Das Wichtigste in Kürze
- DJI O4 Jello hat zwei Ursachen: Propeller-Vibration, die über den Rahmen zur Kamera läuft, und eine Resonanz im Lagesensor der Kamera.
- Das Fehlerbild verrät die Ursache: Wabert schon die Brille, ist es mechanisch. Ist die Brille ruhig und nur die Aufnahme unruhig, ist es die Resonanz.
- Resonanz entsteht bei 24 kHz: So schalten viele Regler, der Sensor liegt laut DJI bei 24 bis 30 kHz. Abhilfe: 48 oder 96 kHz.
- Weich lagern: Die kleine O4 Air Unit braucht laut DJI ein weicheres Dämpfungsmaterial als die O4 Air Unit Pro.
- Kamerakabel frei führen: Liegt es am Rahmen an, überbrückt es jede Dämpfung.
Was Jello im O4-Video ist
Jello beschreibt ein Wabern im Bild: Gerade Kanten werden wellig, Hausdächer und Baumstämme schwingen, als stünde das Bild auf Wackelpudding. Die Ursache liegt im Aufbau des Sensors. Er belichtet und liest das Bild Zeile für Zeile aus, von oben nach unten. Schwingt die Kamera während dieses Vorgangs, sitzen die Zeilen leicht gegeneinander verschoben, und das Bild verzieht sich.
Bei der O4 kommt eine zweite Form hinzu. Die Kamera trägt einen eigenen Lagesensor (IMU), dessen Daten die elektronische Stabilisierung RockSteady nutzt. Bekommt dieser Sensor ein gestörtes Signal, rechnet die Stabilisierung gegen Bewegungen, die es nie gab. Das Ergebnis ist ein feines Zittern oder Springen, das nur in der stabilisierten Aufnahme auftaucht.
Beide Fehlerbilder sehen ähnlich aus, haben aber verschiedene Abhilfen. Wer sie auseinanderhält, spart sich das Herumprobieren.
Zwei Fehlerbilder, zwei Ursachen
DJI beschreibt im FAQ zur O4-Serie beide Fälle getrennt:
| Fehlerbild | Ursache laut DJI | Abhilfe |
|---|---|---|
| Wabern in Brille und Aufnahme | Propeller-Vibration erreicht die Kamera über den Rahmen | Kamera weicher lagern, Propeller und Motoren prüfen |
| Brille sauber, nur die stabilisierte Aufnahme zittert | ESC-PWM von 24 kHz trifft die IMU-Frequenz der Kamera (etwa 24 bis 30 kHz) | PWM-Frequenz auf 48 oder 96 kHz, weicheres Dämpfungsmaterial |
Der zweite Fall ist der tückischere. Im Flug wirkt alles in Ordnung, erst am Rechner zeigt sich das Problem. RockSteady arbeitet auf der Datei, die die Air Unit aufzeichnet, und genau dort fließen die gestörten Gyro-Daten ein.

Bei 24 kHz liegt die Schaltfrequenz der Regler im Bereich des Kamera-Lagesensors. Mit 48 oder 96 kHz liegt sie weit daneben.
Der Test ohne Propeller
Bevor du Teile tauschst oder Einstellungen änderst, klärt ein kurzer Test am Boden, welches Fehlerbild vorliegt. Das Vorgehen beschreiben mehrere FPV-Ratgeber übereinstimmend:
- Propeller abnehmen. Ohne Propeller lässt sich der Kopter gefahrlos auf dem Tisch scharf schalten.
- RockSteady einschalten und in der Brille die Aufnahme starten.
- Scharf schalten und Gas langsam hochziehen, bis Vollgas, und dabei das Livebild beobachten.
- Livebild zittert: Die Kamera sitzt zu locker, oder der Halter schwingt mit. Erst die Mechanik in Ordnung bringen.
- Livebild ruhig, Aufnahme unruhig: Das ist die IMU-Resonanz. Hier helfen PWM-Frequenz und weichere Dämpfung.
Ohne Propeller fehlt die Vibration aus unwuchtigen oder beschädigten Blättern. Ist der Test sauber und das Wabern im Flug trotzdem da, liegt die Ursache bei den Propellern, beim Rahmen oder im Zusammenspiel von beidem.
Ursache 1: die PWM-Frequenz der Regler
Der Regler (ESC) steuert die Motoren, indem er die Spannung an den Wicklungen sehr schnell ein- und ausschaltet. Die Zahl dieser Schaltvorgänge pro Sekunde ist die PWM-Frequenz. Laut DJI liegt sie standardmäßig bei 24 kHz, der Lagesensor der O4-Kamera arbeitet bei etwa 24 bis 30 kHz. Beide Frequenzen liegen damit übereinander, und die elektrischen und mechanischen Störungen der Regler landen in den Gyro-Daten der Kamera.
DJI nennt als Abhilfe 48 kHz oder 96 kHz. Ob du die Frequenz ändern kannst, entscheidet die Firmware deiner Regler:
| Regler-Firmware | PWM-Frequenz | Was du tun kannst |
|---|---|---|
| BLHeli_S | fest 24 kHz | auf Bluejay flashen oder über die Dämpfung lösen |
| Bluejay | wählbar, bis 48 kHz | 48 kHz einstellen |
| AM32 | frei einstellbar, auch deutlich höher | 48 oder 96 kHz einstellen |
| BLHeli_32 | einstellbar | 48 kHz einstellen |
Eingestellt wird im ESC-Konfigurator, den du über den Flight Controller im Passthrough-Modus erreichst. Wie das geht und welche Firmware auf welchem Regler läuft, steht im Ratgeber Betaflight ESC Configurator. Nach der Umstellung lohnt ein kurzer Testflug mit anschließendem Griff an die Motoren: Sind sie deutlich wärmer als vorher, passt die neue Einstellung nicht zu deinem Antrieb.
Ursache 2: Vibration erreicht die Kamera
Motoren und Propeller erzeugen immer Schwingungen. Entscheidend ist, wie viel davon an der Kamera ankommt. DJI rät von einer starren Befestigung ab und empfiehlt weiches Dämpfungsmaterial zwischen Kamera und Rahmen. Drei Punkte machen dabei den Unterschied:
Weiches Material. Praxis-Ratgeber nennen für die O4 eine Shore-Härte von 50 A oder weniger, also weiche Silikonpuffer oder dünnwandige TPU-Halter. Laut DJI braucht die kleine O4 Air Unit dabei ein weicheres Material als die O4 Air Unit Pro. Der Grund liegt in der Masse: Die kleine Kamera wiegt nur wenige Gramm, und ein harter Puffer federt bei so wenig Gewicht kaum ein. Einige Hersteller bieten fertige Dämpfungssätze mit vier Gummikugeln für die O4-Kamera an.
Schrauben nicht festknallen. Ein Softmount wirkt nur, wenn er sich bewegen darf. Wird die Kamera so stark angezogen, dass die Puffer zusammengepresst sind, arbeitet die Halterung wie ein starrer Block.
Kabel frei führen. Das Koaxialkabel zwischen Kamera und Übertragungsmodul ist kurz und steif. Berührt es den Rahmen, überträgt es Vibrationen an der Dämpfung vorbei direkt in die Kamera. Das Kabel sollte frei hängen. DJI warnt zugleich davor, es stark zu knicken oder um mehr als 90 Grad zu verdrehen. Manche Piloten lösen die Schutzfolie am Stecker, um das Kabel weicher zu machen, das erhöht allerdings das Risiko, es zu beschädigen.
Wo die Vibration herkommt
Eine gute Dämpfung gleicht viel aus, aber sie kann eine starke Quelle nur bremsen. Wer Jello dauerhaft loswerden will, prüft auch die Ursachen am Antrieb:
| Quelle | woran du sie erkennst | was hilft |
|---|---|---|
| Propeller mit Kerbe oder Verzug | Wabern nach einem Crash, oft nur bei bestimmten Gasstellungen | Propellersatz tauschen, nie einzeln |
| Motorlager | Motor dreht von Hand rau oder knirscht | Motor tauschen |
| verbogene Motorwelle | Propeller eiert sichtbar beim langsamen Drehen | Welle oder Motor tauschen |
| lose Schrauben | Wabern tritt plötzlich auf, ohne Crash | Rahmen- und Motorschrauben nachziehen |
| Rahmenresonanz | Wabern bei genau einer Drehzahl | Rahmenteile auf Risse prüfen, Gewicht anders verteilen |
| Filter und PID | Motoren werden heiß, Kopter klingt rau | Filter prüfen, RPM-Filter mit bidirektionalem DShot nutzen |
Bei Whoops und Cinewhoops lohnt der Blick auf die Ducts. Ein verformter Ring verändert den Spalt zum Propeller und kann eine gleichmäßige Vibration auslösen.
O4 Air Unit Pro: der neue Gyro-Chip
Bei der O4 Air Unit Pro hat DJI im Lauf der Produktion den Lagesensor der Kamera gewechselt. Laut einem Bericht des FPV-Portals Oscar Liang betrifft das vor allem Einheiten, die ab Februar 2026 gefertigt wurden. Der neue Chip ist derselbe wie in der kleinen O4 Air Unit. DJI nennt ihn präziser, rauschärmer und stabiler bei Temperaturwechseln.
Auf manchen Aufbauten, die mit der älteren Pro sauber liefen, zeigen die neueren Einheiten trotzdem unruhige Aufnahmen. Die Abhilfen sind dieselben wie oben: Firmware von Air Unit und Brille aktualisieren, die Kamera weicher lagern und die PWM-Frequenz auf 48 kHz stellen. Das Produktionsdatum lässt sich laut Oscar Liang aus der Seriennummer ablesen.
Was die beiden O4-Varianten sonst unterscheidet, von Sensorgröße bis Gewicht, steht in der Rezension der DJI O4 Air Unit.
RockSteady oder Gyroflow
Die O4 bietet zwei Wege zur Stabilisierung, und beide reagieren unterschiedlich auf Störungen.
RockSteady läuft direkt in der Air Unit. Eingeschaltet wird es in der Brille über die Einstellung zur Aufnahme-Stabilisierung. Die Aufnahme ist sofort fertig, die Stabilisierung lässt sich aber nachträglich nicht korrigieren. Stören Vibrationen die Gyro-Daten, steckt das Zittern fest im Video.
Gyroflow ist eine freie Software, die erst am Rechner stabilisiert. Dafür wird die Stabilisierung in der Brille ausgeschaltet, die O4 speichert die Gyro-Daten dann in der Videodatei. Gyroflow bringt fertige Objektivprofile für die O4 mit, eine Synchronisation von Hand entfällt. Der Vorteil bei Jello: Zeigt die stabilisierte Fassung Zittern, lässt sich in Gyroflow ein Tiefpassfilter auf die Bewegungsdaten legen, der die hochfrequenten Anteile ausblendet. Für die O4 empfehlen Anleitungen dazu das Seitenverhältnis 4:3 und das Sichtfeld Wide, damit Gyroflow beim Stabilisieren genug Bildrand zum Beschneiden hat.
Echtes Rolling-Shutter-Wabern aus starker mechanischer Vibration kann keine der beiden Methoden vollständig herausrechnen. Die Ursache am Kopter zu beheben, bleibt der erste Schritt.
Fazit: erst testen, dann schrauben
Jello bei der O4 lässt sich fast immer einer von zwei Ursachen zuordnen, und der Test ohne Propeller zeigt in wenigen Minuten, welche es ist. Wabert schon die Brille, geht es um die Mechanik: weicher lagern, Kabel frei führen, Propeller und Motoren prüfen. Ist die Brille ruhig und nur die Aufnahme unruhig, liegt die Schaltfrequenz der Regler im Bereich des Kamera-Sensors. Dann bringen 48 oder 96 kHz im ESC-Konfigurator die schnellste Besserung. Wer zusätzlich mit Gyroflow arbeitet, hat am Rechner noch eine Reserve für den Rest.
Häufige Fragen
Was ist Jello im FPV-Video?
Jello ist ein Wabern im Bild, bei dem gerade Linien wellig werden und das ganze Bild wie Wackelpudding schwingt. Es entsteht, weil der Kamerasensor das Bild Zeile für Zeile ausliest. Vibriert die Kamera während dieses Auslesens, landen die Zeilen leicht versetzt im Bild. Bei der O4 kommt eine zweite Form dazu: Die elektronische Stabilisierung rechnet auf Basis gestörter Gyro-Daten und erzeugt selbst ein Zittern.
Warum ist das Bild in der Brille sauber, die Aufnahme aber nicht?
Das ist laut DJI das typische Zeichen für eine Resonanz im Lagesensor der Kamera. Die ESC arbeiten oft mit einer PWM-Frequenz von 24 kHz, der Sensor in der Kamera liegt bei etwa 24 bis 30 kHz. Die Störung gelangt in die Gyro-Daten, und RockSteady stabilisiert die Aufnahme dann falsch. Im Livebild fällt das nicht auf, weil die Störung erst über die Stabilisierung der aufgezeichneten Datei sichtbar wird.
Welche PWM-Frequenz sollte ich für die O4 einstellen?
DJI empfiehlt 48 kHz oder 96 kHz statt der verbreiteten 24 kHz. Damit liegt die Schaltfrequenz der Regler außerhalb des Bereichs, auf den der Lagesensor der Kamera empfindlich reagiert. Einstellen lässt sie sich im ESC-Konfigurator, sofern die Regler-Firmware das erlaubt. BLHeli_S arbeitet fest mit 24 kHz, Bluejay und AM32 bieten höhere Werte.
Braucht die O4 Air Unit eine andere Dämpfung als die O4 Air Unit Pro?
Ja. DJI schreibt ausdrücklich, dass die kleine O4 Air Unit ein weicheres Dämpfungsmaterial braucht als die Pro-Version. Die kleine Kamera wiegt nur wenige Gramm, ein harter Gummipuffer schwingt bei dieser geringen Masse kaum mit und leitet die Vibration fast ungefiltert weiter. Weiche Silikonpuffer oder ein TPU-Halter mit dünnen Stegen passen besser.
Hilft Gyroflow gegen Jello?
Gegen das Zittern aus falscher Stabilisierung oft ja, gegen echtes Rolling-Shutter-Wabern nur begrenzt. Für Gyroflow wird die Aufnahme ohne Stabilisierung gemacht, die O4 speichert die Gyro-Daten in der Datei mit. In Gyroflow lässt sich dann ein Tiefpassfilter auf die Bewegungsdaten legen, der hochfrequente Störungen ausblendet. Die mechanische Ursache am Kopter bleibt trotzdem bestehen.
Kann ich Jello auch ohne Propeller erkennen?
Ja, der Test ohne Propeller ist der schnellste Weg zur Ursache. Propeller ab, RockSteady an, Aufnahme starten, scharf schalten und das Gas langsam bis Vollgas hochziehen. Zittert schon das Livebild, sitzt die Kamera zu lose oder schwingt mit. Ist das Livebild ruhig und nur die Aufnahme unruhig, liegt die Ursache bei PWM-Frequenz oder Dämpfung.
Verursacht das Kamerakabel Jello?
Es kann. Das Koaxialkabel zwischen Kamera und Übertragungsmodul ist kurz und recht steif. Liegt es am Rahmen an, überbrückt es die Dämpfung und leitet Vibrationen direkt zur Kamera. Das Kabel sollte deshalb frei hängen und nichts berühren. DJI warnt zugleich davor, es stark zu knicken oder um mehr als 90 Grad zu verdrehen.