Hasselblad-Kamera in der Drohne: Technik und Modelle

Welche DJI-Drohnen eine Hasselblad-Kamera haben, was hinter dem Namen und der Natural Colour Solution steckt und warum der 4/3-Sensor der eigentliche Unterschied ist.

Kameradrohnen Veröffentlicht am 5 Min. Lesezeit

Auf dem Gimbal der teuren DJI-Modelle steht ein Name, der aus einer anderen Welt kommt: Hasselblad, eine schwedische Kameramanufaktur mit Mittelformat-Tradition. Was davon echte Technik ist und was der Name für das Bild bedeutet, lässt sich an Zahlen festmachen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Hasselblad steckt in der Mavic-Oberklasse: Mavic 3, 3 Classic, 3 Pro und Mavic 4 Pro, jeweils auf 4/3-Zoll-Sensor.
  • Erstes Modell war die Mavic 2 Pro mit 1-Zoll-Sensor und dem Objektiv L1D-20c.
  • HNCS ist die Farbabstimmung von Hasselblad, sie spart Farbkorrektur im Schnitt.
  • Der Hauptunterschied ist die Fläche: 225 mm² beim 4/3-Sensor gegen 116 mm² bei 1 Zoll.
  • Air- und Mini-Serie nutzen DJI-eigene Kameras, dort erscheint der Name nicht.

Wer Hasselblad ist

Die Firma wurde 1941 in Göteborg gegründet und baute Kameras im Mittelformat für Profis. Bekannt wurde sie durch ein Detail der Raumfahrtgeschichte: Die NASA nutzte modifizierte Hasselblad-Kameras auf den Apollo-Missionen, die Bilder von der Mondoberfläche entstanden mit dieser Technik.

Das Geschäft von Hasselblad ist bis heute die Kamera für den professionellen Einsatz, mit Sensoren, die deutlich größer sind als alles, was in eine Drohne passt. Der Ruf der Marke stützt sich auf Farbwiedergabe und Objektivqualität, weniger auf technische Höchstwerte im Datenblatt.

Was DJI mit Hasselblad verbindet

DJI beteiligte sich an dem Unternehmen und hält seit 2017 die Mehrheit. Hasselblad tritt weiterhin mit eigenen Kameras am Markt auf, arbeitet für die Drohnen aber an zwei Stellen mit:

Diese Aufteilung erklärt, warum der Name auf Drohnen anderer Hersteller niemals auftaucht.

Welche Drohnen eine Hasselblad-Kamera haben

ModellSensorOptikAuflösung Foto
Mavic 4 Pro4/3 ZollHasselblad100 MP
Mavic 3 Pro4/3 ZollHasselblad20 MP
Mavic 34/3 ZollHasselblad L2D-20c20 MP
Mavic 3 Classic4/3 ZollHasselblad L2D-20c20 MP
Mavic 2 Pro (ältere Generation)1 ZollHasselblad L1D-20c20 MP

Die Mavic 4 Pro ist der Sprung in der Auflösung: Sie bringt laut Datenblatt 100 MP auf dem 4/3-Zoll-Format unter, während die Mavic-3-Familie bei 20 MP bleibt. Alle Modelle der Tabelle haben eine verstellbare Blende, was in dieser Geräteklasse ungewöhnlich ist.

Sensorfläche: der eigentliche Unterschied

Maßstäblicher Flächenvergleich der Sensorformate 4/3 Zoll mit 225 Quadratmillimetern, 1 Zoll mit 116, 1/1,3 Zoll mit 72 und 1/2,3 Zoll mit 28 Quadratmillimetern, dazu die Zuordnung der DJI-Modelle je Klasse.

Der Hasselblad-Name sitzt bei DJI immer auf der größten Fläche. Diese Fläche erklärt den Bildvorteil besser als die Marke.

Die Fläche entscheidet, wie viel Licht pro Pixel ankommt. Aus diesem Zusammenhang folgen die drei Vorteile, die im Material sichtbar werden:

Wie sich Sensorgröße auf das fertige Bild auswirkt, ordnet auch der Ratgeber Drohne mit Gimbal für die Stabilisierungsseite ein.

Was HNCS praktisch bedeutet

Jeder Sensor liefert zunächst reine Messwerte. Die Übersetzung in Farben übernimmt ein Farbprofil, und dort unterscheiden sich die Hersteller deutlich voneinander. HNCS ist Hasselblads Antwort auf diese Aufgabe, entwickelt für Kameras, mit denen Porträts und Produktbilder entstehen.

Auf der Drohne zeigt sich das an drei Stellen:

  1. Hauttöne kippen seltener ins Orange, was bei Aufnahmen von Menschen an Land oder am Wasser auffällt.
  2. Grün bleibt differenziert, statt in einen Farbton zu fallen. Für Wald- und Wiesenaufnahmen ist das der sichtbarste Punkt.
  3. Der Ausgangspunkt für die Nachbearbeitung ist neutral. Wer in D-Log filmt und anschließend gradet, arbeitet mit weniger Korrekturen. Der Ratgeber Drohnenvideos bearbeiten zeigt den Ablauf.

Für Fotos in JPEG bedeutet HNCS den größten Effekt, weil dort die Farbentscheidung endgültig in die Datei geschrieben wird.

Warum Air- und Mini-Serie ohne Hasselblad auskommen

DJI staffelt die Optik nach Modellklasse. Die Air 3S nutzt einen 1-Zoll-Weitwinkel und eine Telekamera aus eigener Entwicklung, die Mini 5 Pro einen 1-Zoll-Sensor mit 50 MP, die Mini 4 Pro einen 1/1,3-Zoll-Sensor.

Der Grund liegt in der Physik der Klasse. Eine Drohne unter 250 g kann keinen 4/3-Sensor samt Objektiv tragen, dafür sind Glas und Gehäuse zu schwer. Wer in der Gewichtsklasse bleiben möchte, bekommt die beste verfügbare Fläche, die dort hineinpasst. Was das für die Bildqualität bedeutet, ordnet der Ratgeber Drohne unter 250 g mit Kamera ein.

Was der Aufpreis kostet, jenseits des Preises

Eine Hasselblad-Drohne bringt Pflichten mit, die in der Mini-Klasse entfallen:

Für wen sich das trägt: Wer in RAW und D-Log arbeitet, das Material gradet und die Bilder groß ausgibt, sieht den Unterschied. Wer für Social Media in 4K filmt, holt aus einem 1-Zoll-Sensor sehr ähnliche Ergebnisse bei halbem Gewicht.

Fazit: Der Name markiert die Klasse

Hasselblad ist bei DJI ein zuverlässiger Wegweiser: Wo der Name steht, sitzt ein 4/3-Zoll-Sensor mit verstellbarer Blende und der Farbabstimmung HNCS. Das ist die Oberklasse der Kameradrohnen, mit allem, was daran hängt, vom Gewicht bis zum Nachweis.

Der Bildvorteil kommt zu einem großen Teil aus der Sensorfläche und wird durch Optik und Farbprofil abgerundet. Wer den Aufpreis abwägt, sollte daher zuerst prüfen, ob er in RAW arbeitet und graded. Fällt die Antwort zweimal ja aus, ist der Weg in die Mavic-Klasse folgerichtig.

Häufige Fragen

Welche DJI-Drohnen haben eine Hasselblad-Kamera?

Die Hasselblad-Optik sitzt bei DJI auf der Mavic-Oberklasse: Mavic 3, Mavic 3 Classic, Mavic 3 Pro und Mavic 4 Pro tragen sie auf einem 4/3-Zoll-Sensor. Erstmals kam sie in der älteren Mavic 2 Pro zum Einsatz, damals auf einem 1-Zoll-Sensor. Die Air- und Mini-Serien haben DJI-eigene Kameras.

Was bedeutet Hasselblad Natural Colour Solution?

HNCS ist ein Farbmanagement, das Hasselblad für seine Mittelformatkameras entwickelt hat. Es legt fest, wie der Sensor gemessene Werte in Farben übersetzt, mit dem Ziel, Hauttöne, Grün und Himmelsblau ohne Nachjustieren glaubwürdig wiederzugeben. Auf den Drohnen bedeutet das weniger Farbkorrektur im Schnitt.

Hat DJI Hasselblad gekauft?

DJI hält seit 2017 die Mehrheit an dem schwedischen Kamerahersteller, Hasselblad tritt weiterhin mit eigenen Mittelformatkameras auf. Die Zusammenarbeit erklärt, warum der Name ausschließlich auf DJI-Drohnen erscheint und bei anderen Herstellern nicht auftaucht.

Ist der Hasselblad-Name mehr als Marketing?

Er steht für zwei nachprüfbare Dinge: das gemeinsam entwickelte Objektiv, bei der Mavic-3-Reihe als L2D-20c bezeichnet, und die HNCS-Farbabstimmung. Der größere Teil des Bildvorteils kommt allerdings vom 4/3-Zoll-Sensor, der unter dieser Optik sitzt.

Wie groß ist ein 4/3-Sensor im Vergleich?

Ein 4/3-Sensor misst 17,3 × 13,0 mm und damit rund 225 mm² Fläche. Ein 1-Zoll-Sensor kommt auf 13,2 × 8,8 mm und 116 mm², ein 1/2,3-Zoll-Sensor auf 28 mm². Der 4/3-Sensor fasst also etwa die doppelte Fläche eines 1-Zoll-Sensors und rund das Achtfache der Einsteigerklasse.

Was bringt die Hasselblad-Kamera im Alltag?

Zwei Dinge fallen im Material auf: mehr Dynamikumfang, bei der Mavic 3 laut Datenblatt bis zu 12,8 Blendenstufen, und ruhigere Bilder bei schwachem Licht, weil größere Pixel weniger verstärkt werden müssen. Beides zeigt sich vor allem in Gegenlicht, zur blauen Stunde und in dunklen Waldpartien.

Warum hat die DJI Air 3S keine Hasselblad-Kamera?

DJI staffelt die Optik nach Klasse. Die Air-Serie nutzt DJI-eigene Kameras, im Fall der Air 3S einen 1-Zoll-Weitwinkel plus Telekamera. Der Aufpreis zur Mavic-Klasse zahlt sich in Sensorfläche, verstellbarer Blende und Hasselblad-Abstimmung aus.

Brauche ich für eine Hasselblad-Drohne einen Drohnenführerschein?

Ja. Alle Modelle mit Hasselblad-Kamera liegen deutlich über 250 g, die Mavic 4 Pro etwa bei 1.063 g in Klasse C2. Damit sind Registrierung und der EU-Kompetenznachweis A1/A3 Pflicht, für den Betrieb in Menschennähe kommt das A2-Fernpilotenzeugnis hinzu.

Nimmt die Hasselblad-Kamera auch RAW auf?

Ja, sie liefert DNG-RAW für Fotos und logarithmische Profile für Video, bei der Mavic-3-Reihe D-Log und HLG. Genau dort entfaltet die HNCS-Abstimmung ihren Nutzen, weil das Ausgangsmaterial farblich neutral bleibt und in der Nachbearbeitung Spielraum lässt.

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