kraftpfeile an der Drohne zeigen das Kräftegleichgewicht: Der Rückstoß der Düse drückt die Drohne von der Wand weg, ein gleich langer Gegenpfeil steht für den Schub, mit dem die Fluglageregelung dagegenhält. Ein weiterer Pfeil am Schlauchbogen macht deutlich, dass das Schlauchgewicht überwiegend vom Boden getragen wird und nicht an der Drohne hängt. Vier nummerierte Marker kennzeichnen die Versorgungsstation, den Schlauch, die Düse mit dem Rückstoß und die Fassade als Arbeitsfläche. Unten drei Sprühkegel im Vergleich, jeweils von einer Düse ausgehend und auf eine Fläche treffend: ein enger Kegel mit 25 Grad Öffnungswinkel für hartnäckige Stellen mit hoher Flächenpressung, ein mittlerer mit 45 Grad als Standard für Fassadenflächen und ein weiter mit 65 Grad für empfindliche Untergründe, bei dem sich die Kraft auf eine größere Fläche verteilt. Unter jedem Kegel ist die getroffene Breite als Balken angedeutet, sodass sichtbar wird, wie die Flächenpressung mit zunehmendem Winkel abnimmt.

Der Rückstoß der Düse wirkt dauerhaft wie Seitenwind. Er ist der Grund, warum Reinigungsdrohnen so schwer gebaut sind.

Die Systeme gehen den Effekt auf drei Wegen an:

Masse. Eine schwere Maschine reagiert träger auf eine konstante Kraft. Reinigungsdrohnen liegen deshalb weit jenseits der Gewichtsklassen, in denen sich Kameradrohnen bewegen.

Düsenanordnung. Wo mehrere Düsen zum Einsatz kommen, lassen sich ihre Rückstöße teilweise gegeneinander richten, sodass sich ein Teil der Kraft aufhebt.

Regelung. Die Fluglageregelung hält permanent gegen. Systeme mit RTK-Positionierung, wie CopterClean sie einsetzt, halten die Position dabei deutlich genauer als eine reine GPS-Lösung, was beim Arbeiten entlang einer Wand den Unterschied macht.

Der Rückstoß ist zugleich der Grund, warum der Arbeitsdruck an der Drohne nicht beliebig steigen darf. Mehr Druck heißt mehr Gegenkraft, und irgendwann geht die verfügbare Schubreserve für das Gegenhalten statt für das Fliegen drauf.

Die Zahlen der Anbieter

Der Markt ist überschaubar, und die Angaben unterscheiden sich vor allem darin, ob sie sich auf die Versorgungsstation oder auf das Schlauchende beziehen.

AnbieterDruckFlächenleistungBesonderheit
CopterCleanbis 200 bar am Schlauchendebis 600 m²/h50-m-Schlauch, Düsen 25°/45°/65°, Osmosewasser, RTK
WINDRONbis 350 bar an der Stationbis 1.000 m²/hHeißwasser bis 90 °C
MK-PowerCleanDruckbeständigkeit bis 300 barkeine AngabeSystem für die Gebäudereinigung

Zwei Punkte lohnen dabei die Aufmerksamkeit:

Osmosewasser taucht bei mehreren Anbietern auf. Entmineralisiertes Wasser trocknet fleckenfrei ab, was das Nachwischen erspart, das bei Glas und lackierten Flächen sonst nötig wäre. Für Fensterflächen ist das der eigentliche Trick. Der Druck steht dabei im zweiten Glied.

Heißwasser löst Fette und Algen deutlich besser als kaltes. Es verlangt aber eine entsprechend ausgestattete Station und einen temperaturfesten Schlauch.

Welche Düse für welche Fläche

Der Öffnungswinkel der Düse entscheidet darüber, wie sich die Kraft auf die Fläche verteilt. CopterClean nennt drei Winkel, und die decken das übliche Spektrum ab:

Die Regel dahinter ist einfach: Dieselbe Wassermenge auf eine größere Fläche verteilt bedeutet weniger Kraft je Quadratzentimeter. Wer mit 25 Grad über Putz geht, wäscht ihn ab.

Wo die Technik eingesetzt wird

Der Anwendungsbereich reicht weiter als der Name vermuten lässt.

Fassaden sind der Hauptfall, besonders bei Gebäuden, an denen ein Gerüst unverhältnismäßig teuer wäre: Hochhäuser, Industriehallen, Silos, Innenhöfe ohne Anfahrtsmöglichkeit.

Dächer lassen sich vom Boden aus praktisch nicht reinigen, und jedes Betreten ist ein Sturzrisiko. Moos- und Algenbewuchs auf großen Hallendächern ist ein klassischer Auftrag. Wer sein Dach ohnehin begutachten lassen will, findet im Ratgeber zur Dachvermessung mit der Drohne den zugehörigen Inspektionsteil.

Photovoltaikanlagen verlieren durch Verschmutzung Ertrag. Die Reinigung per Drohne arbeitet ohne Betreten der Modulfläche, was Mikrorisse vermeidet. Ob eine Reinigung überhaupt nötig ist, klärt vorher die Thermografie der Anlage.

Glasflächen an Atrien, Wintergärten und Bürogebäuden sind der Bereich, in dem Osmosewasser den größten Unterschied macht.

Was die Drohne nicht ersetzt

Bei aller Effizienz bleiben drei Einschränkungen:

Mechanik fehlt. Eine Drohne spült, sie schrubbt nicht. Wo festsitzende Verschmutzung mechanische Bearbeitung braucht, kommt sie an ihre Grenze.

Wind begrenzt den Einsatz. Eine Maschine, die ohnehin gegen Rückstoß arbeitet, hat wenig Reserve für Böen. Die Zusammenhänge sind dieselben wie beim Fliegen bei Wind, nur mit weniger Spielraum.

Wasser fällt nach unten. Der Bereich unter der Arbeitsfläche muss gesperrt sein, Fenster geschlossen, Elektrik geschützt. Der Aufwand ist geringer als bei einem Gerüst, aber er verschwindet nicht.

Rechtliches: fast immer die Spezielle Kategorie

Der Betrieb ist in jedem Fall gewerblich, damit gelten die Pflichten aus dem Ratgeber Drohne gewerblich nutzen: gewerbliche Luftfahrt-Haftpflicht, passender Kompetenznachweis, Registrierung.

Der entscheidende Punkt ist die Kategorie. Reinigungsdrohnen sind schwer, sie arbeiten dicht an Gebäuden, in denen sich Menschen aufhalten, und sie hängen an einem Schlauch. Die Offene Kategorie mit ihren Abstandsauflagen deckt das in aller Regel nicht mehr ab. Der Weg führt dann über eine Betriebsgenehmigung in der Speziellen Kategorie, mit Risikobewertung und behördlicher Prüfung des konkreten Einsatzes.

Für Auftraggeber heißt das vor allem eines: Nach der Genehmigung fragen. Ein Anbieter, der über Hochhausfassaden arbeitet, muss sie haben.

Fazit: eine Spezialmaschine für große Flächen

Die Reinigungsdrohne löst ein wirtschaftliches Problem. Reinigen konnte man Fassaden schon vorher, es war nur teuer, weil der Zugang teuer ist. Genau diesen Zugang macht die Drohne billig, solange die Fläche groß, hoch und schlecht erreichbar ist.

Für das Einfamilienhaus lohnt sich weder Anschaffung noch Beauftragung in den meisten Fällen. Für Gebäudedienstleister, Industrieanlagen und Photovoltaik-Betreiber ist sie inzwischen ein etabliertes Werkzeug, und die Anbieterlandschaft im deutschsprachigen Raum ist entsprechend gewachsen.

Häufige Fragen

Wie funktioniert eine Reinigungsdrohne mit Hochdruckreiniger?

Die Drohne trägt eine Düse und einen Schlauch, das Wasser kommt von einer Versorgungsstation am Boden. Dort stehen Pumpe, Wasseraufbereitung und Tank, die Drohne führt lediglich das Schlauchende an die Fläche. Sie ist damit ein fliegender Düsenhalter statt eines fliegenden Hochdruckreinigers, denn Pumpe und Wassermenge wären als Nutzlast nicht zu tragen.

Mit wie viel Druck arbeitet eine Reinigungsdrohne?

Die Angaben der Anbieter liegen zwischen etwa 200 und 350 bar an der Versorgungsstation. CopterClean nennt bis zu 200 bar am Schlauchende, MK-PowerClean gibt eine Druckbeständigkeit bis 300 bar an, WINDRON nennt für die Versorgungsstation bis 350 bar und Heißwasser bis 90 Grad. Gearbeitet wird oft mit deutlich weniger, weil der Untergrund den Druck begrenzt.

Wie hoch kann eine Reinigungsdrohne arbeiten?

Die Grenze setzt in der Praxis der Schlauch. CopterClean führt einen 50-Meter-Hochdruckschlauch mit, was etwa der Höhe eines Gebäudes mit 15 Geschossen entspricht. Rechtlich kommt die 120-Meter-Grenze der Offenen Kategorie dazu, für höhere Bauwerke ist eine Erlaubnis nötig.

Wie schnell reinigt eine Drohne eine Fassade?

Die Anbieter nennen Flächenleistungen zwischen etwa 600 und 1.000 Quadratmetern pro Stunde. CopterClean gibt bis zu 600 m²/h an, WINDRON bis zu 1.000 m²/h. Die tatsächliche Leistung hängt stark vom Verschmutzungsgrad, vom Untergrund und davon ab, wie viel Umsetzen der Bodenstation nötig ist.

Was macht der Rückstoß der Düse mit der Drohne?

Jede Düse erzeugt eine Rückstoßkraft entgegen der Strahlrichtung, und die wirkt auf die Drohne wie ein dauerhafter seitlicher Wind. Die Systeme fangen das über Düsenanordnung, Fluglageregelung und die Masse der Maschine ab. Genau deshalb sind Reinigungsdrohnen deutlich schwerer und stärker motorisiert als Kameradrohnen.

Kann ich mir eine Reinigungsdrohne für das eigene Haus kaufen?

Praktisch nicht sinnvoll. Es handelt sich um professionelle Systeme mit Versorgungsstation, Wasseraufbereitung und eigener Einweisung, die im fünfstelligen Bereich liegen und meist als Dienstleistung angeboten werden. Für ein Einfamilienhaus rechnet sich die Anschaffung nicht, für Reinigungsbetriebe und Gebäudedienstleister dagegen schon.

Ist Fassadenreinigung per Drohne günstiger als ein Gerüst?

Anbieter nennen Einsparungen von bis zu 60 Prozent gegenüber Gerüst oder Hubsteiger. Der Grund liegt weniger im Reinigen selbst als im Aufbau: Gerüst stellen, Genehmigung für die Gehwegsperrung, Standzeit und Abbau entfallen. Belastbar ist der Vergleich nur im Einzelfall, weil er stark von Gebäudeform und Zugänglichkeit abhängt.

Welche Genehmigungen braucht eine Reinigungsdrohne?

Der Betrieb ist gewerblich, damit sind eine gewerbliche Luftfahrt-Haftpflicht und der passende Kompetenznachweis Pflicht. Wegen des Gewichts und weil über oder nahe an Gebäuden mit Menschen gearbeitet wird, verlässt der Einsatz häufig die Offene Kategorie und läuft über eine Betriebsgenehmigung in der Speziellen Kategorie.

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