Hannover ist flach, grün und übersichtlich, was einen falschen Eindruck erzeugt. Über der Stadt liegt die Kontrollzone des Flughafens Langenhagen, quer durch sie zieht sich der Mittellandkanal als Bundeswasserstraße, und die größten Freiflächen gehören entweder der Stadt oder der Messe. Die Hürden sind hier weniger sichtbar als in einer Stadt mit Bergen und Flüssen, sie sind trotzdem da.
Das Wichtigste in Kürze
- Die pauschale 50-Meter-Freigabe ist entfallen, seit dem 6. August 2026 gilt ein Zonenmodell.
- Die Innenstadt liegt in Zone 4, dort sind rund 100 m über Grund zulässig.
- Der Mittellandkanal ist Bundeswasserstraße und teilt die Stadt mit einem 100-Meter-Korridor.
- Eilenriede, Maschsee und Messe sind Flächen mit eigener Zustimmungspflicht.
- Zone 1 liegt über Langenhagen und den Anflugachsen, dort immer Einzelfreigabe.

Zwei Regelwerke übereinander: Die Ringe bestimmen die Höhe, die Flächen bestimmen den Startplatz.
Die Zonenstaffel seit August 2026
Der Flughafen Hannover-Langenhagen liegt rund elf Kilometer nördlich der Innenstadt auf 56 Metern über Normalnull. Nach § 21 LuftVO braucht jeder Aufstieg in kontrolliertem Luftraum eine Flugverkehrskontrollfreigabe, die die Flugsicherung bislang pauschal bis 50 Meter über Grund erteilt hat.
Diese Verfügung ist zum 5. August 2026 ausgelaufen. Seit dem 6. August gilt das Zonenmodell der Allgemeinverfügung NfL 2026-1-3960, das die Höhe nach dem Abstand zum Flugplatzbezugspunkt staffelt:
| Zone | Abgrenzung | Zulässige Höhe ohne Einzelfreigabe |
|---|---|---|
| Zone 1 | 1.000 m um die Flughafenbegrenzung, dazu je 5 km entlang der Bahnmittellinie | keine, immer individuelle Freigabe nötig |
| Zone 2 | innerhalb 4 km um den Bezugspunkt, außerhalb Zone 1 | 25 m, der niedrigere Wert |
| Zone 3 | innerhalb 6 km, außerhalb Zone 1 und 2 | 45 m, der niedrigere Wert |
| Zone 4 | restlicher Bereich der Kontrollzone | 100 m über Flugplatzhöhe oder 50 m über Grund, der höhere Wert |
Dazu kommen feste Bedingungen: mindestens 800 Meter Bodensicht, keine autonomen Flüge, die Steuerung muss beim Fernpiloten bleiben. Dieselbe Systematik gilt in allen 15 betroffenen Kontrollzonen, darunter auch Bremen und Hamburg.
Was das über den Hannoveraner Stadtteilen bedeutet
Hannover liegt in der norddeutschen Tiefebene, Flughafen und Innenstadt unterscheiden sich in der Höhe kaum. Die beiden Vergleichswerte in Zone 4 liegen deshalb nah beieinander, und es bleibt bei rund 100 Metern über Grund. Die folgenden Entfernungen sind Näherungswerte, verbindlich ist der Blick in dipul für den konkreten Startplatz.
| Bereich | Abstand (rund) | Erwartete Zone | Höhe |
|---|---|---|---|
| Langenhagen | 0 bis 3 km | 1 bzw. 2 | Einzelfreigabe bzw. 25 m |
| Vahrenheide, Bothfeld | 5 bis 6 km | 3 | 45 m |
| List, Vahrenwald | 7 bis 9 km | 4 | rund 100 m |
| Mitte, Oststadt | 10 bis 11 km | 4 | rund 100 m |
| Maschsee, Döhren | 12 bis 13 km | 4 bzw. außerhalb | rund 100 bzw. 120 m |
| Laatzen, Messe | ab 15 km | meist außerhalb | 120 m |
Für die äußeren Stadtteile ist die Neuregelung eine Verbesserung: Aus 50 Metern sind rund 100 geworden. Für Langenhagen und die Anflugachsen hat sie den Betrieb dagegen erschwert, weil dort die allgemeine Freigabe vollständig entfällt.
Der Mittellandkanal: ein Korridor quer durch die Stadt
Der Mittellandkanal ist Bundeswasserstraße und durchquert Hannover von West nach Ost. § 21h LuftVO verlangt einen seitlichen Abstand von 100 Metern und untersagt den Überflug ohne Erlaubnis der zuständigen Stelle. Bei einer Kanalbreite von rund 50 Metern ergibt das einen Sperrstreifen von etwa 250 Metern, der sich über die gesamte Stadtbreite zieht.
Betroffen sind unter anderem die Bereiche bei Limmer, Herrenhausen, Vinnhorst und Misburg. Der Kanal verläuft dabei durch Gebiete, die sonst als Ausweichflächen taugen würden: wenig Bebauung, viel Grün, kaum Publikum. Genau dort greift die Wasserstraßenregel.
Die Leine und die Ihme sind in Hannover keine Bundeswasserstraßen, für sie gilt die 100-Meter-Regel nicht. Der Unterschied ist praktisch relevant, weil sich entlang dieser Flüsse durchaus Flächen finden lassen.
Flächen mit eigener Zustimmungspflicht
Über dem Luftrecht liegt die Frage, wem der Boden gehört. Start und Landung brauchen die Zustimmung des Flächeneigentümers, und in Hannover sind die attraktivsten Freiflächen genau die, die jemandem gehören:
- Eilenriede, mit rund 640 Hektar einer der größten Stadtwälder Europas, städtische Grünanlage mit Teilen unter Landschaftsschutz
- Maschsee, städtisch, mit hoher Publikumsdichte in der warmen Jahreszeit
- Herrenhäuser Gärten, Gartendenkmal mit eigener Benutzungsordnung
- Messegelände Laatzen, Privatgelände der Deutschen Messe AG
- Georgengarten und Welfengarten, städtische Anlagen
Für städtische Grünanlagen knüpft die Stadt Hannover Nutzungen über den Gemeingebrauch hinaus an eine Erlaubnis. Der Start einer Drohne fällt darunter. Wer im Zweifel ist, fragt beim zuständigen Fachbereich nach, statt es auf die Auslegung ankommen zu lassen.
Was zusätzlich gilt, unabhängig von der Zone
Die Pflichten der Offenen Kategorie bleiben in Hannover wie überall bestehen:
- Kein Überflug von Wohngrundstücken, sobald die Drohne über 250 Gramm wiegt oder eine Kamera hat, außer mit Zustimmung. Details im Artikel zum Flug über Wohngebiet.
- Keine Menschenansammlungen, was am Maschseefest, beim Schützenfest und während der Messen ganze Stadtteile betrifft.
- 100 Meter Abstand zu Bundesfernstraßen und Bahnanlagen. Hannover ist ein großer Bahnknoten, die Gleisfächer südlich und nördlich des Hauptbahnhofs sind entsprechend breit.
- Naturschutzgebiete gesperrt, etwa die Leineaue in Teilen.
- Hubschrauberlandeplätze an den Kliniken mit eigenem Umkreis, insbesondere an der Medizinischen Hochschule.
Zuständigkeiten auf einen Blick
| Anliegen | Stelle |
|---|---|
| Flugverkehrskontrollfreigabe | DFS, Antragsportal |
| Erlaubnis in geografischen UAS-Gebieten | Landesluftfahrtbehörde Niedersachsen |
| Betriebsgenehmigung spezielle Kategorie | Luftfahrt-Bundesamt |
| Überflug Mittellandkanal | Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung |
| Städtische Grünanlagen | Stadt Hannover |
Was in Hannover realistisch möglich ist
Die Randlagen tragen. Im Süden um Laatzen und Hemmingen, im Osten Richtung Lehrte und im Westen bei Seelze liegen Flächen außerhalb der Kontrollzone mit den regulären 120 Metern. Landwirtschaftliche Flächen außerhalb der Schutzgebiete sind dort die naheliegende Wahl, sofern der Bewirtschafter zustimmt.
Innerhalb der Stadt bleibt Zone 4 mit rund 100 Metern eine brauchbare Grundlage, sobald ein Startplatz gefunden ist, der weder Wohngrundstücke noch Publikum noch den Kanalkorridor berührt. Die Kombination ist lösbar, sie verlangt aber Vorbereitung mit der dipul-Karte und einen Blick auf die Eigentumsverhältnisse am Boden.
Fazit: zwei Karten gehören zusammen
In Hannover reicht die Luftraumkarte allein selten aus. Sie beantwortet die Frage nach der Höhe und liefert seit August 2026 im äußeren Kontrollzonenbereich rund 100 Meter statt der früheren 50, was eine echte Verbesserung ist.
Die zweite Frage betrifft den Boden: Wem gehört die Fläche, über die du fliegen und von der du starten willst. Der Mittellandkanal, die Eilenriede, der Maschsee und das Messegelände beantworten diese Frage jeweils anders. Wer beide Ebenen vor dem Start prüft, findet in Hannover verlässlich einen zulässigen Flug.
Häufige Fragen
Darf man in Hannover eine Drohne fliegen?
Ja, mit Einschränkungen. Der Flughafen Hannover-Langenhagen liegt rund elf Kilometer nördlich der Innenstadt, seine Kontrollzone reicht über weite Teile des Stadtgebiets. Seit dem 6. August 2026 staffelt die Deutsche Flugsicherung die zulässige Höhe dort nach dem Abstand zum Flugplatz, die frühere pauschale Freigabe bis 50 Meter ist entfallen.
Wie hoch darf ich in der Innenstadt von Hannover fliegen?
Die Innenstadt liegt rund elf Kilometer vom Flughafenbezugspunkt entfernt und damit in Zone 4, sofern sie innerhalb der Kontrollzone liegt. Dort gilt der höhere Wert aus 100 Metern über Flugplatzhöhe und 50 Metern über Grund. Weil Flughafen und Stadt fast auf gleicher Höhe liegen, läuft das auf rund 100 Meter über Grund hinaus.
Darf ich über den Mittellandkanal fliegen?
Der Mittellandkanal ist Bundeswasserstraße. Nach § 21h LuftVO ist ein seitlicher Abstand von 100 Metern einzuhalten, der Überflug ist ohne Erlaubnis der zuständigen Stelle untersagt. Der Kanal quert Hannover auf ganzer Breite von West nach Ost und erzeugt damit einen durchgehenden Sperrkorridor durch das nördliche Stadtgebiet.
Darf ich am Maschsee eine Drohne starten?
Der Maschsee ist städtische Fläche, für Start und Landung ist die Zustimmung der Stadt Hannover nötig. Der See selbst ist keine Bundeswasserstraße, die 100-Meter-Regel greift dort also nicht. In der warmen Jahreszeit und bei Veranstaltungen wie dem Maschseefest ist das Ufer allerdings eine Menschenansammlung, über der nicht geflogen werden darf.
Was gilt rund um das Messegelände?
Das Messegelände in Laatzen ist mit rund einer Million Quadratmetern eines der größten der Welt. Während der Messen ist es eine Menschenansammlung und damit für die Offene Kategorie gesperrt. Zwischen den Messen bleibt es Privatgelände der Deutschen Messe AG, für Start und Landung ist deren Zustimmung nötig.
Darf ich in der Eilenriede fliegen?
Die Eilenriede ist mit rund 640 Hektar einer der größten Stadtwälder Europas und städtische Grünanlage. Für Start und Landung gilt die Zustimmung der Stadt, Teile des Waldes stehen zusätzlich unter Landschaftsschutz. In Naturschutzgebieten ist der Betrieb nach § 21h LuftVO ohnehin untersagt.
Wer erteilt in Hannover eine Erlaubnis?
Landesluftfahrtbehörde für Niedersachsen ist die Landesluftfahrtbehörde beim Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Bauen und Digitalisierung. Die Flugverkehrskontrollfreigabe für die Kontrollzone erteilt die Flugsicherung über ihr Antragsportal, für Zone 1 sind mindestens 14 Tage Vorlauf einzuplanen.
Welche Stadtteile liegen in der strengsten Zone?
Zone 1 umfasst den Bereich innerhalb von 1.000 Metern um die Flughafenbegrenzung sowie je fünf Kilometer entlang der verlängerten Bahnmittellinien. In Hannover betrifft das Langenhagen und die Anflugachsen. Dort braucht jeder Flug eine individuelle Freigabe, unabhängig von der Höhe.