München wirkt auf der Zonenkarte zunächst harmlos: Der Flughafen liegt 28 Kilometer draußen im Erdinger Moos, über der Innenstadt ist kein großer roter Kreis. Wer daraus schließt, in München sei viel möglich, unterschätzt die Ebenen unterhalb des Luftrechts. In der Stadt entscheiden Parkordnungen, Naturschutz und Grundstücksrecht darüber, ob ein Flug zulässig ist.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Flughafen ist weit weg, seine Kontrollzone reicht nicht über das Stadtzentrum.
- Der Englische Garten ist gesperrt, die Benutzungsordnung der Schlösserverwaltung untersagt Drohnen.
- Naturschutzgebiete sind tabu, in München betrifft das Teile der Isarauen und die Fröttmaninger Heide.
- Wohngrundstücke dürfen nicht überflogen werden, sobald die Drohne über 250 g wiegt oder eine Kamera hat.
- Zuständig ist das Luftamt Südbayern bei der Regierung von Oberbayern.

In München liegt die Hürde selten im Luftraum: Die drei Ebenen darunter entscheiden über den Flug.
Warum der Flughafen hier kaum eine Rolle spielt
Seit dem 6. August 2026 staffelt die Deutsche Flugsicherung die zulässige Höhe in den Kontrollzonen von 15 deutschen Verkehrsflughäfen nach dem Abstand zum Flugplatz. München steht auf dieser Liste, die Regelung betrifft aber das Erdinger Moos und die umliegenden Gemeinden. Die Kontrollzone reicht nicht bis in die Münchner Innenstadt, weil der Flughafen bewusst weit außerhalb gebaut wurde.
Für die Stadt selbst gilt damit der reguläre Rahmen der Offenen Kategorie: 120 Meter über Grund, Sichtflug, kein Überflug von Menschenansammlungen. Wie die Staffel in Städten mit innerstädtischem Flughafen wirkt, zeigt der Vergleich mit Düsseldorf, wo der Flughafen mitten im Stadtgebiet liegt.
Im Münchner Norden liegen mit Oberschleißheim und Schleißheim allerdings weitere Flugplätze, und temporäre Beschränkungen können jederzeit dazukommen. Der Blick auf die dipul-Karte vor dem Start bleibt deshalb Pflicht, auch wenn die große Kontrollzone fehlt.
Die vier Ebenen, die in München wirklich greifen
Ein zulässiger Flug in München muss vier Prüfungen gleichzeitig bestehen. Die Zonenkarte deckt davon nur die ersten beiden ab.
| Ebene | Was geregelt wird | Wer entscheidet |
|---|---|---|
| Luftraum | Höhe, Kontrollzonen, NOTAM | DFS |
| Geozonen | Naturschutz, Sperrgebiete | Bund, Freistaat |
| Fläche | Start und Landung, Parkordnungen | Eigentümer |
| Personen | Wohngrundstücke, Ansammlungen | LuftVO, Anwohner |
Die dritte Ebene ist die, die in Städten am häufigsten übersehen wird. Start und Landung brauchen die Zustimmung dessen, dem die Fläche gehört. Ein Aufstieg von einer öffentlichen Grünanlage ist deshalb selbst dann nicht ohne Weiteres zulässig, wenn der Luftraum darüber frei ist.
Englischer Garten und die staatlichen Gärten
Der Englische Garten gehört zu den Anlagen der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen. Ihre Benutzungsordnung untersagt den Betrieb von Flugmodellen und unbemannten Fluggeräten. Dasselbe gilt für die weiteren staatlichen Anlagen im Stadtgebiet:
- Englischer Garten, mit 375 Hektar einer der größten Stadtparks der Welt
- Schlosspark Nymphenburg samt Kanalsystem
- Hofgarten hinter der Residenz
- Schlosspark Schleißheim im Norden
Für Flächen der Stadt München gilt eine eigene Systematik über die Grünanlagensatzung, die Nutzungen über den Gemeingebrauch hinaus an eine Erlaubnis knüpft. Der Start einer Drohne fällt darunter. Zuständig ist das jeweilige Referat, bei Dreharbeiten zusätzlich das Verkehrs- und Bezirksmanagement.
Isar, Auen und Naturschutz
Die Isar ist in München keine Bundeswasserstraße, die 100-Meter-Regel des § 21h LuftVO für Bundeswasserstraßen greift über dem Fluss also nicht. Das macht die Isar rechtlich anders als die Elbe in Hamburg oder die Spree in Berlin.
Der Schutz kommt in München aus einer anderen Richtung. Die Isarauen stehen weitgehend unter Landschaftsschutz, einzelne Abschnitte sind Naturschutzgebiet, und in Naturschutzgebieten ist der Betrieb unbemannter Fluggeräte nach § 21h LuftVO untersagt. Betroffen sind unter anderem die Fröttmaninger Heide im Norden und Teile der Allacher Lohe.
Dazu kommt der praktische Faktor: Die Isarkiesbänke sind an warmen Tagen dicht belegt. Eine Menschenansammlung schließt den Überflug in der Offenen Kategorie aus, unabhängig davon, wie das Gelände gewidmet ist.
Wohngrundstücke: die stille Sperrfläche
Nach § 21h LuftVO ist der Überflug über Wohngrundstücke untersagt, sobald eine der beiden Bedingungen erfüllt ist: Die Drohne wiegt mehr als 250 Gramm, oder sie kann Signale, Bilder oder Töne empfangen, übertragen oder aufzeichnen. Eine Kameradrohne erfüllt die zweite Bedingung immer, auch wenn sie unter 250 Gramm bleibt.
Die Ausnahme ist die Zustimmung des Eigentümers oder sonstigen Nutzungsberechtigten. In einem Viertel mit Mehrfamilienhäusern bedeutet das die Zustimmung vieler Personen. Praktisch legt diese Regel den Flug über zusammenhängender Wohnbebauung still, und München ist innerhalb des Mittleren Rings genau das. Mehr dazu steht im Artikel zum Flug über Wohngebiet.
Veranstaltungen, Stadion und temporäre Sperren
München ist eine Veranstaltungsstadt, und Veranstaltungen erzeugen zwei Arten von Hindernissen. Die erste ist dauerhaft: Über Menschenansammlungen darf in der Offenen Kategorie nicht geflogen werden. Das betrifft die Theresienwiese während des Oktoberfests, die Allianz Arena an Spieltagen, den Olympiapark bei Konzerten und den Marienplatz an fast jedem Tag.
Die zweite Art ist temporär und wird als NOTAM veröffentlicht: kurzfristige Beschränkungsgebiete für Großlagen, Staatsbesuche oder Polizeieinsätze. Solche Gebiete tauchen in dipul auf, sobald sie aktiv sind. Wer am Tag eines Großereignisses fliegen will, prüft die Karte deshalb am Flugtag statt in der Woche davor.
Zuständigkeiten auf einen Blick
| Anliegen | Stelle |
|---|---|
| Erlaubnis in geografischen UAS-Gebieten | Luftamt Südbayern, Regierung von Oberbayern |
| Betriebsgenehmigung spezielle Kategorie | Luftfahrt-Bundesamt |
| Staatliche Gärten und Schlossparks | Bayerische Schlösserverwaltung |
| Städtische Grünanlagen | Landeshauptstadt München, zuständiges Referat |
| Dreharbeiten auf Verkehrsflächen | Verkehrs- und Bezirksmanagement |
Das Luftamt Südbayern ist unter 089 2176-2280 erreichbar und die richtige Adresse für alle Fragen, die über den Standardfall hinausgehen. Für die Pflichten der Offenen Kategorie selbst, also Registrierung, Kennzeichnung und Kompetenznachweis, bleibt das Luftfahrt-Bundesamt zuständig.
Wo in München realistisch geflogen werden kann
Nach Abzug aller Ebenen bleibt ein klares Bild: Die Innenstadt scheidet aus, der Stadtrand und das Umland tragen. Praktikabel sind landwirtschaftliche Flächen außerhalb der Schutzgebiete, große unbebaute Areale ohne Publikum und die Modellflugplätze der Vereine im Umland, die für ihre Flächen bereits eine Aufstiegserlaubnis besitzen.
Wer Aufnahmen der Stadt selbst braucht, landet zwangsläufig im gewerblichen Verfahren mit Erlaubnis des Luftamts, Zustimmung der Flächeneigentümer und Abstimmung mit der Stadt. Für private Flüge ist der Aufwand unverhältnismäßig, für einen Auftrag ist er der normale Weg.
Fazit: die Karte allein reicht in München nicht
München ist ein Sonderfall unter den deutschen Großstädten, weil der Flughafen weit genug entfernt liegt, um das Stadtgebiet freizuhalten. Die Zonenkarte zeigt über der Innenstadt entsprechend wenig.
Die Einschränkungen kommen hier von unten: aus den Benutzungsordnungen der Parks, aus dem Naturschutz an der Isar, aus dem Überflugverbot über Wohngrundstücken und aus den Menschenansammlungen einer Stadt mit Publikumsverkehr. Wer diese vier Ebenen zusammen prüft, findet am Stadtrand und im Umland gute Flugflächen. Wer nur die Luftraumkarte öffnet, hält München für einfacher, als es ist.
Häufige Fragen
Liegt München in der Kontrollzone des Flughafens?
Der Flughafen München liegt im Erdinger Moos, rund 28 Kilometer nordöstlich der Innenstadt. Seine Kontrollzone deckt das dortige Umland ab und reicht nicht über das Stadtzentrum. Für München bedeutet das: Die Höhenstaffel der Flugsicherung, die seit August 2026 in Kontrollzonen gilt, ist im Stadtgebiet meist ohne Bedeutung. Den Startplatz solltest du trotzdem in dipul prüfen, weil im Norden weitere Flugplätze liegen.
Darf ich im Englischen Garten eine Drohne starten?
Nein. Der Englische Garten wird von der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen betreut, deren Benutzungsordnung den Betrieb von Flugmodellen und Drohnen untersagt. Das gilt unabhängig vom Luftrecht: Selbst wenn der Luftraum frei wäre, fehlt die Zustimmung des Flächeneigentümers für Start und Landung.
Wie hoch darf ich in München fliegen?
Außerhalb kontrollierten Luftraums gelten die 120 Meter über Grund der Offenen Kategorie. Diese Höhe ist im Stadtgebiet selten der begrenzende Faktor, weil vorher andere Regeln greifen: der Überflug von Wohngrundstücken, Menschenansammlungen und die Zustimmung des Flächeneigentümers am Startplatz.
Darf ich über der Isar fliegen?
Die Isar ist in München keine Bundeswasserstraße, die 100-Meter-Regel des § 21h LuftVO greift dort also nicht über dem Wasser. Die Isarauen stehen allerdings unter Landschafts- und teils unter Naturschutz, und in Naturschutzgebieten ist der Betrieb nach § 21h LuftVO untersagt. Dazu kommt an warmen Tagen die Menschenansammlung auf den Kiesbänken.
Was gilt während des Oktoberfests?
Über der Theresienwiese ist während des Oktoberfests mit temporären Beschränkungen zu rechnen, die als NOTAM veröffentlicht werden. Unabhängig davon ist das Festgelände eine Menschenansammlung, über der in der Offenen Kategorie ohnehin nicht geflogen werden darf. Dasselbe gilt für alle größeren Veranstaltungen im Stadtgebiet.
Wer ist in München für Drohnen-Erlaubnisse zuständig?
Die Landesluftfahrtbehörde ist das Luftamt Südbayern bei der Regierung von Oberbayern, erreichbar unter 089 2176-2280. Es bearbeitet Erlaubnisse für den Betrieb in geografischen UAS-Gebieten. Für Flächen der Stadt kommt die Zustimmung des jeweiligen Referats hinzu, für staatliche Gärten die Schlösserverwaltung.
Darf ich über fremde Wohngrundstücke fliegen?
Nur mit Zustimmung. Nach § 21h LuftVO ist der Überflug über Wohngrundstücke untersagt, sobald die Drohne mehr als 250 Gramm wiegt oder Signale, Bilder oder Töne aufzeichnen oder übertragen kann. In einer dicht bebauten Stadt wie München betrifft das praktisch jede Kameradrohne über nahezu jedem Wohnviertel.
Wo kann man in München überhaupt legal fliegen?
Realistisch am Stadtrand und im Umland: landwirtschaftliche Flächen außerhalb der Schutzgebiete, große unbebaute Areale ohne Publikum und Modellflugplätze der Vereine. Innerhalb des Mittleren Rings ist die Kombination aus Bebauung, Wohngrundstücken und Publikumsflächen kaum aufzulösen.