Unter 100 Euro entscheidet sich weniger, welche Drohne die beste ist, als vielmehr, was in dieser Klasse überhaupt gebaut wird. Die Ausstattung springt an drei klar erkennbaren Preisschwellen, und wer sie kennt, kauft in zehn Minuten richtig. Dieser Vergleich ordnet fünf Modelle von 40 bis 75 Euro und zeigt, wo die Grenze der Klasse verläuft.
Das Wichtigste in Kürze
- Für den reinen Flugeinstieg: Holy Stone HS210 (ab 40 €), 24,8 g, Höhenhaltung, drei Akkus, ohne Kamera.
- Bestes Gesamtpaket unter 100 €: HS290 (ab 63 €) mit optischem Fluss, 1080p-Kamera und 128 g Startgewicht.
- Was die Klasse nicht kann: kein GPS, keine automatische Rückkehr, keine bürstenlosen Motoren, keine echte Windstabilität.
- Die entscheidende Schwelle liegt bei rund 130 Euro: Dort kommt GPS dazu, ab etwa 160 Euro bürstenlose Motoren.
- Registrierungspflicht ab der ersten Kamera, unabhängig vom Gewicht.
Die fünf Modelle im Überblick
Die Auswahl folgt drei Kriterien: verfügbare technische Daten des Herstellers, Verfügbarkeit im deutschen Handel und ein erkennbarer eigener Einsatzzweck. Reine Namensvarianten desselben Geräts sind draußen geblieben.
| Modell | Preis | Gewicht | Kamera | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| Holy Stone HS210 | ab 40 € | 24,8 g | keine | drei Akkus, Propellerschutz |
| HS420 | ab 60 € | 31 g | 1080p | geschlossener Propellerschutz |
| HS290 | ab 63 € | 128 g | 1080p | optischer Fluss, faltbar |
| HS210FS | ab 70 € | 24,8 g je Drohne | keine | Zweier-Set, vier Akkus |
| Revell Go! Video Pro 2.0 | ab 75 € | 141 g | Full HD | Zwei-Achsen-Gimbal |
Angaben nach Herstellerdatenblättern. Die Preise sind Straßenpreise und schwanken im Wochenrhythmus.
Was der Preis technisch freischaltet

Vier Ausstattungsmerkmale liegen unter 100 Euro, GPS und bürstenlose Motoren strukturell darüber.
Die Klasse bis 100 Euro ist technisch klar umrissen. Vier Merkmale sind enthalten, zwei fehlen systematisch.
Enthalten ist die Höhenhaltung. Ein Luftdrucksensor misst die Höhe und hält sie, sobald der Gasknüppel losgelassen wird. Ohne dieses Merkmal wäre Fliegen für Anfänger eine ständige Korrekturarbeit an einer Achse, die keine Rückmeldung gibt. Alle fünf Modelle im Vergleich haben es.
Enthalten ist meist eine 1080p-Kamera. Sie sitzt fest am Rumpf oder auf einer einfachen Neigeverstellung. Jede Bewegung der Drohne landet im Bild.
Enthalten ist bei besseren Modellen der optische Fluss. Eine nach unten gerichtete Kamera vergleicht laufend Bodenbilder, erkennt daraus die Drift und gleicht sie aus. Für Innenräume ist das der wichtigste Helfer überhaupt, denn er verhindert das langsame Wegtreiben zur Wand hin. Die HS290 hat ihn.
Es fehlt GPS. Ohne Satellitenposition weiß die Drohne nicht, wo sie ist. Sie hält ihre Position im Freien nicht, driftet mit dem Wind und findet nicht allein zurück. Genau hier verschwinden die meisten günstigen Drohnen. Ein Rückkehrsystem gibt es in dieser Klasse nicht.
Es fehlen bürstenlose Motoren. Unter 100 Euro arbeiten praktisch alle Modelle mit Bürstenmotoren, bei denen eine Kohlebürste den Strom mechanisch überträgt und dabei abschleift. Nach einigen Betriebsstunden lässt der Schub nach. Ersatzmotoren kosten wenige Euro, der Wechsel ist Lötarbeit.
Die Modelle im Detail
Holy Stone HS210: der reine Lerntrainer
Mit 24,8 Gramm ist die HS210 so leicht, dass sie Kollisionen mit Wänden und Möbeln folgenlos übersteht. Der Verzicht auf die Kamera ist hier ein Vorteil: Ohne Sensor zur Datenerfassung fällt die Drohne aus der Registrierungspflicht heraus, und das Gewicht bleibt minimal. Die drei mitgelieferten Akkus ergeben zusammen rund zwanzig Minuten Flugzeit am Stück.
Für wen das passt: Wer zum ersten Mal zwei Steuerknüppel gleichzeitig bedient und dafür eine Wohnung statt eines Feldes nutzen will. Der Lerneffekt überträgt sich vollständig auf jede spätere Drohne.
HS420: Kamera im geschlossenen Käfig
Die HS420 wiegt 31 Gramm und umschließt ihre Propeller mit einem geschlossenen Schutzring. Das kostet etwas Effizienz und macht die Drohne im Gegenzug wohnungstauglich, auch in Räumen mit Vorhängen und Zimmerpflanzen. Die 1080p-Kamera liefert Material zum Üben von Kameraführung.
Der Punkt, den man kennen sollte: Mit Kamera gilt die Registrierungspflicht beim Luftfahrt-Bundesamt, unabhängig von den 31 Gramm. Die e-ID muss sichtbar auf der Drohne angebracht werden.
HS290: das beste Gesamtpaket der Klasse
Die HS290 ist mit 128 Gramm deutlich schwerer als die Mini-Modelle und kauft sich damit Stabilität. Entscheidend ist der optische Fluss: Die Drohne steht über dem Boden still, statt langsam wegzudriften. Zusammen mit der faltbaren Bauform und der 1080p-Kamera ergibt das die vollständigste Ausstattung unter 100 Euro.
Draußen bleibt sie trotzdem eine Schönwetterdrohne. Bei mehr als leichtem Wind fehlt ohne GPS die Kraft, die Position zu halten. Wie viel Wind eine Drohne verträgt, steht im Artikel zum Fliegen bei Wind.
HS210FS: zwei Drohnen für zwei Personen
Das Set enthält zwei Drohnen der HS210-Bauart und vier Akkus, dazu einen Infrarot-Duellmodus, bei dem sich beide gegenseitig treffen können. Als Geschenk für zwei Kinder oder für gemeinsames Üben ergibt das Sinn.
Wer allein fliegt und mehr Flugzeit sucht, fährt mit einem zusätzlichen Akkusatz für ein einzelnes Modell günstiger.
Revell Go! Video Pro 2.0: Gimbal an der Preisgrenze
Mit 141 Gramm und einem Zwei-Achsen-Gimbal bringt die Revell das Ausstattungsmerkmal mit, das sonst erst deutlich später auftaucht. Der Gimbal gleicht Nick- und Rollbewegungen mechanisch aus, wodurch die Full-HD-Aufnahmen merklich ruhiger werden als bei starr montierten Kameras.
Das ist der interessanteste Kompromiss der Klasse: Wer Video als Hauptzweck sieht und die 75 Euro ausgeben kann, bekommt hier die brauchbarsten Bilder. Wie stark ein Gimbal wirkt, erklärt der Artikel zur Drohne mit Gimbal.
Der Sprung auf 200 Euro: was er wirklich bringt
Viele Suchanfragen fragen nach 100 und 200 Euro im selben Atemzug. Die Antwort darauf ist ungewöhnlich eindeutig, weil zwischen beiden Marken die wichtigste Schwelle der ganzen Einsteigerklasse liegt.
| Merkmal | bis 100 € | 130 bis 190 € |
|---|---|---|
| Höhenhaltung | ja | ja |
| Optischer Fluss | teilweise | ja |
| GPS-Positionshaltung | nein | ja |
| Automatische Rückkehr | nein | ja |
| Bürstenlose Motoren | nein | ab rund 160 € |
| Kamera | 1080p | bis 4K |
| Startgewicht | 25 bis 141 g | 214 bis 249 g |
Konkret markieren drei Modelle diesen Bereich: die HS460 (ab 130 €) mit GPS-Rückkehr bei 214 Gramm, die HS360S (ab 153 €) mit 4K-Kamera unter 249 Gramm und die HS175D (ab 160 €) mit GPS und bürstenlosen Motoren.
Die Empfehlung daraus ist unbequem und ehrlich: Wer draußen fliegen will, sollte auf 150 Euro sparen statt 80 Euro auszugeben. Ohne GPS wird jeder Außenflug zur Konzentrationsübung, und die erste Drohne, die mit dem Wind über die Baumreihe zieht, kostet mehr als der Aufpreis. Wer drinnen bleibt, braucht den Sprung dagegen nicht: In der Wohnung hat GPS ohnehin keinen Empfang, dort arbeitet der optische Fluss.
Was rechtlich für Einsteigerdrohnen gilt
Die günstige Preisklasse ändert an den Pflichten nichts. Drei Punkte gelten ab der ersten Minute:
Registrierung, sobald die Drohne eine Kamera trägt oder mehr als 250 Gramm wiegt. Die Anmeldung erfolgt beim Luftfahrt-Bundesamt und ist in wenigen Minuten erledigt.
Haftpflichtversicherung, und zwar ausnahmslos. § 43 Luftverkehrsgesetz verlangt sie für jedes unbemannte Luftfahrtsystem, auch für die 40-Euro-Drohne. Ob die eigene Privathaftpflicht das abdeckt, klärt der Artikel zu den Drohnenversicherungs-Anbietern.
Kompetenznachweis A1/A3, sobald die Drohne über 250 Gramm wiegt. Darunter entfällt er formal, ist aber kostenlos zu haben und deckt genau das Wissen ab, das den ersten Bußgeldbescheid verhindert. Der Überblick steht im Artikel Brauche ich einen Drohnenführerschein?
Welche Drohne für welchen Zweck
Für den ersten Flug überhaupt, drinnen: Holy Stone HS210 ab 40 Euro. Ohne Kamera, ohne Registrierungspflicht, mit drei Akkus und robustem Propellerschutz.
Für Wohnung plus erste Videos: HS290 ab 63 Euro. Der optische Fluss macht sie zur stabilsten Indoor-Drohne der Auswahl, die 1080p-Kamera reicht zum Üben.
Für ruhigere Videos an der Preisgrenze: Revell Go! Video Pro 2.0 ab 75 Euro. Der Zwei-Achsen-Gimbal ist in dieser Klasse eine Ausnahme.
Für zwei Personen: HS210FS ab 70 Euro, zwei Drohnen und vier Akkus im Set.
Für Außenflüge: keins der fünf Modelle. Dafür beginnt die sinnvolle Klasse bei rund 130 Euro mit GPS, und wer noch etwas wartet, findet ab 300 Euro deutlich mehr Drohne.
Fazit: die Klasse kann genau eine Sache richtig gut
Drohnen bis 100 Euro sind Lerngeräte, und in dieser Rolle sind sie ausgezeichnet. Sie kosten wenig, verzeihen Fehler und trainieren die Steuerkoordination, die auf jeder späteren Drohne identisch funktioniert. Wer mit dieser Erwartung kauft, wird nicht enttäuscht.
Die Enttäuschung entsteht regelmäßig bei denen, die eine Außendrohne erwarten. Ohne GPS gibt es keine Positionshaltung, keine Rückkehrfunktion und keine Reserve bei Wind. Wer draußen filmen will, spart besser auf die Klasse ab 130 Euro und bekommt dort ein Gerät, das die Aufgabe tatsächlich erfüllt.
Häufige Fragen
Was leistet eine Drohne für Anfänger bis 100 Euro?
In dieser Klasse bekommst Du eine leichte Drohne mit Höhenhaltung über einen Luftdrucksensor, meist eine 1080p-Kamera und zwei bis vier Akkus. Was fehlt, ist GPS: Die Drohne kennt ihre Position nicht, hält sie bei Wind nicht und kehrt nicht selbstständig zurück. Für Innenräume und windstille Tage reicht das zum Lernen völlig aus.
Gibt es eine gute Drohne mit Kamera unter 100 Euro?
Kamera ja, Bildqualität mit klarer Grenze. Unter 100 Euro sind 1080p-Sensoren ohne mechanische Stabilisierung die Regel, einzelne Modelle bieten einen einfachen Zwei-Achsen-Gimbal. Die Aufnahmen taugen für Erinnerungsvideos und zum Üben von Kameraführung. Für Material, das im Netz neben anderen Drohnenaufnahmen bestehen soll, ist die Klasse zu schwach.
Reichen 50 Euro für eine erste Drohne?
Für den reinen Flugeinstieg ja. Um 40 Euro gibt es Indoor-Minidrohnen mit Höhenhaltung, Propellerschutz und mehreren Akkus, etwa die Holy Stone HS210 für rund 40 Euro. Sie wiegen unter 30 Gramm, verzeihen Kollisionen und trainieren genau das, was später zählt: die Koordination beider Steuerknüppel. Eine Kamera ist in dieser Preisstufe selten sinnvoll verbaut.
Ab wann lohnt sich der Sprung auf 200 Euro?
Sobald Du draußen fliegen willst. Zwischen 130 und 190 Euro kommen GPS mit automatischer Rückkehr und bürstenlose Motoren dazu, und beides verändert das Fliegen im Freien grundlegend. Die Drohne steht bei Wind still, findet allein zurück und die Motoren halten deutlich länger. Wer ausschließlich drinnen fliegt, braucht diesen Schritt nicht.
Braucht eine 60-Euro-Drohne mit Kamera eine Registrierung?
Ja, sobald sie eine Kamera trägt. Die Registrierungspflicht beim Luftfahrt-Bundesamt hängt bei Kameradrohnen am Sensor, der personenbezogene Daten erfassen kann, und gilt unabhängig vom Gewicht. Auch eine 31-Gramm-Drohne mit Kamera fällt darunter. Ausgenommen sind allein Spielzeugdrohnen im Sinne der Spielzeugrichtlinie.
Brauche ich für eine Einsteigerdrohne unter 100 Euro einen Drohnenführerschein?
Für Drohnen unter 250 Gramm ohne Sensor zur Datenerfassung entfällt der Kompetenznachweis. Trägt die Drohne eine Kamera, bleibt sie unter 250 Gramm zwar in der Unterkategorie A1, der EU-Kompetenznachweis A1/A3 wird aber empfohlen und ist kostenlos zu erwerben. Er dauert wenige Stunden online.
Warum halten die Motoren günstiger Drohnen so kurz?
Unter 100 Euro arbeiten fast alle Modelle mit Bürstenmotoren. Dort überträgt eine Kohlebürste den Strom mechanisch auf den Rotor und schleift dabei ab. Nach einigen Betriebsstunden lassen Schub und Drehzahl nach. Bürstenlose Motoren, die ab etwa 160 Euro verbaut werden, kennen diesen Verschleiß nicht und laufen ein Vielfaches länger.
Was ist optischer Fluss und warum ist er wichtiger als die Kamera?
Eine nach unten gerichtete Kamera vergleicht laufend Bodenbilder und erkennt daraus, ob die Drohne wegdriftet. Sie gleicht die Drift aus und lässt die Drohne über dem Boden stehen. Für Anfänger ist dieses Merkmal wertvoller als jede Bildauflösung, weil es die häufigste Absturzursache in Innenräumen entschärft.
Lohnt sich ein Zweier-Set mit zwei Drohnen?
Wenn zwei Personen zusammen fliegen wollen, ja. Sets wie die HS210FS enthalten zwei Drohnen und vier Akkus und ermöglichen Duell-Modi über Infrarot. Als Weg zu mehr Flugzeit für eine Person taugt das weniger, dort ist ein zusätzlicher Akkusatz für dasselbe Modell günstiger.