Mit einer 1,2-Kilogramm-Drohne am Ortsrand zu fliegen, scheitert oft an einer einzigen Zahl: 150 Meter Abstand zu jeder Wohnbebauung. Genau dieses Problem löst das A2-Fernpilotenzeugnis, und zwar für eine klar umrissene Gruppe von Piloten. Hier stehen Voraussetzungen, Kosten, Prüfungsinhalte und die Frage, für wen sich der Aufwand rechnet.
Das Wichtigste in Kürze
- Kosten: 30 € LBA-Gebühr plus Prüfstellen-Gebühr, insgesamt üblicherweise 120–380 €.
- Voraussetzung: gültiger Kompetenznachweis A1/A3, praktisches Selbststudium mit Selbsterklärung, Mindestalter 16 Jahre.
- Prüfung: 30 Multiple-Choice-Fragen aus 3 Fachgebieten, Bestehensgrenze 75 % (23 von 30).
- Nutzen: C2-Drohnen bis 4 kg mit 30 m Abstand zu unbeteiligten Personen statt 150 m zur Bebauung, im Langsamflug 5 m.
- Gültigkeit: 5 Jahre, Verlängerung über eine benannte Prüfstelle.
- Kein Nutzen für Drohnen unter 900 g und für Bestandsdrohnen ohne Klassenlabel.
Was der A2 ist und wofür er gedacht ist
Das EU-Fernpilotenzeugnis A2 ist der zweite und höhere Nachweis der Offenen Kategorie, umgangssprachlich der große Drohnenführerschein. Rechtsgrundlage ist die EU-Drohnenverordnung 2019/947, ausgestellt wird er in Deutschland vom Luftfahrt-Bundesamt.
Sein Zweck ist eng gefasst: Er öffnet die Unterkategorie A2. Die liegt genau zwischen den beiden Bereichen, die der kleine Drohnenführerschein abdeckt.
| Unterkategorie | Drohnen | Abstandsregel | Nachweis |
|---|---|---|---|
| A1 | C0, C1 (unter 900 g) | kein Überflug Unbeteiligter | A1/A3 |
| A2 | C2 (unter 4 kg) | 30 m zu Unbeteiligten, 5 m im Langsamflug | A2 |
| A3 | alle bis 25 kg | 150 m zu Wohn-, Gewerbe-, Industrie- und Erholungsgebieten | A1/A3 |
Ohne A2-Zeugnis darf eine C2-Drohne nur in A3 fliegen, also mit dem großen Sicherheitsabstand zu jeder Bebauung. Mit dem Zeugnis wird derselbe Flug am Ortsrand oder auf einem Firmengelände legal möglich.

Der A2 verkleinert den Pflichtabstand von 150 Metern zur Bebauung auf 30 Meter zu Personen, im Langsamflug auf 5 Meter.
Wer den A2 wirklich braucht
Die ehrliche Antwort: die Minderheit der Piloten. Sinnvoll ist der A2, wenn beide Bedingungen zusammenkommen:
- Deine Drohne trägt das Klassenlabel C2, wiegt also zwischen 900 Gramm und 4 Kilogramm.
- Du willst regelmäßig in der Nähe von Bebauung oder Personen arbeiten, etwa bei Dachinspektionen, auf Baustellen oder für Immobilienaufnahmen.
Sparen kannst du dir den A2, wenn einer dieser Punkte zutrifft:
- Deine Drohne wiegt unter 250 Gramm (C0). Sie fliegt in A1 und braucht gar keinen Nachweis.
- Deine Drohne trägt C1 und bleibt unter 900 Gramm. Sie fliegt ebenfalls in A1, der A1/A3-Nachweis genügt.
- Deine Drohne ist eine Bestandsdrohne ohne Klassenlabel ab 250 Gramm. Sie darf seit dem 1. Januar 2024 ausschließlich in A3 fliegen, daran ändert auch das A2-Zeugnis nichts.
- Du fliegst ohnehin nur im freien Gelände, etwa für Landschaftsaufnahmen.
Der letzte Punkt ist der häufigste Grund, den A2 liegen zu lassen: Wer Landschaft filmt, hält die 150 Meter fast automatisch ein. Welche Klasse deine Drohne trägt, klärt der Artikel zu den Drohnenklassen C0 bis C4.
Die drei Schritte zum Zeugnis
Schritt 1: Kompetenznachweis A1/A3 erwerben. Ohne ihn gibt es keine Zulassung zur A2-Prüfung. Er läuft online beim LBA, kostet 25 Euro und ist an einem Abend erledigt, der Ablauf steht im Artikel kleiner Drohnenführerschein A1/A3.
Schritt 2: praktisches Selbststudium absolvieren. Die Verordnung verlangt, dass du unter den Bedingungen der Unterkategorie A3 praktische Flugerfahrung sammelst, also im freien Gelände mit 150 Metern Abstand zur Bebauung. Vorgeschrieben sind dabei keine Flugstunden und kein Fluglehrer. Du bestätigst am Ende per Selbsterklärung, dass du das Selbststudium durchgeführt hast. Sinnvoll sind Übungen, die in der Prüfung thematisiert werden: Starten und Landen bei Seitenwind, Umgang mit Bodeneffekt, Notlandung nach Ausfall eines Sensors, Verhalten bei Kompassfehlern.
Schritt 3: theoretische Zusatzprüfung bestehen. Sie findet bei einer vom LBA benannten Prüfstelle für Fernpiloten (PStF) statt. Nach bestandener Prüfung meldet die Stelle das Ergebnis, das LBA stellt das Zeugnis aus und berechnet dafür 30 Euro.
Was die Prüfung abfragt
Die Zusatzprüfung umfasst 30 Multiple-Choice-Fragen aus drei Fachgebieten. Die Bestehensgrenze liegt bei 75 Prozent, also 23 richtigen Antworten. Übliche Prüfungszeit sind 45 bis 60 Minuten.
| Fachgebiet | Typische Inhalte |
|---|---|
| Meteorologie | Wind und Böen, Thermik, Wolkenarten, Sichtweite, Temperatur- und Druckeinflüsse |
| Flugleistung des UAS | Akkukapazität und Entladeverhalten, Steig- und Sinkrate, Reaktionszeiten, Einfluss von Höhe und Kälte |
| Risikominderung am Boden | Abstandsregeln, Langsamflugmodus, Absturzbereich, Notverfahren, Vorflugkontrolle |
Erfahrungsberichte aus Prüfstellen nennen als Schwerpunkte immer dieselben Themen: die Abstandsregeln der Unterkategorie A2 samt der 1:1-Regel (horizontaler Abstand mindestens so groß wie die aktuelle Flughöhe), die Unterschiede zwischen Lithium-Polymer- und Lithium-Ionen-Akkus sowie den Einfluss von Höhe und Temperatur auf die Flugleistung. Wer weiß, warum die Flugzeit im Winter einbricht und wie sich Böen an Gebäudekanten verhalten, ist gut vorbereitet. Hintergründe dazu liefern die Artikel Drohne bei Wind fliegen und Drohnen-Flugzeit.
Kosten im Detail
Die Gesamtkosten setzen sich aus zwei Posten zusammen, und nur einer davon ist fix:
| Posten | Betrag |
|---|---|
| Ausstellung des Zeugnisses durch das LBA | 30 € |
| Prüfstellen-Gebühr (nur Prüfung) | ab etwa 89 € |
| Komplettpaket aus Online-Kurs und Prüfung | etwa 120–380 € |
| Vorausgesetzter Kompetenznachweis A1/A3 | 25 € |
Die Spannweite bei den Prüfstellen erklärt sich über den Umfang: Reine Prüfungstermine ohne Lernmaterial liegen am unteren Ende, Pakete mit Videokursen, Übungsfragen und Präsenzschulung am oberen. Rechtlich sind alle benannten Prüfstellen gleichwertig, das Zeugnis am Ende ist identisch.
Ein Kostenpunkt fehlt in vielen Angeboten: Die 30 Euro LBA-Gebühr sind häufig nicht im Preis der Prüfstelle enthalten. Lies das Kleingedruckte, bevor du vergleichst.
Was der A2 nicht erlaubt
Das Zeugnis erweitert die Abstandsregeln, es hebt keine Verbote auf. Unverändert gilt:
- Kein Überflug unbeteiligter Personen. Die 30 Meter sind ein Mindestabstand, kein Freibrief für den Flug über Köpfen.
- Keine Flüge über Menschenansammlungen. Dieses Verbot gilt in der gesamten Offenen Kategorie ohne Ausnahme.
- Maximal 120 Meter über Grund und ständige Sichtverbindung zur Drohne.
- Alle geografischen Sperrzonen nach § 21h LuftVO, von Flughäfen bis Naturschutzgebieten. Eine Übersicht steht im Artikel Flugverbotszonen für Drohnen.
- Registrierung und Haftpflicht bleiben eigene Pflichten.
Wer mehr will, etwa Flüge über Menschen, außerhalb der Sichtweite oder über 120 Meter, verlässt die Offene Kategorie und braucht eine Betriebsgenehmigung in der Speziellen Kategorie. Der Artikel zur EU-Drohnenverordnung ordnet die Kategorien ein.
Gültigkeit, Verlängerung und der Bonus-Effekt
Das A2-Zeugnis gilt fünf Jahre ab Ausstellung. Die Verlängerung läuft über eine benannte Prüfstelle, die ihre Gebühren selbst festlegt, anders als beim A1/A3, der sich für 15 Euro online im LBA-Portal verlängern lässt.
Praktisch ist die Hierarchie der Nachweise: Beide Ausprägungen stehen auf einem kombinierten Zertifikat, und nach Angaben des LBA gilt das Ablaufdatum des höherwertigen Nachweises für das gesamte Dokument. Verlängerst du also den A2, ist der A1/A3-Anteil automatisch mit erneuert. Details dazu stehen im Artikel Kenntnisnachweis verlängern.
Fazit: ein Spezialwerkzeug, kein Pflichtprogramm
Das A2-Fernpilotenzeugnis ist der richtige Schritt für Piloten mit einer C2-Drohne, die planbar in der Nähe von Bebauung arbeiten. Für diese Gruppe rechnet sich der Aufwand schnell, weil ohne A2 jeder Flug am Ortsrand mit 150 Metern Abstand kalkuliert werden müsste, was in der Praxis oft bedeutet: gar nicht fliegen.
Für alle anderen bleibt der A1/A3 der passende Nachweis. Wer eine Mini-Drohne oder ein C1-Modell fliegt, gewinnt mit dem A2 nichts, weil diese Klassen ohnehin in A1 unterwegs sind. Der klügste erste Schritt ist deshalb ein Blick auf das Klassenlabel: Steht dort C2 und liegt dein Einsatzgebiet am Ortsrand, lohnt der Termin bei einer Prüfstelle.
Häufige Fragen
Was kostet das EU-Fernpilotenzeugnis A2?
Das Luftfahrt-Bundesamt berechnet 30 Euro für die Ausstellung. Dazu kommt die Gebühr der Prüfstelle, die die theoretische Zusatzprüfung abnimmt: Die Angebote liegen je nach Prüfstelle und Umfang des Lernmaterials zwischen etwa 89 und 350 Euro. Komplettpakete aus Online-Kurs und Prüfung starten bei manchen Anbietern unter 150 Euro.
Welche Voraussetzungen brauche ich für den A2?
Du brauchst drei Dinge: einen gültigen EU-Kompetenznachweis A1/A3, ein absolviertes praktisches Selbststudium unter den Bedingungen der Unterkategorie A3 samt Selbsterklärung darüber, und die bestandene theoretische Zusatzprüfung bei einer vom LBA benannten Prüfstelle für Fernpiloten. Das Mindestalter beträgt 16 Jahre.
Wie viele Fragen hat die A2-Prüfung?
Die theoretische Zusatzprüfung besteht aus 30 Multiple-Choice-Fragen aus drei Fachgebieten: Meteorologie, Flugleistung des unbemannten Luftfahrzeugs und technische wie betriebliche Maßnahmen zur Minderung der Risiken am Boden. Zum Bestehen sind mindestens 75 Prozent richtige Antworten nötig, also 23 der 30 Fragen. Üblich sind 45 bis 60 Minuten Prüfungszeit.
Was darf ich mit dem A2-Fernpilotenzeugnis?
Der A2 erlaubt dir den Betrieb einer Drohne der Klasse C2 bis unter 4 Kilogramm in der Unterkategorie A2. Statt 150 Meter Abstand zu Wohn-, Gewerbe-, Industrie- und Erholungsgebieten einzuhalten, genügen 30 Meter horizontaler Abstand zu unbeteiligten Personen. Im Langsamflugmodus mit maximal 3 Metern pro Sekunde reduziert sich dieser Abstand auf 5 Meter.
Kann ich die A2-Prüfung online machen?
Ein Teil der benannten Prüfstellen bietet beaufsichtigte Online-Prüfungen an, bei denen du per Kamera überwacht die Fragen am eigenen Rechner beantwortest. Andere Prüfstellen prüfen ausschließlich in Präsenz an festen Terminen. Welche Variante möglich ist, entscheidet die jeweilige Prüfstelle, das LBA schreibt kein Format vor.
Wie lange ist das A2-Fernpilotenzeugnis gültig?
Fünf Jahre ab Ausstellung, wie der Kompetenznachweis A1/A3. Die Verlängerung läuft über eine benannte Prüfstelle, die ihre Gebühren selbst festlegt. Praktischer Nebeneffekt: Da beide Nachweise auf einem kombinierten Zertifikat stehen, verlängert sich mit dem A2 auch der A1/A3-Anteil.
Brauche ich den A2 für eine DJI Mavic 4 Pro?
Für den normalen Betrieb nicht. Kameradrohnen dieser Größenordnung tragen üblicherweise das Klassenlabel C1 und fliegen damit in der Unterkategorie A1, für die der Kompetenznachweis A1/A3 genügt. Das A2-Zeugnis wird erst bei Drohnen der Klasse C2 relevant, also im Bereich zwischen 900 Gramm und 4 Kilogramm Startmasse.
Darf ich mit dem A2 über Menschen fliegen?
Nein. Der A2 senkt den Mindestabstand zu unbeteiligten Personen auf 30 Meter, im Langsamflugmodus auf 5 Meter. Der Überflug unbeteiligter Personen bleibt untersagt, ebenso jeder Flug über Menschenansammlungen. Diese Grenze gilt in der gesamten Offenen Kategorie unabhängig vom Nachweis.