Revell kennen die meisten von Plastikbausätzen aus dem Kaufhausregal. Unter dem Namen Revell Control läuft daneben seit Jahren eine RC-Sparte, und darin stecken fünf Drohnen mit Kamera, deren technische Unterschiede größer sind, als die einheitliche Verpackungsgestaltung vermuten lässt.
Das Wichtigste in Kürze
- Fünf Kameramodelle: Go! Video, Go! Video 2.0, Go! Video Pro 2.0, Pocket Drone und Navigator NXT.
- Preisspanne: rund 41 bis 199 Euro nach Herstellerangabe.
- Technische Trennlinie: einfache Modelle mit 3,7-V-Zelle und Festkamera gegen Brushless-Modelle mit Gimbal.
- Spitzenmodell: Navigator NXT mit 2,7K, 2-Achsen-Brushless-Gimbal und 25 bis 30 Minuten je Akku, zwei Akkus dabei.
- Pflicht in Deutschland: Registrierung beim LBA, sobald eine Kamera mitfliegt. Ein Kompetenznachweis ist unter 250 g in A1 nicht nötig.
Die fünf Kameramodelle im Überblick
Die folgenden Werte stammen aus den Produktangaben von Revell:
| Modell | Preis laut Revell | Kamera | Antrieb | Flugzeit |
|---|---|---|---|---|
| Go! Video | 40,99 € | integrierte Festkamera | Bürstenmotor, 3,7 V | wenige Minuten |
| Go! Video 2.0 | 51,49 € | integrierte Kamera | 3,7 V, zwei Akkus dabei | zwei Akkuladungen |
| Pocket Drone | 49,99 € | integrierte Kamera | kompaktbauend | wenige Minuten |
| Go! Video Pro 2.0 | 74,99 € | Full HD mit 2-Achsen-Gimbal | brushless | 2 Akkus, zusammen bis 30 min |
| Navigator NXT | 199,00 € | 2,7K mit 2-Achsen-Gimbal | brushless | 25–30 min je Akku, 2 Akkus |
Die Tabelle zeigt den eigentlichen Bruch in der Reihe: Zwischen der Pocket Drone und der Go! Video Pro 2.0 wechselt die Bauart komplett.
Die technische Trennlinie: Bürstenmotor gegen Brushless
Die drei günstigen Modelle arbeiten mit einer 3,7-Volt-Lithiumzelle und einer fest verbauten Kamera ohne Stabilisierung. Das ist die klassische Spielzeugklasse: Sie hebt ab, macht Bilder und übersteht Bruchlandungen, aber das Video wackelt mit jeder Korrektur des Piloten.
Die Go! Video (Artikelnummer 23858) steht beispielhaft dafür. Revell nennt dafür einen wechselbaren 3,7-Volt-LiPo mit USB-Lader, ein 6-Achsen-Gyrosystem, Headless-Mode, Flip-Funktion und drei Geschwindigkeitsstufen. Das sind sinnvolle Ausstattungsmerkmale für den Einstieg, nur ist die Kamera dabei eine Beigabe und kein Werkzeug.
Ab der Go! Video Pro 2.0 ändert sich das grundlegend:
- Bürstenlose Motoren statt Bürstenmotoren. Sie laufen leiser, effizienter und deutlich länger, bevor sie verschleißen.
- Zwei-Achsen-Gimbal, der Nick- und Rollbewegungen mechanisch ausgleicht. Erst dadurch entsteht ruhiges Video.
- Optischer Flusssensor für eine stabile Fluglage ohne Satellitenortung.
- FPV-Übertragung auf das Smartphone über die App.
- Faltbares Design mit Softcell-Transporttasche und zwei Akkus für zusammen bis zu 30 Minuten.
Der optische Flusssensor ist dabei genau die Zwischenstufe, die viele mit GPS verwechseln: Er hält die Drohne über strukturiertem Boden in geringer Höhe still, verliert draußen bei mehr Höhe aber den Halt. Was das praktisch bedeutet, steht im Artikel Mini-Drohne mit GPS.
Unterhalb von rund 80 Euro deckt Revell die Kameradrohnen-Spur breit ab, oberhalb von 150 Euro trifft der Navigator NXT auf Modelle mit Satellitenortung.
Navigator NXT: das Spitzenmodell im Detail
Der Navigator NXT ist mit 199 Euro nach Herstellerangabe das teuerste Modell der Reihe und technisch das ambitionierteste. Revell nennt dafür:
| Merkmal | Angabe von Revell |
|---|---|
| Kamera | 2,7K |
| Stabilisierung | 2-Achsen-Brushless-Gimbal |
| Motoren | bürstenlos |
| Flugzeit | 25 bis 30 min je Akku |
| Lieferumfang | zwei Akkus, USB-Lader, Ersatzrotoren, Softcell-Box |
| Flugmodi | Follow-Me, Orbit, Wegpunkte |
| Steuerung | Fernsteuerung plus App für iOS und Android |
| Länge | 265 mm |
| Altersfreigabe | ab 14 Jahren |
| Klasse | C0 laut Revell |
Zwei Punkte bleiben offen, und beide sind kaufentscheidend.
Das Startgewicht weist Revell nicht aus. Bei 265 Millimetern Diagonale, bürstenlosen Motoren, einem Brushless-Gimbal und zwei Akkus im Lieferumfang ist die Angabe C0, also unter 250 Gramm, nicht von selbst plausibel. Wer sicher unter der Grenze bleiben will, sollte die Drohne nach dem Auspacken startfertig auf eine Küchenwaage stellen. Das ist keine Schikane: An dieser Zahl hängt, ob du in A1 ohne Kompetenznachweis fliegen darfst.
Die Ortungstechnik ist nicht benannt. Follow-Me, Orbit und Wegpunktflug setzen eine Positionsbestimmung voraus, Revell nennt aber keine Satellitensysteme. Ohne diese Angabe lässt sich nicht sagen, ob im Ernstfall ein echter Rückflug zum Startpunkt möglich ist.
Wo die Reihe stark ist und wo es eng wird
Unter 80 Euro hat Revell echte Argumente. Die Modelle sind in Deutschland breit verfügbar, Ersatzrotoren liegen bei, die Anleitungen sind auf Deutsch, und der Hersteller ist über den Kundenservice erreichbar. Für ein Geschenk, für den ersten Kontakt mit dem Fliegen und für den Garten ist das eine solide Grundlage. Die Go! Video Pro 2.0* ist dabei das interessanteste Modell, weil sie bürstenlose Motoren und einen Gimbal in eine Preisklasse bringt, in der beides selten ist.
Ab 150 Euro wird die Luft dünner. In diesem Bereich stehen Modelle, die ihre Satellitensysteme namentlich ausweisen und eine Rückkehrfunktion mitbringen:
- Die DJI Neo* mit 135 Gramm, vier Satellitensystemen und 18 Minuten Flugzeit.
- Die Holy Stone HS175D* mit 215 Gramm, GPS-Rückkehr und zwei Akkus für zusammen 46 Minuten.
- Die DJI Mini 4K* mit 246 Gramm, mechanischem 3-Achsen-Gimbal und 31 Minuten.
Das spricht nicht gegen den Navigator NXT, macht aber die Vergleichsfrage konkret: Zwei Akkus im Karton gegen ausgewiesene Satellitenortung und einen dritten Gimbal-Freiheitsgrad.
Was rechtlich gilt, unabhängig vom Modell
Alle fünf Modelle tragen eine Kamera, und daran hängen zwei Pflichten in Deutschland:
- Registrierung als UAS-Betreiber. Sie ist Pflicht, sobald die Drohne einen Sensor hat, der personenbezogene Daten erfassen kann. Die Betreibernummer vom Luftfahrt-Bundesamt gehört sichtbar an die Drohne, auch bei einem 41-Euro-Modell.
- Betriebsregeln der Unterkategorie A1. Unter 250 Gramm heißt das: kein Überfliegen von Menschenansammlungen, Sichtkontakt halten, maximal 120 Meter Höhe und die Flugverbotszonen beachten.
Ein Kompetenznachweis A1/A3 ist unter 250 Gramm in A1 nicht vorgeschrieben. Sobald das Startgewicht darüber liegt, ändert sich das, weshalb die Waage beim Navigator NXT mehr als eine Formalie ist.
Die Altersfreigabe ab 14 Jahren ist eine Herstellerangabe zur Produktsicherheit. Luftrechtlich gilt für den Betrieb in A1 und A3 ein Mindestalter von 16 Jahren; jüngere Piloten dürfen unter Aufsicht einer registrierten Person mit ausreichender Kompetenz fliegen.
Empfehlung nach Einsatzzweck
Geschenk für den Einstieg, robust und günstig: Go! Video oder Go! Video 2.0. Die Kamera ist eine Zugabe, das Fliegen steht im Vordergrund.
Erste Drohne, von der Videos übrig bleiben sollen: die Go! Video Pro 2.0*. Gimbal und bürstenlose Motoren sind hier der entscheidende Unterschied, nicht die Auflösung.
Regelmäßig draußen filmen, Wert auf Rückkehrfunktion: In dieser Preisklasse lohnt der Blick auf Modelle mit ausgewiesenen Satellitensystemen. Welche Kriterien dabei zählen, führt der Artikel Drohne kaufen: worauf achten aus.
Fliegen in der Wohnung: Hier sind kleine Modelle mit Rotorschutz im Vorteil. Was drinnen funktioniert, klärt der Artikel Mini-Drohne für zuhause.
Fazit: stark im Einstieg, offene Fragen an der Spitze
Revell Control deckt den Bereich bis rund 80 Euro mit gut ausgestatteten Einsteigerdrohnen ab, und die Go! Video Pro 2.0 bringt mit bürstenlosen Motoren und Gimbal mehr mit, als der Preis erwarten lässt.
Beim Navigator NXT hängt die Kaufentscheidung an zwei Angaben, die Revell offenlässt: Startgewicht und Ortungstechnik. Wer beides braucht, sollte vor dem Kauf nachfragen oder zu einem Modell greifen, das die Werte ausweist. Wer vor allem eine gut verfügbare, deutschsprachig betreute Einsteigerdrohne sucht, liegt bei Revell richtig.
Häufige Fragen
Welche Revell-Drohnen haben eine Kamera?
Revell Control führt aktuell fünf Modelle mit Kamera: Go! Video, Go! Video 2.0, Go! Video Pro 2.0, Pocket Drone und den Navigator NXT. Die Preise reichen nach Herstellerangabe von rund 41 Euro für die Go! Video bis 199 Euro für den Navigator NXT. Die übrigen Quadrocopter der Reihe, etwa Fizz, Froxxic, Marathon oder Magic Mover, fliegen ohne Kamera.
Welche Revell-Drohne hat die beste Kamera?
Der Navigator NXT mit 2,7K-Auflösung und einem 2-Achsen-Brushless-Gimbal. Er ist zugleich das einzige Modell der Reihe, das mechanische Stabilisierung mit dieser Auflösung verbindet. Darunter folgt die Go! Video Pro 2.0 mit Full HD und ebenfalls einem 2-Achsen-Gimbal, allerdings zu einem deutlich niedrigeren Preis.
Brauche ich für eine Revell-Drohne mit Kamera einen Führerschein?
Für den Betrieb in der Unterkategorie A1 nicht, solange das Startgewicht unter 250 Gramm bleibt. Registrieren musst du dich aber in jedem Fall: Sobald eine Kamera an Bord ist, brauchst du eine UAS-Betreibernummer beim Luftfahrt-Bundesamt und musst sie an der Drohne anbringen. Das gilt auch für die günstigen Modelle unter 50 Euro.
Was bedeutet die Angabe "Drohnenklasse C0" bei Revell?
Revell ordnet seine Kameramodelle der Klasse C0 zu, also der leichtesten Klasse der EU-Drohnenverordnung mit einer Obergrenze von 250 Gramm. Entscheidend für dich ist, ob das C0-Label physisch auf der Drohne klebt. Ist es vorhanden, gilt die Klasse. Fehlt es, gilt die Einstufung nach Startgewicht, was unter 250 Gramm in A1 praktisch dieselben Freiheiten bedeutet.
Fliegt eine Revell-Drohne mit GPS?
Bei den kleinen Modellen nein, dort sorgt bestenfalls ein optischer Flusssensor für eine stabile Lage, wie Revell es bei der Go! Video Pro 2.0 beschreibt. Für den Navigator NXT nennt Revell Follow-Me, Orbitalflug und Wegpunkte, ohne die verbaute Ortungstechnik im Detail auszuweisen. Wer sicher GPS haben will, prüft vor dem Kauf das Datenblatt oder greift zu einem Modell, das Satellitensysteme namentlich nennt.
Wie lange fliegt eine Revell-Kameradrohne?
Das hängt stark am Modell. Die kleinen Quadrocopter mit einzelner 3,7-Volt-Zelle kommen in den Bereich weniger Minuten. Die Go! Video Pro 2.0 nennt Revell mit zwei Akkus für bis zu 30 Minuten zusammen, der Navigator NXT mit 25 bis 30 Minuten je Akku und zwei mitgelieferten Akkus, also rund einer Stunde insgesamt.
Ab welchem Alter sind Revell-Kameradrohnen freigegeben?
Revell gibt die Kameramodelle durchgehend ab 14 Jahren frei. Das ist eine Herstellerangabe zur Produktsicherheit und unabhängig von den Luftrechtsregeln. Rechtlich gibt es für den Betrieb in A1 und A3 ein Mindestalter von 16 Jahren, jüngere Piloten dürfen unter Aufsicht einer registrierten Person mit ausreichender Kompetenz fliegen.
Lohnt sich der Navigator NXT gegenüber einer DJI Mini 4K?
Das hängt davon ab, was du erwartest. Der Navigator NXT bringt einen zweiten Akku mit und liegt im Preis darunter. Die DJI Mini 4K nennt dagegen drei Satellitensysteme, einen mechanischen 3-Achsen-Gimbal und eine Übertragung über das O4-System. Wer regelmäßig draußen filmt und Wert auf eine Rückkehrfunktion legt, bekommt bei DJI die vollständigeren Angaben.