Italien gehört zu den Ländern, in denen die Frage nach dem erlaubten Startplatz wirklich zählt: hohe Flugplatzdichte im Norden und an der Adria, gesperrte Altstädte, dazu Naturparks mit eigenen Regeln. Die Antwort liefert eine einzige Karte, und sie funktioniert anders als die deutsche. Statt eines Verbots oder einer Erlaubnis nennt jede Farbe eine Höhe. Dieser Artikel zeigt, wie du sie liest.
Das Wichtigste in Kürze
- Die amtliche Karte liegt auf d-flight.it, kostenlos und ohne Anmeldung. Rechtsgrundlage sind das Regolamento UAS-IT der ENAC und die Rundverfügung ATM-09A.
- Jede Farbe nennt eine Höhengrenze: Rot sperrt ab 0 m, Orange ab 25 m, Gelb ab 45 m, Celeste ab 60 m. Weiße Flächen lassen die vollen 120 m zu.
- Die Farben liegen als Ringe um Flugplätze, von innen streng nach außen frei. Das Höhenbudget wächst mit dem Abstand.
- Seit dem 16. April 2026 sind Dutzende rote Zonen verschwunden, weil ENAC die Eintragung vieler kleiner Flugfelder aufgehoben hat.
- Grüne Flächen sind Parks und rein informativ. Ihr Verbot steht in der Parkordnung und gilt neben dem Luftrecht.
Was d-flight ist und wofür du es brauchst
d-flight ist die nationale Plattform für den unbemannten Luftverkehr in Italien. Sie erfüllt zwei Aufgaben, die man auseinanderhalten sollte.
Die erste Aufgabe ist die Registrierung italienischer Betreiber samt QR-Code, der am Fluggerät angebracht wird. Dieser Teil geht dich als Urlauber aus Deutschland nichts an: Die Betreiberregistrierung erfolgt im Wohnsitzland und gilt EU-weit, deine e-ID vom Luftfahrt-Bundesamt reicht aus.
Die zweite Aufgabe ist die Luftraumkarte, und genau die brauchst du. Sie stellt die geografischen UAS-Zonen dar, die Italien nach der EU-Verordnung 2019/947 festlegt, und sie ist ohne Konto zugänglich. Wer den rechtlichen Rahmen dahinter sucht, findet ihn im Überblick zu den Drohnen-Regeln in Italien.
Die Farbstaffel: jede Farbe ist eine Höhe
Hier liegt der Unterschied zur deutschen dipul-Karte. Dort steht eine Farbe für einen Zonentyp, also für die Art der Beschränkung. In Italien steht sie für eine Höhe in Metern über Grund, ab der die Offene Kategorie gesperrt ist.
| Farbe | Gesperrt ab | Dir bleiben | Typische Lage |
|---|---|---|---|
| Rot | 0 m AGL | kein Flug | Verkehrsflughäfen, Sperrgebiete, Stadtzentren |
| Orange | 25 m AGL | bis 25 m | innerer Ring um Flugplätze |
| Gelb | 45 m AGL | bis 45 m | mittlerer Ring, militärische Tiefflugstrecken |
| Celeste | 60 m AGL | bis 60 m | äußerer Ring |
| Weiß | keine Zone | bis 120 m | reguläre Offene Kategorie |
Die Logik dahinter ist ein Abstandsmodell. Am Flugplatz selbst liegt die rote Fläche, dort startet keine Drohne. Nach außen folgen Orange, Gelb und Celeste als Ringe mit wachsendem Höhenbudget, bis irgendwann die weiße Fläche mit den vollen 120 Metern beginnt. Der Sinn ist der Schutzkorridor für an- und abfliegende Maschinen, die im Nahbereich tiefer stehen als weiter draußen.

Die Farbe ist eine Höhenangabe. Wer das einmal verstanden hat, liest die italienische Karte schneller als die deutsche.
Ein praktisches Beispiel: Du stehst in einer orangen Fläche. Fliegen ist erlaubt, aber nur bis 25 Meter über Grund. Für eine Aufnahme über einem Weinberg reicht das. Für ein Panorama über eine Bucht reicht es selten, weil die Perspektive zu flach bleibt.
Woher die roten Flächen kommen
Die roten Flächen sind die wichtigsten und zugleich die vielfältigsten. Sie entstehen aus mehreren Quellen:
- Verkehrsflughäfen mit ihrem unmittelbaren Umfeld
- militärische Gebiete und Sperrzonen
- Stadtzentren, in Italien besonders großflächig: Rom, Venedig, Florenz und Mailand sind weiträumig gesperrt
- kritische Infrastruktur, etwa Kraftwerke und Häfen
- archäologische Stätten mit eigener Schutzauflage
Die Konsequenz für die Reiseplanung: Wer klassische Städtemotive sucht, wird in Italien fast durchgehend auf Rot stoßen. Frei bleibt in der Regel das Land dazwischen, also Küstenabschnitte ohne Flugplatz, Hügellandschaften und Bergregionen.
Was sich 2026 geändert hat
Eine Nachricht, die in der Praxis spürbar ist: Zum 16. April 2026 hat d-flight Dutzende rote Zonen im gesamten Land gelöscht.
Der Hintergrund ist eine Verwaltungssache mit erfreulichem Ergebnis. ENAC hatte 2024 die Nutzung von Flugfeldern liberalisiert und den Betreibern eine Frist bis zum 8. März 2025 gesetzt, die geforderten Unterlagen einzureichen. Viele Betreiber kleiner Flugfelder, Hubschrauber- und Wasserlandeplätze taten das nicht. Mit der Direktive vom 24. März 2026 hob ENAC deren amtliche Eintragung auf, und mit der Eintragung fiel auch die Schutzzone nach ATM-09A weg.
Für dich heißt das zweierlei. Erstens: Flächen, die in älteren Reiseberichten oder in Forenbeiträgen als gesperrt beschrieben werden, können heute offen sein. Zweitens: Öffne die Karte vor jeder Reise neu, Screenshots aus dem letzten Urlaub taugen als Grundlage nicht mehr. Die Änderung ging in diesem Fall zu deinen Gunsten aus, der umgekehrte Fall ist genauso möglich.
Grüne Flächen: der häufigste Lesefehler
Wenn du die Park-Ebene einblendest, erscheinen grüne Flächen. Sie markieren Nationalparks, Regionalparks und Schutzgebiete und sind ausdrücklich informativ gemeint. Ein luftrechtliches Verbot sprechen sie nicht aus.
Daraus wird häufig der falsche Schluss gezogen, über grünen Flächen dürfe geflogen werden. Tatsächlich verbieten zahlreiche italienische Parkverwaltungen Drohnen über ihre eigene Ordnung, unabhängig vom Luftrecht. Das gilt besonders in den Alpenparks, im Nationalpark Cinque Terre und in den Meeresschutzgebieten.
Die richtige Lesart lautet also: Grün bedeutet, dass hier eine zweite Regelebene existiert, die du selbst nachschlagen musst. Genau wie bei den Naturschutzgebieten in Deutschland, beschrieben im Artikel zur Drohne im Naturschutzgebiet.
Kurzfristige Sperren prüfen
Die dauerhaften Zonen sind die eine Hälfte. Die andere sind kurzfristige Sperren, die über NOTAM veröffentlicht werden und in der Karte erscheinen, sobald sie aktiv sind:
- Großveranstaltungen, Festivals und Sportereignisse
- Staatsbesuche und Gipfeltreffen
- Löscheinsätze, im Sommer besonders in Süditalien und auf den Inseln
- militärische Übungen
Diese Flächen tauchen teils erst wenige Tage vorher auf. Der Blick am Flugtag kostet zwei Minuten und ist der einzige, der zählt.
Die Karte in fünf Schritten bedienen
- d-flight.it öffnen und in den Kartenbereich wechseln. Eine Anmeldung ist dafür nicht nötig.
- Ort suchen über das Suchfeld, per Adresse, Ortsname oder Koordinaten. Alternativ in die Karte zoomen.
- Farbe am Startpunkt ablesen. Rot bedeutet Abbruch, bei allen anderen Farben notierst du die zulässige Höhe.
- In die Fläche klicken. Das Infofenster nennt den Zonentyp, die Rechtsgrundlage und die zuständige Stelle. Es lohnt sich, weil manche Zonen zeitliche Bedingungen tragen.
- Ebenen prüfen. Parks einblenden, aktive NOTAM-Flächen kontrollieren.
Danach kennst du die luftrechtliche Lage. Was die Karte dir nicht abnimmt, sind die Betriebsregeln: Abstand zu unbeteiligten Personen, Sichtkontakt, das Verbot über Menschenansammlungen. Am italienischen Strand im August ist die letzte Regel praktisch immer der Grund, warum ein Start ausfällt.
Die Höhe zählt über Grund, und das ändert alles im Gebirge
Ein Detail, das in Italien besonders oft unterschätzt wird: Alle Werte der Farbstaffel sind AGL-Angaben, also Höhen über dem Grund unter der Drohne. Sie beziehen sich nicht auf den Startpunkt.
In flachem Gelände macht das keinen Unterschied. Am Hang macht es einen sehr großen. Startest du auf einem Grat und fliegst über die Kante ins Tal, wächst dein Abstand zum Boden mit jedem Meter Vorflug, während die Anzeige in der App weiter die Höhe über dem Startpunkt zeigt. Eine Drohne, die 60 Meter über dem Grat steht, kann über dem Tal 400 Meter über Grund sein.
Das betrifft genau die Gegenden, in denen man in Italien fliegen darf: Voralpen, Apennin, die Küstenklippen Liguriens und Sardiniens. Die praktische Regel lautet, den tiefsten Punkt unter der geplanten Flugbahn als Bezug zu nehmen und die Höhe danach zu planen. Die allgemeine Systematik dahinter beschreibt der Beitrag zur Flughöhe bei Drohnen.
Eine Erleichterung gibt es: Wie in der gesamten EU darf über einem Hindernis, das höher als 105 Meter ist, bis 15 Meter über dessen Spitze gestiegen werden, wenn der Betreiber des Hindernisses zustimmt. Für Turmaufnahmen ist das der relevante Weg.
Am Spot ohne Netz: offline vorbereiten
Die d-flight-Karte ist eine Webanwendung und braucht eine Datenverbindung. Genau die fehlt an vielen der interessanten Startplätze: Bergstraßen in den Abruzzen, Küstenabschnitte auf Sardinien, Waldgebiete in der Toskana. Dazu kommen Roaming-Grenzen und leere Akkus.
Die Vorbereitung dauert zwei Minuten:
- Screenshot der Zone mit erkennbarem Ortsnamen und sichtbarer Farbe, gemacht am Morgen des Flugtags.
- Infofenster mitfotografieren. Es enthält Zonentyp und Bedingungen, die du am Spot sonst nicht mehr nachlesen kannst.
- Zulässige Höhe notieren, als Zahl im Notizzettel. Aus der Erinnerung verwechselt man 45 und 60 zuverlässig.
- Alternativspot markieren, falls vor Ort Menschen am Strand stehen oder eine Absperrung auftaucht.
Der Screenshot hat einen zweiten Nutzen. Bei einer Kontrolle zeigt er, dass du die amtliche Quelle geprüft hast. Ein Freibrief ist er nicht, weil er nichts über Höhe, Sichtkontakt und Abstände aussagt, als Nachweis sorgfältiger Vorbereitung wirkt er trotzdem.
Wo die Karte an ihre Grenzen kommt
Drei Dinge stehen nicht drin:
Privatgrund. Ob du auf einer Wiese stehen darfst, entscheidet der Eigentümer. In Italien sind viele attraktive Aussichtspunkte eingezäuntes Agrarland.
Kommunale Verordnungen. Einzelne Gemeinden erlassen eigene Drohnenregeln, etwa für Strandabschnitte oder historische Ortskerne. Diese Ordinanze landen nicht in der Luftraumkarte.
Menschenansammlungen. Ein voller Strand ist keine Zone, er ist eine Situation. Die Regel gilt trotzdem und wird kontrolliert.
Fazit: eine Farbe, eine Zahl, eine Entscheidung
Die d-flight-Karte ist schneller zu lesen, als ihr Ruf vermuten lässt, sobald man den Kern verstanden hat: Die Farbe am Startpunkt ist eine Höhenangabe in Metern. Rot heißt Abbruch, Orange heißt 25, Gelb heißt 45, Celeste heißt 60, Weiß heißt 120.
Damit fällt die Entscheidung am Spot in Sekunden. Der Rest der Vorbereitung liegt in den zwei Ebenen daneben: die Parkordnung, wenn Grün im Spiel ist, und die NOTAM-Lage am Flugtag. Wer beides mitnimmt, findet in Italien außerhalb der Zentren erstaunlich viel offene Fläche, seit dem Frühjahr 2026 sogar spürbar mehr als zuvor. Für den Gesamtüberblick über die Papiere und Bußgelder hilft der Beitrag zu den Drohnen-Regeln in Italien, für die Alpen der zu Südtirol.
Häufige Fragen
Brauche ich ein d-flight-Konto, um die Karte zu sehen?
Nein. Die Kartenansicht auf d-flight.it ist ohne Anmeldung und ohne Gebühr zugänglich, sie läuft im Browser am Rechner wie am Handy. Ein Konto brauchen italienische Betreiber für ihre Registrierung und für den QR-Code am Fluggerät. Als Urlauber aus Deutschland bringst du deine e-ID vom Luftfahrt-Bundesamt mit, sie gilt EU-weit.
Was bedeuten die Farben auf der d-flight-Karte?
Die Farben stehen für die Höhe, ab der die Offene Kategorie gesperrt ist. Rot sperrt ab 0 Metern und bedeutet vollständiges Flugverbot, Orange sperrt ab 25 Metern, Gelb ab 45 Metern und Celeste ab 60 Metern über Grund. Bleibt eine Fläche weiß, gilt die reguläre Grenze von 120 Metern. Die Staffel steht in der ENAC-Rundverfügung ATM-09A.
Wie kommt die Farbstaffel um Flugplätze zustande?
Sie ist ein Abstandsmodell. Direkt am Flugplatz liegt die rote Fläche mit vollständigem Verbot, nach außen folgen Orange, Gelb und Celeste mit jeweils steigendem Höhenbudget, bis der weiße Bereich mit den vollen 120 Metern beginnt. Je weiter du dich vom Platz entfernst, desto höher darfst du steigen. Der Übergang ist an den Farbkanten klar erkennbar.
Was hat sich im April 2026 an der Karte geändert?
Zum 16. April 2026 hat d-flight Dutzende rote Zonen im ganzen Land gelöscht. Grundlage ist eine Direktive der Luftfahrtbehörde ENAC vom 24. März 2026, mit der die amtliche Eintragung zahlreicher Flugfelder, Hubschrauber- und Wasserlandeplätze aufgehoben wurde. Fällt die Infrastruktur weg, entfällt auch ihre Schutzzone. Für Piloten ist damit spürbar mehr Fläche offen als in den Vorjahren.
Zeigt die Karte auch Naturparks?
Ja, über eine eigene Ebene. Grün eingefärbte Flächen markieren Parks und Schutzgebiete und sind rein informativ gedacht, sie sprechen kein luftrechtliches Verbot aus. Das heißt gerade nicht, dass dort geflogen werden darf: Viele Parkverwaltungen verbieten Drohnen über ihre eigene Ordnung. Grün ist also ein Hinweis, dass du die Regeln des Parks nachlesen solltest.
Gilt die Karte auch für Südtirol?
Ja, d-flight deckt das gesamte Staatsgebiet ab, Südtirol eingeschlossen. Dazu kommen dort allerdings Landesregeln und Naturparkordnungen, die über das Luftrecht hinausgehen und in der Karte nicht vollständig abgebildet sind. Wer in den Dolomiten fliegen will, prüft deshalb beides: die d-flight-Zone und die Ordnung des jeweiligen Naturparks.
Wie aktuell sind die Zonen?
Die dauerhaften Zonen stammen aus den Datensätzen von ENAC und ENAV und werden bei Änderungen nachgeführt, wie die Streichungen im April 2026 zeigen. Kurzfristige Sperren laufen über NOTAM und können binnen Stunden entstehen, etwa bei Großveranstaltungen, Staatsbesuchen oder Löscheinsätzen. Eine Fläche, die gestern weiß war, kann heute gesperrt sein. Prüfe deshalb am Flugtag.
Was kostet ein Verstoß in Italien?
ENAC ahndet Verstöße im Rahmen des Codice della Navigazione, die Bußgelder beginnen im unteren vierstelligen Bereich und können bei Flügen über Menschenmengen oder in gesperrtem Luftraum deutlich höher ausfallen. Dazu kommt die Sicherstellung des Geräts. Die Kontrolldichte ist in touristischen Zentren und an Stränden am höchsten.