Tinywhoop mit GPS: was es bringt und was es kostet

GPS im Tinywhoop und Cinewhoop: warum meist der freie UART fehlt, wie viel Flugzeit 2 Gramm kosten und wann sich das Modul am kleinen Quad wirklich lohnt.

FPV & Racing Veröffentlicht am 6 Min. Lesezeit

Die Frage nach GPS im Whoop klingt nach einer Einstellungssache und ist in Wahrheit eine Platzfrage. Bevor es um Gewicht, Rückkehrfunktionen und Satellitenfix geht, entscheidet ein Detail auf der Platine: Ob überhaupt noch ein Anschluss frei ist. Dieser Artikel klärt beides und sagt, für welche Aufbauten sich der Einbau rechnet.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der häufigste Stopper ist kein freier UART: Whoop-AIO-Boards haben zwei bis drei Ports, Empfänger und Videosender belegen sie meist schon.
  • Ein Modul wiegt 1,5 bis 3 g. Bei einem 20-g-Whoop sind das rund zehn Prozent mehr Masse und grob 20 bis 30 Sekunden weniger Flugzeit.
  • Drinnen bringt GPS nichts: Dach und Decke dämpfen die Satellitensignale so stark, dass selten ein Fix gelingt.
  • GPS Rescue arbeitet bei sehr leichten Quads unzuverlässig, weil die Vortriebsreserve gegen Wind fehlt.
  • Im Cinewhoop ab 3 Zoll rechnet es sich: mehr Masse, mehr Wert, mehr Außenflüge.

Der erste Blick gilt der Platine

Schematische Draufsicht auf ein Whoop-AIO-Board im Format fünfundzwanzig mal fünfundzwanzig Millimeter mit vier Motoranschlüssen an den Ecken, dem Prozessor in der Mitte und drei UART-Anschlüssen am Rand. UART eins ist mit dem ELRS-Empfänger belegt, UART zwei mit dem Videosender für die Kanalsteuerung, UART drei ist bei besser ausgestatteten Boards frei und bei vielen Boards gar nicht vorhanden. Ein gestrichelter Pfad führt von diesem dritten Anschluss zu einem GPS-Modul außerhalb der Platine mit dem Vermerk ein Komma fünf bis drei Gramm. Rechts daneben eine Gewichtsbilanz als zwei gestapelte Balken. Der Tinywhoop wiegt zwanzig Gramm, das GPS-Modul fügt zwei Gramm hinzu, das entspricht zehn Prozent Mehrgewicht und einem Verlust von rund zwanzig bis dreißig Sekunden von vier Minuten Flugzeit. Der Cinewhoop wiegt neunzig Gramm, dieselben zwei Gramm entsprechen gut zwei Prozent Mehrgewicht und einem Verlust von wenigen Sekunden. Kernaussage: Ohne freien UART ist die Frage bereits beantwortet, und dasselbe Modul wiegt am Tinywhoop viermal so schwer wie am Cinewhoop.

Ohne freien UART ist die Frage schon entschieden. Dasselbe Modul wiegt am Tinywhoop relativ ein Vielfaches dessen, was es am Cinewhoop wiegt.

Ein Whoop-AIO-Board vereint Flugcontroller, vier Motorregler und häufig den Funkempfänger auf einer Platine von rund 25 mal 25 Millimetern. Der Platz reicht für zwei bis drei serielle Schnittstellen, im Fachjargon UARTs. Ihre Belegung sieht typischerweise so aus:

AnschlussBelegt durchVerzichtbar?
UART 1ELRS-Empfängernein
UART 2Videosender (Kanalsteuerung)eingeschränkt
UART 3frei, sofern vorhanden

Auf vielen günstigen Boards existiert der dritte Port gar nicht. Dann lässt sich ein GPS nur anschließen, indem der Videosender seine Steuerleitung verliert und die Kanäle künftig am Knopf des Senders eingestellt werden. Wie diese Steuerung funktioniert, steht im Artikel zur Betaflight VTX-Table.

Die Prüfung dauert zwei Minuten: Board im Betaflight Configurator öffnen, Reiter Ports aufrufen, nachsehen, ob eine Zeile ohne Zuordnung übrig ist. Steht dort nichts Freies, ist die Frage beantwortet, bevor ein Modul bestellt wird. Die Grundlagen dazu stehen im Artikel zum Betaflight Configurator.

Was zwei Gramm am Whoop bedeuten

Bei einem 20-Gramm-Tinywhoop sind 2 Gramm rund zehn Prozent mehr Masse. Der Zusammenhang zwischen Masse und Flugzeit ist dabei nicht linear: Mehr Gewicht verlangt mehr Schub, mehr Schub zieht mehr Strom, und der höhere Strom senkt zusätzlich die nutzbare Kapazität der Zelle. Von vier Minuten bleiben grob 20 bis 30 Sekunden auf der Strecke.

Bei einem 90-Gramm-Cinewhoop entsprechen dieselben 2 Gramm gut zwei Prozent. Der Effekt liegt dort im Bereich weniger Sekunden und fällt gegenüber der Streuung zwischen zwei Akkus kaum auf. Wie stark Gewicht insgesamt wirkt, steht im Artikel zur Cinewhoop-Flugzeit.

Dazu kommt ein zweiter Effekt, der selten erwähnt wird: Das Modul sitzt meist oben auf dem Rahmen und verschiebt den Schwerpunkt nach oben. Bei sehr leichten Aufbauten macht sich das im Flugverhalten bemerkbar, besonders bei schnellen Rollbewegungen.

Was GPS am kleinen Quad tatsächlich leistet

Die Position nach dem Absturz. Das ist der stärkste Grund. Solange die Telemetrie bis zum Aufprall lief, zeigt der Sender die letzte bekannte Position. Damit schrumpft ein Suchbereich von einem halben Feld auf wenige Meter. Was sonst bei der Suche hilft, steht im Artikel Drohne verloren.

Telemetriewerte im Bild. Distanz zum Startpunkt, Geschwindigkeit über Grund und die Zahl der Satelliten lassen sich in das Brillenbild einblenden. Für längere Außenflüge ist die Distanzanzeige die nützlichste davon.

GPS Rescue in Betaflight. Die Funktion steuert die Drohne bei Signalverlust auf einer eingestellten Höhe zum Startpunkt zurück. Bei größeren Quads funktioniert das gut, bei sehr leichten unzuverlässig: Ein 20-Gramm-Whoop hat kaum Vortriebsreserve, und bei nennenswertem Wind hält die Automatik dagegen, während die Drohne abgetrieben wird. Wie die Funktion eingerichtet wird, steht im Artikel zu Betaflight Return to Home.

Position Hold. Neuere Betaflight-Versionen können mit GPS die Position halten. Draußen ist das ein echter Zugewinn für Aufnahmen, drinnen mangels Empfang wirkungslos. Details im Artikel zu Betaflight Position Hold.

Wo GPS nichts bringt

In Innenräumen. Dach und Decke dämpfen die Satellitensignale so stark, dass ein Fix selten gelingt und dann sehr lange dauert. Weil Tinywhoops überwiegend drinnen geflogen werden, liegt der Nutzen dort bei null. Für die Position im Raum ist der optische Fluss zuständig, sofern das Board einen Sensor dafür hat.

Bei reinen Sichtflügen im Garten. Wenn die Drohne nie weiter als 30 Meter entfernt ist, findet man sie ohne Koordinaten. Ein Buzzer erledigt die Aufgabe für unter einem Gramm.

Als Ersatz für Flugdisziplin. GPS Rescue ist eine Notfallfunktion, keine Reichweitenerweiterung. Der vorgeschriebene Sichtkontakt und der Beobachter neben Dir bleiben unabhängig davon Pflicht.

Die Empfehlung nach Aufbaugröße

AufbauStartgewichtGPS sinnvoll?
65-mm-Tinywhoop, indoorrund 20 gnein
75-mm-Whoop, gemischtrund 25 bis 30 gselten
2-Zoll-Cinewhooprund 60 bis 80 gabwägen
3-Zoll-Cinewhoop und größerab rund 90 gmeist ja
5-Zoll-Freestyleab rund 350 gja

Die Grenze verläuft dort, wo der Aufbau schwer genug ist, um das Modulgewicht zu verkraften, und teuer genug, damit ein Verlust wehtut. Bei einem Cinewhoop mit montierter Actionkamera ist beides erfüllt.

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Einbau und Einrichtung, wenn der Port frei ist

Steht ein UART zur Verfügung, ist der Rest überschaubar. Vier Schritte führen zum funktionierenden GPS:

1. Verkabeln. Das Modul braucht Masse, Versorgungsspannung und zwei Datenleitungen. Die Sendeleitung des Moduls geht an den Empfangspin des Flugcontrollers und umgekehrt. Diese Kreuzung wird regelmäßig übersehen und ist die häufigste Ursache dafür, dass gar nichts ankommt.

2. Port zuweisen. Im Betaflight Configurator wird im Reiter Ports beim gewählten UART die Funktion GPS aktiviert und die Baudrate eingestellt. Beide Seiten müssen dieselbe Rate sprechen, üblich sind 9600 oder 115200 Baud.

3. Protokoll wählen. Im Reiter Configuration wird GPS eingeschaltet und das Protokoll gesetzt, bei den verbreiteten Modulen UBLOX. Zusätzlich lässt sich festlegen, welche Satellitensysteme genutzt werden; mehr Systeme bedeuten einen schnelleren und stabileren Fix.

4. Fix abwarten und prüfen. Der erste Fix nach dem Einschalten dauert im Freien typischerweise ein bis drei Minuten, danach geht es schneller. Der GPS-Reiter zeigt die Zahl der empfangenen Satelliten. Unter sechs Satelliten sollte kein Flug beginnen, der sich auf die Position verlässt.

Wohin das Modul auf dem Quad gehört

Die Montageposition entscheidet über die Empfangsqualität, und der Platz auf einem Whoop ist knapp. Drei Regeln helfen:

Abstand zum Videosender. Der VTX strahlt kräftig ab und stört den GPS-Empfang, wenn er direkt daneben sitzt. Zwei bis drei Zentimeter Abstand sind das Minimum, mehr ist besser.

Freie Sicht nach oben. Die Keramikantenne des Moduls empfängt nach oben. Sie gehört auf die Oberseite des Aufbaus, unter dem Akku oder im Schatten der Canopy verliert sie ihre Wirkung. Kohlefaser über der Antenne dämpft das Signal deutlich.

Abstand zu Stromleitungen. Die dicken Leitungen zwischen Akku und Board führen hohe Ströme mit steilen Flanken. Das Modul sollte einige Millimeter Abstand halten und seine Kabel quer statt parallel dazu führen.

Auf einem 65-Millimeter-Whoop lassen sich diese drei Regeln kaum gleichzeitig erfüllen. Das ist ein weiterer praktischer Grund, warum GPS an dieser Aufbaugröße selten überzeugt.

Die leichte Alternative

Für Innenräume und kurze Distanzen schlägt ein Buzzer mit eigener Knopfzelle das GPS in jeder Hinsicht. Er wiegt unter einem Gramm, braucht keinen UART und piept nach dem Absturz weiter, selbst wenn der Flugakku abgerissen ist. Genau dieser Fall tritt bei Whoops häufig ein, weil der Akkustecker beim Aufprall aufgeht.

Das GPS gewinnt erst über größere Flächen hinweg, wo ein Piepton nicht mehr trägt. Für viele Piloten ist die ehrliche Antwort deshalb: erst der Buzzer, das GPS dann am nächsten, größeren Aufbau.

Fazit: die Platine antwortet zuerst

Bevor Gewicht und Funktionen abgewogen werden, lohnt der Blick in den Ports-Reiter des Configurators. Ist kein UART frei, endet die Überlegung dort, und der Umbau würde eine funktionierende Videosender-Steuerung kosten.

Ist ein Port frei, entscheidet die Aufbaugröße. Am 20-Gramm-Tinywhoop kostet das Modul zehn Prozent Masse für eine Funktion, die drinnen ohnehin nicht arbeitet. Am Cinewhoop ab 3 Zoll dreht sich die Rechnung um: Dort wiegt dasselbe Modul relativ wenig, sichert die Position eines teuren Aufbaus und macht Außenflüge nachvollziehbar.

Häufige Fragen

Kann man einen Tinywhoop mit GPS ausstatten?

Technisch ja, praktisch scheitert es oft an zwei Punkten. Erstens braucht das GPS-Modul einen freien UART am Flugcontroller, und bei Whoop-AIO-Boards sind die vorhandenen Ports meist schon von Empfänger und Videosender belegt. Zweitens wiegt ein Modul mit Antenne rund 1,5 bis 3 Gramm, was bei 20 Gramm Startgewicht spürbar Flugzeit kostet.

Warum fehlt bei Whoops meist der freie Anschluss?

Ein AIO-Board vereint Flugcontroller, Motorregler und oft den Empfänger auf einer Platine von rund 25 mal 25 Millimetern. Der Platz reicht für zwei bis drei UARTs. Einer geht an den Empfänger, einer an den Videosender für die Kanalsteuerung. Was übrig bleibt, ist bei vielen Boards genau nichts, und dann lässt sich ein GPS nur über den Verzicht auf eine andere Funktion anschließen.

Wie viel Flugzeit kostet ein GPS-Modul im Whoop?

Bei einem 20-Gramm-Whoop entsprechen 2 Gramm Zusatzgewicht rund zehn Prozent mehr Masse. Der Schubbedarf steigt überproportional, sodass von vier Minuten Flugzeit grob 20 bis 30 Sekunden verloren gehen. Bei einem 90-Gramm-Cinewhoop fällt derselbe Zuwachs mit gut zwei Prozent kaum ins Gewicht.

Funktioniert GPS Rescue in Betaflight bei einem Tinywhoop?

Die Funktion lässt sich aktivieren, arbeitet bei sehr leichten Quads aber unzuverlässig. GPS Rescue steuert die Drohne auf einer eingestellten Höhe zum Startpunkt zurück und braucht dafür genug Vortriebsreserve gegen Wind. Ein 20-Gramm-Whoop hat diese Reserve nicht und wird bei nennenswertem Wind schlicht abgetrieben, während die Automatik dagegenhält.

Hat ein GPS im Innenraum überhaupt Empfang?

In aller Regel nicht. Satellitensignale werden von Dach und Decke stark gedämpft, ein Fix gelingt drinnen selten und dauert dann sehr lange. Weil Tinywhoops überwiegend in Innenräumen geflogen werden, liegt genau dort der Hauptnutzen bei null. Für die Position im Raum arbeitet stattdessen der optische Fluss, sofern das Board einen hat.

Lohnt sich GPS im Cinewhoop eher als im Tinywhoop?

Ja, aus drei Gründen. Der Cinewhoop ist schwerer, sodass das Modulgewicht relativ weniger ausmacht. Er ist teurer, oft mit einer montierten Actionkamera, sodass ein Verlust mehr schmerzt. Und er fliegt häufiger draußen, wo Satellitenempfang überhaupt möglich ist. Ab etwa 3 Zoll aufwärts ist die Rechnung meist positiv.

Welches GPS-Modul passt an einen kleinen Quad?

Gesucht sind Module mit moderner Empfängergeneration, integrierter Keramikantenne und einem Gewicht unter 3 Gramm. Entscheidend sind die Zahl der gleichzeitig empfangbaren Satellitensysteme und die Zeit bis zum ersten Fix. Angaben dazu stehen im Datenblatt des Moduls, das die Shop-Beschreibung häufig auslässt.

Hilft ein GPS beim Wiederfinden einer abgestürzten Drohne?

Ja, das ist der stärkste Grund für den Einbau. Solange die Telemetrie bis zum Aufprall läuft, zeigt der Sender die letzte bekannte Position an. Damit lässt sich der Suchbereich von einem halben Feld auf wenige Meter eingrenzen. Voraussetzung ist, dass die Telemetrie auf der Fernsteuerung aufgezeichnet oder wenigstens angezeigt wird.

Gibt es eine leichtere Alternative zum GPS für die Suche?

Ein Buzzer mit eigener Knopfzelle wiegt unter einem Gramm und piept nach dem Absturz weiter, auch wenn der Flugakku abgerissen ist. Für Innenräume und kurze Distanzen ist er die deutlich effizientere Lösung. Über größere Wiesen hinweg gewinnt dagegen die Positionsanzeige des GPS.

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